Von Le Puillat bis Beaujeu
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Was für ein Wechselbad: Nach einer endlich wieder besseren Nacht starte ich bei schönstem Sonnenschein – und schon wenige Minuten später haut mich die Landschaft komplett um. Doch mein Körper macht mir heute deutlich, wie anstrengend die vergangenen Wochen waren. Rücken, Schultern, Füße und sogar meine Schuhe scheinen langsam fertig zu sein. Und trotzdem passiert unterwegs wieder etwas Erstaunliches: Die Müdigkeit verschwindet, die Schmerzen rücken in den Hintergrund und plötzlich läuft es wieder. Belohnt werde ich mit einer Landschaft, die von Tag zu Tag grandioser zu werden scheint. 🥾🌄💪
12:03 Uhr – Wieder on Track
Es ist 12:03 Uhr. Ich bin wieder on Track.
Die heutige Nacht war deutlich, deutlich besser als die letzten zwei Nächte und es war glücklicherweise auch nicht so kalt.
Das Wetter ist heute zudem wieder mal gut. Die Sonne scheint.
Es ist ein schönes Wetter. ☀️
12:24 Uhr – Einfach nur der Wahnsinn!
Was sich JETZT für eine Landschaft abzeichnet, ist einfach nur der Wahnsinn!
Ich bin hin und weggerissen. 😳
14:46 Uhr – Erschöpft, ausgepowert und erledigt
Ich mache eine Pause.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich eher schleppend vorankomme. So zackig wurde es doch nicht.
Ich dachte ehrlich gesagt, die Muskulatur und der ganze Körper werden stärker und dynamischer mit der Zeit.
Stattdessen fühle ich mich erschöpft, ausgepowert und erledigt.
Zum Abschuss frei.
Alles schmerzt. Der Rücken, die Schultern und die Füße. Vor allem beim Runterlaufen vom Berg. Es drückt im Schuh.
Die Schuhe sind fertig, auch erledigt wie ich, ausgelatscht.
Zum Abschuss frei. Für die Mülltonne.
Irgendwie geht es schon, aber ich fühle eine schwere Müdigkeit.
20 km am Tag sind immer noch weit davon entfernt, erreicht zu werden. Ich bin zurzeit bei 12 km. Mehr ist leider nicht drin.
Dann sind die Tage kürzer als sonst. Und trotz dessen, dass man sich länger über die Nacht erholen kann, läuft es nicht wie angedacht.
Aber wie schon einmal gesagt:
Die Hoffnung stirbt zuletzt. 🤨
18:51 Uhr – Und plötzlich läuft es wieder
Ich bin an meiner Destination.
Die letzten Meter waren richtig brutal. Es ging steil bergauf.
Ich, voll beladen bis aufs Äußerste. Gefühlt zumindest.
Drei Liter Wasser, einen halben Liter Bier, Lebensmittel etc. pp.
Kurzerhand: voll.
Ich habe noch einmal im Ort ein paar Kleinigkeiten dazugekauft. 😣 Vielleicht nun wirklich das letzte Mal?
Die nächsten Tage sollte dann wirklich nichts mehr kommen.
Nach dem letzten Eintrag ging’s rapide vorwärts.
Es lief wie frisch geschnittenes Brot zum Frühstück mit Butter und hausgemachter APRIKOSEN-Marmelade.
Die Schmerzen verschwanden weiter in den Hintergrund.
Die Müdigkeit löste sich in Nichts auf. Sie verschwand wie der Wasserdampf.
Vom Berg ging’s zügig runter ins Tal.
Jetzt bin ich wieder am Berg an meiner Destination.
Es geht auf und ab wie im Karussell, nur viel langsamer.
Und die Aussicht, die Landschaft wird grandioser und grandioser.
Gewaltig.
Ich bin fast immer komplett geflasht von der Landschaft die letzten Tage. Ohne, dass ich dazu Haschisch rauchen müsste. Ich rauche nicht, nur als Vergleich.
Ist halt mein Preis für die Anstrengungen, denen ich mich täglich stelle. 💪🌅🏞️🤗
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 76 |
|---|---|
| 🚶♂️ Strecke | Le Puillat bis Beaujeu |
| 👣 Schritte | 25.635 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | 17,93 € |
| 👁️ Distanz bis Le Puy | 231 km |
| ☀️ Wetter | sonnig und angenehm |
| 🌄 Highlight | immer grandiosere Berglandschaften |
| 😣 Körper | Rücken, Schultern und Füße schmerzen |
| 👟 Ausrüstung | Schuhe stark ausgelatscht |
| 🎒 Rucksack | schwer beladen mit Wasser und Lebensmitteln |
| 💪 Tagesverlauf | erst erschöpft, später wieder deutlich mehr Energie |
Fazit des Tages
Heute zeigt mir mein Körper ziemlich deutlich, dass die vielen Wochen auf dem Jakobsweg ihre Spuren hinterlassen.
Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mit der Zeit immer stärker und dynamischer werde. Doch heute fühlt es sich zeitweise genau andersherum an.
Rücken, Schultern und Füße schmerzen. Die Schuhe sind ausgelatscht. Die Müdigkeit sitzt tief.
Und dann passiert genau das, womit ich nicht gerechnet habe.
Plötzlich läuft es wieder.
Die Schmerzen rücken in den Hintergrund, die Müdigkeit verschwindet und vom Berg geht es zügig hinunter ins Tal. Später muss ich mit meinem voll beladenen Rucksack wieder hinauf – dieses ständige Auf und Ab gehört hier mittlerweile einfach dazu.
Aber dafür bekomme ich etwas zurück.
Diese Landschaft.
In den letzten Tagen werde ich von den Aussichten immer wieder komplett geflasht. Hügel, Berge, Täler und diese unglaubliche Weite.
Vielleicht ist genau das mein Preis für die täglichen Anstrengungen.
25.635 Schritte geschafft – und noch 231 Kilometer bis Le Puy. 💪🌄🥾
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen wieder einmal Aussichten, die mich einfach nur überwältigt haben – traumhafte Weiten bis weit in die Ferne und eine Landschaft, die seit Tagen immer gewaltiger zu werden scheint.
Für mich gehört diese Gegend definitiv zu den schönsten landschaftlichen Momenten meines bisherigen Jakobswegs – und das Faszinierende daran: Es hört einfach nicht auf. 🌄🇫🇷🥾😍
































🍇 Gut zu wissen – Beaujeu, die historische Hauptstadt des Beaujolais
Als ich Beaujeu erreichte, war mir wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass dieser kleine Ort einer ganzen weltbekannten Weinregion seinen Namen gegeben hat: dem Beaujolais. Beaujeu gilt als die historische Hauptstadt des Beaujolais.
Im Mittelalter herrschten hier die mächtigen Herren von Beaujeu – die Sires de Beaujeu. Zwischen etwa dem Jahr 1000 und 1400 bauten sie ihren Einfluss immer weiter aus. Ihr Herrschaftsgebiet erstreckte sich schließlich vom Süden Burgunds bis in den Norden von Lyon. Aus ihrem Namen entwickelte sich auch die Bezeichnung der gesamten Region: Beaujolais. Im Jahr 1400 ging das Gebiet schließlich an die Herzöge von Bourbon über.
Auch heute findet man in Beaujeu noch einige Spuren dieser Geschichte. Dazu gehört beispielsweise die romanische Kirche Saint-Nicolas, die im Mittelalter unter den Herren von Beaujeu entstand. Außerdem gibt es historische Fachwerk- und Renaissancebauten. Von der ehemaligen Burg der Herren von Beaujeu sind dagegen nur noch wenige Überreste erhalten.
Und natürlich spielt der Wein eine große Rolle. Beaujeu liegt an der Beaujolais-Weinstraße und ist eng mit der Weintradition der gesamten Region verbunden. Auch das bekannte Fest rund um den Beaujolais Nouveau wird hier jedes Jahr gefeiert.
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