Saint-Cécile bis Tramayes
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Heute geht es hoch hinaus – landschaftlich und emotional. Gewaltige Aussichten begleiten mich auf einem Weg, der mich teilweise an einen Höhenwanderweg erinnert. Gleichzeitig holen mich die Gedanken an Silke ein und ziehen mich tief hinunter. Doch der Weg verändert sich – und mit ihm auch meine Stimmung. Am Abend sitze ich schließlich an einem ruhigen Bach, fühle mich wieder pudelwohl und merke einmal mehr, wie viele Höhen und Tiefen ein einziger Pilgertag haben kann. 🥾🏞️
12:39 Uhr – Nadel und Faden statt loslaufen
Um 12:39 Uhr geht es nun endlich weiter.
Eigentlich wollte ich schon viel früher los, aber der Rucksack, der auseinanderfällt, forderte wieder einmal Nadel und Faden!!!
Das wird nicht das letzte Mal sein. 😣 Vermute ich mal lautstark.
Die Sonne scheint aber heute. Die Nacht war kühler und nicht so angenehm zum Schlafen. 😕
14:08 Uhr – Ein gewaltiger Ausblick
Ich machte eine kurze Pause.
Die Landschaft um mich herum ist gewaltig schön.
Ein herrlicher Ausblick!
Ich bin 500 m ü. M. Ein paar Meter geht es noch höher. 😳
15:13 Uhr – Wie auf einem Höhenwanderweg
Es ist anstrengend. Ich mache eine kurze Pause.
Dieser derzeitige Weg gleicht einem Höhenwanderweg. Ich denke da speziell an den Westweg.
Mitunter denke ich viel an Silke. Ich vermisse sie unendlich.
Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie ich ohne sie leben soll. Es scheint mir unmöglich. So kommt es mir jedenfalls vor. 🤔
Die Antworten, wie ich ohne sie leben könnte – ohne meinen besten Freund und Partner – habe ich bislang auf dem Weg noch nicht gefunden.
Auch heute nicht!
Vielleicht ist es gerade ein Tiefpunkt, den ich durchlebe. Dann sieht man alles schwarz.
Trauer und Verzweiflung. 😔
17:57 Uhr – Einkauf in Tramayes
Ich passiere Tramayes.
In Tramayes war ich noch kurz einkaufen. 24 Euro kostete mich das Vergnügen.
Mir blieb nichts anderes übrig, als einzukaufen. 😣
In den nächsten Tagen kommt nämlich kein einziger Laden mehr auf meiner Route. Ich sah da zumindest noch nichts Verdächtiges in der Karte.
Deswegen nutzte ich die Chance und bin JETZT auf der Suche nach einem Schlafplatz außerhalb irgendwo von Tramayes. 🤨
18:59 Uhr – Am Bach sieht die Welt wieder anders aus
Ich bin an meiner Destination für heute vor ca. 45 Minuten angekommen.
Es ist ein schöner und ruhiger Platz.
Zu vorhin geht es mir wieder besser und ich bin zuversichtlicher. Ich bin aus meinem Tief raus.
Da, wo ich jetzt bin, ist ein kleiner Bach. Hier konnte ich mich etwas erfrischen.
Ich fühle mich jetzt pudelwohl, so beschreibe ich das mal.
Mit der Sonne konnte ich auch noch etwas das Handy aufladen.
Eine geniale Erfindung, diese portable Solarpanele.
Zwei Wanderer und die Frage nach dem Gewicht 🎒
Heute sind mir zudem zwei ältere Wanderer begegnet. Die machen eine Zehn-Tages-Tour von Cluny nach Leon.
Sie erzählten mir, dass sie schon mal von Le Puy-en-Velay bis nach Santiago in 70 Tagen gelaufen sind.
Ich muss schon sagen: eine erstaunlich gute Leistung.
Sie sagten, dass man am besten mit 8 bis 10 kg laufen solle. Ich bestätigte das Ganze. Ich habe es auch schon im Internet gelesen.
Nur, dann haste eben heftige Kosten.
Dann würde mich der Weg an die 5.000 Euro kosten bzw. vielleicht auch viel mehr. Das geht enorm ins Geld – wenn man bereit ist, es auszugeben.
Okay. Ich mache es nicht.
Deswegen mache ich das mit dem Zelt und dem Selberkochen.
Und auch mit dem Zelt ist es nicht billig. Das Essen und die Verpflegung kosten nicht wenig.
Dann muss man sich zusätzlich eigentlich sogar täglich um die Übernachtung kümmern und die Termine einhalten.
Habe ich alles nicht und da bin ich froh drum.
Auf diesen Stress verzichte ich liebend gerne.
Ich bin aber auch alleine.
Zu zweit, zum Beispiel mit Silke, wäre es wieder anders. Da bin ich mir sicher. Da würde ich sie entscheiden lassen.
Denn sie müsste sich ja als Frau dabei wohlfühlen, ob sie mehr im Zelt oder in einer Herberge oder einem Gasthaus übernachten möchte.
Ich wäre und bin flexibel und bin für alles offen. 🤗
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 74 |
|---|---|
| 🚶♂️ Strecke | Saint-Cécile bis hinter Tramayes |
| 👣 Schritte | 20.952 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | ca. 25 € |
| 👁️ Distanz bis Le Puy | 256 km |
| ⛰️ Unterwegs | teilweise über 500 m ü. M. |
| 🎒 Ausrüstung | Rucksack erneut mit Nadel und Faden repariert |
| 🛒 Versorgung | Lebensmittel in Tramayes eingekauft |
| ☀️ Energie | Handy mit Solarpanele geladen |
| 💧 Nachtlager | ruhiger Platz an einem kleinen Bach |
| ❤️ Gefühl | vom emotionalen Tief zurück zur Zuversicht |
Fazit des Tages
Was für ein Wechselbad.
Am Anfang hält mich mein kaputter Rucksack auf. Danach geht es durch eine gewaltig schöne Landschaft immer weiter nach oben. Teilweise erinnert mich der Weg sogar an einen Höhenwanderweg.
Doch während die Landschaft wunderschön ist, sieht es in mir zeitweise ganz anders aus.
Die Gedanken an Silke sind heute wieder besonders stark. Ich vermisse meinen besten Freund und Partner unendlich und finde auf die Frage, wie es ohne sie weitergehen soll, noch immer keine Antwort.
Vielleicht gibt es diese Antwort auch nicht an einem bestimmten Kilometer des Jakobswegs.
Am Abend verändert sich meine Stimmung wieder. Ich finde einen ruhigen Platz an einem kleinen Bach, kann mich erfrischen, mein Handy mit der Sonne laden und fühle mich plötzlich wieder pudelwohl.
Auch die Begegnung mit den beiden Wanderern bleibt mir im Kopf. Ihre Art zu pilgern ist eine andere als meine. Weniger Gewicht, dafür Übernachtungen unterwegs. Ich habe mich bewusst für Zelt, Kocher und mehr Unabhängigkeit entschieden – auch wenn mein Rucksack dadurch schwerer ist.
Heute hat mir der Weg wieder beides gezeigt:
Wie tief die Gedanken gehen können – und wie schnell ein kleiner Bach, ein ruhiger Platz und ein schöner Moment die Welt wieder etwas anders aussehen lassen. 🏞️🙏🥾
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen einige Eindrücke eines anstrengenden, aber gleichzeitig wunderschönen Pilgertages – mit herrlichen Aussichten über die französische Landschaft, kleinen Entdeckungen am Wegesrand und interessanten geschichtlichen Spuren, darunter auch eine besondere Kirche, auf die ich weiter unten noch genauer eingehe. 🥾🌄⛪🇫🇷































⛪ Gut zu wissen – Église Saint-Jean-Baptiste in Tramayes
Auf meinem Weg durch Tramayes kam ich an der Kirche Saint-Jean-Baptiste vorbei. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die Geschichte dieser Kirche reicht weit ins Mittelalter zurück.
Bereits im 10. Jahrhundert wird an dieser Stelle eine Kirche erwähnt. Die ältesten noch erhaltenen Teile des heutigen Bauwerks stammen laut Informationstafel vermutlich aus der Zeit zwischen 1080 und 1230.
Im Jahr 1846 wurde die Kirche weitgehend neu aufgebaut, weil sie für die wachsende Zahl der Gemeindemitglieder zu klein geworden war. Vom mittelalterlichen Vorgängerbau blieben vor allem der Glockenturm und der darunterliegende Abschnitt erhalten.
Besonders interessant ist der quadratische romanische Glockenturm. Er gilt als Beispiel der frühen romanischen Architektur des Mâconnais und steht bereits seit 1930 unter Denkmalschutz. Im Inneren befinden sich außerdem alte romanische Kapitelle, die unter anderem mit Blättern und Löwen verziert sind.
Eine weitere Besonderheit: Beim Wiederaufbau im 19. Jahrhundert wurde sogar die Ausrichtung der Kirche umgekehrt. Der Chor zeigt seitdem nach Westen.
Durch ihre erhöhte Lage und den markanten Glockenturm prägt die Kirche noch heute das Erscheinungsbild von Tramayes.
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