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Mein Jakobsweg 2023-2024

57. Tag auf dem Jakobsweg – im geheimen Campinglager 🏕️

Im geheimen Campinglager

🌄 Dieser Tag auf meinem Weg

Heute heißt Pilgern einmal nicht weiterlaufen, sondern bleiben. Mein abgelegener Platz oberhalb von Meursault ist einfach zu schön, um ihn schon wieder zu verlassen – und nach den vielen Kilometern der vergangenen Tage brauche ich eine Pause. Während unten im Tal die Weinlese in vollem Gange ist, genieße ich die Ruhe und denke über meinen bisherigen Weg, Begegnungen der vergangenen Tage und eine Frage nach, die mich besonders beschäftigt: Wie weit muss ich noch gehen, bis sich mein Herz wirklich öffnet?

Zeit: 11:32 Uhr – Ich komme einfach nicht weg von hier

Es ist 11:32 Uhr am Morgen.

Ich bin immer noch in Meursault auf einem abgelegenen und geheimen Platz mit einer traumhaften Aussicht.

Alles komplett kostenlos!

Ich komme nicht weg von hier.

Es fällt mir schwer, den Platz auf der Hochebene zu verlassen. Gerade weil es so schön ist und sich hier niemand – außer mir – aufhält. 🤗

Und ich brauche eine Pause.

Ich höre nur die Fahrzeuge weiter unter mir, die Traktoren, die umherfahren.

Arbeiten.

Den Wein abtransportieren.

Die Trauben einsammeln.

Weil ja gerade die Ernte stattfindet, gibt es eine Menge zu tun – für die Ansässigen hier im Ort.

Die letzten Tage bin ich viel gelaufen, wenn ich so Revue passieren lasse. 🤔

Es gab schon lange keinen Tag mehr, an dem ich mal zwei Tage an einem Platz blieb.

Ich bin seit dem Liverdun-Campingplatz, vor Toul, einfach nur noch durchmarschiert, wie eine Maschine, glaube ich.

Ich kann mich aktuell nicht entsinnen, dass ich irgendwo länger blieb.

Ähm, stimmt nicht so ganz, fällt mir gerade ein.

Der letzte Ort, an dem ich zwei Tage blieb, war Domrémy. 🥴

Zeit: 18:07 Uhr – Ein Tag zum Nachdenken

Ich bin runter zum Dorf gegangen und habe mir etwas Wasser aufgefüllt.

Die Stimmung hier ist heiter.

Ich sehe einige Leute – bestimmt die Erntehelfer –, die auf der Wiese gemütlich sitzen und vielleicht das eine oder andere Weinglas oder ein kühles Blondes trinken.

Ich kaufe mir eine Cola und ein Heineken-Bier für unterwegs zum Lager.

Ehrlich gesagt, ich geselle mich nicht zu den Jungen, weil ich mich fremd fühle.

Mein Herz ist einfach nicht genug geöffnet, bemerke ich.

Das bedeutet, ich muss weiterlaufen, bis es sich öffnet.

Bis ich verstanden habe, wie es funktioniert.

Davor werde ich nicht zurückkehren, auch wenn ich ab jetzt für immer – ein Leben lang – unterwegs sein soll.

Eine Begegnung, die ich noch gar nicht erwähnt hatte

Wenn ich weiterhin Revue passieren darf, so habe ich – das habe ich vergessen zu erwähnen – vor einigen Tagen in Nuits-Saint-Georges mit ein paar Ukrainern ein kurzes Gespräch auf Russisch gehabt.

Welch eine Freude das war, kann man nicht mit Worten umschreiben.

Das ist immer wieder mal schön, gerade wenn man es am wenigsten erwartet.

Die haben sich natürlich voll gewundert.

Ich natürlich auch!

Was denn hier ein Russischsprechender und dann noch zu Fuß – welch ein Highlight – in Frankreich machen würde.

Ich glaube, die wenigsten Russen oder vielleicht sogar gar keine Russen machen solche Art von Touren.

Ist mir zumindest nichts bekannt, was aber nichts bedeuten muss.

Sie dachten, weil ich sagte, dass ich aus Estland stamme, ich sei zu Fuß aus dem Land unterwegs!

Das wäre was. Boah.

Die fanden das Projekt, was ich tue, gewaltig.

Ich sagte nur, ich bin nicht der Erste, der zu Fuß durch Frankreich unterwegs ist.

Da gibt es Tausende pro Jahr, die nach Santiago unterwegs sind.

Das war eine wahrhaft wirklich schöne Begegnung, diesmal auf Russisch, das muss ich schon sagen.

Die beiden sind Lastwagenfahrer und waren dabei, Wein abzuholen, der in die Schweiz transportiert werden sollte.

Ich fragte, wie es denn nun da derzeit ausschaut mit der Ukraine.

Gibt’s da mal bald Frieden?

Sie sagten, da wird weiterhin alles von den Russen bombardiert und plattgemacht.

Bald ist nichts mehr übrig zum Bombardieren.

Für mich unbegreiflich und völlig unverständlich, was da vor sich geht.

Ich verstehe das nicht.

Derzeit ist es heiß.

Ich sitze auf den Steinen und gehe gleich hoch in mein abgelegenes Lager.

34 Grad zeigt mir das Handy an.

Einfach nur verrückt 😖, wie heiß es sein kann.

Kein Wunder, warum in diesem Breitengrad so viel Wein angebaut wird.

Tagesbilanz

KategorieTag 57
OrtMeursault
EtappeRuhetag
Schritte„Nicht der Rede wert“ 😐
ÜbernachtungWildcamping
Ausgaben3,32 €
Temperaturbis ca. 34 °C
UmgebungWeinberge & laufende Weinlese
Besonderheitzweiter Tag am geheimen Lager
RückblickBegegnung mit Ukrainern in Nuits-Saint-Georges
Gedanken des Tagesinnere Offenheit & persönliche Entwicklung

Fazit des Tages

Der 57. Tag auf meinem Jakobsweg war kein Tag der großen Kilometer.

Und vielleicht brauchte es die heute auch gar nicht.

Nach vielen Tagen, an denen ich gefühlt wie eine Maschine immer weitergelaufen war, blieb ich einfach dort, wo es mir gefiel. Auf meiner Hochebene bei Meursault, mit einer traumhaften Aussicht und niemandem weit und breit.

Unten ging das Leben weiter. Traktoren fuhren durch die Weinberge, die Trauben wurden geerntet und die Erntehelfer saßen später gemeinsam auf der Wiese.

Ich dagegen blieb für mich.

Und genau das brachte mich zum Nachdenken.

Warum geselle ich mich nicht einfach dazu? Warum fühle ich mich fremd? Und was bedeutet es eigentlich, sein Herz zu öffnen?

Für mich war damals klar: Mein Weg war noch nicht beendet. Vielleicht gab es noch etwas zu verstehen und zu erfahren.

Gleichzeitig erinnerte ich mich an die Begegnung mit den beiden Ukrainern in Nuits-Saint-Georges. Mitten in Frankreich plötzlich ein Gespräch auf Russisch zu führen, hatte mich richtig gefreut. Wieder so eine Begegnung, mit der man überhaupt nicht rechnet.

Vielleicht gehört auch genau das zum Pilgern:

Nicht jeder Tag muss einen weiter über die Landkarte bringen. Manche Tage führen einen ein Stück weiter zu sich selbst. 🏕️🌟

Buen Camino


Bilder des Tages📸

Die Bilder des Tages zeigen vor allem die Ruhe meines kleinen geheimen Lagers bei Meursault und die wunderschöne Landschaft ringsherum – weite Ausblicke, Weinberge und stille Momente an einem Platz, an dem ich mich so wohlfühlte, dass ich einfach noch einen weiteren Tag bleiben wollte.

Am MORGEN im Lager 👁️

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