Was ist beim zelten erlaubt und worauf solltest du achten?
Das Zelten auf dem Jakobsweg ist für viele Pilger ein Traum. Es bietet Freiheit, Unabhängigkeit und spart Geld. Gleichzeitig gibt es je nach Land unterschiedliche Regeln und praktische Herausforderungen, die du kennen solltest.
In diesem Artikel teile ich meine persönlichen Erfahrungen aus rund drei Monaten, in denen ich überwiegend mit dem Zelt unterwegs war. Ich startete meine Pilgerreise am 14. Juli 2023 direkt von zu Hause aus und zeltete bis Ende Oktober – zunächst in Deutschland und anschließend durch Frankreich bis Le Puy-en-Velay.
In dieser Zeit lernte ich nicht nur die schönsten Seiten des Zeltens kennen, sondern auch die Herausforderungen, die das Übernachten in der Natur mit sich bringen kann.
Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass das Zelten je nach Beschaffenheit des Bodens unterschiedlich gut geeignet ist.
Frankreich: Zelten funktioniert meist unkompliziert
In Frankreich habe ich überwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht. Immer wieder fand ich ruhige Plätze in der Natur, an denen ich für eine Nacht mein Zelt aufbauen konnte. Wenn ich den Eindruck hatte, dass ich mich auf einem Privatgrundstück befand, fragte ich selbstverständlich vorher den Eigentümer um Erlaubnis. Die Menschen reagierten fast immer freundlich und hilfsbereit.
Für mich war das Zelten dort eine wunderbare Möglichkeit, unabhängig zu bleiben und die Natur intensiv zu erleben.
Spanien: Deutlich schwieriger zu zelten als viele denken, aber auch nicht notwendig💡
In Spanien sieht die Situation etwas anders aus.
Der Camino Francés gehört zu den beliebtesten Pilgerwegen der Welt. Gerade während der Hauptsaison sind täglich sehr viele Pilger unterwegs. Deshalb ist das Zelten entlang des Weges vielerorts nicht gern gesehen oder sogar ausdrücklich verboten.
Zudem gibt es ausreichende und günstige Pilgerherbergen. Die Übernachtungskosten bewegen sich zwischen 7 und 12 Euro, fast in jedem Ort zu finden. Allein deswegen ist das Zelten nicht wirklich notwendig.
💡Merke: „Je nach Region oder Schutzgebiet können bei unerlaubtem Zelten auch Bußgelder verhängt werden.“
Aber, du solltest dich vor deiner Reise immer über die geltenden Vorschriften der jeweiligen Region informieren. Ich persönlich würde das Zelten in Spanien nur in Erwägung ziehen, wenn ich komplett mit Low-Budget oder komplett ohne Geld pilgern müsste, aber niemals im Winter.
Notübernachtung oder Campieren – was ist der Unterschied?
Nach meiner persönlichen Erfahrung wird häufig zwischen einer Notübernachtung und einem längeren Campieren unterschieden.
Wer sein Zelt nur für eine Nacht aufbaut, am nächsten Morgen früh wieder abbaut und keine Spuren von Dreck oder Schmutz hinterlässt, wird vielerorts anders wahrgenommen als jemand, der mehrere Tage an einem Ort bleibt und dort einen Campingplatz einrichtet und Müll produziert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Notübernachtung automatisch überall erlaubt ist. Es ist immer mit Vorsicht zu genießen. Deshalb solltest du die örtlichen Regelungen respektieren und im Zweifel lieber eine offizielle Unterkunft oder einen Campingplatz nutzen.
Das richtige Zelt macht einen großen Unterschied ⛺
Ein wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt: der Untergrund.
Vor allem in Spanien besteht der Boden oft aus hartem oder steinigem Untergrund. Mit einem klassischen Trekkingzelt, das auf viele Heringe angewiesen ist, kann das schnell zum Problem werden.
Ein freistehendes Zelt, das auch ohne Heringe stabil steht, bietet hier deutliche Vorteile. Dadurch bist du wesentlich flexibler und kannst dein Zelt auch auf schwierigem Untergrund aufstellen.
Rückblickend würde ich einem Punkt deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken: der Wahl des richtigen Zeltes. Ich war mit meinem Zelt insgesamt sehr zufrieden und habe es auf meiner Reise wirklich schätzen gelernt. Dennoch habe ich unterwegs auch seine Grenzen kennengelernt.
Mein Zelt musste mit Heringen abgespannt werden. Solange der Boden weich war, funktionierte das problemlos. Vor allem in vielen Teilen Frankreichs fand ich überwiegend geeignete Plätze, auf denen ich die Heringe problemlos im Boden verankern konnte. Es gab aber auch immer wieder Abschnitte mit sehr hartem oder steinigem Untergrund. Dort wurde es teilweise zu einer echten Herausforderung, das Zelt sicher und stabil aufzubauen. Manchmal dauerte die Suche nach einem geeigneten Platz deutlich länger als gedacht.
Deshalb würde ich mich heute, wenn ich wieder losziehen würde, definitiv für ein freistehendes Zelt entscheiden. Ein solches Zelt kann auch auf hartem oder steinigem Untergrund aufgebaut werden und benötigt die Heringe oft nur noch zur zusätzlichen optionalen Sicherung.
Gerade auf längeren Trekkingtouren sorgt das für deutlich mehr Flexibilität bei der Platzwahl.
Für den Jakobsweg in Spanien würde ich das Zelten allerdings nur in Ausnahmefällen empfehlen. Dort gibt es entlang der beliebten Routen zahlreiche Pilgerherbergen, die meist günstig sind und den Alltag deutlich einfacher machen. Wer dennoch bewusst mit Zelt unterwegs sein möchte, sollte nach meiner Erfahrung unbedingt auf ein leichtes, freistehendes Modell setzen. Diese Entscheidung kann unterwegs einen deutlich größeren Unterschied machen, als man zunächst vermutet.
Rücksicht auf Natur und Mitmenschen 🏞️
Wer mit dem Zelt unterwegs ist, trägt auch Verantwortung.
Für mich war immer selbstverständlich, keinen Müll zurückzulassen. Alles, was ich mitgebracht habe, habe ich auch wieder mitgenommen – selbst wenn ich den Müll noch einige Kilometer bis zum nächsten Mülleimer tragen musste. Manchmal habe ich sogar bewusst mich entschlossen, liegengebliebenen Müll aufzusammeln und zu entsorgen.
Ebenso wichtig ist ein respektvoller Umgang mit der Natur und den anliegenden Menschen vor Ort.
💡Merke: Wähle deinen Schlafplatz möglichst unauffällig, vermeide Lärm, hinterlasse keine Schäden und baue dein Zelt am nächsten Morgen frühzeitig wieder ab.
Gerade diese Rücksichtnahme trägt dazu bei, dass auch zukünftige Pilger die Natur verantwortungsvoll und sauber erleben können.
Dann kann das Zelten – besonders auf weniger stark frequentierten Abschnitten – eine großartige Bereicherung deiner Pilgerreise sein.
Wildcampen in Spanien⛺ 🌳🍄🟫
Die genaue Rechtslage im Überblick 👀
Wer in Spanien abseits offizieller Campingplätze übernachten möchte, stößt auf ein strenges Regelwerk. Ein einziges, zentrales „Anti-Wildcamping-Gesetz“ gibt es zwar nicht, aber die Gesetze auf staatlicher und regionaler Ebene verbieten das freie Zelten (acampada libre) fast flächendeckend.
Hier sind die offiziellen gesetzlichen Grundlagen, die du kennen solltest:
- ⚠️ Absolutes Verbot an allen Küsten: An Spaniens Stränden und in den angrenzenden Schutzzonen ist jegliches Campen strikt untersagt. Basis hierfür ist das nationale Küstengesetz im offiziellen Gesetzblatt BOE: Ley de Costas (Art. 33.5).
- 🌲 Regionales Verbot im Landesinneren: Der Tourismus ist in Spanien Sache der 17 autonomen Gemeinschaften. Fast alle Regionen verbieten Wildcamping im Landesinneren per Dekret. Ein typisches Beispiel für die strengen Regeln im Süden ist das andalusische Tourismusdekret: Decreto 26/2018 der Junta de Andalucía.
- 🚐 Die Ausnahme für Camper (Parken vs. Campen): Im Fahrzeug zu übernachten (pernoctar) ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Solange das Wohnmobil oder der Van korrekt parkt und kein „Camping-Verhalten“ zeigt (keine ausgefahrene Markise, keine Tische oder Stühle im Freien), gilt dies laut der spanischen Verkehrsbehörde DGT als legales Parken. Die offizielle Grundlage hierzu ist die DGT-Instrucción PROT 2023/14.
💡Fazit für Outdoor-Fans: Das Aufschlagen von Zelten in der freien Natur wird in Spanien streng bestraft (Bußgelder bis zu €3.000). Wer aber autark im Camper unterwegs ist, darf auf öffentlichen Parkplätzen legal im Fahrzeug schlafen – vorausgesetzt, das Leben spielt sich ausschließlich im Fahrzeug ab.
Offizielle Regeln und die eigentliche Realität vor Ort
Während meiner Reise ist mir noch ein weiterer Punkt aufgefallen, den ich gerne hier vollständigkeitshalber erwähnen möchte.
Offiziell gelten in Spanien – je nach Region und Gemeinde – unterschiedliche Vorschriften zum Zelten. Siehe letzter Abschnitt.
Deshalb solltest du dich vorab immer über die geltenden Bestimmungen informieren und diese respektieren.
Gleichzeitig habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Realität vor Ort nicht immer schwarz oder weiß ist.
Nach meinen persönlichen Beobachtungen wird nicht jede Übernachtung im Freien automatisch geahndet. Ob jemand angesprochen wird oder nicht, hängt oft von der jeweiligen Situation ab – beispielsweise vom Ort, vom Verhalten oder davon, ob andere Menschen beeinträchtigt werden.
Mir ist außerdem aufgefallen, dass es insbesondere in größeren Städten und einigen Industriegebieten Menschen gibt, die dauerhaft oder vorübergehend im Freien (teilweise mit Zelt) übernachten, weil sie sich keine Wohnung leisten können oder aus anderen persönlichen Gründen keinen festen Wohnsitz haben.
Diese Beobachtung steht zwar nicht in direktem Zusammenhang mit dem Jakobsweg, zeigt aber, dass das Übernachten im Freien in manchen Gegenden zum alltäglichen Stadtbild gehören kann.
Für Pilger bedeutet das jedoch nicht, dass das Zelten automatisch erlaubt oder geduldet ist. Die gesetzlichen Regelungen gelten unabhängig davon.
Deshalb empfehle ich, möglichst auf offizielle Unterkünfte oder Campingplätze zurückzugreifen und ein Zelt nur dort aufzubauen, wo dies erlaubt ist oder nach Rücksprache mit dem Grundstückseigentümer das Zelten offiziell gestattet ist.
Solltest du dennoch einmal in eine Situation geraten, in der eine Übernachtung im Zelt unvermeidbar erscheint, verhalte dich respektvoll gegenüber Natur und Anwohnern: Hinterlasse keinen Müll, vermeide Lärm, baue dein Zelt möglichst unauffällig auf und am nächsten Morgen frühzeitig wieder ab. Ein rücksichtsvoller Umgang mit der Umgebung trägt dazu bei, Konflikte zu vermeiden und die Natur für alle zu erhalten.
Mein persönliches Fazit zum Zelten 💡
Für mich war das Zelten in Frankreich ab Deutschland bis Le Puy-en-Velay einer der schönsten Teile meiner gesamten Pilgerreise.
Die Freiheit, jeden Abend selbst zu entscheiden, wo ich übernachte, war ein besonders einzigartiges Erlebnis von Freiheit. Manchmal war es aber auch anstrengend.
In Spanien habe ich überwiegend nur auf Pilgerherbergen gesetzt, aber auch deswegen, weil es in dieser Zeit (Beginn der Winterzeit) arschkalt war und die Nächte für mich persönlich zu lang waren.
Eigentlich waren ja die Nächte schon ab Oktober/Anfang November nicht mehr so angenehm zum Zelten und deswegen bin ich ab Le Puy-en-Velay bewusst in Herbergen oder Hostels, manchmal auch in Privatunterkünften zur Übernachtung gewesen.
Aber wenn du den Jakobsweg unbedingt mit dem Zelt gehen möchtest, informiere dich deshalb vorab über die geltenden Vorschriften des Landes und mache dich mit der aktuellen Gesetzgebung vertraut. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Sei dir deren Regelung bewusst, respektiere die Natur und handle immer mit gesundem Menschenverstand.
Buen Camino
Wenn du meinen anderen Artikel über das Zelten bisher noch nicht gelesen hast, dann schau unbedingt da mal vorbei. Dort gehe ich noch explizit auf die Vor- und Nachteile beim Zelten ein und für wen das zelten überhaupt geeignet ist.
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