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Mein Jakobsweg 2023-2024

32. Tag auf dem Jakobsweg – Regen, Blitz und Donner ⛈️

Zwischen Gewitter, Sonne und Stille

Zeit: 10:30 Uhr – Blitz, Donner und Wasser im Zelt

Es regnet schon den ganzen Morgen.

Auch gedonnert und gewittert hat es wie verrückt.

Es krachte und brummte, Blitze zuckten durch den Himmel, als gäbe es keinen Morgen mehr.

Da ich mein Tarp nicht über dem Zelt aufgebaut hatte, wurde mir das irgendwann zum Verhängnis.

Es wurde nass im Zelt.

Eine kleine Pfütze bildete sich.

Ehrlich gesagt hatte ich mit so viel Regen nicht gerechnet. Ich wusste zwar aus meiner Wetter-App, dass es regnen würde – aber eben nicht in diesem Ausmaß.

Nun liege ich also im Zelt.

Ich entspanne mich, lese in der Bibel, trinke Kaffee und sinne einfach ein wenig nach.

Und irgendwie ist es sogar gemütlich.

Ich kann mich nicht beschweren.

Gegen Mittag soll der Regen nachlassen. So lange werde ich hierbleiben und abwarten.

Im strömenden Regen möchte ich jedenfalls nicht starten.

Zeit: 15:55 Uhr – Als wäre nichts gewesen

Seit ungefähr zwei Stunden bin ich wieder auf den Beinen.

Und das Wetter?

Komplett gedreht.

Die Sonne scheint und in der direkten Sonne ist es mittlerweile richtig heiß.

Mein Weg führt bergauf und ich schwitze wie in einer Tropfsteinhöhle.

Unterwegs konnte ich mich wieder an einigen Bäumen bedienen.

Pflaumen und Äpfel gab es im Überfluss. Dazu entdeckte ich gelbe, runde Pflaumen.

Und heute sehe ich zum ersten Mal unterwegs sogar einen Pfirsichbaum.

Einen Pfirsich habe ich probiert.

Leider war er noch nicht richtig reif.

Aber versuchen musste ich ihn natürlich trotzdem.

Jetzt oder NIE? Oder doch etwas später?

Während des Gehens kommen mir wieder Gedanken.

Man nutze die Zeit, solange es geht.

Denn wie schade wäre es, bis zum Ende im Trübsal verharrt zu sein und nicht gelebt zu haben – nur weil man darauf gewartet hat, dass irgendwann bessere Zeiten kommen mögen.

Jetzt ist die Zeit.

Nicht später.

Nicht irgendwann.

JETZT.

Hat man Träume?

Dann packe man sie an.

Ist man stehen geblieben und beginnt langsam zu rosten, dann entferne man den Rost und laufe los.

Zurück in den Fluss des Lebens.

Denn wer nur sitzt, der rostet.

Und irgendwann landet alles, was vollkommen eingerostet ist, auf der Deponie.

Das wollen wir doch nicht.

Oder doch?

Also, worauf warten?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Jetzt ist das Leben.

Nicht irgendwann.

Träume nicht nur deinen Traum.

Lebe ihn.

Und wenn du glaubst, keinen Traum zu haben?

Dann frage dich, wovon du eigentlich träumst.

Schreibe es auf.

Warte nicht ewig.

Fang an.

Beim Gehen erfahre ich JETZT das Leben.

Ich bin im Jetzt.

Und wenn ich im Jetzt bin, dann bin ich im Leben.

Zeit: 17:51 Uhr – Niemand kommt

Ich mache wieder eine Pause.

Irgendwo mitten im Wald.

Ich meditiere.

Und das Beeindruckende ist und bleibt:

Man ist vollkommen alleine.

Niemand kommt.

Niemand läuft diesen Weg.

Seit meinem Start am Mittag habe ich gerade einmal einen anderen Menschen gesehen.

Das fasziniert mich immer wieder.

So kenne ich das von zu Hause nicht. Dort begegnet einem im Wald irgendwann meistens doch jemand.

Hier in Frankreich sitze ich auf einer Bank mitten im Wald und denke während meiner Meditation immer wieder:

Kommt jetzt jemand?

Oder kommt keiner?

Aber es kommt niemand.

Ich höre die Natur summen.

Den Wind, der durch die Blätter rauscht.

Fast so wie Wellen am Meer.

Sie kommen.

Und gehen.

Der Himmel ist weiterhin blau.

Die Sonne scheint.

Hier im Wald dagegen ist es schattig und angenehm kühl.

Jetzt geht es aber erst einmal weiter.

Zeit: 19:25 Uhr – Mein Platz für die Nacht

Ich habe meinen Platz für die Nacht gefunden.

Ganz in der Nähe gibt es sogar einen kleinen Bach.

Dort habe ich mich gleich erfrischt und fühle mich jetzt pudelwohl.

An meinem Platz gibt es außerdem einen Tisch und eine Bank.

Luxus. 😄

Hier werde ich mir jetzt etwas zu essen zubereiten.

Heute gibt es Reis mit Linsen in Tomatensoße und Basilikum.

Mal schauen, ob es gelingt.

Und vor allem, ob es später auch mundet.

Tagesbilanz

KategorieTag 32
Streckeca. 12 km
Schritte18.730
ÜbernachtungWildcamping
Ausgaben1,10 €
EinkaufBaguette am Automaten
WetterGewitter, Starkregen, später Sonne
Unterwegs gefundenÄpfel, Pflaumen & Pfirsichbaum
TagesgedankeJetzt oder nie?

Persönliches Fazit – das Leben findet JETZT statt

Deinen Abschnitt „Jetzt oder NIE?“ würde ich diesmal nicht nur als Gedankenpassage stehen lassen, sondern am Ende noch einmal kurz aufgreifen:

Und gerade hier draußen spüre ich das mit jedem weiteren Tag ein bisschen stärker.

Am Morgen liege ich noch im Zelt, während draußen das Gewitter tobt und sich drinnen langsam eine kleine Pfütze bildet.

Wenige Stunden später scheint die Sonne.

Ich pflücke Obst, sitze alleine auf einer Bank mitten im französischen Wald, meditiere und höre dem Wind in den Bäumen zu.

Am Abend finde ich einen Bach, wasche mich und koche mir an meinem neuen Nachtlager etwas zu essen.

Alles an einem einzigen Tag.

Vielleicht zeigt gerade das ziemlich gut, warum ich unterwegs immer häufiger über das Jetzt nachdenke.

Wir wissen nicht, was in ein paar Stunden sein wird.

Heute Morgen war Gewitter.

Heute Nachmittag Sonnenschein.

Und morgen?

Keine Ahnung.

Genau deshalb möchte ich nicht mein ganzes Leben darauf warten, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt.

Das Leben findet nicht irgendwann statt. Es findet JETZT statt.


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