Kategorien
Mein Jakobsweg 2023-2024

60. Tag auf dem Jakobsweg – Tag 2 auf dem Feld 👨‍🏭

Tag 2 auf dem Feld 👨‍🏭🍇

🌄 Dieser Tag auf meinem Weg

Der zweite Tag bei der Weinlese beginnt bereits um 06:33 Uhr. Auf dem Feld läuft es heute zwar besser, doch ich merke zunehmend, wie viel Kraft diese Arbeit kostet. Dazu kommen Sprachbarrieren, das Leben auf dem Campingplatz, Einkaufen und Kochen. Am Abend bin ich ziemlich ausgepowert – und frage mich zum ersten Mal ernsthaft, ob es wirklich eine gute Idee war, diesen Job anzunehmen. Aber ich habe zugesagt. Also heißt es für mich erst einmal: Zähne zusammenbeißen und weitermachen.

Zeit: 06:33 Uhr – Wieder aufs Feld 🍇

Es ist 06:33 Uhr in der Früh.

Ich bin beim Betrieb.

Es geht gleich los aufs Feld.

Die Weintrauben ernten. 🍇

Zeit: 15:40 Uhr – Heute ging es schon besser

Ich bin wieder zurück von der Arbeit.

Heute ging es schon besser.

Aber wie gesagt: Die Arbeit ist anstrengend.

Ich habe sie dennoch gut bewältigt und überstanden.

Jetzt ruhe ich mich etwas aus, gehe später eine Runde einkaufen und dann ist es auch schon wieder gut für heute.

Was ich bemerke, ist: Die Franzosen sind nett, aber sie bleiben unter sich.

Nach der Arbeit fährt man zum Betrieb, um noch ein gemeinsames Bier zu trinken. Wer es halt möchte. Wer keine Lust hat, fährt nach Hause.

Ich war da jetzt zwei Tage.

Alles super.

Ich sprach mit einigen, aber die Franzosen sprechen nicht unbedingt Englisch oder sie sprechen es halt nicht gerne.

Also sind die Franzosen oder die Französischsprechenden mehr bei sich.

Hätte ich nicht den Armenier, hätte ich niemanden zum Sprechen.

Na ja, es ist, wie es ist.

Für mich habe ich HEUTE beschlossen, nicht mehr auf ein Bier mitzugehen.

Das war heute definitiv mein zweites und mein letztes dort.

Ich gehe ab morgen direkt zurück zu meiner Station auf meinem Campingplatz.

Denn mit wem soll ich da sprechen?

Da gibt es unterm Strich zu wenige, die Englisch sprechen oder Englisch sprechen wollen.

UND auf dumm rumstehen und die Wand anschauen habe ich definitiv keine Lust.

Das ist halt so, kann’s nicht ändern.

Muss ich so hinnehmen, wie es ist.

So erlebe ich es hier momentan. 🥴

Der Armenier „Gago“

Zeit: 18:00 Uhr – Die Arbeit fordert ihren Tribut

Ich bin erschöpft und ausgepowert.

Die Arbeit fordert ihren zusätzlichen Tribut.

Das merke ich richtig.

Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt komplett abmagern werde. Fühle mich eh schon komplett ausgehungert.

Dann kommt noch der Campingplatz hinzu.

Das hat auch noch so seine eigene Schwingung.

Es ist alles nicht so einfach unter Dach und Fach zu kriegen.

Ich bin erschöpft, ausgehungert.

Muss selber Essen kochen, zubereiten und einkaufen gehen.

Der Supermarkt ist hier auch noch arschteuer und hat fast nur leere Regale.

Ich bin an einem schwierigen Punkt.

Am liebsten würde ich das Ganze auch schon wieder beenden.

Die Arbeit, meine ich.

Aber ich habe zugesagt, dass ich es bis zum Ende durchziehe.

Also mindestens bis Sonntag.

Dann habe ich mir auch noch was über Amazon bestellt.

Die Solaranlage, Vitamine und Aminosäuren.

Und das sind wichtige Sachen für mich.

Die Sachen kommen am Mittwoch.

Zum Glück auch.

Gerade die Aminosäuren möchte ich aufgrund der aktuellen massiven Belastung durch die Arbeit unbedingt haben.

Ich muss also durchhalten.

Die Zähne zusammenbeißen und ab durch die Wand.

Kann nur hoffen, wie immer halt, dass ich da halbwegs gut durchkomme durch die nächsten Tage.

Oh mein Gott, sag ich mir nur.

Worum habe ich dich gebeten?

Es ist keine leichte Sache wie der Job in Tirol: ein bisschen Schneeschippen und im Häusle wieder sitzen und in der Nase bohren. 🙈

Der Sohn vom Gago

Abends – Einkaufen in Chagny

Abends bin ich dann etwas einkaufen gegangen.

Morgen wird ein langer Tag sein.

Was ich feststellen muss: Der Laden ist komplett am Sterben.

Viele Regale sind leer.

Ich war fassungslos.

Dass dieser Laden überhaupt noch in Betrieb ist, ist mir ein Wunder.

Dennoch darf man sich glücklich schätzen, dass es hier überhaupt einen Laden gibt. 🥳

Jetzt bin ich auch schon ein paar Mal durch die Stadt gelaufen – oder ist es ein Dorf?

Jedenfalls macht die Stadt irgendwie einen traurigen Eindruck.

Es ist, als würde die Stadt langsam, aber sicher aussterben.

Es gibt zwar Geschäfte und Restaurants, aber in den Geschäften sind keine Kunden.

Die Inhaber warten.

Fast niemand läuft durch die Stadt.

Es gibt ein paar Leute, die in Bars oder draußen sitzen.

Aber es sind nicht wirklich viele Leute.

Leeeeeeeeeeer! Alles komplett leer😐
Dreckig und leer. Wahrscheinlich wird bald dicht gemacht, würde mich nicht wundern!
Mein Fazit? Omg!!!

Holy, das schaut nicht gut aus!

Wo sind alle Leute hin?

Diese Stadt scheint komplett auszusterben.

Das ist nicht gesund auf Dauer.

Obwohl der Campingplatz zu der Zeit rammelvoll war.

Traurig.

Mehr kann man dazu nicht sagen.

Es gibt zudem auch riesige Sportplätze, aber auf den Plätzen ist niemand!

Bzw. wirklich wenige junge Leute.

Eigentlich ein Witz.

Ist es aber nicht.

Tagesbilanz

KategorieTag 60
OrtChagny
Tag der WeinleseTag 2 🍇
Arbeitsbeginn06:33 Uhr beim Betrieb
ArbeitWeinlese
Körperlicher Zustanderschöpft & ausgepowert
ÜbernachtungCampingplatz
Soziale ErfahrungSprachbarrieren innerhalb der Gruppe
AbendEinkaufen & Erholen
Gedanke des TagesDurchhalten oder die Arbeit vorzeitig beenden?

Fazit des Tages

Am ersten Tag war noch vieles neu und aufregend. Heute, am zweiten Tag bei der Weinlese, merke ich bereits deutlicher, was diese zusätzliche Arbeit mit meinem Körper macht.

Die Arbeit selbst läuft besser, aber sie kostet Kraft.

Und danach wartet nicht etwa ein Hotelzimmer mit fertigem Abendessen. Ich lebe weiterhin auf dem Campingplatz, muss einkaufen, kochen und meinen gesamten Alltag selbst organisieren.

Auch innerhalb der Arbeitsgruppe fühle ich mich nicht immer richtig angekommen. Die Sprachbarriere macht es schwierig, und ohne meine russischsprachigen Kontakte hätte ich deutlich weniger Möglichkeiten für Gespräche.

Am Abend kommt deshalb zum ersten Mal der Gedanke auf:

Vielleicht höre ich doch wieder auf.

Aber ich habe zugesagt, mindestens bis Sonntag durchzuhalten.

Also geht es morgen wieder früh raus.

Mein Jakobsweg hat sich innerhalb weniger Tage ziemlich verändert. Statt Kilometer Richtung Santiago zu sammeln, verbringe ich meine Tage nun zwischen Weinreben, Campingplatz und Supermarkt.

Und bereits nach zwei Tagen wird mir klar:

Diese kleine Unterbrechung meiner Pilgerreise könnte anstrengender werden, als ich gedacht hatte. 🍇🥾

Buen Camino


Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️

Wenn du meinen Weg bis zum Ende verfolgen möchtest, könnten dich diese Beiträge ebenfalls interessieren: