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Mein Jakobsweg 2023-2024

42. Tag auf dem Jakobsweg – Am Campingplatz 🏕️

Kurze Etappe nach Bourbonne-les-Bains

Zeit: 07:41 Uhr – Die Hand ist immer noch dick

Es ist früh am Morgen.

Ich sitze da und trinke meinen Kaffee, den ich mir vorhin zubereitet habe. Die Nacht war in Ordnung.

Nur mein Mittelfinger bereitet mir weiterhin Sorgen.

Unglaublicherweise ist nicht nur der Finger, sondern auch ein Teil meiner Hand angeschwollen. Die Schwellung ist über Nacht kaum zurückgegangen.

Ich kann nur hoffen, dass es im Laufe des Tages besser wird.

So etwas ist mir, glaube ich, noch nie passiert. Dass ein Bienenstich derart anschwillt, kenne ich von mir überhaupt nicht. 🤔

Und während ich meinen Finger betrachte, fällt mir eine Geschichte ein, die ich bisher noch gar nicht erzählt habe.

Meine erste Begegnung mit einer französischen Biene 🐝

Es war noch ziemlich am Anfang meiner Zeit in Frankreich – einen Tag vor meinem ersten Aufenthalt auf einem Campingplatz.

Ich lief durch einen kleinen Ort und kam außerhalb an einem Platz vorbei, an dem ein Imker seine Bienenstöcke nicht weit vom Weg stehen hatte.

An diesem Tag hatte es viel geregnet.

Ich war deshalb komplett eingepackt.

Regenkleidung.

Anorak.

Kapuze.

Hut.

Eigentlich hätte da nichts hineinkommen dürfen.

Eigentlich.

Denn eine Biene schaffte es tatsächlich irgendwie in den Kopfbereich meiner Kapuze.

Und dort kam sie offenbar nicht mehr heraus.

Es summte.

Und summte.

Ich wusste nicht, wo genau sie war.

Nur eines wusste ich:

Irgendwo in meiner Kapuze sitzt eine Biene.

Das war alles andere als angenehm.

Ich begann hektisch herumzuzappeln, versuchte hektisch, die Regenkapuze nach hinten zu ziehen, und ich wollte meinen Hut, den ich getragen hatte, herunterreißen.

Natürlich klemmte ausgerechnet in diesem Moment gefühlt alles.

Nichts funktionierte.

Und dann:

Zack.

Die Biene stach mich links ins Gesicht, knapp unterhalb des Auges.

Du Mistvieh!, dachte ich.

Ich habe dir doch gar nichts getan!

Dieser Stich war allerdings überhaupt nicht mit dem jetzigen vergleichbar.

Nach einigen Stunden hatte ich die Sache damals schon fast wieder vergessen.

Diesmal ist es anders.

Der Mittelfinger ist dick.

Die Hand ist angeschwollen.

Diese Biene scheint mich deutlich nachhaltiger erwischt zu haben.

Zeit: 11:52 Uhr – Heute wird nicht weit gelaufen🚶‍♂️

Ich starte.

Und natürlich ist sie wieder da:

die Hitze.

Es brennt.

Es ist heiß.

Und der Schweiß läuft schon wieder an mir herunter, als wäre ich selbst ein kleiner und gehender mobiler Bach auf dem Wanderweg.

Dabei laufe ich noch nicht einmal richtig.

Ich stehe nur herum und wusle mit meiner Ausrüstung:

Rucksack packen.

Sachen verstauen.

Alles vorbereiten.

Heute habe ich allerdings einen anderen Plan.

Es wird eine kurze Etappe. Eine richtig kurze.

Nicht weit von hier befindet sich ein Campingplatz in Bourbonne-les-Bains.

Genau dort möchte ich hin.

Heute stehen andere Dinge auf dem Programm:

  • Akkus und Powerbank laden
  • ausgiebig duschen
  • Wäsche waschen beziehungsweise auffrischen
  • den Rucksack erneut nähen
  • Lebensmittel für die kommenden Etappen einkaufen
  • und natürlich meinen Körper etwas zur Ruhe kommen lassen

Auch solche Tage gehören zu einer langen Pilgerung.

Nach meinem Start sehe ich rechts von mir einige Ziegen auf einer Weide grasen.

Ich bleibe kurz stehen und versuche, ein oder zwei Fotos zu machen.

Dann geht es weiter.

Zeit: 16:32 Uhr – Angekommen in Bourbonne-les-Bains

Ich bin da.

Bourbonne-les-Bains.

Mein Zelt steht bereits auf dem Campingplatz und ich liege schon darin.

Draußen in der umliegenden Natur sieht die Sache allerdings zunehmend ungemütlicher aus.

Da braut sich etwas zusammen.

Der Wind nimmt zu.

Es beginnt zu krachen.

Die ersten Regentropfen fallen.

Ein Unwetter zieht auf.

Ich kann nur hoffen, dass es nicht allzu heftig wird.

Mein Finger?

Immer noch geschwollen.

Auch die Hand ist weiterhin dick.

Zum Glück wird es zumindest nicht schlimmer.

Jetzt hoffe ich einfach, dass die Schwellung bald zurückgeht.

Zeit: 21:44 Uhr – Gewitter und unerwartete Bekanntschaften

Es regnet.

Und es kracht.

Es donnert.

Und vom Himmel kommt ordentlich etwas herunter.

Trotzdem wird der Abend noch richtig interessant.

Ich lerne Helmut aus Deutschland, aus der Nähe von Koblenz, und Karin aus Holland kennen.

Beide sind mit dem Fahrrad unterwegs.

Interessanterweise haben sich die beiden selbst erst gestern kennengelernt und sind heute ein Stück gemeinsam gefahren.

Morgen trennen sich ihre Wege bereits wieder.

So schnell entstehen unterwegs kleine Gemeinschaften.

Und genauso schnell lösen sie sich wieder auf.

Wir unterhalten uns über alles Mögliche.

Es ist ein wirklich nettes Gespräch.

Helmut spendiert mir sogar ein Bier. 🍺

Karin erzählt, dass sie bereits einmal mit dem Fahrrad bis Santiago de Compostela gefahren ist.

Außerdem ist sie schon einmal auf einem Jakobsweg von Südspanien aus zu Fuß unterwegs gewesen.

Das weckt natürlich mein Interesse.

Helmut wiederum ist bereits im Rentenalter, aber alles andere als unsportlich.

Er fährt unglaublich viel Fahrrad, unternimmt regelmäßig Touren und ist auch auf größeren Reisen unterwegs.

Eine richtige Sportskanone.

Wahnsinn.

Ansonsten ist der Campingplatz erstaunlich ruhig.

Viele Menschen sind nicht hier.

Wir sind sogar die Einzigen, die in Zelten schlafen.

Die anderen haben sich in ihre Wohnwagen zurückgezogen.

Und ich?

Ich stehe gerade noch draußen bei den Sanitäranlagen und warte darauf, dass der Regen etwas nachlässt.

Dann verschwinde auch ich in mein Zelt.

Für heute reicht es.

Tagesbilanz

KategorieTag 42
Ziel des TagesBourbonne-les-Bains
Schritte11.900
ÜbernachtungCampingplatz
Ausgaben31,17 €
Wetterheiß, später Gewitter und Starkregen
KörperMittelfinger und Hand nach Bienenstich geschwollen
AusrüstungRucksack muss erneut genäht werden
Tagesplanungbewusst kurze Etappe
BegegnungenHelmut aus Deutschland & Karin aus Holland
Abendgemeinsames Gespräch und ein spendiertes Bier

Gut zu wissen: Bourbonne-les-Bains – mehr als nur mein Campingplatz

Der Name Bourbonne-les-Bains verrät bereits, dass Wasser hier eine besondere Rolle spielt. Der Ort ist ein französischer Kurort, dessen Geschichte eng mit seinen Thermalquellen verbunden ist.

Für mich sieht die Sache an diesem Tag allerdings wesentlich pragmatischer aus.

Ich komme nicht wegen Wellness oder Thermalwasser hierher.

Ich brauche:

eine Dusche, Strom, frische Wäsche, Lebensmittel und einen Platz zum Reparieren meines Rucksacks.

Nach mehreren Tagen draußen kann ein Campingplatz dadurch fast zu einer kleinen Versorgungsstation werden.

Und genau das ist heute nötig.

Denn eine monatelange Wanderung besteht nicht nur aus Kilometern und schönen Landschaften.

Irgendwann muss gewaschen werden.

Akkus müssen geladen werden.

Ausrüstung muss repariert werden.

Lebensmittel müssen nachgekauft werden.

Und manchmal braucht auch der Mensch selbst ein wenig Wartung.

Fazit – Auch kurze Tage bringen ihre Geschichten hervor 🧑‍🎓

Man trifft sich irgendwo. Und man redet miteinander.

Man teilt für einen Augenblick ein Stück seines Lebens – und anschließend zieht jeder wieder seines Weges.🚶‍♂️

Heute waren es keine 18 oder 20 Kilometer.

Es waren gerade einmal 11.900 Schritte.

Und das war vollkommen in Ordnung.

Meine Hand ist geschwollen, der Rucksack braucht schon wieder Nadel und Faden und nach den vergangenen Hitzetagen tut eine kurze Etappe gut.

Interessant finde ich aber etwas anderes.

Selbst an einem Tag, an dem eigentlich gar nicht viel passieren sollte, entstehen plötzlich Geschichten.

Morgens denke ich an meine erste Begegnung mit einer Biene in Frankreich zurück.

Mittags laufe ich bei brütender Hitze nach Bourbonne-les-Bains.

Nachmittags sitze ich im Zelt und höre das heranziehende Gewitter.

Und abends stehe ich mit zwei Menschen zusammen, die ich wenige Stunden zuvor überhaupt nicht kannte.

Karin aus Holland.

Helmut aus Deutschland.

Beide unterwegs.

Beide mit ihren eigenen Geschichten.

Morgen ziehen sie wieder weiter.

Genau solche Begegnungen gehören für mich inzwischen ebenfalls zum Weg.

Buen Camino


Bilder des Tages 📸

Die Bilder des Tages zeigen ein paar kleine Ausschnitte dieser kurzen Etappe – von meiner deutlich geschwollenen Hand über Tiere am Wegesrand bis hin zu den ruhigen Landschaften, die mich auf meinem Weg nach Bourbonne-les-Bains begleiteten.

Der Bienenstich 🐝💀🐍
Eine abgebrannte Maschine 🔥
Schönes Licht dahinter, bevor wieder der Regen, Donner und Blitz kammen⛈️

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Eine Antwort auf „42. Tag auf dem Jakobsweg – Am Campingplatz 🏕️“

So ähnlichen Bienenstich hätte ich auch an meiner rechte Hand. Es schon mehrere Tage angehalten.
Es muss jeder sein richtigen Weg im Leben erkennen und finden. Manchmal kreuzen sich die Wege und gehen wieder auseinander. Einige Sachen verbinden die Menschen und einige man möchte nicht annehmen. Wichtig aber ist, sich selbst treu bleiben und nicht sich von seinem Ziel abhalten.

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