Etappe Lavacolla nach Santiago – ca. 10 km – Finale
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Ich bin angekommen. Nach 178 Tagen stehe ich tatsächlich in Santiago de Compostela vor der Kathedrale. Ich weine nicht und breche auch nicht in Tränen aus. Stattdessen bin ich überwältigt, fassungslos und kann kaum begreifen, dass dieser Moment wirklich da ist. Mehr als fünf Monate zuvor bin ich einfach losgelaufen – immer mit dem Gedanken, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Heute ist aus all diesen einzelnen Schritten ein ganzer Weg geworden. Ich hole meine Pilgerurkunde, treffe unerwartet Nuria wieder und begegne später noch weiteren Menschen aus verschiedenen Ländern.
Und während Santiago eigentlich das große Ziel war, steht für mich schon fest: Morgen gehe ich weiter. Nach Finisterre. Ans Meer.
Meine Ankunft in Santiago de Compostela nach 178 Tagen 🎉
Bei der Etappe Lavacolla nach Santiago de Compostela ist es 14:23 Uhr. Ich bin gegen 13:30 Uhr in Santiago angekommen.
Ich will ehrlich sein. Weinen und in Tränen ausbrechen kann ich nicht gerade, aber es ist dennoch ein sehr emotionaler und bewegender Moment.
Ich stand also in Santiago neben der Kathedrale und war einfach nur überwältigt. Ich bin angekommen. In Santiago. Nach 178 Tagen. Noch vor Monaten konnte ich das nicht glauben. Aber heute stehe ich vor der Kathedrale. 🤯
Das ging mir durch den Kopf.
Ich bin hier. In Spanien, in Santiago. Ich bin wirklich hier. Es ist kein Traum. Wowwww. Ich habe es geschafft. Wer kann das eigentlich glauben, dass dieser Tag einmal Realität werden würde? Noch vor einigen Monaten, konnte ich das nicht. Ich sagte mir nur: Geh einen Schritt nach dem anderen. Jeden Tag. Eine kleine Etappe nach der anderen.
Und jetzt? Ist es passiert.
Ich bin in Santiago.
Ich bin irgendwie fassungslos! Sprachlos. Wortlos. Kommentarlos.
Weiter unten sah ich wieder Nuria. Wie kann das eigentlich sein? Fast zur selben Zeit. Was bedeutet das eigentlich? Oder muss es was bedeuten?
Wer kann das verstehen?
Ich habe das Gefühl, dass ich im Moment nichts mehr verstehe. Ich bin überwältigt. Einfach nur überwältigt, am Ziel angekommen zu sein. Naja, wie dem auch sei. Ich will es nicht auf die Spitze treiben. Es muss nichts bedeuten. Wir sind beide Pilger.
Ich akzeptiere es. Ich habe auch keine andere Wahl – das ist immer der Weg. Es zu akzeptieren, wie es ist. Die Situation anzunehmen, wie sie ist. Gute Gefühle, schlechte Gefühle. Nimm sie wahr. Urteile aber nicht.
Nach einem kurzen gemeinsamen Foto ist Nuria wieder verschwunden, und zwar, um sich das wertvolle Zertifikat, die Compostela, ausstellen zu lassen, das wir Pilger bekommen können, die die Mindestanforderung von 100 km erfüllen. Ich habe nur 2600 km. Es ist nicht die Welt.
Andere haben mehr. Ganze andere haben weniger. Ganz andere haben gar nichts.
Ich bin nach einer kurzen Zeit, nachdem ich da wie benommen und halbtrunken an der Kathedrale voller Verwunderung stand, auch dahin gegangen und habe mir mein Zertifikat ausstellen lassen.

Ich will jetzt nicht mehr so viel schreiben.
Am Handy macht es mir keinen Spaß. Ich brauche eine gute Tastatur.
Geht es mir durch den Kopf. Das weiß ich alles. Ich habe nur jetzt keine Tastatur. Ich muss mit dem arbeiten, was ich habe. Punkt.
Ich werde die Emotionen weglassen. Bei Seite schieben. Unterdrücken. Was ich aber sagen will, wie auch schon vorhin zu Beginn. Es ist ein sehr emotionaler und bewegender Moment.💞
Plötzlich ist man da. In Santiago. Man ist angekommen. Man kann es nur nicht (wirklich) begreifen. Es ist schwer. Aber man ist da. Ich stehe vor der berühmten Kathedrale. Gute fünf Monate bin ich gelaufen.
Die Zeit bis Santiago ist wie im Flug vergangen.
Ich brauche daher etwas Zeit für mich. Ich mache ein paar Atemübungen und ein paar Fotos. Das hilft sehr gut, um sich kurz mal zu erden und zu begreifen, wo man ist.
Gedanken nach der Ankunft in Santiago de Compostela
Morgen geht es weiter nach Finisterre. Dann nach Muxia.
Ist es zu schnell? Sollte ich erstmal ruhen? Ich weiß es nicht. Ich will weiter. Ans Meer. So habe ich es gestern beschlossen. Vielleicht auch eine Runde schwimmen, im kalten Wasser sich abkühlen?
Der Weg war nämlich lang genug, ich bin heißgelaufen. Überhitzt. 2541 km. Vom 14. Juli 2023 aus. Die Maschine (Mensch und Körper) muss nun etwas gekühlt werden. Nein, natürlich nicht. Spaß am Rande.🤣😂😅
Aber wenn man Zeit hat, macht der Pilger genau diese Runde. Sucht seine Muschel in Muxia. Dann läuft er, der Pilger, wieder heim oder fliegt, fährt nach Hause, aus der Richtung, wo er gekommen ist.
Ich bleibe erstmal in Spanien.
Vielleicht werde ich reflektieren, was Neues schreiben, was ergänzen, das Geschriebene überarbeiten, korrigieren. Vielleicht auch nicht.
Das weiß ich alles gerade nicht. Das wird sich alles nach und nach dann zeigen, mir offenbaren, in welche Richtung sich mein Ich bewegen wird oder bewegen möchte, vielleicht sogar bewegen sollte.
Ideen habe ich, gibt es, zum Glück, was für ein Segen, um in Spanien etwas zu probieren und zu machen. Um die Zeit, die man hat, sinnvoll zu nutzen und nicht planlos zu vergeuden.
Halleluja. Let’s Do IT.
Weitere Gesichter bei der Etappe Lavacolla nach Santiago de Compostela
In der Albergue, in der ich jetzt bin, sind auch Luka und Stella aus Taiwan. Beide kenne ich schon seit Saint-Jean-Pied-de-Port, zumindest Stella.
🗣️️ Mit Luka bin ich das erste Mal in Zubiri kurz nach den Pyrenäen ins Gespräch gekommen.
Beide sind sehr nett. Sie laden mich zum gemeinsamen Abendessen ein, hier in der Albergue. Luka hat einen speziellen taiwanesischen Salat zubereitet. Erklären kann ich es nicht. Er besteht aus verschiedenen Zutaten wie Thunfisch, Ei, Äpfeln, Orangen und anderen Bestandteilen und wird warm gegessen.
Er sagt selber, es ist weird (engl.), süß, sauer, komisch halt, aber der Salat schmeckt und darauf kommt es 😊.

Wir unterhalten uns gut. Später tauschen wir Nummern aus.
Zudem, was interessant heute war. An der Rezeption arbeitet Sennja.
Wir unterhielten uns zu Beginn auf Englisch. Dann, irgendwann später, nachdem ich eingecheckt bin, entscheide ich mich, nochmals in die Gemeinschaftsküche zu gehen, um einen Kaffee zu trinken.
Durch eine Art Zufall bei der Etappe Lavacolla nach Santiago de Compostela
Ich wollte gerade einen weiteren Kaffee trinken, hatte aber keine 80 Cent klein. Ich frage sie, ob sie mir fünf Euro klein wechseln könnte.
Beim Zählen des Kleingeldes höre ich heraus, dass sie auf Russisch zählt. Ich war verwundert und traute meinen Ohren nicht.
Sofort sprach ich sie in meiner Muttersprache über meine Verwunderung an, und wir unterhielten uns eine gute, lange Zeit auf Russisch.
Zudem war ich hocherfreut. Ich glaube, sie fand es auch schön🌞
Ursprünglich kommt sie aus der Ukraine.
Im Gespräch erzählte sie mir, wie sie als Flüchtling über verschiedene Stationen schließlich nach Spanien gelangte. Dort lebt sie heute mit ihrer Tochter bei einer spanischen Familie.
Was mich besonders beeindruckte: Nach nur zwei Jahren spricht sie bereits Englisch und zudem ein bemerkenswert gutes Spanisch.
Was sonst noch passiert ist bei Etappe Lavacolla nach Santiago de Compostela
Auch bin ich mit einem Deutschen mit dem Namen Franz ins Gespräch gekommen, der seit 40 Jahren in Portugal wohnt. Er betreibt, wenn ich das richtig verstanden habe, eine eigene Solarfirma in Portugal. Ich solle mal vorbeischauen, wenn ich in der Nähe bin, meinte er nur.
Auch begegneten mir mehrfach zwei Koreaner aus Südkorea, bis wir letztendlich dann ebenfalls die Nummern ausgetauscht hatten.

Was vom Jakobsweg wirklich bleibt💟
Verrückt irgendwie ist das schon alles. Wie viele tolle, einzigartige Begegnungen man auf dem Weg erlebt. Der pure Wahnsinn, einfach.
Man kann nicht immer alles in Worte fassen, für manches komme ich nicht dazu, es schriftlich festzuhalten. Dadurch bleibt manches für immer unter Verschluss oder taucht irgendwann zum späteren Zeitpunkt wieder auf.
Wir werden sehen 🎁.🥳🫢
Buen Camino
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 178 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Lavacolla → Santiago de Compostela |
| 📏 Distanz | ca. 10 km |
| 🏃♂️ Schritte | 19.104 |
| 🕜 Ankunft | gegen 13:30 Uhr |
| 🎯 Das große Ziel | Santiago de Compostela erreicht |
| 📅 Zeit auf dem Weg | 178 Tage |
| 🗓️ Start | 14. Juli 2023 |
| 🛣️ Distanz laut Tagebuch | 2.541 km |
| ❤️ Gefühl bei der Ankunft | überwältigt, bewegt und fassungslos |
| 🧘 An der Kathedrale | Atemübungen, Fotos und Zeit zum Begreifen |
| 💌 Wiedersehen | Nuria |
| 📜 Besonderer Moment | Pilgerurkunde in Santiago abgeholt |
| 🇹🇼 Wiedersehen | Luka und Stella |
| 🍽️ Abendessen | gemeinsames Essen mit Luka und Stella |
| 🇺🇦 Begegnung | langes Gespräch mit Sennja auf Russisch |
| 🇩🇪🇵🇹 Begegnung | Franz, ein Deutscher, der seit Jahrzehnten in Portugal lebt |
| 🇰🇷 Weitere Begegnungen | zwei Pilger aus Südkorea |
| 🌊 Nächstes Ziel | Finisterre und anschließend Muxía |
| ☕ 2× Automatenkaffee | 2,00 € |
| ☕ Kaffee | 1,50 € |
| 🍰 Restaurant | 15,30 € |
| 📜 Zertifikat, Kilometer-Nachweis, Verpackung, Socken & Schlüsselanhänger | 13,00 € |
| 🛏️ Übernachtung | 16,00 € |
| 💶 Ausgaben gesamt | 47,80 € |
Fazit des Tages
Ich bin angekommen.
Nach 178 Tagen stehe ich tatsächlich in Santiago de Compostela.
Vielleicht hatte ich mir irgendwann vorgestellt, dass dieser Moment anders sein würde. Dass die Tränen kommen würden. Dass irgendetwas in mir explodiert.
Doch so war es nicht.
Ich stand neben der Kathedrale und war einfach nur überwältigt.
Fassungslos.
Sprachlos.
Vor mehr als fünf Monaten war Santiago ein Ort irgendwo weit weg in Spanien. Damals wusste ich nicht, wann ich dort ankommen würde. Vielleicht wusste ich nicht einmal wirklich, ob ich dort jemals ankommen würde.
Also hatte ich mir nur eines gesagt:
Einen Schritt nach dem anderen.
Nicht Santiago laufen.
Nicht 2.500 Kilometer laufen.
Einfach die nächste Etappe.
Und danach wieder die nächste.
Genau daraus wurden irgendwann Wochen und Monate. Deutschland lag hinter mir. Frankreich lag hinter mir. Die Pyrenäen lagen hinter mir. Spanien lag hinter mir.
Und plötzlich stand ich da.
In Santiago.
Dass ich ausgerechnet dort wieder Nuria begegnete, passte irgendwie zu all den Begegnungen dieses Weges. Ob solche Dinge etwas bedeuten müssen, weiß ich nicht.
Vielleicht muss ich darauf auch gar keine Antwort finden.
Ich konnte den Moment einfach annehmen.
Später kamen weitere Begegnungen hinzu. Luka und Stella, Sennja, Franz und die beiden Koreaner. Selbst an meinem großen Ziel brachte der Camino wieder Menschen aus völlig unterschiedlichen Ländern zusammen.
Vielleicht war genau das eines der größten Geschenke dieser Reise.
Doch Santiago fühlte sich für mich erstaunlicherweise noch nicht wie das endgültige Ende an.
Denn ich wollte weiter.
Nach Finisterre.
Nach Muxía.
Ans Meer.
Vielleicht brauchte ich genau diese zusätzlichen Kilometer, um überhaupt zu verstehen, was in den vergangenen 178 Tagen passiert war.
Aber für diesen einen Tag durfte eine Sache einfach stehen bleiben:
Ich habe Santiago de Compostela erreicht.
- Aus einem Gedanken wurde ein erster Schritt.
- Und aus einzelnen Schritten wurden Kilometer.
- Aus Kilometern wurden Monate.
Und irgendwann wurde aus dem zunächst scheinbar unerreichbaren Ziel pure Wirklichkeit oder einfach Realität. Schritt für Schritt.
Tag 178. Santiago de Compostela.
Ich bin angekommen. 🥾🐚❤️🎉
Buen Camino
Angekommen in Santiago de Compostela 📸
Das Ziel ist erreicht – ein paar meiner Eindrücke
Santiago de Compostela. Diese Bilder zeigen die letzten Eindrücke meiner Ankunft am Ziel des Jakobswegs – Momente, die ich nie vergessen werde.







Bilder der Kathedrale📸




Wissenswertes über Santiago de Compostela
Santiago de Compostela ist seit über 1.000 Jahren das Ziel unzähliger Pilger aus aller Welt. Der Name „Santiago“ bedeutet übersetzt „Heiliger Jakobus“ und geht auf den Apostel Jakobus den Älteren zurück, dessen Grab sich der Überlieferung nach unter der Kathedrale befindet.
Der Zusatz „Compostela“ wird häufig mit dem lateinischen Ausdruck Campus Stellae – „Sternenfeld“ – in Verbindung gebracht. Einer alten Legende zufolge führte ein geheimnisvolles Sternenlicht im 9. Jahrhundert einen Einsiedler zu dem Ort, an dem später das Grab des Apostels entdeckt worden sein soll. Ob diese Erklärung sprachwissenschaftlich tatsächlich zutrifft, ist zwar umstritten, sie gehört aber bis heute zu den bekanntesten Geschichten rund um Santiago.
Mit der Entdeckung des Grabes entwickelte sich Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem zu einem der bedeutendsten christlichen Pilgerziele der Welt. Jedes Jahr erreichen Hunderttausende Pilger die berühmte Kathedrale – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf anderen Wegen.
Wer mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Fahrrad auf einem offiziell anerkannten Jakobsweg zurückgelegt hat, erhält im Pilgerbüro die Compostela. Diese traditionsreiche Urkunde bestätigt den erfolgreichen Abschluss der Pilgerreise und wird bis heute auf Latein ausgestellt.

Warum ein wenig Spanisch zu sprechen sich immer lohnt 👨🎓
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Schon grundlegende Spanischkenntnisse können viele Begegnungen auf Reisen bereichern und den Alltag vor Ort deutlich erleichtern.
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Eine Pilgerreise verändert oft mehr als nur den Blick auf die Landschaft. Wer sich näher mit den Erfahrungen und Erkenntnissen des Jakobswegs beschäftigen möchte, kann von den Geschichten und Erlebnissen anderer Pilger wertvolle Impulse für den eigenen Weg mitnehmen.

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Congratulation Jakob
Danke Philipp 🙏