Wie eine unerwartete Begegnung mein Leben veränderte😲
Es gibt Momente auf dem Jakobsweg, mit denen man niemals rechnet. Man läuft Tag für Tag seinen eigenen Weg, trifft unzählige Menschen und verabschiedet sich wieder. Genau deshalb hätte ich niemals erwartet, dass ausgerechnet in den letzten Tagen vor Santiago eine Begegnung entstehen würde, die mein Leben nachhaltig verändern sollte.
Dabei begann alles an einem Tag, an dem ich eigentlich traurig war.
Die letzten Tage vor Santiago 😒
Ich war in Palas de Rei gestartet und wusste innerlich, dass sich meine Pilgerreise langsam dem Ende näherte.
Obwohl ich auf diesem Jakobsweg 2026 insgesamt nur einige Wochen unterwegs war, hatte mich der Camino wieder vollständig in seinen Bann gezogen. Je näher Santiago rückte, desto mehr machte sich in mir eine gewisse Wehmut breit.
Ich wusste, dass diese besondere Zeit bald zu Ende gehen würde.
Es regnete leicht.
Ich setzte mich etwas abseits auf eine Bank und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Während ich dort saß, huschte plötzlich eine Gestalt in einem schwarzen Regenponcho an mir vorbei.
Im ersten Moment erinnerte sie mich fast an Zorro.

Ich nahm sie zwar wahr, dachte mir aber nichts weiter dabei. Es war einfach ein weiterer Pilger auf dem Camino.
Zumindest glaubte ich das.
Unsere erste Begegnung
Nachdem ich meine Pause beendet hatte und mich innerlich etwas aufgebaut hatte, setzte ich meinen Weg fort.
Ich hätte niemals gedacht, dieser unbekannten Person im schwarzen Umhang noch einmal zu begegnen.
Doch nach einiger Zeit liefen wir uns wieder über den Weg.
Ich kannte das schon vom ersten Camino 2023. Menschen, die sich begegnen sollen, kann man nicht davonrennen. Man kann sich vor Ihnen auch nicht verstecken. Egal, was man tun würde, es würde nur bedeuten, dass man vor sich selbst davonrennt. Aber warum sollte man das tun.
Warum sollte man von sich selbst wegrennen?
Lieber ist es, sich dem zu stellen und nicht davonzurennen. Eigentlich ist jede Begegnung eine Begegnung mit sich selbst. Mit einem Anteil von dir selbst.
Also stellt man sich dem. Das Schicksal, man kann es auch so sagen, Gott, hat sie (die Person) dir auf dem Weg geschickt.
Die Gründe dazu können vielfältig sein.
Ich sprach sie also auf Englisch an und fragte, woher sie kommt und wie sie heißen würde. Schnell stellte sich heraus, dass Englisch für sie nicht besonders einfach war. Also wechselte ich ins Spanische.
Mein Spanisch war zu diesem Zeitpunkt noch alles andere als perfekt. Dennoch hatte ich auf dem Jakobsweg bereits genug gelernt und praktiziert, um einfache Gespräche führen zu können.
Alles, was ich in den vergangenen Wochen unterwegs geübt hatte, konnte ich problemlos anwenden. Es reichte zumindest, um sich zu verstehen und sich im einfachen Spanisch zu unterhalten.
Wenn mir Wörter fehlten, half mir das Smartphone beim Übersetzen.
Trotz aller sprachlichen Unterschiede verstanden wir uns erstaunlich gut und hatten gefühlt Sympathie füreinander.

Gemeinsam durch den Regen 🌧️
Eigentlich hatte ich geplant, in Melide eine längere Pause einzulegen. Es regnete an diesem Tag fast ununterbrochen, und ich hatte keinerlei Eile, möglichst schnell in Santiago anzukommen.
Für mich stand die Möglichkeit im Raum: Ich würde hier in Meldide eventuell einkehren, essen und den Regen abwarten.
Natürlich hätte sie jederzeit weiterlaufen können. Auf dem Jakobsweg passiert genau das ständig. Man läuft ein Stück gemeinsam und irgendwann entscheidet sich jeder für sein eigenes Tempo oder seine eigene Unterkunft.
Umso mehr freute ich mich, als sie sich entschied, ebenfalls mit mir eine Pause einzulegen. Das zeigte mir etwas, dass sie anders ist. Dass wir eine unerklärliche Bindung zueinander in dieser kurzen Zeit gefühlt haben.
Dennoch war ich mir natürlich nicht sicher. Aber allein diese Geste hat mich innerlich berührt und mich gefreut.

Wir aßen zusammen, unterhielten uns, teilten das Essen. Ich bestellte einen Kaffee und einen Käsekuchen. Sie bestellte sich ein Bier und Pommes und später ein Dessert.
Ich entschloss mich, gestärkt nach dem Essen und der kleinen Pause gemeinsam mit ihr nach Arzua weiterzulaufen.
Rückblickend war genau diese Entscheidung wahrscheinlich einer der wichtigsten Momente unserer Begegnung.
Normalerweise geht JEDER seinen eigenen Weg
In Arzúa und voller Freude, endlich angekommen zu sein, trennten sich unsere Wege zunächst wieder. Obwohl niemand von uns beiden es ausgesprochen hat, wollten wir nämlich insgeheim nur eins:
Eine warme Dusche und einfach etwas Ruhe. Der Tag war lang genug und voller Regen. Wir wollten einfach nur ins Warme.
Sie hatte ihre Hotels bereits vorgebucht.
Ich dagegen entschied mich wie immer einfach spontan, wo ich übernachte. Aber normalerweise und wenn verfügbar war meine erste Wahl die öffentliche Herberge. Die sind günstig und kosten hier in Galicien nicht mehr als 10 Euro.
Am nächsten Tag, dem 10. Februar, war ihr Geburtstag.
An ihrem Geburtstag, sah ich Lydia aber nicht mehr und dachte bereits, unsere Begegnung wäre vorbei, wäre ja nichts Neues auf dem Camino.
Da wir Nummern ausgetauscht hatten, habe ich ihr am Morgen noch zu ihrem Geburtstag gratuliert und alles Beste gewünscht und natürlich einen schönen Tag. Ich dachte für mich nur: Wenn sie mich wirklich mag, kann sie sich gerne melden, ansonsten ist es auch okay.
Verzweifelt in O Pedrouzo
In O Pedrouzo suchte ich lange nach meiner Herberge und war kurz davor, einfach weiterzulaufen. Erst durch die Hilfe eines Einheimischen fand ich schließlich doch noch den richtigen Weg zur Herberge.
Später stellte sich heraus, dass Lydia ebenfalls in O. Pdrouzo übernachtete.
Sie hatte mir sogar noch am Abend geschrieben und mich auf ein Glas Wein zu sich ins Hotel eingeladen.🍷
Leider hatte ich die Nachricht viel zu spät gelesen, deswegen haben wir uns nicht getroffen oder gesehen. Die Türen der öffentlichen Herbergen schließen nämlich um 22 Uhr abends. Das bedeutet, wenn ich rausgehen würde, so könnte ich nicht mehr reinkommen.
Im Nachhinein war es sicherlich besser so. Wer weiß, was da am Abend noch passiert wäre oder ob uns das persönlich weitergebracht hätte.
Also verabredeten wir uns stattdessen für den nächsten Morgen.
Gemeinsam nach Santiago de Compostela🧑🤝🧑
Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück in der umliegenden Bäckerei von O. Pedruzo. Ich frühstückte fertig. Lydia hatte schon im Hotel was gefrühstückt.
Von O. Pedruzo liefen wir gemeinsam die letzten Kilometer in nicht enden wollendem strömenden Regen bis nach Santiago de Compostela.
Wir redeten im strömenden Regen. Wir lachten im strömenden Regen, wir teilten unser Leid im strömenden Regen:
🧑🤝🧑 alles zusammen auf Spanisch.
📲 Manchmal mit Hilfe des Smartphones.
👀 Manchmal reichten auch einfach Blicke.
Ich merkte bereits unterwegs, dass zwischen uns etwas Besonderes bestand. Ich spürte etwas, was ich nicht erklären konnte. Eine magnetische Anziehung. War es reine fiktive Einbildung? Eigentlich spürte ich ja schon am ersten Tag unserer Begegnung am 09. Februar etwas Anziehendes.
Es war schwer zu beschreiben.
Aber ich spürte, dass diese Begegnung anders war als alle anderen zuvor.
Unterwegs mussten wir sogar eine überflutete Stelle überwinden. Für einen kurzen Moment überlegte ich ernsthaft, sie einfach auf den Arm zu nehmen und hinüberzutragen.
Allein dieser Gedanke zeigte mir schon, wie wichtig sie mir in dieser kurzen Zeit geworden war.
Unsere Ankunft in Santiago im strömenden Regen

Nachdem wir gemeinsam in Santiago völlig durchnässt angekommen waren und jeder zunächst seine Unterkunft bezogen hatte, verabredeten wir uns für den Abend wieder. Wir wollten gemeinsam die Pilgermesse in der Kathedrale besuchen und anschließend etwas essen gehen.

Wir trafen uns auf dem großen Platz vor der Kathedrale von Santiago de Compostela – genau dort, wo sich jeden Tag unzählige Pilger nach ihrer Ankunft begegnen. Obwohl wir uns erst wenige Stunden zuvor verabschiedet hatten, freuten wir uns beide ehrlich, uns wiederzusehen. Es fühlte sich an, als hätten wir uns viel länger nicht gesehen.
Als wir uns begrüßten, gaben wir uns unseren ersten zarten Kuss auf den Mund. Es war ein kleiner Moment, aber einer, an den ich mich bis heute gerne erinnere. Sie sah wunderschön aus, und ich freute mich einfach, sie wieder strahlend an meiner Seite zu haben.
Gemeinsame Messe 💒
Gemeinsam gingen wir anschließend zur abendlichen Messe, die täglich stattgefunden hat für Pilger und alle anderen.
Ich beobachtete Lydia während des Gottesdienstes und war beeindruckt, mit welcher Aufrichtigkeit sie die spanischen Gebete mitsprach. Für mich war das etwas ganz Besonderes. Mein Spanisch reichte längst nicht aus, um der Messe vollständig folgen zu können.
Nach dem Gottesdienst nahmen wir uns Zeit, die beeindruckende Kathedrale zu erkunden. Wir besuchten auch den Bereich rund um das Grab des Apostels Jakobus. Damals wusste ich über die Geschichte des Jakobswegs noch vergleichsweise wenig.
Erst einige Monate später, nach dem Jakobsweg selbst, begann ich aus völlig anderen Gründen, mich mit der Ausarbeitung meiner bestehenden Webseite intensiver zu beschäftigen und mit der Geschichte rund um den Jakobsweg und seiner Bedeutung auseinanderzusetzen.
Aus dieser Faszination zur Geschichte und meinen bisherigen Pilgererfahrungen aus dem Jahr 2023 auf dem Weg entstand schließlich auch dieser Jakobsweg-Guide auf meiner Webseite.
Ein gemeinsamer Abend 🌆🍴
Nach dem Gottesdienst trafen wir uns mit Álvaro, einem mexikanischen Pilger, den sie bereits einige Tage zuvor kennengelernt hatte. Gemeinsam gingen wir essen und verbrachten einen entspannten Abend in einem schönen Restaurant.

Da Álvaro sehr gut Englisch sprach, konnten wir uns problemlos unterhalten. Mal wurde Englisch gesprochen, mal Spanisch. Es war ein schöner Abschluss dieses besonderen Tages, geprägt von vielen Gesprächen und einer angenehmen, lockeren Atmosphäre.
Später begleitete ich sie zu ihrem Hotel.
Unterwegs unterhielten wir uns weiter, und als wir schließlich vor dem Eingang standen, fiel uns der Abschied schwer.
Wir umarmten uns und küssten uns lange. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen die Zeit für einen Augenblick stehen zu bleiben scheint. Ich spürte deutlich, dass wir beide den Augenblick noch etwas länger genießen wollten. Gleichzeitig wussten wir beide, dass sie bereits am nächsten Tag abreisen musste und es uns nur beide unnötig strapazieren würde, auch wenn es sicherlich schön wäre.
Ein wehmütiger Abschied stand bevor 😒
Rückblickend bin ich jedoch froh, dass wir uns damit diese Zeit gelassen haben. Unsere Beziehung entwickelte sich Schritt für Schritt – ohne etwas zu überstürzen. Gerade das macht diese Erinnerung für mich heute so besonders. 🪄
Der Abschied fiel uns zwar nicht leicht, doch waren wir gleichzeitig aus unergründlichen Gründen voller Zuversicht. Irgendetwas sagte mir, dass dies nicht unbedingt das Ende unserer Geschichte sein würde.
Ich ging anschließend zurück zu meiner Unterkunft und schlief in dieser Nacht außergewöhnlich gut. In den folgenden zwei Tagen blieb ich noch in Santiago, während sie bereits ihre geplante Reise nach Madrid antrat.
Doch unser Kontakt riss nicht ab.
Ganz im Gegenteil.
Von diesem Zeitpunkt an schrieben wir uns regelmäßig – und aus einer zufälligen Begegnung auf dem Jakobsweg entwickelte sich Schritt für Schritt die Beziehung, die wir heute führen.
Aus einer Begegnung wurde Liebe 💌
Wie gesagt, auch nach Santiago riss unser Kontakt nicht ab.
Ganz im Gegenteil. Er wuchs von Tag zu Tag. Zuerst schrieben wir reine Textnachrichten und später irgendwann telefonierten wir sogar mit Video.
Je mehr wir miteinander schrieben und später dann videotelefonierten, desto mehr Gemeinsamkeiten entdeckten wir. Wir schrieben uns täglich, telefonierten und lernten uns immer besser kennen. Mit gefühlt jeder Woche wurde deutlicher, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben und wie gut wir zueinander passen. Auch meine Spanischkenntnisse erweiterten sich von Woche zu Woche, was mich auch sehr erfreute.
Wir beide beschäftigen uns….
🧑🎓 mit persönlicher Weiterentwicklung.
🏃 Wir treiben beide regelmäßig Sport.
🗺️️ Wir reisen gerne oder sind offen für Reisen
🎯 Wir verfolgen Ziele.
Und zu meiner Überraschung stellte sich sogar heraus, dass auch sie ein Vision Board besitzt. Ich war wirklich fasziniert.
Konnte das wirklich Wirklichkeit sein oder ist es einfach nur ein Traum, den ich gerade träume?
„Mit der Zeit wurde mir immer mehr bewusst, wie viele Eigenschaften sie hatte, die ich mir Monate zuvor für meine zukünftige Partnerin gewünscht hatte.“
Damals hatte ich mir eine persönliche Wunschliste geschrieben.
Darauf standen keine Namen und kein Herkunftsland. Es ging mir nie darum, aus welchem Land meine zukünftige Partnerin kommen sollte.
Viel wichtiger waren mir Werte.
- Herzlichkeit.
- Ehrlichkeit.
- sportlich aktiv
- Reiselust.
- Offenheit.
- Gemeinsame Ziele.
- Gemeinsame Wünsche
Als ich diese Liste später noch einmal las, staunte ich selbst.
Ein Großteil davon passte erstaunlich gut zu ihr.🤯
Unsere gemeinsame Zukunft 🔮
Am 21. April machten wir unsere Beziehung schließlich offiziell.
Natürlich waren wir schon vorher jeden Tag miteinander in Kontakt.
Dieser Tag war für uns einfach der Moment, an dem wir bewusst entschieden haben: Ab heute sind wir offiziell ein Paar.
Seitdem begleiten wir uns jeden Tag durch unseren Alltag – trotz der großen Entfernung.
Ende des Jahres werde ich nach Monterrey in Mexiko fliegen, wo wir mehrere Monate gemeinsam verbringen möchten.
Neben gemeinsamen Reisen möchte ich dort auch ortsunabhängig arbeiten und diesen neuen Lebensabschnitt gemeinsam mit ihr beginnen.
Mein persönliches Fazit
Der Jakobsweg 2026 hat mir viele wertvolle Erfahrungen geschenkt.
Mit keiner davon hatte ich wirklich gerechnet. Man sagt, dass jeder Jakobsweg ein anderer Weg ist, obwohl er der selbe ist. Der Weg ist zwar ein anderer, aber die Erfahrungen sind andere.
Schon gar nicht damit, dort meiner heutigen wunderschönen Partnerin Lydia aus Mexiko zu begegnen.
Meine Wunschliste allein hat diese Begegnung sicherlich nicht herbeigeführt. Aber wer weiß das schon? Vielleicht doch?
Aber sie hat mir geholfen, mir darüber klar zu werden, welche Werte und Eigenschaften mir in einer Beziehung wirklich wichtig sind.
Vielleicht war genau das der entscheidende Punkt.
Der Jakobsweg zeigt immer wieder, dass die schönsten Dinge oft dann entstehen, wenn man sie nicht erzwingen will.
Manchmal genügt eine einzige unerwartete Begegnung.
Und plötzlich verändert sich das Leben.
Buen Camino
Warum ein wenig Spanisch zu sprechen sich immer lohnt 🏆
Wenn dich Spanien begeistert und du die Sprache besser verstehen oder sogar selbst sprechen möchtest, kann es sich lohnen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen.

Schon grundlegende Spanischkenntnisse können viele Begegnungen auf Reisen bereichern und den Alltag vor Ort deutlich erleichtern.
Gerade außerhalb der großen Städte wird nicht überall Englisch gesprochen. In kleineren Orten und Dörfern freuen sich viele Einheimische, wenn Besucher zumindest einige Worte Spanisch sprechen können. Oft öffnen bereits ein paar einfache Sätze Türen für interessante Gespräche, herzliche Begegnungen und authentische Einblicke in die Kultur.
Man wird häufig anders wahrgenommen als der typische Tourist und erlebt das Land auf eine persönlichere Weise.
Eine interessante Möglichkeit dafür bietet das Sprachenlernprogramm Sprachenlernen24. Es eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene und vermittelt systematisch Wortschatz, Aussprache und wichtige Redewendungen für den Alltag, Reisen und Gespräche mit Einheimischen.
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