Von Couchey nach Nuits-Saint-Georges
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Dieser Morgen beginnt mit einem Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt: Ruhe, Weite und tiefe Dankbarkeit dafür, genau hier zu sein. Nach fast acht Wochen auf meinem Jakobsweg lasse ich mir bewusst Zeit, bevor ich wieder aufbreche. Danach führt mich der Weg durch scheinbar endlose Weinberge, vorbei an Fixin, Brochon, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny. Eine unerwartete Begegnung mit einer Schlange sorgt unterwegs für Spannung – bevor ich nach 34.495 Schritten den Tag auf einem Campingplatz beende.
Zeit: 08:50 Uhr – Diese innere Erfüllung muss man erleben
Es ist schon 08:50 Uhr am Morgen und die Sonne steigt langsam immer höher und höher.
Es wird langsam wärmer und wärmer.
Ich bin schon seit ca. 7 Uhr wach und beobachte, genieße die traumhafte Aussicht, die sich vor meinen psychischen Augen abzeichnet.
Diese Weite.
Diese Aussicht.
Einfach nur grandios.
Ich bin vollkommen ruhig.
Ich fühle mich erfüllt und erfreut vom Leben.
Hier zu sein.
Diese innere Erfüllung kann man nicht beschreiben, sie muss man erleben.
Oder anders ausgedrückt:
Ihr Schritt für Schritt entgegenkommen.
Also ca. zwei Monate.
Bin ja gerade in der achten Woche!
Ich gehe es heute gemütlicher an.
Trinke in Ruhe meine Kaffees, die ich möchte.
Esse dazu ein paar Snickers als süße Beilage. 😋
Sonne mich auf der Terrasse, auf der ich bin.
Und irgendwann, nach einem ausgiebigen Frühstück aus Baguette, Tomate, Fetakäse und Rucolaherzen, mache ich mich auf den Weg nach Nuits-Saint-Georges.
Es wird keine ewig lange Etappe sein.
So viel steht schon mal fest.
Meine Füße benötigen etwas Pflege, Ruhe und Entspannung.
Sie sind wieder mal strapaziert, auch von den neuen Schuheinlagen, die ich vor einigen Tagen aus den Flip-Flops hergestellt hatte.
Die sind jetzt nicht so optimal, weil der Fuß schwitzt, aber wesentlich besser als die originalen, die dabei waren im Schuh, bei denen man das Gefühl hat, man würde barfuß laufen.
Dort, im Zielort, möchte ich mich beim Tourismus erkundigen, wo es im Dorf die Pilgerherberge gibt.
Es sollte eine geben, sehe ich auf meiner Karte, die ich von einem Landwirt vor einigen Tagen erhalten habe.
Die Nacht selbst war außerdem gut.
Zwar etwas hart wegen dem Steinboden.
Aber ich konnte mich dennoch super erholen – an der frischen Luft. 🤗
Zeit: 11:23 Uhr – Wieder hinein in die Weinberge
Ich laufe los.
Weiter an unendlichen Weinbergen vorbei.
Passiere das Dorf Fixin und steuere auf Brochon zu.
Die beiden Dörfer liegen eng beisammen.
Aber auch die folgenden Dörfer.
Zeit: 12:00 Uhr – Eine unerwartete Begegnung
Ich bin in einem Park gelandet und durchforste die Geschichte bedeutender Männer Frankreichs.
Mir begegnet eine getigerte Schlange.
Sie ist kein bisschen scheu und rührt sich nicht vom Fleck.
Ich sehe ihre schlangentypische V-Zunge herauszeigen.
Ich weiß natürlich nicht, wie giftig sie sein kann.
Als ich nochmals vom Boden aus ein Foto machen wollte, ist sie dann doch links ab in den Wald geflüchtet.


Zeit: 13:01 Uhr – Château de Gevrey-Chambertin
Ich komme am Château de Gevrey-Chambertin vorbei.
Ein beeindruckendes Gebäude.
Wer wohl hier früher wohnte?

Zeit: 13:41 Uhr – Mundraub in den Weinbergen
Im Schatten verstecke ich mich vor der Hitze und mache eine Pause.
Die Hitze ist heute freundlicher als die Tage zuvor.
Ich erhasche mir unerlaubterweise ein paar Weintrauben und hoffe gleichzeitig, im Jenseits irgendwann nicht zu hart verurteilt zu werden bezüglich des Mundraubs.
Die Weinplantagen haben vorerst kein Ende in Sicht.
Es geht immer weiter und weiter.
Eine Plantage nach der anderen.
Es saftet des Öfteren im Munde, wenn man so lange an ihnen vorbeiläuft. 😋
Zeit: 15:53 Uhr – Eine Flasche Wasser in Chambolle-Musigny
Im Dorf Chambolle-Musigny, am Ortsausgang, habe ich einen Herrn um Wasser gefragt.
Ich wollte Leitungswasser.
Er gab mir eine Flasche gekauftes Wasser!
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 54 |
|---|---|
| Start | Couchey |
| Ziel | Nuits-Saint-Georges |
| Unterwegs | Fixin, Brochon, Gevrey-Chambertin, Chambolle-Musigny |
| Schritte | 34.495 |
| Übernachtung | Campingplatz |
| Ausgaben | 23 € |
| Landschaft | nahezu endlose Weinberge |
| Wetter | sonnig und heiß, etwas angenehmer als zuvor |
| Tierbegegnung | unbekannte getigerte Schlange |
| Besonderer Moment | Wasser geschenkt bekommen |
| Körper | strapazierte Füße |
Fazit des Tages
Der 54. Tag auf meinem Jakobsweg begann nicht mit Kilometern, sondern mit Ruhe.
Ich saß da, schaute in die Weite und spürte diese tiefe innere Erfüllung. Nach beinahe acht Wochen unterwegs hatte ich das Gefühl, dass man solche Momente nicht einfach erklären kann. Man muss ihnen vielleicht tatsächlich Schritt für Schritt entgegengehen.
Später hieß es dann wieder: Rucksack auf und weiter.
Die Landschaft wurde zunehmend von Weinbergen bestimmt. Fixin, Brochon, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny lagen auf meinem Weg, während eine Weinplantage auf die nächste folgte.
Dazwischen sorgte eine Schlange für einen kurzen aufregenden Moment, das Château de Gevrey-Chambertin weckte meine Neugier und ein Mann schenkte mir am Ortsausgang von Chambolle-Musigny kurzerhand eine ganze Flasche Wasser, obwohl ich eigentlich nur nach Leitungswasser gefragt hatte.
Es waren wieder diese kleinen Begegnungen und Augenblicke, die einen Tag unterwegs ausmachen.
Und aus der eigentlich geplanten, etwas gemütlicheren Etappe wurden am Ende trotzdem 34.495 Schritte.
So viel also zum Thema: Heute gehe ich es gemütlicher an. 😁🥾
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen die Vielfalt dieser Etappe – vom besonderen Licht am frühen Morgen und meinem außergewöhnlichen Schlafplatz über weite Landschaften und die scheinbar endlosen Weinberge bis hin zu kulturellen und historischen Entdeckungen am Wegesrand.
Ein Tag voller kleiner und großer Eindrücke, bei dem es unterwegs immer wieder etwas Neues zu entdecken gab.





























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Eine Antwort auf „54. Tag auf dem Jakobsweg – Couchey nach Nuits-St.-Georges 🙏“
Leben wir, oder denken wir, daß wir Leben?
Wenn wir (Meisten), nur oberflächlich „schwimmen“ ?
Du machst jetzt die Erfahrung in die Tiefe zu gehen.
(Übung macht der Meister)
Das Leben muß nicht nur im Kopf (geschehen), sitzen, das Leben kann man auch (liev) leben, wie du es gerade machst.
Leben. ohne, daß dich die Vergangenheit oder die Zukunft, beeinflusst, welche, nur, in Menschenverstand exsistiert.