3. Tag auf dem Weg nach Santiago 🚶♂️
Zeit: 07:55 Uhr. Ich bin auf meinem 3. Tag auf dem Jakobsweg nach Santiago unterwegs.
Die Nacht war beschissen.
Um es auf gutem, altem Deutsch zu sagen.
Ich habe schlecht geschlafen – oder habe ich überhaupt geschlafen?
Es hat gedonnert und geregnet, und ich bin im Zelt (fast) untergegangen.
„Mutti, wo bist du nur?“ schrie es in mir hoch.
„Warum hast du mich verlassen?“
„Werd erwachsen, Junge. Du hast es selbst in der Hand.“ schallte es nur zurück. 😣
Ups.
Das war ein Hieb in die Magengrube.
Ich konnte mich aufgrund des Regens nicht entspannen und deshalb leider kaum schlafen.
Es tropfte und tropfte.
Am unteren Ende des Zeltes bildete sich sogar eine Pfütze.
Erst gegen 2 Uhr morgens entschloss ich mich schließlich, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und ein Überzelt (mein Tarpzelt) über mein Zelt zu spannen.
Das half dieser trostlosen und verregneten Nacht zumindest ein wenig.
Eins steht fest:
Irgendwann darf ich mir gerne ein gescheites Zelt gönnen.
Zeit: 10:35 Uhr
Ich bin startklar.
Alles ist wieder zusammengepackt.
So schlimm die Nacht auch war – umso schöner ist der Morgen.
Wettertechnisch ist es noch etwas bewölkt.
Später soll es aufklaren.
Hoffentlich.
Was wird mich heute erwarten?
Man darf gespannt sein. 🤔


Zeit: 12:59 Uhr
Ich bin an der Schwarzenbachtalsperre angekommen.
Rund 5 Kilometer bin ich bisher gelaufen.
Unterwegs begegnen mir einige Westweg-Wanderer.
Markus.
Levi, der den Westweg nur an bestimmten Tagen läuft, wenn er Zeit hat.
Und einige, die ihn bereits früher gegangen sind.
Es ergeben sich einige nette Gespräche.
Ich bin fix und fertig.
Ich merke deutlich, dass ich von der Nacht erschöpft bin und zu wenig geschlafen habe.
Zeit: 13:49 Uhr
Ich mache im Wald eine Pause.
Fast eine Stunde bin ich am Stück gelaufen.
Ich bin zwar immer noch müde, aber auch nicht wirklich fitter geworden.
Meine Gedanken kann ich gerade kaum einordnen.
Einige waren da, nun sind es weniger.
Vielleicht kommen sie wieder.
Am 3. Tag ist man eben erst am Anfang seiner Reise.
Wie ein frisch geborenes Baby.
So fühlt es sich jedenfalls für mich an.
Ich genieße die Ruhe und die Stille des Waldes.
Zeit: 16:10 Uhr
Ich mache wieder Pause.
Erschöpft, wie ich bin, könnte ich an Ort und Stelle mein Zelt aufbauen.
10 Kilometer habe ich heute erreicht.
Ich bin deutlich langsamer unterwegs, was mich allerdings überhaupt nicht stört.
Sobald mir jetzt ein schönes Plätzchen begegnet, werde ich ohne mit der Wimper zu zucken mein Nachtlager aufschlagen.

Wissenswert: Der 30 Meter hohe Friedrichsturm wurde 1899 auf der Badener Höhe (1.002,5 m ü. NN) von der Stadt Baden-Baden und dem Schwarzwaldverein erbaut. Die Grundsteinlegung nahm Großherzog Friedrich von Baden am 9. Juni 1899 vor, die Einweihung erfolgte am 5. Oktober 1899.

Zeit: 17:21 Uhr
Einen Schlafplatz habe ich bisher noch nicht gefunden.
Ich bin nun auf der Badener Höhe auf 1.002 Metern angekommen.
Hier steht ein Turm, der dem Hohlohturm bei Kaltenbronn sehr ähnlich sieht.
Ich setze mich erst einmal hin und entspanne.
Außerdem gibt es hier eine Schutzhütte.
Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich hier wirklich übernachten möchte.
Zeit: 18:14 Uhr
Ich bin immer noch auf der Badener Höhe.
Hinter dem Turm habe ich eine kleine Wiese entdeckt.
Eigentlich wollte ich schon weitergehen, doch nun liege ich hier und entspanne einfach.
Vielleicht übernachte ich heute sogar unter freiem Himmel.
Ganz ohne Zelt.
Einfach nur im Schlafsack.
Viele Menschen werden heute wohl nicht mehr vorbeikommen.
Morgen ist schließlich Montag. 😊
Zeit: 19:11 Uhr
Nun habe ich mir auch etwas gekocht.
Ein schönes Süppchen mit Linsen und Reis.

Zum heutigen Tag möchte ich sagen:
Es war ein schöner Tag.
Zwar auch anstrengend, keine Frage.
Aber eben schön.
Gerade jetzt am Abend merke ich besonders, wie sehr einen die einfachen Dinge des Lebens erfreuen können.
Das abendliche Ritual des Kochens.
Draußen.
An der frischen Luft.
Den ganzen Tag über hatte ich außerdem viel Freude an den Heidelbeeren, die ich unterwegs gepflückt und direkt vernascht habe.
Es gibt hier so viele Heidelbeeren.
Das ist einfach unglaublich.
Ich kenne diese Teilstrecke, bevor ich Richtung Straßburg abbiege, noch vom Westweg nach Basel im vergangenen Jahr.
Damals war ich ebenfalls begeistert von den vielen Heidelbeeren.
Schon damals sagte ich mir:
„Hier möchte ich unbedingt noch einmal herkommen und welche sammeln.“
Wie schön, dass es jetzt geklappt hat.
Ich bin sehr froh, auf diesem Weg zu sein.
Dieses Gefühl, ganz im JETZT zu sein, kann man kaum beschreiben.
Man muss es selbst erleben.
Oder sich einfach dafür entscheiden, sein eigenes Ziel in Angriff zu nehmen.
Wenn nicht heute,
dann vielleicht schon bald.
Also:
JETZT.
Vollgas voraus.
Die Reise zu sich selbst. 💚

Weitere Fotos vom Friedrichsturm 📸
Wissenswert: Die Badener Höhe (1.002,5 m) ist der höchste Punkt Baden-Badens und zugleich der nördlichste Tausender des Schwarzwaldes.
Auf ihrem Gipfel steht der 30 Meter hohe Friedrichsturm aus Buntsandstein. Nach dem Aufstieg über 168 Stufen eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama über den Nordschwarzwald bis zu den Vogesen – bei außergewöhnlich klarer Sicht sogar bis zu den Alpen.
Der Turm wurde 1891 eingeweiht und zählt heute zu den schönsten Aussichtspunkten der Region.
Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️
Wenn du meinen Weg bis zum Ende verfolgen möchtest, könnten dich diese Beiträge ebenfalls interessieren:





