Winter ❄️ – ist meine Reisezeit zum Pilgern
Warum ich den Winter wieder wählen würde💡
Wer sich mit dem Jakobsweg beschäftigt, stößt früher oder später auf dieselbe Frage: Wann ist die beste Reisezeit für den Jakobsweg? Die Antwort darauf ist nicht so einfach, denn jeder Pilger hat andere Erwartungen. Manche wünschen sich möglichst viele Begegnungen mit anderen Menschen, andere suchen vor allem Ruhe und Zeit für sich.
Ich selbst hätte früher wahrscheinlich auch den Frühling oder Herbst empfohlen. Doch nachdem ich den Camino Francés zweimal im Winter erlebt habe, hat sich meine Sicht verändert. Heute würde ich mich jederzeit wieder für diese Jahreszeit entscheiden – auch wenn sie ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt.
Mein Camino führte mich 2023 ganz automatisch in den Winter❄️
Eigentlich hatte ich nie geplant, den Jakobsweg in Spanien im Winter zu laufen. Während meiner langen Pilgerreise durch Frankreich ergab es sich einfach. Im Laufe des Herbstes erreichte ich schließlich Saint-Jean-Pied-de-Port und stand dort Ende November 2023 beziehungsweise Anfang Dezember vor der Entscheidung: abbrechen oder weitergehen?
Ich entschied mich dafür, meinen Weg fortzusetzen – und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut.🍀
Schon die ersten Etappen zeigten mir, dass der Winter eine ganz besondere Atmosphäre mit sich bringt. Die Wege waren angenehm ruhig, die Landschaft wirkte fast entschleunigt und ich konnte das Pilgern viel intensiver wahrnehmen, als ich es vermutlich in der Hochsaison jemals erlebt hätte.
Weniger Trubel – aber niemals einsam 🎯
Viele Menschen glauben, dass man im Winter kaum anderen Pilgern begegnet. Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht.
Natürlich waren deutlich weniger Menschen unterwegs als im Sommer. Genau das empfand ich jedoch als großen Vorteil. Die Herbergen waren nicht überfüllt, auf den Wegen herrschte eine angenehme Ruhe und trotzdem ergaben sich immer wieder schöne Begegnungen.
Mal lief man einige Stunden gemeinsam, mal traf man sich abends in der Herberge wieder oder tauschte Erfahrungen über die nächsten Etappen aus. Es entstand eine sehr persönliche und fast familiäre Atmosphäre, die ich bis heute mit dem Winter auf dem Jakobsweg verbinde.
Frage: Sind im Winter überhaupt genügend Herbergen geöffnet?
Diese Frage wird mir besonders häufig gestellt.
Aus meiner Erfahrung lautet die Antwort eindeutig: Ja – allerdings solltest du etwas flexibler planen.
Während meiner Wintertour fand ich entlang des Camino Francés regelmäßig geöffnete Unterkünfte. Im Durchschnitt gab es etwa alle 15 bis 20 Kilometer eine Herberge oder eine andere Übernachtungsmöglichkeit. Vereinzelt musste ich meine Tagesetappe etwas verlängern, weil eine Unterkunft geschlossen hatte.
Wirklich problematisch war das jedoch nie.
Wer im Winter unterwegs ist, sollte sich lediglich darauf einstellen, dass nicht jede Herberge geöffnet hat und kurzfristige Änderungen möglich sind. Mit etwas Flexibilität lässt sich das jedoch gut bewältigen.
Mein Tipp: Nutze die Touristeninformation in Saint-Jean-Pied-de-Port💡
Wenn du deinen Camino Francés in Saint-Jean-Pied-de-Port beginnst, solltest du unbedingt die Touristeninformation beziehungsweise das Pilgerbüro besuchen.
Dort erhältst du nicht nur deinen ersten Stempel, sondern auch äußerst hilfreiche Informationen für die kommenden Etappen.
Ich bekam dort einen übersichtlichen Etappenplan mit Entfernungen, Höhenprofilen und den wichtigsten Orten entlang des Weges.💡
Besonders hilfreich war außerdem eine aktuelle Liste der Pilgerherbergen. Darin war vermerkt, welche Unterkünfte ganzjährig geöffnet sind, welche saisonal schließen und wie sie telefonisch erreichbar sind. Gerade im Winter gibt dir diese Übersicht ein gutes Gefühl bei der Planung der nächsten Etappen.
Trotzdem solltest du die Informationen unterwegs immer noch einmal überprüfen. Öffnungszeiten können sich kurzfristig ändern und es kann durchaus vorkommen, dass eine Herberge unerwartet geschlossen ist.
Nach meiner Erfahrung findet sich auf dem Jakobsweg jedoch fast immer eine Lösung – sei es durch andere Pilger, eine App wie die Buen-Camino-App oder einen kurzen Anruf, um sicherzustellen, ob die Unterkunft im nächsten Ort auch wirklich offen ist.
Apps können im Winter eine große Hilfe sein ❗
Neben den Informationen aus dem Pilgerbüro haben mir auch verschiedene Pilger-Apps geholfen. Gerade im Winter bieten sie eine gute Orientierung, wenn es um geöffnete Unterkünfte, Entfernungen oder alternative Übernachtungsmöglichkeiten geht.
Sie ersetzen zwar nicht die eigene Planung oder aktuelle Informationen vor Ort, können aber dabei helfen, den Überblick zu behalten und kurzfristig auf Veränderungen zu reagieren.
Besonders wenn eine geplante Herberge geschlossen ist, sind solche Apps ein unverzichtbarer Begleiter.
Der Winter zeigt auch seine anspruchsvolle Seite ☃️
Bei meiner zweiten Wintertour, die ich im Januar 2026 in Pamplona begann, lernte ich den Jakobsweg noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen.
An mehreren Tagen begleiteten mich starker Regen, kräftiger Wind und niedrige Temperaturen. Mein alter Regenponcho kam dabei völlig an sein Grenzen. Vor allem in höheren Lagen können sich die Wetterbedingungen innerhalb kurzer Zeit deutlich wechselhaft und sehr stürmisch sein.
Genau dort wurde mir bewusst, wie wichtig eine hochwertige Regenausrüstung ist. Nur ein einfacher Regenponcho war definitiv nicht ausreichend!
Bei längeren Regenphasen stößt einfache Regenkleidung schnell an ihre Grenzen. Deshalb empfehle ich jedem Winterpilger, lieber einmal in eine gute Regenjacke, eine wasserdichte Regenhose und einen zuverlässigen Regenschutz für den Rucksack etwas mehr Geld zu investieren.
Trockene Kleidung trägt entscheidend dazu bei, dass auch schwierige Etappen angenehm bleiben.
Für wen eignet sich der Jakobsweg im Winter?
Aus meiner Sicht eignet sich der Winter besonders für Menschen, die explizit Ruhe suchen, gerne unabhängig unterwegs sind und sich nicht daran stören, wenn eine Tagesetappe gelegentlich etwas länger ausfällt.
Eine gute Grundkondition und die Bereitschaft, sich auf wechselhaftes Wetter einzustellen, sind dabei von Vorteil.
Wer hingegen zum ersten Mal pilgert, sich bei Kälte schnell unwohl fühlt oder möglichst einfache Bedingungen bevorzugt, wird sich im Frühling oder Herbst vermutlich wohler fühlen.
Es geht dabei nicht darum, welche Jahreszeit objektiv die beste ist.
Entscheidend ist vielmehr, welche Reisezeit zu deinen persönlichen Erwartungen und Voraussetzungen passt.
Achtung: Schneefall und schwierige Wege im Gebirge 🌨️
Wer den Jakobsweg im Winter geht, sollte sich besonders auf die Gebirgsabschnitte vorbereiten. Vor allem zwischen Astorga, Rabanal del Camino sowie auf den höher gelegenen Etappen in Richtung O Cebreiro und weiter nach Triacastela können die Bedingungen sehr erschwert sein.




Nach starken Schneefällen oder während der Schneeschmelze können einzelne Abschnitte des eigentlichen Pilgerwegs sehr matschig oder sogar zeitweise unpassierbar werden. Hinzu kommt, dass Schmelzwasser kleine Bäche anschwellen lässt und sich auf einigen Wegen größere Wasserflächen bilden können. In solchen Situationen ist es häufig sicherer, auf die parallel verlaufenden Asphaltstraßen auszuweichen, anstatt auf den aufgeweichten Wald- und Feldwegen weiterzugehen.
Auch gutes Schuhwerk stößt unter diesen Bedingungen irgendwann an seine Grenzen. Selbst hochwertige, wasserdichte Wanderschuhe können bei stundenlangem Regen oder tiefem Matsch Feuchtigkeit aufnehmen. Deshalb empfehle ich zusätzlich wasserdichte Gamaschen sowie Ersatzsocken im Rucksack. Trockene Füße tragen entscheidend dazu bei, Blasen vorzubeugen und die Motivation auch an schwierigen Tagen aufrechtzuerhalten.
Mein Tipp aus eigener Erfahrung: Informiere dich vor einer Gebirgsetappe immer über die aktuelle Wetterlage und die Wegverhältnisse. Die Betreiber der Pilgerherbergen – oft auch Hospitaleros oder Hospitaleras genannt – stehen in engem Austausch miteinander. Informationen über Schnee, gesperrte Wege oder geänderte Routen sprechen sich auf dem Jakobsweg meist sehr schnell herum. Auch andere Pilger teilen ihre Erfahrungen, sodass du unterwegs fast immer aktuelle Hinweise erhältst.
Mein persönliches Fazit
Wenn ich heute noch einmal vor der Entscheidung stehen würde, wann ich den Jakobsweg gehe, würde ich mich wieder für den Winter entscheiden.

Die ruhigen Wege, die entspannte Atmosphäre in den Herbergen und die herzlichen Begegnungen haben meine Pilgerreise auf eine besondere Weise geprägt. Ja, es gab Regentage, Wind und gelegentlich längere Etappen. Doch genau diese Herausforderungen gehören für mich inzwischen zum Jakobsweg dazu.
Deshalb lautet meine Antwort auf die Frage nach der besten Reisezeit nicht einfach „Winter“. Meine Antwort lautet vielmehr: ,
Die beste Reisezeit ist die, die zu dir passt. 💡
Für mich persönlich war das der Winter – und ich würde diesen Weg jederzeit wieder genauso gehen.
Warum ein wenig Spanisch zu sprechen sich immer lohnt 🏆

Wenn dich Spanien begeistert und du die Sprache besser verstehen oder sogar selbst sprechen möchtest, kann es sich lohnen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen.
Schon grundlegende Spanischkenntnisse können viele Begegnungen auf Reisen bereichern und den Alltag vor Ort deutlich erleichtern.
Gerade außerhalb der großen Städte wird nicht überall Englisch gesprochen. In kleineren Orten und Dörfern freuen sich viele Einheimische, wenn Besucher zumindest einige Worte Spanisch sprechen können. Oft öffnen bereits ein paar einfache Sätze Türen für interessante Gespräche, herzliche Begegnungen und authentische Einblicke in die Kultur.
Man wird häufig anders wahrgenommen als der typische Tourist und erlebt das Land auf eine persönlichere Weise.
Eine interessante Möglichkeit dafür bietet das Sprachenlernprogramm Sprachenlernen24. Es eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene und vermittelt systematisch Wortschatz, Aussprache und wichtige Redewendungen für den Alltag, Reisen und Gespräche mit Einheimischen.
👉 Hier findest du weitere Informationen zum Sprachprogramm.
📚 Das könnte dich ebenfalls interessieren
- Was ist der Jakobsweg?
- Die Entstehung von Santiago de Compostela
- Wer war Jakobus?
- Jakobsweg, der große Guide
- Warum pilgern Menschen?
- Beste Reisezeit Jakobsweg
- Der Codex Calixtinus – Europas erster Pilgerführer Der Jakobsweg im Mittelalter
- Die Jakobsmuschel: Bedeutung und Geschichte
- Mein Jakobsweg ab Saint-Jean-Pied-de-Port bis Muxia
- Mein kompletter Jakobsweg von Bad Wildbad bis Muxia







