Regenpause, Buchhaltung und Regeneration
Zeit: 12:53 Uhr
Ich bin auf dem Zeltplatz und habe mich im Zelt verkrochen, weil es auch HEUTE regnet und windet.
Ein grausames Wetter, das einem alle Hörner, die man haben könnte, auf dem Kopf aufstellen würde.
Egal.
Im Zelt ist es gemütlich und ich erledige, was es zu erledigen gibt.
Auch auf einer Wanderung gibt es schließlich Dinge, die man bei weniger rosigen Umständen erledigen kann.
Zum Beispiel gibt es da diese wenig beliebte Beschäftigung namens:
Buchhaltung.
Welche Ausgaben sind im Zuge meiner Pilgerung tatsächlich angefallen?
In meinem Fall habe ich meine bisherigen Ausgaben nachgetragen und anschließend den täglichen Durchschnitt errechnet.
Mein ursprüngliches Ziel war es ja, mit 5 Euro pro Tag auszukommen.
Nun …
Ich komme aktuell auf 7,35 Euro pro Tag.
Damit bin ich zwar etwas über mein Ziel hinausgeschossen, aber so schlecht finde ich das Ergebnis trotzdem nicht.
Wenn ich das nun auf vier Monate hochrechne, würde ich vermutlich insgesamt ungefähr 911,27 Euro ausgeben.
Hmmm.
Mal sehen, was am Ende wirklich dabei herauskommt.
Selbst wenn es 300 Euro mehr werden sollten, wäre das auch nicht weiter schlimm.
Aber vielleicht wird es ja sogar weniger. 🤔
Zeit: 15:50 Uhr
Es windet wie verrückt.
Gemütlich ist es – dem Himmel sei Dank – wenigstens halbwegs im Zelt.
Da ich hier ohnehin noch eine Nacht bleibe, bin ich bei diesem grausamen Wetter froh, heute nicht laufen zu müssen.
Ich kann nur hoffen, dass es morgen vielleicht etwas besser wird.
Zeit: 18:05 Uhr
Der Regen hat etwas nachgelassen.
Die Sonne kommt sogar ein bisschen heraus.
Ich liege im Zelt und lerne Französisch.
Bis morgen bleibe ich noch auf dem Zeltplatz, weil ich ein Paket erwarte – eine Bestellung mit Aminosäuren für den Körper und einem Imprägniermittel für mein Zelt.
Die Aminosäuren möchte ich während der starken körperlichen Belastung ausprobieren. Mir ist wichtig, meinen Körper während dieser langen Reise möglichst gut zu versorgen und ihm gleichzeitig ausreichend Regeneration zu ermöglichen.
Deshalb eile ich auch nicht unnötig.
Mein Körper braucht seine Erholungsphasen.
Also bleibe ich lieber in Ruhe hier, warte auf meine Bestellung und ziehe erst dann wieder weiter, wenn alles da ist und ich mich ausreichend erholt fühle.
In der Zwischenzeit wird eben die französische Sprache etwas intensiver zur Brust genommen. 🤱
Wenn ich schon durch Frankreich laufe, möchte ich schließlich auch ein bisschen Französisch sprechen können.
Allein in Frankreich werde ich vermutlich zwei bis drei Monate unterwegs sein.
Zumindest schätze ich das momentan so ein.
Tagesbilanz
| Kategorie | 20. Tag |
|---|---|
| Schritte | ca. 4.000 |
| Übernachtung | Zeltplatz |
| Ausgaben | 16,84 € |
| Bisheriger Tagesdurchschnitt | 7,35 € |
| Ursprüngliches Budgetziel | 5,00 € pro Tag |
| Schwerpunkt des Tages | Regeneration & Organisation |
Persönliches Fazit – Auch Pausentage gehören zum Jakobsweg
Heute bin ich kaum vorangekommen.
Gerade einmal rund 4.000 Schritte.
Und trotzdem war es ein Tag auf meinem Jakobsweg.
Denn langsam verstehe ich immer besser, dass diese Reise nicht nur aus zahlreichen Kilometern besteht.
Es gibt Tage zum Laufen und es gibt Tage zum Regenerieren.
Tage voller Begegnungen und Tage, an denen man im Zelt liegt, seine Ausgaben zusammenrechnet, Französisch lernt und dem Regen zuhört.
Mein Körper braucht diese Ruhe.
Und ich muss niemandem beweisen, wie viele Kilometer ich täglich schaffen kann.
Interessant fand ich auch meine erste richtige Kostenbilanz. Mein ursprüngliches Ziel von fünf Euro am Tag habe ich mit durchschnittlich 7,35 Euro zwar nicht ganz erreicht.
Aber auch das gehört zum Experiment.
Ich wollte herausfinden, mit wie wenig Geld ich unterwegs sein kann, ohne daraus einen Zwang zu machen.
Am Ende werde ich sehen, was die gesamte Reise tatsächlich gekostet hat.
Heute jedenfalls bleibe ich liegen.
Draußen darf es regnen und stürmen.
Ich habe Zeit.
Der Weg läuft mir nicht davon.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Nur ein paar Bilder sind von diesem ruhigen 20. Tag geblieben: der Campingplatz, ein Blick über den Kanal und mein Zelt mit aufgespanntem Tarp – kleine Momente eines Tages, an dem weniger das Weiterkommen als vielmehr Ruhe und Regeneration im Mittelpunkt standen.

Auch ohne Sonnenschein hatte die Landschaft rund um den Kanal ihren eigenen Reiz. Das ruhige Wasser, die grünen Ufer und der bedeckte Himmel sorgten für eine ganz besondere, fast schon stille Atmosphäre.

Die Einfahrt mit ihrer Schranke gehörte an diesem Tag ebenfalls zu meinen kleinen Eindrücken vom Campingplatz. Der nasse Boden und der graue Himmel zeigen ziemlich gut, wie sich das Wetter präsentierte – ein ruhiger Regentag, an dem das Leben unterwegs einfach etwas langsamer wurde.

Mein Zelt hatte ich auf dem Campingplatz unter dem großen Tarp aufgebaut. Gerade an diesem eher grauen und regnerischen Tag war der zusätzliche Wetterschutz sehr angenehm und machte meinen kleinen Platz zu einem geschützten Rückzugsort.
Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️
Wenn du meinen Weg bis zum Ende verfolgen möchtest, könnten dich diese Beiträge ebenfalls interessieren: