Von Les Pinasses bis Civrieux-d’Azergues
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Muss ich wirklich durch Lyon laufen – oder bleibe ich lieber dort, wo ich mich wohler fühle: in der Ruhe? Diese Frage begleitet mich heute genauso wie die Worte aus der Bibel, die mir auf meinem Weg immer wichtiger werden. Körperlich läuft es ordentlich, die Sonne begleitet mich den ganzen Tag. Doch am Abend wartet ein ganz praktisches Problem auf mich: Ich habe noch immer kein passendes Gas für meinen Kocher. 🤔
11:19 Uhr – Muss ich wirklich nach Lyon?
Es ist 11:19 Uhr. Ich mache mich für den Tag fertig.
Aber, ich gehe es langsamer an. Ich sehe keinen Grund zur Eile.
Zum anderen denke ich darüber nach, nicht ganz nach Lyon zu marschieren, sondern nur am Rande zu passieren?
Was soll ich auch dort? Dieses Getümmel?
Mich freut es nicht, hineinzugehen.
Ich habe keinen zwingenden Grund dazu!
Alle Städte sind gleich wie die anderen.
Nur immer etwas anders.
Natürlich sind sie schön, dennoch ziehe ich es vor, in der Ruhe zu verbleiben, anstatt in der Hektik der Stadt unterzugehen.
Heute kaufe ich mir unterwegs das Gas und dann schaue ich mal, wie ich die Stadt am besten umgehen kann.
Oder soll ich es wagen? 🤔
12:26 Uhr – Die Bibel als treuer Begleiter auf meinem Weg 📖
Es geht los. Ich bin ready.
Die Sonne scheint und es ist schönes Wetter.
In der Früh las ich einige Kapitel aus dem Neuen Testament – Hebräer.
Die Worte gehen tief unter die Haut und bestärken meinen Glauben an den Weg und mich selbst.
Immer mehr glaube ich auch daran, dass man kein anderes Buch mehr in seinem Leben braucht.
Die Bibel ist ein mächtiges Buch, das all den anderen spirituellen Büchern, die es gibt, weit überlegen ist.
Es ist ein extrem geistreiches Buch.
Der Mensch lebt, wie es so heißt, niemals vom Brot allein.
Wenn man interessiert ist, im Geiste zu wachsen, so ist die Bibel das perfekte Fundament dazu.
Auf so einem Weg, wie ich ihn mache, ist die Bibel das perfekte Begleitbuch.
Mein Rucksack ist plötzlich schwerelos🎒
Mein Rucksack wiegt zum ersten Mal nur 18 kg.
Aber es ist alles leer:
- kein Wasser,
- kein Proviant,
- kein Gas – nichts mehr. 😖
13:30 Uhr – Erste Pause und eine Entdeckung am Wegesrand
Ich mache eine erste Pause.
Ich bin schon wieder hungrig.
Vorhin bin ich an einem alten Telegraphen und dessen Geschichte vorbeigelaufen.
Ich habe alles Wichtige dazu fotografiert. 📷




💡 Gut zu wissen: Der optische Telegraf von Claude Chappe
Das System wurde zwischen 1790 und 1794 von Claude Chappe entwickelt und ermöglichte es, Nachrichten über große Entfernungen zu übertragen – lange bevor es Telefon oder Funk gab.
Auf hohen Punkten standen dafür Telegrafenstationen mit großen, beweglichen Armen. Diese konnten verschiedene Positionen einnehmen und dadurch unterschiedliche Zeichen darstellen. Die nächste Station beobachtete das Signal und gab es anschließend weiter. Laut der Tafel lagen zwischen den einzelnen Stationen ungefähr 8 bis 12 Kilometer.
Besonders interessant für meinen Weg: 1799 wurde der Bau einer Telegrafenlinie zwischen Paris und Lyon beschlossen.
Sie bestand aus 58 Stationen und wurde 1807 fertiggestellt. Die auf der Tafel beschriebene Station von Marcy war die 55. Station von Paris aus und lag auf etwa 393 Metern Höhe.
Eine Nachricht von ungefähr 15 Wörtern konnte mit diesem System laut Informationstafel innerhalb von etwa einer Stunde von Paris nach Lyon gelangen. Mit Pferd oder Postkutsche hätte dieselbe Nachricht damals fast fünf Tage benötigt.
Um 1840 erreichte das französische optische Telegrafennetz schließlich eine Länge von ungefähr 5.000 Kilometern, mit 535 Stationen, die 29 Städte miteinander verbanden.
Für mich war das eine interessante Entdeckung am Wegesrand – heute trage ich mein Smartphone und mein Solarpanel im Rucksack, und vor rund 200 Jahren wurden Nachrichten noch von Berg zu Berg mit großen beweglichen Armen weitergegeben. 📡🥾





Übersetzung der Zeichen
| Französische Bezeichnung | Bedeutung auf Deutsch |
|---|---|
| Petite activité | geringe Aktivität |
| Grande activité | starke Aktivität |
| Petite urgence | geringe Dringlichkeit |
| Grande urgence | hohe Dringlichkeit |
| Signal de réception | Empfangssignal |
| Signal d’attente | Wartesignal |
| Signal de répétition de correspondance | Aufforderung zur Wiederholung eines Signals/einer Übertragung |
| Signal final | Endsignal – Übertragung beendet |
| Congé de ¼ d’heure | Unterbrechung/Pause von 15 Minuten |
| Congé de ½ heure | Pause von 30 Minuten |
| Congé d’une heure | Pause von einer Stunde |
| Congé de deux heures | Pause von zwei Stunden |
| Erreur d’agent qui annule un faux signal porté au final | Bedienfehler – ein falsches Signal wird aufgehoben/korrigiert |
| Suspension de brumaire | Unterbrechung wegen Nebel bzw. schlechter Sicht |
| Suspension d’absence | Unterbrechung wegen Abwesenheit |
| Suspension de petit dérangement | Unterbrechung wegen einer kleineren Störung |
| Suspension de grand dérangement qui exige la présence de l’inspecteur | größere Störung – ein Inspektor wird benötigt |
| Suspension de retard | Unterbrechung wegen Verzögerung |
📡 Was daran besonders interessant ist
Damit wird deutlich, wie ausgeklügelt das System bereits war. Die Stationen konnten nicht nur Nachrichten weiterreichen, sondern sich untereinander praktisch auch mitteilen:
„Signal empfangen.“ – „Warte.“ – „Wiederholen.“ – „Dringend!“ – „Wir haben eine technische Störung.“ – „Wir machen 30 Minuten Pause.“
Und sogar Nebel hatte ein eigenes Signal. Das ergibt natürlich Sinn: Der optische Telegraf funktionierte nur, solange die nächste Station ihre Signale auch sehen konnte.
Die beiden Zeichen „Petite urgence“ und „Grande urgence“ finde ich besonders spannend. Auf deiner Abbildung steht darunter sinngemäß, dass diese Dringlichkeit die Geschwindigkeit der Übermittlung erhöhte. Eine wichtige Nachricht sollte also entsprechend schneller durch die Stationskette weitergegeben werden.

💡 Wie funktionierte der optische Telegraf?
An jeder Telegrafenstation arbeiteten laut der Informationstafel zwei sogenannte „Stationnaires“. Sie wechselten sich ab und waren täglich im Einsatz. Der Betrieb begann bei Sonnenaufgang und endete bei Sonnenuntergang.
Mit speziellen Fernrohren beobachteten sie die benachbarten Stationen. Diese vergrößerten die Signale etwa 40-fach. Sobald ein Zeichen an der vorherigen Station erschien, musste es exakt nachgestellt werden, damit es von der nächsten Station übernommen werden konnte.
Besonders interessant: Die Mitarbeiter an den einzelnen Stationen wussten gar nicht, was die übermittelten Nachrichten bedeuteten. Die Signale standen für Zahlen, die wiederum auf bestimmte Seiten und Zeilen eines speziellen Codebuches verwiesen. Nur die Direktoren besaßen diese Wörterbücher und konnten die Nachrichten ver- beziehungsweise entschlüsseln.
Die übertragenen Nachrichten waren vor allem offizieller, militärischer oder administrativer Natur. Ab etwa 1850 wurde der optische Telegraf schließlich durch den elektrischen Telegrafen und den Morsecode verdrängt.
🤯Für mich faszinierend:
Eine Nachricht wanderte damals von Station zu Station, ohne dass die Menschen, die sie weitergaben, überhaupt ihren Inhalt kannten. Und heute schicke ich mit meinem Smartphone innerhalb von Sekunden Bilder von meinem Jakobsweg um die halbe Welt. 📡📱🥾











19:31 Uhr – Noch immer kein Gas 🤔
Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu.
Die Sonne war heute extrem präsent.
Ich bin an meiner Destination.
Zu meinem Bedauern habe ich heute kein Gas bekommen.
Sonst gab es immer Gas mit Gewinde in der „Leclerc“-Ladenkette. In diesem Geschäft gab es nicht das Gas, von dem ich dachte, es hier kaufen zu können.
Das ist derzeit ein Problem mit dem Gas.
Ich brauche eine andere Lösung. So kann es nicht weitergehen.
Mein Zelt ist aufgebaut.
Ich sitze und denke nach, wie ich für die nächsten Tage und Wochen verfahren soll. 🤔
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 81 |
|---|---|
| 👣 Schritte | 19.820 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | 31,05 Euro |
| 📍 Etappe | Les Pinasses bis Civrieux-d’Azergues |
| 🎒 Rucksackgewicht | ca. 18 kg ohne Wasser, Proviant & Gas |
| ☀️ Wetter | sonnig und schön |
| 📖 Gedanken | Glaube, Bibel und der eigene Weg |
| 📷 Entdeckung | alter Telegraph und seine Geschichte |
| 🔥 Problem des Tages | kein passendes Gas gefunden |
| 🏙️ Offene Frage | durch Lyon oder lieber außen herum? |
Fazit des Tages
Heute beschäftigt mich nicht nur die Strecke, sondern auch die Frage, welchen Weg ich überhaupt nehmen möchte.
Lyon liegt vor mir. Aber muss ich wirklich mitten hinein in das Getümmel einer großen Stadt? Ich habe keinen zwingenden Grund dazu und merke immer wieder, wie sehr ich inzwischen die Ruhe auf meinem Weg schätze.
Gleichzeitig begleitet mich mein Glaube immer stärker. Die Bibel ist für mich auf dieser Reise zu einem besonderen Begleiter geworden. Gerade unterwegs habe ich viel Zeit, über ihre Worte nachzudenken und sie auf mein eigenes Leben zu beziehen.
Und dann gibt es natürlich noch die ganz praktischen Dinge des Pilgerlebens.
Mein Rucksack wiegt zwar erstmals nur rund 18 Kilogramm – allerdings auch nur deshalb, weil Wasser, Proviant und Gas fehlen. 😖
Vor allem das Gas wird langsam zum Problem. Ich hatte fest damit gerechnet, heute eine passende Kartusche zu bekommen. Daraus wurde nichts.
Also sitze ich am Abend vor meinem aufgebauten Zelt und überlege:
Wie geht es in den nächsten Tagen und Wochen weiter?
19.820 Schritte liegen hinter mir. Lyon liegt irgendwo vor mir.
Und welche Richtung ich dort genau einschlagen werde, entscheide ich, wenn es so weit ist. 🥾🌱📖
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen wieder viele kleine Eindrücke entlang meines Weges – französische Dörfer, weite Aussichtspunkte und historische Spuren des alten Telegrafensystems.
Besonders gefallen hat mir heute auch die Architektur mit ihrem teilweise fast südländischen Flair: ein interessanter Mix aus alten Gebäuden, traditionellen Details und moderneren Einflüssen. 🏘️🌄📡🇫🇷













































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