Eine persönliche Erkenntnis auf dem Camino
Jakobsweg und Frieden – diese beiden Dinge gehören für mich heute unmittelbar zusammen. Als ich mich 2023 auf den Jakobsweg machte, hätte ich allerdings nicht gedacht, dass gerade der innere Frieden einmal zu einer meiner wichtigsten Erkenntnisse auf dem Camino werden würde.
Je länger ich unterwegs war, desto mehr entfernte ich mich von den vielen Einflüssen, die unseren normalen Alltag bestimmen. Nachrichten, Meinungen, Diskussionen, Erwartungen, Konflikte und die permanente Beschäftigung damit, was irgendwo auf der Welt gerade passiert.
Stattdessen wurde es stiller.
Nicht nur um mich herum, sondern vor allem in mir selbst.
Und irgendwann kam mir auf dem Weg ein Gedanke, der mich seitdem nicht mehr ganz losgelassen hat:
Was wäre eigentlich, wenn jeder Politiker, jeder Staatschef und überhaupt jeder Mensch, der große Macht über andere Menschen besitzt, einmal den Jakobsweg gehen würde?
Nicht für drei Tage. Nicht als medienwirksamer Termin mit Kamerateam. Sondern wirklich.
Wochenlang zu Fuß. Mit einem Rucksack auf dem Rücken. Schritt für Schritt. Jeden Tag.
Ich weiß natürlich nicht, ob dadurch tatsächlich Kriege verhindert oder politische Konflikte gelöst würden. Aber während meines eigenen Weges begann ich zu verstehen, warum mir dieser Gedanke überhaupt gekommen war.
Denn etwas veränderte sich in mir.
Warum der Jakobsweg inneren Frieden fördern kann 🕊️
Wenn man über einen längeren Zeitraum auf dem Jakobsweg unterwegs ist, entfernt man sich zunehmend von vielen Dingen, die das normale Leben bestimmen.
Nachrichten. Meinungen. Diskussionen. Erwartungen. Termine. Konflikte. Soziale Medien. Das ständige Bewerten dessen, was andere Menschen tun oder sagen.
All diese Dinge verschwinden natürlich nicht. Die Welt existiert weiter.
Aber sie rückt in die Ferne.
Plötzlich besteht ein Tag aus ganz anderen Fragen:
Wo führt der Weg entlang?
Wie weit möchte ich heute laufen?
Wo bekomme ich etwas zu essen?
Wo schlafe ich heute Nacht?
Wie geht es meinem Körper?
Und manchmal muss man nicht einmal diese Fragen beantworten.
Man läuft einfach.
Schritt für Schritt.
Mit jedem Kilometer hatte ich das Gefühl, dass nicht nur die Landschaft ruhiger wurde, sondern auch etwas in mir.
Auf dem Jakobsweg zurück in die eigene Mitte
Für mich wurde der Jakobsweg dadurch immer mehr zu einem Transformationsweg.
Nicht in dem Sinne, dass plötzlich alle Probleme verschwinden. Auch auf dem Camino gibt es schwierige Tage, Schmerzen, Erschöpfung, Zweifel und Situationen, die einen herausfordern.
Aber etwas anderes verändert sich.
Der ganze äußere Lärm verliert an Bedeutung.
Man ist nicht mehr permanent damit beschäftigt, auf irgendetwas zu reagieren. Und man muss nicht ständig eine Meinung haben. Bzw. muss man niemandem etwas beweisen. Man muss nicht auf jede Nachricht reagieren und sich nicht in jede Diskussion hineinziehen lassen.
Man beginnt wieder, sich selbst mehr wahrzunehmen.
Und irgendwann stellte ich bei mir etwas sehr Einfaches fest:
Ich war innerlich richtig friedlich geworden und es war gleichzeitig wunderschön es zu bemerken. Und in diesem Moment verändere sich für mich die ganze Welt.
Nicht weil die Welt plötzlich perfekt geworden war.
Sondern weil ich selbst mehr bei mir angekommen war.
Jakobsweg, Frieden und die Kraft hinter der Angst
Vielleicht könnte man diesen Zustand auch so beschreiben: Man entfernt sich Stück für Stück von der Angst und kommt wieder näher an die eigene Urkraft.
An das, was unter all den äußeren Einflüssen noch vorhanden ist.
Und an die eigene Seele.
An die eigene Mitte.
Für mich bedeutet das auch, wieder stärker in die eigene Schöpferkraft zu kommen.
Denn Angst bindet unglaublich viel Energie.
Wenn wir ständig Angst haben, uns verteidigen, vergleichen, kämpfen oder auf äußere Reize reagieren, bleibt weniger Kraft für das übrig, was wir eigentlich erschaffen könnten.
Was könnten wir entwickeln?
Oder was könnten wir verbessern?
Was könnten wir gemeinsam aufbauen?
Was könnten wir für andere Menschen tun?
Auf dem Jakobsweg hatte ich immer stärker das Gefühl, dass in uns Menschen unglaublich viel Potenzial steckt – wir aber einen großen Teil davon damit verbringen, gegeneinander zu arbeiten.
Was Politiker auf dem Jakobsweg über Frieden lernen könnten
Irgendwann entstand daraus ein Gedanke:
Was wäre, wenn die Menschen, die über Krieg und Frieden entscheiden, diese Erfahrung ebenfalls machen würden?

Was wäre, wenn ein Staatschef seinen Schreibtisch für einige Wochen verlassen würde?
- Keine Limousine.
- Keine Berater.
- Keine täglichen politischen Machtkämpfe.
Stattdessen ein Rucksack.
Ein Paar gute Wanderschuhe.
Und vor ihm Hunderte Kilometer Weg.
Morgens aufstehen und laufen.
Menschen begegnen, ohne zuerst nach ihrer gesellschaftlichen Stellung zu fragen.
Mit anderen Pilgern an einem Tisch sitzen.
- Müde sein.
- Hungrig sein.
- Die Natur beobachten.
- Schweigen.
- Nachdenken.
Und irgendwann vielleicht feststellen, wie wenig ein Mensch eigentlich braucht und feststellen das man auch teilen kann, von dem was man hat. Den wir sind hier alle Brüder und Schwester für eine begrenzte Zeit in dieser Welt die individuelle Erfahrungen sammeln.
Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen, töten oder streiten.
Wir können auch friedlich miteinander umgehen.
Respektvoll.
Innerer Frieden statt Macht und Konflikt
Genau daraus entstand bei mir eine weitere Frage:
Wenn ein Mensch wirklich mit sich selbst im Frieden ist – wie groß ist dann noch sein Bedürfnis, andere Menschen zu bekämpfen?
Wozu provozieren?
Oder wozu ständig gegeneinander arbeiten?
Wozu immer mehr Macht?
Wozu Feindbilder?
Und letztendlich: Wozu Krieg?
Natürlich weiß ich, dass die Wirklichkeit komplizierter ist. Kriege entstehen aus politischen, wirtschaftlichen, historischen und gesellschaftlichen Konflikten. Es wäre naiv zu behaupten, einige Wochen auf dem Jakobsweg könnten all das einfach auflösen.
Darum geht es mir auch nicht.
Mein Gedanke geht tiefer.
Es geht um den Menschen hinter der Macht.
Der Mensch hinter der politischen Macht
Ein Präsident ist ein Mensch.
Ein Minister ist ein Mensch.
Ein General ist ein Mensch.
Ein Unternehmer ist ein Mensch.
Und jeder dieser Menschen trägt seine eigenen Ängste, Verletzungen, Wünsche, Vorstellungen und Konflikte mit sich herum.
Je größer die Macht eines Menschen ist, desto größere Auswirkungen können seine Entscheidungen und möglicherweise auch seine inneren Konflikte auf andere Menschen haben.
Vielleicht wäre es deshalb gerade für Menschen mit großer Verantwortung besonders wertvoll, immer wieder aus diesem äußeren System herauszutreten und sich selbst zu begegnen.
- Ohne Titel
- Ohne Status
- Ohne Macht
Einfach als einfacher Mensch mit einfachen Grundbedürfnissen auf einem Pilgerweg der nach Santiago geht
Der Jakobsweg kann genau dafür einen Raum schaffen.
Warum der Camino Menschen miteinander verbindet
Auf dem Jakobsweg begegnen sich Menschen, die sich im normalen Leben vielleicht niemals begegnet wären.
- Unterschiedliche Nationalitäten.
- Unterschiedliche Berufe.
- Unterschiedliche Einkommen.
- Unterschiedliche politische Ansichten.
- Unterschiedliche Lebensgeschichten.
Und trotzdem laufen alle denselben Weg.
Am Ende des Tages tun allen irgendwann die Füße weh.
Alle suchen einen Platz zum Schlafen.
Alle freuen sich über etwas zu essen und zu trinken.
Und plötzlich wirken viele Unterschiede, die außerhalb des Weges unglaublich wichtig erscheinen, gar nicht mehr so groß.
Man erkennt wieder etwas sehr Einfaches:
Wir sind alle Menschen.
Vielleicht ist genau diese Erkenntnis etwas, das unserer Welt manchmal fehlt.
Jakobsweg und Frieden beginnen im eigenen Inneren ☮️
Ich glaube nicht, dass Frieden ausschließlich durch politische Verträge, Gesetze oder Institutionen entstehen kann.
Sie sind wichtig.
Aber vielleicht beginnt Frieden noch an einer anderen Stelle.
Im einzelnen Menschen.
Denn wie sollen wir dauerhaft Frieden im Außen erschaffen, wenn in uns selbst ständig Krieg herrscht?
- Wenn wir von Angst (z.B durch Medien) getrieben werden?
- Wenn wir uns permanent bedroht fühlen?
- Wenn wir ständig gegen jemanden oder etwas kämpfen?
Vielleicht braucht eine friedlichere Welt deshalb auch Menschen, die gelernt haben, wieder bei sich selbst anzukommen.
Menschen, die nicht aus Angst handeln, sondern aus ihrer Mitte.
Menschen, die ihre Kraft nicht dafür verwenden, etwas zu zerstören, sondern etwas zu erschaffen.
Nicht jeder muss für inneren Frieden den Jakobsweg gehen 🚶➡️
Natürlich wird nicht jeder Mensch den Jakobsweg gehen.
Und vielleicht ist der Camino auch gar nicht für jeden der richtige Weg.
Manche Menschen finden ihre Mitte in der Natur. Andere beim Meditieren. Andere beim Reisen, beim Sport, in der Stille oder auf einem vollkommen anderen persönlichen Weg.
Aber für mich war es der Jakobsweg.
Je länger ich unterwegs war, desto stärker wurde dieses Gefühl des inneren Friedens.
Und daraus entstand eine Vorstellung, die vielleicht etwas idealistisch ist – die ich aber trotzdem schön finde:
Was wäre, wenn viel mehr Menschen zuerst Frieden mit sich selbst schließen würden, bevor sie versuchen, über andere Menschen zu bestimmen?
A. Vielleicht würden wir dann weniger Energie darauf verwenden, uns gegenseitig zu bekämpfen?
B. Vielleicht hätten wir weniger Angst.
C. Vielleicht müssten wir weniger Feindbilder erschaffen.
Und vielleicht könnten wir einen viel größeren Teil unserer menschlichen Energie für etwas anderes einsetzen.
Zum Beispiel für:
- Ideen
- Kreativität.
- Entwicklung.
- Gemeinschaft.
- Für das Erschaffen von etwas Neuem.
- Für das Leben.
Vielleicht braucht die Welt nicht einfach nur mehr politische Lösungen.
Vielleicht braucht sie auch mehr Menschen, die wieder bei sich selbst angekommen sind.
Und manchmal beginnt dieser Weg tatsächlich mit einem einzigen Schritt.
Dem Jakobsweg 🤔
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Buen Camino
Meine Pilgerreise 🗺️
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