Etappe von Ponferrada nach Villafranca del Bierzo
Begegnungen und Gedanken am Wegesrand
Es ist 09:03 Uhr. Ich bin in einem Café.
Ich habe mich noch heute Morgen herzlich von Philipp und Marie, den Hospitaleras, verabschiedet. Richtig nett und sehr herzlich sind die beiden.
Und wieder dachte ich für einen Moment: Wir kennen uns doch schon von irgendwoher. Ich hatte erneut ein Déjà-vu. Aber woher genau?
Aus einem Traum? Ich weiß es nicht. Es ist irgendwie unerklärlich.
Die beiden kamen mir so bekannt vor, als hätte man sich schon lange vorher (aus einem anderen Leben) gekannt. Echt erstaunlich.
Auf dem Jakobsweg haben sich diese Momente immer mehr gehäuft. Früher, im Kindesalter, als man noch jünger war, gab es diese Momente ebenfalls. Im Laufe der Zeit verstummten sie und wurden immer weniger und verschwanden letztendlich vollständig aus dem Leben.
Jetzt, seit dem Jakobsweg, speziell seit Le Puy-en-Velay, tauchen sie vermehrt wieder auf😊.
Etappe von Ponferrada nach Villafranca endet in einer ungewöhnlichen Albergue😣
Zeit: 19:19 Uhr. Ich bin in Villafranca del Bierzo in einer Albergue. Die Nacht für ein Bettenlager kostet 10 Euro.
Es ist hier etwas speziell. Die Albergue hat ihre beste Zeit längst hinter sich. Mit dem Betreiber dieser Unterkunft funkt es überhaupt nicht. Er spricht nur Spanisch und macht auf mich keinen besonders guten beziehungsweise freundlichen Eindruck.
Ich fühle mich ehrlich gesagt nicht so wohl in dieser Albergue. Aber jetzt bin ich erstmal hier und diese Nacht werde ich überstehen.
Aus diesem Grund habe ich mich mit dem Getränkeautomaten, der Bier ausspuckt, angefreundet, um der etwas betrübten Stimmung einen kleinen Schubs in eine positivere Richtung zu geben. Ob das wirklich funktioniert, weiß ich allerdings nicht.
Ich bin dann erstmal kurz duschen gegangen und anschließend in die Stadt abgetaucht, um mich etwas umzusehen.
Dort ging ich in den Supermarkt und kaufte mir eine Kleinigkeit zum Snacken sowie zwei weitere kleine Bierdosen.
Zurück in der Albergue traf ich wieder die Pilger aus Mallorca, Joan und Katalin, von gestern. Die beiden gingen zunächst auf ein Bier ins Städtchen und wollten zum Abendessen um 20 Uhr wieder zurück sein.
Ich bin gespannt, wie das hier noch wird.
Mit von der Partie sind außerdem ein Koreaner namens Hans, Peter aus Spanien und jemand, den ich bisher noch nicht kennengelernt habe.
Begegnungen auf der Etappe von Ponferrada nach Villafranca del Bierzo
Zum Abend gab es um 20 Uhr noch ein gemeinsames Dinner. Es wurde ein Linseneintopf mit Kartoffeln, Karotten und einer alten Wurst serviert, die leider furchtbar geschmeckt hat.
Insgesamt war das Gericht nicht wirklich besonders schmackhaft. Man konnte es zwar essen, wenn man die Wurst wegließ, geschmacklich war es aber nicht der Hammer.
Doch was sollte ich tun? Wir saßen nun alle gemeinsam am Tisch.
Der alte Herr mit 83 Jahren, mit dem Namen Jesus, hat sein Bestes getan. Mehr konnte er nicht tun. So eine riesige Albergue alleine zu managen, ist auch kein Zuckerschlecken.
Wie ich bereits vorher schrieb: „Die Albergue hat ihre beste Zeit hinter sich und sucht vermutlich eher nach einem Nachfolger mit frischem Wind, behaupte ich mal salopp.“
Es gibt viele Betten. Allein in dem Raum, in dem ich untergebracht war, standen 14 Betten. Hinzu kommen noch mehrere weitere Räume. Das Gebäude ist einfach riesig.
Man müsste allerdings, was das Zeug hält, alles modernisieren. Neue Toiletten und Duschen wären nötig, aber auch vieles andere.
Später dann am Abend saßen wir schließlich alle zusammen am Tisch.
Mit dabei war Elia aus Sevilla, ein Spanier, der den Weg von Villafranca bis Santiago in einer Woche laufen möchte. Ist das ein Scherz, denke ich? Ich weiß es nicht, deswegen lass es einfach so stehen.
Morgen geht es für ihn los. Nächsten Samstag will er bereits in Santiago sein. Unglaublich, Maschine!!! Absolute Maschine!
Die Runde war schön. Gemeinsam mit Hans, dem Koreaner, lauschte ich den Spaniern bei ihren Gesprächen in ihrer Muttersprache.
Dabei konnte ich einiges über die verschiedenen Sprachen innerhalb Spaniens erfahren, beispielsweise über Baskisch und Katalanisch. Und auch etwas verstehen – zumindest das Spanische.
🏃♂️Schritte: 39803
🏡Übernachtung: Albergue Ave Fenix
💶Ausgaben:
10,00 € – Übernachtung
7,80 € – Café, Frühstück
10,70 € – Lebensmittel
4,30 € – Snack, Bier
1,20 € – Bier am Automaten
Gesamtbetrag: 34,00 €
👀Distanz bis Santiago: 181 km
Bildergalerie – von Ponferrada bis Villafranca del Bierzo
Auf dem Weg von Ponferrada bis Villafranca del Bierzo wechseln sich ruhige Natur, historische Bauwerke und die Vorfreude auf das nächste Abenteuer ab. Hier findest du einige Momentaufnahmen dieser besonderen Etappe.






Wissenswertes über Villafranca del Bierzo
Villafranca del Bierzo wird oft als das „kleine Santiago“ des Jakobswegs bezeichnet. Der Grund dafür ist die berühmte Puerta del Perdón – die „Pforte der Vergebung“ – an der Kirche Santiago.
Im Mittelalter erreichten viele Pilger diesen Ort erschöpft, krank oder verletzt. Manche waren so geschwächt, dass sie den letzten, anspruchsvollen Abschnitt über die Berge bis nach Santiago de Compostela nicht mehr bewältigen konnten.
Damit diese Menschen ihre Pilgerreise dennoch in Würde abschließen konnten, gewährte die Kirche ihnen durch die Puerta del Perdón einen besonderen Ablass. Wer den Weg aus gesundheitlichen Gründen nicht fortsetzen konnte und durch diese Pforte ging, erhielt symbolisch dieselbe geistliche Gnade wie ein Pilger, der tatsächlich Santiago de Compostela erreichte.
Aus diesem Grund wird Villafranca del Bierzo bis heute als das „kleine Santiago“ bezeichnet. Die Stadt erinnert daran, dass es beim Jakobsweg nicht nur um das Erreichen eines Ziels geht, sondern auch um die persönliche Reise und die Grenzen des eigenen Körpers.
Infos auf einen Blick💡
🏰 Burg der Markgrafen von Villafranca – eine eindrucksvolle Festung aus dem 16. Jahrhundert.
🍇 Weinregion El Bierzo – Villafranca liegt mitten in einem der bekanntesten Weinanbaugebiete Nordspaniens. Besonders die Rebsorte Mencía genießt international einen hervorragenden Ruf.
⛪ Kirche Santiago – erbaut im 12. Jahrhundert und eng mit der Geschichte des Jakobswegs verbunden.
🌿 Tor nach Galicien – Villafranca del Bierzo ist für viele Pilger die letzte größere Stadt vor dem Aufstieg nach O Cebreiro und dem Übergang nach Galicien.
Warum ein wenig Spanisch zu sprechen sich immer lohnt 🧑🎓

Wenn dich Spanien begeistert und du die Sprache besser verstehen oder sogar selbst sprechen möchtest, kann es sich lohnen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen.
Schon grundlegende Spanischkenntnisse können viele Begegnungen auf Reisen bereichern und den Alltag vor Ort deutlich erleichtern.
Gerade außerhalb der großen Städte wird nicht überall Englisch gesprochen. In kleineren Orten und Dörfern freuen sich viele Einheimische, wenn Besucher zumindest einige Worte Spanisch sprechen können. Oft öffnen bereits ein paar einfache Sätze Türen für interessante Gespräche, herzliche Begegnungen und authentische Einblicke in die Kultur.
Man wird häufig anders wahrgenommen als der typische Tourist und erlebt das Land auf eine persönlichere Weise.
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Weitere Etappen meiner Reise 🗺️
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- Mein kompletter Jakobsweg von Bad Wildbad bis Muxia
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Eine Pilgerreise verändert oft mehr als nur den Blick auf die Landschaft. Wer sich näher mit den Erfahrungen und Erkenntnissen des Jakobswegs beschäftigen möchte, kann von den Geschichten und Erlebnissen anderer Pilger wertvolle Impulse für den eigenen Weg mitnehmen.
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