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Mein Jakobsweg 2023-2024

5. Tag auf dem Jakobsweg – erschöpft kurz vor Achern

5. Tag auf dem Jakobsweg – ich bin erschöpft – kurz vor Achern

Zeit: 08:02 Uhr

Ich bin kurz vor Achern und ungefähr eine Tagesetappe von Straßburg entfernt – geschätzte 25 bis 30 Kilometer.

Heute denke ich darüber nach, in einem Hostel oder einer Herberge zu übernachten, um meine Akkus wieder aufzuladen.

Vielleicht aber auch erst morgen, je nachdem, wann ich in Straßburg ankommen sollte.

Denn die Strapazen von gestern sitzen mir noch tief in den Knochen.

Rund 25 Kilometer waren es, die ich gestern auf dem Buckel hatte.


Zeit: 10:18 Uhr

Es geht weiter.

Rucksackgewicht: 23 kg.


Zeit: 12:00 Uhr

Ich habe heute zum ersten Mal mein großes Geschäft erledigt.

Ich dachte schon, ich müsste gar nicht mehr.

Irgendwie unglaublich, wie der Körper auf so eine Wanderung reagiert.

Vier Tage ohne Toilette.

Ich vermute, das hat etwas mit der Umstellung zu tun.

Der Körper richtet sich neu aus und verwertet die Lebensmittel offenbar noch intensiver.

Danach esse ich erst einmal ein paar tiefschwarze Brombeeren, die ich in unmittelbarer Nähe finde.

Mein Gemüt freut sich über jeden Fund.


Zeit: 13:00 Uhr

Ich spüre, dass ich heute völlig erschöpft bin.

Und das schon nach gerade einmal 5 Kilometern.

Mein Körper schreit nach Ruhe.

Ich kann keinen Schritt mehr weitergehen.

Also entschließe ich mich zu rasten.

Ich habe mich an einem unauffälligen Plätzchen neben einer Pflaumenplantage eingerichtet, an dem ich für den Rest des Tages – vielleicht sogar bis morgen – bleiben werde.

Ganz in der Nähe fließt ein Bach.

Das passt mir hervorragend.

Denn Wasser ist wichtiger denn je.

Außerdem beginnt es leicht zu regnen.

Innerhalb von fünf Minuten baue ich mein Zelt auf und lege mich erst einmal wieder hin.


Zeit: 15:33 Uhr

Nach etwas Ruhe und einer Meditation koche ich mir ein leckeres Süppchen.

Um mich herum entdecke ich verschiedene Wildkräuter, darunter Brennnesseln und Breitwegerich.

Ein wenig davon gebe ich zusätzlich in meine Suppe.

  • Schmaler Waldpfad am Morgen auf dem Jakobsweg im Schwarzwald
  • Hinweistafel über CO₂-Bindung auf einer Streuobstwiese am Jakobsweg
  • Streuobstwiese neben Bauernhof entlang des Jakobswegs im Ortenaukreis

Am Wegesrand fiel mir diese Informationstafel zu den Streuobstwiesen auf. Sie verdeutlicht, welchen Beitrag Obstbäume für Klima und Umwelt leisten. Streuobstwiesen prägen vielerorts die Landschaft entlang des Jakobswegs und bieten zugleich wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Wissenswert

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Kulturlandschaften Europas. Neben der Erzeugung von regionalem Obst tragen sie zur CO₂-Speicherung, zur Sauerstoffproduktion und zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.

Gerade in Baden-Württemberg sind sie ein prägendes Landschaftselement und machen viele Wanderwege besonders reizvoll.

Wasserfilter befüllt Trinkflasche mit Flusswasser während einer Wanderung
Frisches Wasser – direkt aus dem Bach.

Nach einigen Kilometern bot sich dieser Bach als ideale Gelegenheit, meine Wasservorräte aufzufüllen. Mit meinem Wasserfilter konnte ich Flusswasser sicher zu Trinkwasser aufbereiten. Solche Möglichkeiten machen auf langen Wanderungen unabhängiger von Ortschaften oder Einkaufsmöglichkeiten.

Wissenswertes zum Wasserfilter unterwegs👀

Ein hochwertiger Wasserfilter entfernt je nach Modell Bakterien, Protozoen und Schwebstoffe aus natürlichem Süßwasser. Trotzdem sollte möglichst klares, fließendes Wasser bevorzugt werden und Wasser unterhalb von Ortschaften oder landwirtschaftlich stark genutzten Flächen möglichst gemieden werden.

Klarer Bach fließt über Felsen entlang des Jakobswegs im Schwarzwald
Rast am Wasser auf dem Jakobsweg.
  • Reife Brombeeren wachsen am Wegesrand im Schwarzwald
  • Brombeerhecke mit reifen und unreifen Früchten am Wegesrand

Am Wegesrand entdeckte ich zahlreiche wilde Brombeeren. Viele der Früchte waren bereits reif und boten einen willkommenen Snack für zwischendurch.😋

Brombeeren, soweit das Auge reicht 👀

Wilde Brombeeren (Rubus fruticosus) sind im Schwarzwald weit verbreitet und reifen je nach Höhenlage meist zwischen Juli und September.

Die vitaminreichen Früchte wachsen häufig an Waldrändern, Hecken und lichten Wegen. Gerade im Hochsommer gehören solche Hecken zu den kleinen Highlights am Wegesrand. Beim Sammeln gilt: Nur gut erreichbare Früchte pflücken und möglichst ungewaschenes Obst aus Bodennähe meiden, um das Risiko einer Verunreinigung zu reduzieren.

Gerissene Polsterung am Hüftgurt eines Trekkingrucksacks auf Fernwanderung
Rucksackschaden unterwegs

Reparaturset für unterwegs

Auf langen Fernwanderungen werden Rucksack, Schuhe und Ausrüstung täglich stark beansprucht. Kleine Schäden wie gerissene Nähte oder abgenutzte Polster sind keine Seltenheit.

Ein kleines Reparaturset mit Sekundenkleber, Nadel und Faden oder Kabelbindern kann unterwegs helfen, solche Defekte bis zum Ende der Tour provisorisch zu beheben.

Kleiner Holzsteg führt aus dem Wald in die offene Landschaft
Von der Obstwiese hinaus ins offene Land.

Auf vielen Abschnitten des Jakobswegs wechseln sich Waldwege, kleine Bachquerungen und landwirtschaftlich geprägte Landschaften ab.

Holzstege erleichtern dabei die Überquerung feuchter Stellen und kleiner Wasserläufe und tragen dazu bei, empfindliche Naturbereiche zu schützen.

Historische Infotafel am Fautenbach bei Mösbach und Oberachern
Wo einst Gemeinden und Herrschaften aufeinandertrafen.

Wissenswert zum Ort

Der Fautenbach bildete lange Zeit die natürliche Grenze zwischen den Gemeinden Oberachern und Kappelrodeck. Historisch trafen hier außerdem zwei Herrschaftsgebiete aufeinander: Vorderösterreich auf der einen und das Hochstift Straßburg auf der anderen Seite. Erst nach den politischen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Gebiete unter badischer Verwaltung vereinigt.

Mein Nachtlager zwischen den Pflaumenbäumen⛺

Streuobstwiese mit Pflaumenbäumen als ruhiger Übernachtungsplatz beim Wandern
Eine stille Nacht zwischen alten Pflaumenbäumen.

Am Abend fand ich zwischen den alten Pflaumenbäumen einer Streuobstwiese einen ruhigen Platz für die Nacht. Von außen wirkt der Ort unscheinbar, doch genau solche geschützten Plätze schätze ich auf meinen Touren. Umgeben von Obstbäumen und fernab vom Trubel konnte ich hier den Tag entspannt ausklingen lassen.

Frisch gesammelte Wildkräuter werden auf einem Campingkocher zubereitet.
Wildkräuter wie Löwenzahn und Brennnessel sind meine Favoriten.

Auf meinen Touren bereite ich mir gerne eine einfache Suppe auf dem Campingkocher zu und ergänze sie mit essbaren Wildkräutern, die ich unterwegs gesammelt habe. In diesem Fall kamen unter anderem Brennnesseln und Breitwegerich in den Topf. Die Kräuter sorgen nicht nur für etwas mehr Geschmack und Farbe, sondern bringen auch Abwechslung in die Outdoor-Küche. Wer sich mit essbaren Wildpflanzen auskennt, kann seine Mahlzeiten auf diese Weise unkompliziert bereichern. Zu den Kräutern, die ich persönlich häufig verwende, gehören Brennnesseln, Brennnesselsamen, Breitwegerich und Löwenzahn. Wichtig ist natürlich, nur Pflanzen zu sammeln, die man sicher bestimmen kann.

  • Frisch gesammelte Brennnesseln trocknen auf einem Tuch im Gras.
  • Wildkräutersuppe mit Brennnesseln und Breitwegerich auf dem Campingkocher.

Ich ergänze meine Outdoor-Mahlzeiten gelegentlich mit Brennnesseln oder Brennnesselsamen. Brennnesseln zählen zu den nährstoffreichsten heimischen Wildpflanzen und liefern unter anderem Vitamine, Mineralstoffe sowie – insbesondere bezogen auf die Trockenmasse – überraschend viel Eiweiß. Auch die Samen enthalten Proteine und gesunde Fettsäuren. Für mich sind sie daher eine praktische und natürliche Ergänzung meiner Verpflegung auf längeren Wanderungen. Natürlich sammle ich nur Pflanzen, die ich eindeutig bestimmen kann und die nicht an belasteten Standorten wachsen.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

  • Brennnesselblätter enthalten je nach Erntezeit und Trocknung etwa 20–35 % Protein in der Trockenmasse.
  • Brennnesselsamen enthalten rund 25–35 % Öl (reich an ungesättigten Fettsäuren) sowie etwa 20–30 % Protein.
  • Die Pflanze liefert relevante Mengen an Vitamin C, Carotinoiden, Eisen, Magnesium und Kalium. Die genauen Werte schwanken je nach Standort, Jahreszeit und Verarbeitung.

Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️

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