Von Aloxe-Corton bis Meursault
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Manchmal kann sich die eigene Wahrnehmung innerhalb weniger Stunden komplett verändern. Am Morgen frage ich mich noch, ob ein Pilger auf seinem Weg überhaupt wahrgenommen wird und was diese lange Reise eigentlich mit einem Menschen macht. Doch dann begegnen mir auf dem Weg durch Beaune und die Weinberge des Burgunds plötzlich genau jene Menschen, die mir Motivation und Freude schenken. Am Abend sitze ich außerhalb von Meursault an einem einsamen Platz mit grandioser Aussicht – und denke über Veränderung, innere Stärke und das Öffnen gegenüber dem Leben nach.
Zeit: 08:38 Uhr – Schon früh unterwegs nach Beaune 🌅
Es ist 08:38 Uhr.
Ich bin seit zwanzig vor acht wieder auf meinem persönlichen Weg nach Spanien in die wundervolle Stadt Santiago.
Am Morgen ist es schön frisch und richtig angenehm.
Jetzt verstehe ich erst, warum manche Profis um 5 Uhr starten.
Ab der Mittagshitze wird es nämlich ungemütlich, heiß, vergleichbar wie in einem heißen Kessel, in dem man unfreiwillig gegart wird.
Ich kaufe mir am Ortseingang von Beaune einen Kaffee und eine hoffentlich leckere Apfeltasche.
Ich will die Stadt schnell passieren und mich nicht zu lange hier aufhalten.
Umso länger man in einer Stadt bleibt, umso teurer wird es.
Darauf habe ich HEUTE keine Lust.
Aktuell ist mein Budget nicht sonderlich dafür ausgelegt.
Alles, was ich habe, liegt derzeit sicher verwahrt und angelegt.
Es ist viel zu früh, um vom Reservekonto etwas abzuheben.
Ich möchte bis Dezember mindestens warten.
Die Nacht selbst war gut, viel besser als die Nacht zuvor.
Ich bin deutlich besser erholt, was mich schon mal sehr positiv für den Tag stimmt. 🤗 Es gibt demnach Hoffnung.
Zeit: 09:37 Uhr – Was verändert eine Pilgerung?
Ich setze mich für einen Moment in den Schatten, der von umliegenden Gebäuden projiziert wird.
Ich fasse ein kleines Resümee zusammen.
Mein Eindruck von der bisherigen Reise, oder auch Pilgerung genannt, ist, dass man nicht unbedingt gefeiert wird – z. B. wie ein Rockstar.
Ich wusste zwar nicht, was mich erwartet oder wie die Pilgerung verlaufen wird, aber was ich hiermit sagen möchte, ist:
Man wird nicht mit offenen Armen oder einer gewaltigen Herzensliebe überschüttet.
Habe ich mir das vielleicht nur gewünscht?
Weiß nicht, vielleicht.
Also, aber das vernehme ich nicht.
Hier und da gibt es von manch einem eine Art der Zustimmung und Lob oder Bewunderung für diese Mission
Das gibt es wirklich.
Aber, alles in Grenzen.
Jawohl.
Und nicht selten, wenn man grüßt, die Hand als Zeichen des Grußes hebt, so kann es sein, dass man sogar nicht mal beachtet wird.
Nach dem Motto:
Den Typen kenne ich nicht, also grüße ich auch nicht!
Punkt. Wie in Deutschland
Es ist von Mal zu Mal aber unterschiedlich.
Wenn man nach Wasser fragt, so funktioniert es.
Ohne Widerrede und ohne Ablehnung 😊
In diesem Fall wird einem Bedürftigen geholfen.
Was will man eigentlich mehr?
Das Leben nach der Pilgerung plötzlich verändert🤔
Vorgestern habe ich ein interessantes Gespräch mit einem Einheimischen Franzosen vor Ort gehabt. Der erzählte mir auf Englisch, er hätte letztes Jahr ein Stück des Weges gemacht, 200 km von Le Puy-en-Velay aus, und das hätte sein Leben sprichwörtlich vollkommen verändert.
Entweder ist mein Leben JETZT schon zu gut, oder was kann sich bei mir noch komplett ändern?
Nach 2.400 km?
Ich mich selbst?
Ich denke mal, ich transformiere mich in eine völlig neue Kreatur?
Kann das passieren?
Ich denke wahrscheinlich nicht.
Man kann auch übertreiben, dass es sein Leben komplett verändert.
Aber wer weiß das schon genau, was sich da im Leben danach verändert?
Es soll ja alles Mögliche geben im Leben.
Vielleicht habe ich mich auch schon komplett verändert, ohne es zu merken? Vielleicht habe ich mich schon zu einem Schmetterling transformiert und fliege bereits nach Santiago?
Ich denke aber, dass die große Veränderung damit einhergeht, dass man neue Kraft und Zuversicht für sein Leben gewinnt.
Dem Leben möglicherweise eine neue Ausrichtung nach der Pilgerung geben kann, die einen von ihnen heraus weiterträgt.
Oder schon währenddessen?
Zum Beispiel in beruflicher Hinsicht. Zuversicht
Oder plötzlich feststellt, dass, wenn man sich ein Ziel setzt und es auch anpackt, es erreicht, sofern man dranbleibt.
Also die Entwicklung der inneren Stärke sehe ich auf einen zukommen, die sich durch den Weg entwickelt.
Vielleicht noch viel mehr – von dem ich aktuell noch nichts weiß.
Weil ich ja gerade noch auf dem Weg bin!
Aber vielleicht tut sich auch rein gar nichts!!!
Weil mir später im Laufe des Tages einer begegnet ist, der sagte, da passiert überhaupt rein gar nichts. Alles bleibt beim Alten.
Also, die Meinungen gehen komplett in unterschiedliche Richtungen.
So viel mal dazu. 🥴
Zeit: 11:42 Uhr – Die Weinlese ist in vollem Gange 🍇
Ich bin raus aus der Stadt Beaune – seit ungefähr 45 Minuten.
HEUTE werden die Trauben auf breiter Front geerntet.
Vermehrt sehe ich Erntehelfer und Maschinen im Einsatz.
Die Stimmung ist fröhlich, heiter.
Die Erntehelfer sind gut gelaunt.
Die Sonne brütet auch HEUTE weiterhin unaufhaltsam.
Noch 379 km bis Le Puy. 🚀
Zeit: 14:12 Uhr – Angekommen in Meursault 💪
Ich bin in Meursault.
Hier kaufe ich mir eine kalte Cola.
Bei der Hitze eine absolute Genugtuung.
Ich ruhe mich etwas im Schatten aus und überlege gerade, wie weit ich eigentlich noch gehen möchte.
Viel möchte ich nicht mehr gehen.
Das steht für mich fest.
Mir reicht es persönlich völlig aus für HEUTE.
20.813 Schritte sind das derzeit. 😖
Zeit: 16:46 Uhr – Manchmal dreht sich alles ins Gegenteil
Ich bin an meiner Destination.
Nicht weit von Meursault.
Hier BLEIBE ich.
Ich habe eine grandiose Aussicht und es ist kein Mensch weit und breit.
Ich muss einige Punkte revidieren von heute Morgen.
Es gab gerade heute doch einige, die es gefeiert haben.
Den Weg, den ich mache.
Man merkt es nicht sofort, rückblickend aber sind es nicht wenige.
Es gibt sie. Die Menschen, die es feiern.
Aber man wird nicht mit Produkten wie mit warmer Muttermilch, Keksen oder Pfannkuchen überschüttet.
Das wäre auch mal was.
Hehe.
Verschiedene Arten von Produkten, Geld, samt Frau und Kindern.
Alles den Pilgern hinterhergeworfen.
Wer was oder jemanden nicht mehr braucht, gibt es einfach ab.
Dem Pilger. 😁
Ich habe heute mit ein paar Kanadiern gesprochen.
Nette Leute, das muss ich schon sagen.
Sie baten mich, ein Foto von ihnen zu machen, und so kamen wir ins Gespräch, ins Kennenlernen.
Ich bekam noch ein Vesperle mit auf den Weg.
Wirklich nett war das.
Ne, also heute gab es richtig viele Leute über den Tag, die mich motiviert haben, meine Stimmung angehoben haben.
Entweder sah ich den Daumen nach oben oder vermehrt hat man sich mit dem typischen „Bonjour“ gegrüßt.
Das war richtig schön.
Ohne Widerrede!
Hin und da gab es mal ein kurzes Gespräch.
Tipptopp.
Gerade dann, wenn man dachte, alles sei beschissen, drehte sich überraschend alles dann doch ins Gegenteil.
Eine verrückte Sache, eine verrückte Wahrnehmung … 😁
Weil, wenn das nicht wäre, dann würde irgendwie was komplett falsch laufen auf meiner ganz privaten Pilgerreise.
„Sesam Öffne dich und zeig mir, was ich aktuell nicht sehe“
Es geht ja ums Sich-selbst-Öffnen.
Dem Leben und dem JETZT sich hinzugeben.
Bereit sein, was einem über den Weg läuft, empfangen zu können.
Was auch immer das ist.
Die Transformation vom sich verschließenden Wesen, in welchem Bezug auch immer, zum sich öffnenden Wesen.
Das ist ein ganz individuelles Ding und von Person zu Person unterschiedlich.
Denn JEDER von uns hat seine ganz individuellen Baustellen, Blockaden.
Das gilt es auf dem Weg zu erfahren und sie hoffentlich aufzulösen.
Die Sprengung, die Auflösung seines Ichs, seiner Matrix, in der man gefangen ist, seiner Verstrickungen oder seiner negativen Glaubenssätze?
BOOM.
UND dann …
Hat er sie erfahren?
Die Erfahrung.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 56 |
|---|---|
| Start | Aloxe-Corton |
| Tagesende | außerhalb von Meursault |
| Unterwegs | Beaune |
| Schritte | 25.180 |
| Übernachtung | Wildcamping |
| Ausgaben | 21,44 € |
| Distanz bis Le Puy | 379 km |
| Wetter | Morgens angenehm, später große Hitze |
| Besonderheit | Weinlese in den Weinbergen |
| Begegnung | Gespräch mit Kanadiern & Vesperle geschenkt bekommen |
| Thema des Tages | Veränderung, Wahrnehmung und innere Stärke |
Fazit des Tages
Der 56. Tag auf meinem Jakobsweg war für mich vor allem ein Tag der Gedanken – und ein Tag, an dem sich meine eigene Wahrnehmung innerhalb weniger Stunden verändert hat.
Am Morgen saß ich noch da und fragte mich, ob man als Pilger überhaupt besonders wahrgenommen wird. Wird der Weg von anderen Menschen anerkannt? Verändert eine solche Pilgerung tatsächlich das Leben? Oder passiert am Ende vielleicht überhaupt nichts?
Dann ging ich weiter.
Und plötzlich waren sie da: die freundlichen Grüße, die erhobenen Daumen, kurze Gespräche und schließlich die Kanadier, mit denen ich ins Gespräch kam und von denen ich sogar ein Vesperle mit auf den Weg bekam.
Gerade als ich dachte, alles sei beschissen, zeigte sich mir der Tag von einer ganz anderen Seite.
Vielleicht lag genau darin eine kleine Antwort auf meine Gedanken vom Morgen.
Nicht unbedingt darin, dass sich nach 2.400 Kilometern plötzlich alles verändert. Sondern vielleicht darin, wahrzunehmen, was unterwegs geschieht – sich dem Leben und dem JETZT zu öffnen und zu schauen, was daraus entsteht.
Am Ende des Tages fand ich außerhalb von Meursault wieder einen einsamen Platz mit grandioser Aussicht.
25.180 Schritte. Noch 379 Kilometer bis Le Puy. Und vielleicht wieder ein kleines Stück mehr Erfahrung. 🌟🥾
Buen Camino
Bilder des Tages📸
Die Bilder des Tages zeigen wieder die unterschiedlichen Facetten meines Weges – von der Passage durch Beaune über die weiten Landschaften und zahlreichen Weinberge des Burgunds bis hin zu meinem ruhigen Plätzchen in der Natur, an dem ich schließlich mein Lager für die Nacht fand.
















Am Abend, kurz noch mal Wasser holen gehen im Dorf 🚰
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Eine Antwort auf „56. Tag auf dem Jakobsweg – Etappe von Aloxe Corton bis Meursault 🌟“
Den Menschen fehlt die Anerkennung und die Liebe, weil die Welt liegt in Erger. Darum trifft man, solche und solche. Die Begrüßung – bedeutet, daß du einen von guten Menschen getroffen hast, aber die andere sind besorgt und gefangen und sind NICHT in der Lage die Liebe durch sich auszustrahlen und weiter zu leiten.
Gott verändert die Menschen, aber die Menschen merken es nicht!
Die Andere werden es sehen und dir sagen.
Jeder Atemzug ist Gottes Liebe und die Meisten, merken die Liebe (leider) NICHT,merken nicht, wie Gott nahe zur jedem ist.
Ließ mal gelegentlich den Psalm 22(23)
Wir wünschen dir eine gute Reise (Wanderung) mit dem HERRN.