Hitze, Erschöpfung und ein Bienenstich
Zeit: 11:00 Uhr – Noch 624 Kilometer bis Le Puy
Ich ziehe los.
Die Nacht war ruhig.
Ein leichter Wind weht, die Luft fühlt sich noch frisch an und zusammen mit der langsam aufsteigenden Sonne ergibt sich ein wunderschöner, angenehmer Morgen.
Was wird mich heute erwarten?
Der Hitze-Peak?
Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich riesig auf diesen heutigen wunderschönen Tag. 🍀❤️🏜️
Bis Le Puy-en-Velay sind es noch:
624 Kilometer. 😊
Wenn ich daran denke, dass ich einmal mit mehr als 1.000 Kilometern vor mir gestartet bin, sieht diese Zahl inzwischen schon ganz anders aus.
Zeit: 12:20 Uhr – Wasser filtern bei Lamarche
Nach ungefähr vier Kilometern mache ich meine erste Pause.
Ich befinde mich an einer Wasserstelle nicht weit von Lamarche.
Leider handelt es sich eher um langsam fließendes beziehungsweise beinahe stehendes Wasser.
Also hole ich meinen Wasserfilter heraus.
Für die weitere Etappe in Richtung Bourbonne-les-Bains brauche ich schließlich genügend Wasser.🚰
Der Geschmack?
Etwas modrig.
Abgestanden.
Nicht unbedingt ein kulinarisches Highlight.
Aber es geht.
Ein fließender Bach wäre mir wesentlich lieber gewesen.
Während ich dort sitze, kommen ein Mann und ein Junge zu mir – vermutlich Vater und Sohn.
Sie fragen mich auf Französisch, ob ich den Jakobsweg gehe.
Offenbar sind sie selbst auf dem Weg unterwegs und scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, wo sie abbiegen müssen.
Ich hole mein Handy heraus und zeige ihnen die Strecke auf meiner digitalen Karte.
Die beiden dagegen?
Oldschool mit einer richtigen Landkarte.
Das muss man erst einmal können.
Meinen Respekt haben sie.
Und für mich ist diese Begegnung noch aus einem anderen Grund interessant:
Endlich begegnen mir einmal andere Menschen, die offenbar ebenfalls auf dem Jakobsweg unterwegs sind.
Zeit: 13:00 Uhr – Eine Nähnadel und eine Bienenwarnung
Im Dorf spreche ich eine Frau an, die gerade mit einem Kind aus einem Haus kommt.
Ich brauche eine Nähnadel.
Meine eigene ist heute Morgen bei der nächsten Instandhaltungsaktion meines Rucksacks abgebrochen.
Ja, der Rucksack …
Die Dauerbaustelle meiner Pilgerung.
Später spricht mich ein Mann an und warnt mich vor Bienen, die sich weiter vorne am Weg befinden sollen.
Am besten solle ich dort zügig vorbeigehen.
Ich bedanke mich für den Hinweis und ziehe weiter.
Bienen sind heute allerdings ohnehin schon ein Thema.
Beim Mirabellenpflücken hatte mich zuvor eine in den Mittelfinger gestochen.
Der Finger ist mittlerweile deutlich angeschwollen.
Zeit: 13:30 Uhr – Die Energie ist weg
Pause.
Ich esse einen BP-R-Riegel und nehme einige Aminosäuren.
Irgendwie ist heute die Puste im Keller.
Zeit: 13:57 Uhr – Was ist heute los?
Ich bin schlapp.
Erschöpft.
Irgendwie hilft gerade nichts.
Komisch.
Also nehme ich zusätzlich mein Magnesium, das ich auf dieser Reise immer wieder verwendet habe.
Ob es diesmal etwas bringt?
Ich weiß es nicht.
Die beiden Wanderer von vorhin tauchen wieder vor mir auf.
Ich sehe sie in einiger Entfernung.
Aber ich bin gerade viel zu schlapp, um zu ihnen aufzuschließen.
Also gehe ich mein eigenes Tempo.
Zeit: 14:21 Uhr – Mühsam bergauf
Jetzt geht es aufwärts.
Und ich komme nur mühsam vom Fleck.
Der Schweiß läuft ohne Ende.
Es ist heiß.
Immer wieder suche ich für einen Moment den Schatten auf.
Ein Stück gehen.
Schatten.
Weitergehen.
Wieder Schatten.
So arbeite ich mich langsam bis zum höchsten Punkt vor.
Oben angekommen, gönne ich mir erst einmal eine längere Pause unter den Bäumen.
Ich befinde mich ungefähr 500 Meter über dem Meeresspiegel.
Eigentlich war der Anstieg gar nicht besonders gewaltig.
Ungefähr 100 Höhenmeter.
Und trotzdem hat er mir heute einiges abverlangt.
Ich frage mich, ob meine ungewöhnliche Schwäche vielleicht etwas mit dem Bienenstich zu tun haben könnte.
Mein Mittelfinger ist deutlich angeschwollen.
Sicher weiß ich es natürlich nicht.
Denn beim Start heute Morgen hatte ich mich eigentlich noch richtig fit gefühlt.
Jetzt geht es zumindest wieder halbwegs.
Mal sehen, wie es später läuft. 🤔
Ein kleines Konzert im Wald
Ich sitze oben im Wald.
Die Blätter rauschen.
Ein sanfter Wind zieht durch die Baumwipfel.
Irgendwo ruft ein Vogel, dessen Art ich nicht kenne.
Eine Biene summt vorbei.
Dann ein anderer Vogel:
Piep.
Und noch einer:
Piep. Und Piep. Piep.
Dazwischen höre ich die Grillen.
Ansonsten herrscht Ruhe.
Und das Beste:
Hier unter den Bäumen ist es kühl. 😊
Dabei kommt mir eine ganz praktische Frage in den Kopf:
Könnte man unterwegs irgendwie für zusätzliche Kühlung sorgen?
Ein kleines tragbares Kühlsystem vielleicht?
Bei diesen Temperaturen wäre das momentan wahrscheinlich eines meiner liebsten Ausrüstungsteile.
Zeit: 15:58 Uhr – Eine halbe Stunde nichts müssen
Wieder Pause.
Im Wald lässt sich die Hitze einigermaßen aushalten.
Es ist ruhig.
Ich meditiere ungefähr eine halbe Stunde.
Runterkommen.
Kräfte sammeln.
Einfach sitzen.
Danach geht es weiter.
Zeit: 18:39 Uhr – Hinter Serqueux ist Schluss
Ich habe meine heutige Destination erreicht.
Kurz hinter Serqueux finde ich einen Platz, an dem ich die Nacht verbringen werde.
Um mich herum:
Wiesen.
Wald.
Ruhe.
Und ein wunderschöner Ausblick.
Richtig schön ist es hier. 😊🌄🍀🇫🇷
Jetzt heißt es erst einmal, vom Tag und seinen Anstrengungen herunterzukommen.
Meditation ist angesagt.
Später gibt es noch etwas zu essen.
Und eine weitere Sorge hat sich ebenfalls erledigt:
Wasser habe ich mehr als genug.
Vorhin fand ich im Dorf eine öffentliche Wasserstelle, an der ich meinen Vorrat auffüllen konnte.
Nach den vergangenen Hitzetagen ist allein das schon ein kleines Geschenk.🎁 ICH FREUE MICH:
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 41 |
|---|---|
| Unterwegs bei | Lamarche & Serqueux |
| Strecke | ca. 18 km |
| Schritte | 27.593 |
| Bis Le Puy-en-Velay | ca. 606 km am Tagesende |
| Übernachtung | Wildcamping |
| Ausgaben | keine |
| Wetter | sonnig und heiß |
| Herausforderung | starke Erschöpfung & Hitze |
| Unfreiwilliges Erlebnis | Bienenstich in den Mittelfinger |
| Besondere Begegnung | zwei andere Jakobsweg-Wanderer |
| Versorgung | öffentliche Wasserstelle |
Persönliches Fazit – Mein Tempo bleibt mein Tempo
Von niemandem wird verlangt, ihn heute zu Ende gehen zu müssen.
Heute Morgen fühlte ich mich noch fit.
Einige Stunden später war plötzlich die Luft raus.
Der Weg bergauf fühlte sich wesentlich anstrengender an, als es die Höhenmeter eigentlich vermuten ließen.
Dazu die Hitze, der viele Schweiß und mein angeschwollener Finger nach dem Bienenstich.
Vor mir sah ich die beiden anderen Wanderer.
Aber ich kam nicht an sie heran.
Und eigentlich musste ich das auch gar nicht.
Sie gehen ihren Weg. Ich gehe meinen.
Also machte ich Pausen, setzte mich in den Schatten, hörte den Vögeln und Grillen zu und meditierte eine halbe Stunde mitten im Nirgendwo im tiefsten Wald.
Am Ende wurden es trotzdem rund 18 Kilometer.
Jetzt sitze ich hinter Serqueux zwischen Wiesen und Wald. Ich habe genügend Wasser, einen ruhigen Platz für die Nacht und noch etwa 606 Kilometer bis Le Puy vor mir.
Der Weg ist noch lang. Aber ich bin zuversichtlich.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen diesmal viele kleine Details meines Weges – mein Zelt und meine Ausrüstung, die weite französische Landschaft, alte Gebäude in den kleinen Dörfern und schließlich auch die ersten Wegmarkierungen, die mich daran erinnern: Ich bin auf dem Jakobsweg unterwegs. 🥾🇫🇷






























Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️
Wenn du meinen Weg bis zum Ende verfolgen möchtest, könnten dich diese Beiträge ebenfalls interessieren:
Eine Antwort auf „41. Tag auf dem Jakobsweg – der Hitze-Peak?“
Nur, wenn man irgend etwas tut, kommt Freude und Zufriedenheit. Besonders, wenn man zu seinem Ziel kommt und ist ein Schritt näher.