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Mein Jakobsweg 2023-2024

33. Tag auf dem Jakobsweg – in der Nähe von Champougny 🏡

Dauerregen – ich bin bei Champougny

Zeit: 05:52 Uhr – Ein Hechtsprung in letzter Sekunde

Es ist früh am Morgen.

Die Nacht war kurz, aber ich fühle mich ausgeschlafen und munter.

Wieder einmal gab es Blitz, Regen und Donner im Angebot.

Eine ohrenbetäubende Zeremonie aus Mutter Naturs Schauspielecke – und das direkt über meinem Kopf.

Glücklicherweise habe ich auch dieses Schauspiel unbeschadet überstanden.

Wahrscheinlich von den Engeln gewollt. 😇

Zum Glück erkannte ich in der Nacht noch rechtzeitig, dass es gleich gewaltig losgehen würde.

Dem Himmel sei Dank.

Also sprang ich in letzter Sekunde aus dem Zelt und sicherte alles mit meinem Tarp ab, bevor es krachend und regnerisch losging.

In der Hoffnung, nicht schon wieder die Taucherbrille herausholen zu müssen.

Nun gut.

Mein Hechtsprung gelang.

Langsam geht die Sonne auf und es wird heller.

Heute möchte ich früher als sonst aufbrechen – sofern es nicht schon wieder anfängt zu regnen.

Momentan sieht es gar nicht so schlecht aus.

Ich kann nur hoffen, dass es erst einmal so bleibt.

Zeit: 11:09 Uhr – Die Wettergötter beraten sich

Es gießt aus allen Wolken.

Als gäbe es kein Morgen mehr.

Der Himmel ist weiß.

Ich sehe nur Wasser.

Wird es besser?

Ich weiß es nicht.

Hoffentlich.

Ich bin mittlerweile in einem Dorf und kaufe mir eine Kleinigkeit für unterwegs:

Baguette, Käse, Dosenfisch, eine Zwiebel, Knoblauch und Öl.

Es donnert und brummt gleichzeitig.

Ich stehe unter einem Dach, esse eine Kleinigkeit aus der Bäckerei und beobachte die Launen der Natur.

Ich hoffe, dass es wenigstens etwas besser wird.

Dass der Regen nachlässt.

Oder – noch besser – dass diese Wetterfront endlich weiterzieht.

Es blitzt, donnert und flackert weit oben am Himmel bei den Wettergöttern.

Was wird dort oben wohl gerade besprochen?

Das bleibt vermutlich ihr Geheimnis.

Und uns Menschen wird es wohl ebenfalls ein Geheimnis bleiben.

Langsam scheint es tatsächlich etwas besser zu werden.

Also wage ich es.

Ich ziehe los.

Zeit: 11:48 Uhr – eine kostenlose Wasserkühlung

Von wegen!

Es strömt wieder aus allen Wolken.

Ich mache eine kurze Rast an einer überdachten Bushaltestelle.

Von wegen, der Regen hätte nachgelassen.

Zu früh gefreut.

Nach einem Ende sieht es jedenfalls nicht aus.

Meine Schuhe sind durch.

Komplett nass.

Bei jedem Schritt schmatzt es.

Aber etwas Positives hat die Sache immerhin:

Es ist nicht heiß, als würde man bei lebendigem Leib gegrillt.

Es ist schön frisch.

Vielleicht ein bisschen zu frisch und vor allem zu nass.

Meine Füße jedenfalls (Gott sei dank) drohen dank der kostenlosen Wasserkühlung nicht zu überhitzen.

Darüber kann man sich schließlich auch einmal freuen. 😄

Da gab es schon andere Tage, an denen mir die Hitze wesentlich mehr zugesetzt hat.

Die Tage dieser Art sind erst einmal passé.

Vielleicht kommen sie wieder?

Bestimmt.

Ich bin zuversichtlich.

Optimistisch.

Ich hoffe nur, dass mein Rucksack das viele Wasser und die Nässe aushält.

Der ist trotz Regenponcho fast mehr betroffen als ich.🤯

Zeit: 13:58 Uhr – Endlich trocken

Ich mache eine Pause.

Seit einer guten Stunde regnet es nicht mehr.

Dem Himmel sei Dank.🙏

Zeit: 19:52 Uhr – Die Folgen des Regens

Ich habe für heute – und vielleicht auch für morgen – einen Rastplatz gefunden.

Es ist ein ruhiges Plätzchen.

Zum Glück hat es später nicht mehr geregnet.

Ganz ohne Folgen blieb der Tag allerdings nicht.

Durch die nassen Socken habe ich mir an einigen Stellen die Zehen wundgescheuert.

Und zu meinem Bedauern wartet morgen schon die nächste Baustelle auf mich:

Mein Rucksack muss wieder geflickt werden.

An einer Stelle ist die Naht aufgegangen.

Wenn ich nicht schnell Hand anlege, besteht die Gefahr, dass die Naht noch weiter einreißt und meine ganzen Sachen rausfallen.

Also heißt es wieder einmal:

Improvisieren. Reparieren. Weitermachen!

Tagesbilanz

KategorieTag 33
RegionNähe Champougny
Streckeca. 18 km
Schritte27.700
Bis Le Puy-en-Velayca. 699 km
ÜbernachtungWildcamping
Ausgabenca. 26,50 €
WetterStarkregen, Gewitter, später trocken
ProblemWunde Zehen & beschädigter Rucksack

Persönliches Fazit – Man kann sich das Wetter nicht aussuchen

Manchmal ist Optimismus vielleicht genau das: Der Regen fällt trotzdem – aber man geht weiter.

Heute Morgen werde ich von Blitz und Donner geweckt.

Wenige Stunden später stehe ich unter einem Dach und schaue dabei zu, wie das Wasser vom Himmel fällt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Dann laufe ich weiter.

Die Schuhe sind irgendwann vollkommen durchnässt. Bei jedem Schritt schmatzt es und meine Füße bekommen eine kostenlose Wasserkühlung.

Am Abend sind einige Zehen wund und mein Rucksack braucht wieder einmal eine Reparatur.

Und trotzdem:

18 Kilometer liegen hinter mir.

Vielleicht lerne ich auf diesem Weg zunehmend, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen.

Ich kann den Regen nicht abstellen.

Und ich kann das Gewitter nicht wegschieben.

Ich kann meine Schuhe nicht trocken denken.

Aber ich kann unter einem Dach warten, irgendwann wieder losgehen und dabei sogar noch über meine schmatzenden Schuhe lachen.😅


Bilder des Tages 📸

💡 Gut zu wissen: Nasse Füße auf einer Fernwanderung

Stundenlang durchnässte Socken und Schuhe sind auf einer langen Wanderung mehr als nur unangenehm. Die aufgeweichte Haut wird empfindlicher gegenüber Reibung, wodurch schneller Scheuerstellen und Blasen entstehen können.

Genau das bekam ich an diesem Tag zu spüren: Nach vielen Kilometern im Regen waren meine Socken vollkommen nass und einige Zehen wundgescheuert.

Auf einer mehrmonatigen Pilgerreise wird deshalb etwas scheinbar Banales plötzlich wichtig: Füße trocknen lassen, Socken wechseln und kleinen Scheuerstellen frühzeitig Aufmerksamkeit schenken.

Denn auf einem Weg von mehreren Tausend Kilometern sind gesunde Füße letztendlich eines der wichtigsten „Ausrüstungsteile“, die man besitzt.


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