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Mein Jakobsweg 2023-2024

4. Tag auf dem Jakobsweg – Abschied vom Westweg

4. Tag auf dem Jakobsweg und ein märchenhafter Weg Richtung Straßburg

Zeit: 07:57 Uhr. Heute ist mein 4. Tag auf dem Jakobsweg.

Geschlafen habe ich etwas besser als den Tag zuvor. Dennoch war es schon etwas ungewöhnlich, einfach so im Freien zu übernachten.

Einen kurzen Kältemoment gab es auch. Zum Glück aber nur kurz.

Gestern Abend kam Frauke und hatte ebenfalls die tolle Idee, hier oben zu übernachten. Sie ist 24 Jahre jung und komplett mit Zelt in Eigenversorgung unterwegs.

Ich wunderte mich zuerst, weil ich dachte, ich wäre allein.

Falsch gedacht.

Sie macht den Westweg.

Ein wirklich nettes Mädchen und offen für Natur und Wanderungen. Es ist ihre erste Tour allein.

Wir unterhielten uns noch eine Weile und trafen uns später, bevor die Sonne unterging, noch einmal auf dem Turm, um gemeinsam den Sonnenuntergang zu beobachten.

Es war schön und sehr interessant.

Wer weiß – vielleicht begegnen wir uns irgendwann später im Leben noch einmal.

Demnächst werde ich jedenfalls aufbrechen.

Meine Sachen sind gepackt.

Weite Aussicht vom Westweg über den Nordschwarzwald bis in die Rheinebene
Weitblick über den Nordschwarzwald auf einer der schönsten Etappen.

Fernblick auf dem Westweg: Immer wieder öffnet der Westweg beeindruckende Ausblicke über den Nordschwarzwald und die Rheinebene. An klaren Tagen reicht die Sicht bis zu den Vogesen auf der französischen Seite des Rheins – ein Highlight jeder Wanderetappe.


Zeit: 14:15 Uhr

Mittlerweile bin ich seit gut einer halben Stunde vom Westweg und damit auch von meiner Gefährtin getrennt unterwegs.

Nach einem schönen gemeinsamen Marsch von rund 10 Kilometern und einem sympathischen Austausch über unsere Erkenntnisse und Erfahrungen des Lebens trennten sich unsere Wege.

Ich gebe zu:

So eine Dame fürs Leben würde mein Herz wärmstens erfreuen.

In manchen kurzen Momenten dachte ich sogar daran, meinen Weg zu ändern und vielleicht einen neuen gemeinsamen Weg einzuschlagen.

Nun, wer weiß schon, was uns das Leben noch bringt.

Vielleicht sehen wir uns früher oder später wieder.

Wanderin (Frauke aus Hamburg) mit Trekkingrucksack auf dem Westweg nahe der Badener Höhe
Gemeinsame Kilometer auf dem Westweg mit Frauke aus Hamburg

Am Friedrichsturm auf der Badener Höhe lernte ich eine Wanderin aus Hamburg kennen. Ein gutes Stück gingen wir gemeinsam über den Westweg, tauschten Erfahrungen aus und genossen die abwechslungsreiche Landschaft. Wie so oft auf Fernwanderwegen trennten sich unsere Wege später wieder – eine dieser kurzen, aber schönen Begegnungen, die eine Wandertour stets bereichern.


Zeit: 16:39 Uhr

Ich bin irgendwo im Nirgendwo, kurz vor Bischenberg.

Fix und fertig.

Ich möchte nicht mehr laufen und bin JETZT auf der Suche nach einem ruhigen Schlafplatz.

Unterwegs habe ich mich außerdem mit leckeren Himbeeren vergnügt. 😋

19 Kilometer habe ich mittlerweile auf dem Buckel – und die spüre ich deutlich.

Rastplatz am Bischenberg auf dem Jakobsweg Richtung Straßburg
Eine kurze Auszeit nach 19 km am Bischenberg
Aussicht vom Bischenberg über die Hügellandschaft Richtung Rheinebene
Weitblick auf dem Weg Richtung Straßburg am Bischenberg

Nach der Rast am Bischenberg öffnete sich der Blick weit über die Landschaft. Zwischen Wiesen, Wäldern und den ersten Häusern schweifte der Blick bis in die Rheinebene. Solche Aussichtspunkte machen den Jakobsweg Richtung Straßburg besonders abwechslungsreich und entschädigen für jeden zurückgelegten Höhenmeter.


Zeit: 17:55 Uhr

Nach einer langen Pause marschierte ich weiter.

Unten am Bischenberg, in der Nähe der Hauptstraße, gab es eine Quelle.

Ich füllte dort meine beiden Wasserflaschen auf und sprach mit einem Herrn, der ganz in der Nähe wohnte.

Er war erstaunt, als ich ihm erzählte, wohin ich unterwegs bin.

Der nette Herr berichtete mir, dass vor einigen Jahren ein über 70-jähriger Pfarrer ebenfalls den Weg nach Santiago gegangen sei. Mit letzter Kraft und völlig ausgezehrt soll er dort angekommen sein.

Ich staunte nicht schlecht.

Nach einem freundlichen Gespräch – auch mit seiner Frau – wünschten mir beide alles Gute für meinen Weg.

Ich bedankte mich und zog weiter.

Kurz darauf bog ich Richtung Gaishöll ab.

Eine Schlucht aus Felsen, durch deren Mitte der Gaisbach fließt.

Es war wunderschön.

Große Steine.

Hohe Felsen.

Unzählige Holzstege.

Es fühlte sich an wie in einem Märchen.

Als wäre ich in eine andere Welt eingetaucht.

An einen Ort, an dem vielleicht noch Trolle und Feen leben.

Weiter unten entdeckte ich ein Tretbecken.

Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich jedoch, nicht nur die Füße hineinzuhalten, sondern komplett ins Wasser einzutauchen.

Eine herrliche Erfrischung.

Danach fühlte ich mich wie neugeboren.

Voller Glück und neuer Wanderlust setzte ich meinen Weg durch die Gaishöll fort.

Später kam ich an zahlreichen Weinbergen vorbei.

Ich war erstaunt, wie wunderschön diese Gegend ist.

Der Blick über das Tal war einfach herrlich.

Und das alles bei strahlendem Sonnenschein. 🌞

Infotafel zur Gaishölle bei Sasbachwalden im Schwarzwald
Wissenswertes zur Gaishölle und ihrem Wanderweg.

Die Gaishölle ist eine wildromantische Schlucht bei Sasbachwalden, die vom Brandbach über Jahrtausende in den Granit geformt wurde. Der rund 800 Meter lange Schluchtenweg führt über 13 Brücken und 225 Stufen durch eine beeindruckende Wasserfalllandschaft. Bereits 1880 wurde die Gaishölle als Wanderweg erschlossen und zählt heute zu den beliebtesten Naturattraktionen im Nordschwarzwald.

Moosbewachsene Felsen am Brandbach in der Gaishölle bei Sasbachwalden
Moosfelsen in der Gaishölle

Charakteristisch für die Gaishölle sind die riesigen, moosbewachsenen Granitblöcke, zwischen denen sich der Brandbach seinen Weg bahnt. Über Jahrtausende hat das Wasser die Schlucht geformt und eine beeindruckende Landschaft aus Felsen, kleinen Wasserfällen und schmalen Bachläufen geschaffen. Gerade diese urwüchsige Atmosphäre macht die Gaishölle zu einem der schönsten Schluchtwege im Nordschwarzwald.

  • Holzbrücke über den Brandbach in der Gaishölle bei Sasbachwalden
  • Wanderweg zwischen moosbewachsenen Felsen in der Gaishölle
  • Wanderer Jakob Haag mit Trekkingrucksack in der Gaishölle bei Sasbachwalden
  • Kleiner Wasserfall des Brandbachs in der Gaishölle
  • Rastplatz am Brandbach in der Gaishölle bei Sasbachwalden

Nach den schattigen Wegen und Wasserfällen der Gaishölle änderte sich die Landschaft deutlich. Der Pfad führte nun durch Weinberge und offene Hänge mit herrlichen Ausblicken über die Ortenau bis hin zur Rheinebene. Dieser Wechsel zwischen der engen Schlucht und der weiten Kulturlandschaft machte den Reiz dieser Etappe besonders aus und zeigte eindrucksvoll, wie abwechslungsreich der Jakobsweg in Baden sein kann.

Blick über die Landschaft der Ortenau Richtung Rheinebene
Nach der Schlucht öffnet sich der Blick ins Tal.
Weitblick über Weinberge und die Ortenau auf dem Jakobsweg
Panoramablick über Ortenau nach Straßburg 👀

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