Kategorien
Mein Jakobsweg 2023-2024

39. Tag auf dem Jakobsweg – Sonne, Schweiß und Hitze 🏜️

Sonne, Schweiß und wieder Hitze ☀️💦

Zeit: 07:47 Uhr – Schlafen wie mit Tapetenkleister

Die Nacht war, wie ich bereits geahnt hatte, etwas durchwachsen.

Es klebte einfach alles.

Der ganze Schweiß von gestern hing noch an meiner Haut wie Tapetenkleister.

Angenehm war das nicht.

Schön schon gar nicht.

Brrrrr. Einfach nur ekelhaft.

Aber ich habe die Nacht – Gott sei Dank – ohne weitere Schwierigkeiten überstanden.

Und ich habe bereits einen Lichtblick vor Augen.

Nach meinem Start soll in ungefähr zwei bis drei Stunden ein See kommen.

In den See werde ich ohne zu zögern mitsamt meiner Kleidung hineinspringen und mich erfrischen wie ein Fisch im Wasser!

Zumindest ist das gerade mein Plan.

Ich kann es kaum erwarten.

Aber zunächst gibt es einen oder vielleicht auch zwei Kaffees.

Dazu ein kleines Frühstück: Haferflocken mit Wasser. Etwas anderes habe ich gerade nicht.

Vielleicht esse ich noch die Hälfte eines BP-R-Riegels.

Dann kann es losgehen.

Haferflocken-Brei 😋

Zeit: 10:56 Uhr – Nur noch schlappe 652 Kilometer

Ich verlasse meinen fast ruhigen Platz.

Wie so oft bedanke ich mich noch einmal dafür und ziehe weiter.

Der Himmel ist blau.

Die Sonne wütet auch heute wieder wie an den Tagen zuvor.

Zumindest sieht alles danach aus.

Mein Wasservorrat?

Leer.

Und die Entfernung bis Le Puy-en-Velay?

Nur noch schlappe 652 Kilometer. 🤤

Na dann.

Weiter geht’s.

Zeit: 12:00 Uhr – Wie machten das eigentlich die Nomaden?

Während ich durch die Hitze laufe, kommt mir ein Gedanke.

Kaum vorstellbar, wie früher Nomaden mit ihren ganzen Familien umhergezogen sind.

War die Natur damals üppiger?

Gab es mehr Wasser?

Wie weit liefen sie überhaupt?

Zehn Kilometer am Tag?

Zwanzig?

Und das gemeinsam mit Kindern und älteren Menschen?

Wenn ich an meine eigene Pilgerung denke, erschließt sich mir das kaum.

Ich bin alleine unterwegs und befinde mich in einer Welt, in der im Grunde genommen alles vorhanden ist. Dörfer, Geschäfte, Straßen und Menschen, die ich um Wasser bitten kann.

Und trotzdem merke ich, wie schnell etwas so Selbstverständliches wie Wasser zum Problem werden kann.

Wie war das erst früher?

Ich weiß es nicht.

Vieles davon bleibt für mich Spekulation.

Vorhin musste ich im letzten Dorf jedenfalls wieder nach Wasser fragen.

Ohne wäre diese Etappe ziemlich ungemütlich geworden – insbesondere bis zu meinem ersehnten See.

Die Sonne brütet währenddessen unaufhaltsam weiter.

Schweißtropfen rollen über meine Haut.

Und wenn die Vorhersage stimmt, wird es in den nächsten Tagen sogar noch heißer.

Der Hitzehöhepunkt steht offenbar erst noch bevor.

Danach hoffe ich langsam wieder auf etwas kühlere Tage.

Zeit: 12:56 Uhr – Schutz unter den Bäumen

Seit einer Weile laufe ich durch den Wald.

Und dafür bin ich heute ausgesprochen dankbar.

Die Bäume spenden Schatten und schützen mich zumindest etwas vor der Sonne.

Ein natürlicher Sonnenschirm mitten in Frankreich.

Zeit: 14:07 Uhr – Der See rückt näher

Pause.

Der Schweiß rinnt trotzdem.

Selbst hier im Schatten.

Aber der See ist nicht mehr weit entfernt.

Ich kann nur hoffen, dass man dort tatsächlich schwimmen darf.

Das ist hier in Frankreich für mich nicht immer sofort ersichtlich.

Nach dem See möchte ich weiter nach Contrexéville.

Dort brauche ich ein paar Kleinigkeiten:

Gas, Haferflocken, Nüsse, Käse und Gemüse.

Heute Abend möchte ich mir wieder einen schönen Salat machen.

Aber vorher:

See!

Zeit: 14:54 Uhr – Endlich am Wasser

Ich bin da.

Der See liegt vor mir.

Aber etwas irritiert mich.

Es schwimmt niemand.

Die Franzosen fahren mit Booten herum.

Sie angeln.

Sie sitzen am Wasser.

Aber schwimmen?

Fehlanzeige.

Hmm. 🤔

Ich schaue mich weiter um.

Moment.

Da hinten passiert doch etwas.

Auf der gegenüberliegenden Seite springen ein paar Jugendliche von einem Baum ins Wasser.

Na also!

Ich setze mich erst einmal hin und beobachte das Treiben.

Schließlich wollte ich heute Morgen noch mitsamt meinen Klamotten ins Wasser springen.

Mal sehen …

Zeit: 19:57 Uhr – Der Sprung, der keiner wurde

Tja.

Ich bin nicht hineingesprungen.

Zu meinem eigenen Verdruss habe ich mich am Ende nicht getraut.

Die umliegenden Menschen beobachteten selbst eigentlich nur die Enten, die über den See schwammen.

Lediglich die Jugendlichen machten etwas abseits ihre Gaudi und sprangen vom Baum ins Wasser.

Ansonsten:

niemand.

Seltsam.

Das soll mal einer verstehen.

Also zog ich weiter.

Mittlerweile bin ich müde und vollkommen abgestrampelt.

Einkaufen war ich ebenfalls.

Jetzt habe ich meinen Übernachtungsplatz erreicht.

Zunächst habe ich meditiert, um wieder etwas herunterzukommen und in die Ruhe zu finden.

Gleich baue ich mein Zelt auf.

Heute war es wieder heftig heiß.

Der Schweiß floss in Strömen.

Anders kann ich es kaum beschreiben.

Wie ein Wasserfall.

Und die kommenden drei Tage sollen ähnlich werden.

Auch heute musste ich wieder nach Trinkwasser fragen. Die Bäche beziehungsweise Wasserläufe, die laut meiner Karte Wasser führen sollten, waren teilweise trocken.

Kein Wasser.

Dafür hatte ich in der Stadt einige nette Begegnungen und konnte mich ein wenig mit den Menschen unterhalten.

Und heute ist noch aus einem anderen Grund ein besonderer Tag.

Silke hat Geburtstag.

Also öffne ich mir ein Bier und stoße auf sie an.

Alles Gute zum Geburtstag, mein lieber Engel. ❤️

Das Wichtigste auf einen Blick

KategorieTag 39
Regionrund um Contrexéville
Bis Le Puy-en-Velayca. 652 km beim Aufbruch
Übernachtungdraußen / eigener Übernachtungsplatz
Wettersonnig und extrem heiß
Großes ThemaWasser und Hitze
VersorgungEinkauf in Contrexéville
Besonderer Momentder lang ersehnte See
Badeerfolgnun ja … 😄
Begegnungenmehrere nette Gespräche
AbendMeditation und Geburtstagsbier

Der See – rein oder nicht rein?

Eigentlich ist diese kleine Geschichte fast sinnbildlich für den ganzen Tag.

Am Morgen war für mich die Sache vollkommen klar:

Ich springe da rein!

Nach der klebrigen Nacht und einem weiteren heißen Wandertag gab es daran überhaupt keinen Zweifel.

Stundenlang freute ich mich darauf.

Dann stand ich endlich vor dem Wasser.

Und plötzlich kamen Zweifel.

Warum schwimmt hier niemand?

Darf man überhaupt hinein?

Wieso sitzen alle nur da?

Und warum sind ausgerechnet nur ein paar Jugendliche auf der anderen Seite im Wasser?

Am Ende gewann die Vorsicht.

Morgens im ZeltNachmittags am See
„Ich springe sofort hinein!“„Warum schwimmt hier eigentlich niemand?“
Vorfreude auf Abkühlungerst einmal beobachten
Kleidung darf ruhig nass werdenUnsicherheit
Keine ZweifelDoch lieber nicht.
🏊‍♂️👀

Im Nachhinein muss ich darüber ein wenig schmunzeln.😊

Der ersehnte Sprung ins kühle Wasser blieb aus – die Schweißperlen dagegen blieben mir treu.

Persönliches Fazit – Wasser bekommt einen anderen Wert

Nur noch schlappe 652 Kilometer. 😄

Zwei Tage hintereinander bestimmt die Hitze meinen Weg.

Dabei merke ich zunehmend, welchen Wert Wasser bekommt, wenn es nicht mehr jederzeit aus dem Wasserhahn kommt.

Ich plane danach.

Und ich suche danach.

Ich schaue auf meiner Karte nach Bächen.

Und wenn dort nichts mehr fließt, muss ich Menschen fragen.

Gleichzeitig verändert sich dadurch auch etwas anderes.

Ich muss kommunizieren.

Mein Französisch ist noch bescheiden, aber ich benutze es.

Und meistens funktioniert es irgendwie.

Heute Morgen träumte ich außerdem stundenlang von meinem Sprung in den See.

Dann stand ich davor – und sprang nicht.

Auch das gehört wohl zum Weg.

Nicht alles, was man morgens plant, muss abends tatsächlich passiert sein.

Wichtig war heute etwas anderes:

Ich hatte Wasser, etwas zu essen, einen Platz für die Nacht und wieder einen weiteren Tag Frankreich in den Beinen.

Und irgendwo vor mir wartet Le Puy.

Buen Camino


Bilder des Tages 📸

Die Bilder des Tages halten einige persönliche Momente dieses heißen Tages fest – vom ersehnten See und meinem Essen unterwegs bis hin zu mir auf dem Weg und einem ganz besonderen Erinnerungsbild für Silke an ihrem Geburtstag. ❤️

Ich denk an dich ❤️
Wasser ein kostbares Gut in heißen Zeiten 💶
Kleine Pause in der brütenden Hitze 🏜️
Unterwegs habe ich wieder etwas Mühl gesammelt 🚮
Frischer Salat – wird gleich verspeist 😋
Fertig, ausgebrannt, erledigt für Heute 😳

Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️

Wenn du meinen Weg bis zum Ende verfolgen möchtest, könnten dich diese Beiträge ebenfalls interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert