Es geht immer weiter…
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Der 43. Tag ist weniger ein Tag großer Sehenswürdigkeiten als vielmehr ein Tag der Begegnung und des Abschieds. Besonders die Geschichte von Karin und ihr Satz „Das Leben geht weiter – es gibt nur den Weg nach vorne“ bleiben mir im Gedächtnis.
Gleichzeitig spüre ich wieder deutlich die körperliche Seite meiner Pilgerung: Erschöpfung, ein steiler Anstieg und viele notwendige Pausen begleiten mich. Dafür geht die Schwellung meiner Hand endlich zurück – und am Abend finde ich wieder genau das, wonach ich unterwegs so oft suche: einen stillen Platz, Zeit zum Meditieren und Ruhe.
Zeit: 12:34 Uhr – Eine Begegnung, die bleibt
Seit ungefähr einer Stunde bin ich wieder „on track.“
Heute Morgen saßen wir drei – Karin, Helmut und ich – noch einmal gemeinsam zusammen und hielten einen kleinen Plausch, bevor anschließend jeder wieder seines Weges zog.
Dabei erfuhr ich mehr ĂĽber Karin.
Vor 15 Jahren hatte sie ihren Mann verloren. Er hatte sich das Leben genommen.
Ich hatte sie gefragt, ob sie auch hin und wieder gemeinsam mit ihrem Mann unterwegs sei. Erst daraufhin erzählte sie mir davon.
Später dachte ich über ihre Geschichte nach.
Ăśber ihre Reise mit dem Fahrrad nach Santiago.
Ăśber ihren Jakobsweg zu FuĂź.
Und darĂĽber, was einen Menschen wohl dazu bewegt, alleine aufzubrechen.
Vielleicht hatten diese Reisen etwas mit ihrer Geschichte zu tun. Das ist allerdings nur ein Gedanke von mir – sie selbst hat es mir so nicht gesagt.
Aber eines weiĂź ich:
Ich bewundere diese Frau.
Alleine mit dem Fahrrad loszufahren oder einen langen Weg zu FuĂź zu gehen, erfordert Mut.
Und dann sagte sie einen Satz in ihrem halb gebrochenen Deutsch, der mir im Gedächtnis blieb:
„Das Leben geht weiter. Es gibt nur den Weg nach vorne.“
Ich dachte darĂĽber nach.
Und irgendwie stimmt es.
Was bleibt einem anderes ĂĽbrig?
Weitergehen.
Nicht aufgeben.
Vielleicht wird man gerade dadurch stärker.
Das Leben kann schön sein – und vieles hängt davon ab, was wir selbst daraus machen.
Im Nachhinein habe ich das GefĂĽhl, dass wir drei an diesem Morgen in einer besonderen Harmonie miteinander waren.
Vielleicht war es einfach Zufall.
Vielleicht eine göttliche Fügung.
Wer weiĂź das schon?
Eigentlich hätten wir Telefonnummern austauschen können.
Doch in diesem Moment dachte ich nicht daran.
Vielleicht dachte keiner von uns daran.
Und so blieb diese Begegnung genau das, was sie war:
ein kurzer gemeinsamer Moment auf drei unterschiedlichen Wegen.
Solche Begegnungen sind selten.
Gerade deshalb sind sie wertvoll.
Wir verabschiedeten uns schlieĂźlich voneinander.
Karin und ich umarmten uns ein letztes Mal.
Dann zog jeder weiter.
Vielleicht sieht man sich nie wieder.
Aber die Begegnung bleibt trotzdem.
Vom Unwetter zum angenehmen Wandertag
Auch das Wetter hat heute bereits eine kleine Wandlung hinter sich.
Am Morgen hatte es noch gewĂĽtet.
Regen.
Donner.
Blitze.
Ich hatte kaum geglaubt, dass daraus noch ein vernĂĽnftiger Wandertag werden wĂĽrde.
Doch die Wetterprognose sollte recht behalten.
Es wurde besser.
Der Himmel ist zunächst noch bewölkt und vor allem:
Es ist nicht mehr so heiĂź.
Nach den vergangenen Tagen empfinde ich allein das schon als Wohltat.
Zeit: 14:10 Uhr – Wo ist meine Energie?
Vorhin habe ich eine kurze Pause gemacht und einen Riegel verdrĂĽckt.
Nur irgendwie bringt das heute nichts.
Ich schleppe mich mühsam vorwärts.
Schritt fĂĽr Schritt.
Eigentlich mache ich nichts anderes als sonst.
Und trotzdem ist es anstrengend.
Der Körper scheint heute einfach nicht mehr zu wollen, als er unbedingt muss.
Also weiter.
Langsam.
Zeit: 14:33 Uhr – Steil nach oben
Gerade ging es heftig bergauf.
Und schon läuft mir wieder der Schweiß übers Gesicht.
Die Sonne kämpft sich zunehmend durch die Wolkendecke und macht sich wieder bemerkbar.
Oben angekommen, muss ich erst einmal durchschnaufen.
Pause.
Zeit: 14:52 Uhr – Einfach auf die Wiese setzen
Ich setze mich auf eine Wiese.
Schon wieder Pause.
Aber was soll’s?
Ich bin mĂĽde.
Erschöpft.
Heute scheint einer dieser Tage zu sein, an denen mein Körper häufiger nach Ruhe verlangt.
DafĂĽr gibt es zumindest eine gute Nachricht:
Meinem Finger und meiner Hand geht es mittlerweile deutlich besser.
Die starke Schwellung nach dem Bienenstich ist endlich zurĂĽckgegangen.
DarĂĽber bin ich ziemlich froh.
Zeit: 16:27 Uhr – Und plötzlich scheint wieder die Sonne
Meine Pause auf der Wiese war lang.
Und genau das habe ich offenbar gebraucht.
Jetzt geht es weiter.
Inzwischen hat sich das Wetter vollkommen verändert.
Die Sonne steht wieder in voller Montur am Himmel.
Ăśber mir:
Blau.
Ein richtig schöner Tag ist daraus geworden. 🌄
Also Rucksack auf.
Weiter.
Zeit: 18:10 Uhr – Für heute ist Schluss
Feierabend.
Ich bin hundemĂĽde.
Aber ich habe einen schönen Platz erreicht.
Direkt am Weg finde ich eine Stelle mit einer wunderbaren, sonnigen Lage.
Hier bleibe ich.
Jetzt muss nichts mehr geschafft werden.
- Kein Kilometer.
- Und kein Ziel.
- Kein Weiter.
Ich werde mein Lager einrichten, etwas essen und meditieren.
Runterkommen.
Den Abend genieĂźen.
Nach diesem Tag brauche ich genau das.
Besser geht es gerade nicht.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 43 |
|---|---|
| Schritte | 18.000 |
| Ăśbernachtung | Wildcamping |
| Ausgaben | 0 € |
| Distanz bis Le Puy-en-Velay | 593 km |
| Wetter | morgens Gewitter, später sonnig |
| Körperliche Verfassung | müde und erschöpft |
| Gute Nachricht | Schwellung an Hand und Finger deutlich zurĂĽckgegangen |
| Besonderer Moment | Abschied von Karin und Helmut |
| Gedanke des Tages | „Es gibt nur den Weg nach vorne.“ |
Eine Begegnung, die länger bleibt als der gemeinsame Weg
Manchmal braucht es auf einer Pilgerreise keine tagelange gemeinsame Wanderung, damit ein Mensch in Erinnerung bleibt.
Mit Karin und Helmut waren es nur wenige gemeinsame Stunden.
Wir kannten uns kaum.
Unsere Wege hatten sich zufällig auf einem Campingplatz gekreuzt.
Und schon am nächsten Morgen gingen wir wieder auseinander.
Gerade Karins Geschichte beschäftigt mich jedoch noch unterwegs.
Sie hat einen schweren Verlust erlebt und ist trotzdem weitergegangen.
- Mit dem Fahrrad.
- Zu FuĂź.
- Nach Santiago.
Und vermutlich noch auf vielen anderen Wegen ihres Lebens.
Ob ihre Reisen unmittelbar mit dem Verlust ihres Mannes zusammenhängen, weiß ich nicht. Das wäre meine eigene Interpretation und deshalb möchte ich ihr diese Motivation auch nicht zuschreiben.
Was sie mir tatsächlich mitgegeben hat, reicht vollkommen:
„Das Leben geht weiter. Es gibt nur den Weg nach vorne.“
Vielleicht liegt genau darin eine Besonderheit solcher Begegnungen unterwegs auf Reisen, ob zu FuĂź oder mit dem Fahrrad.
Manchmal trifft man einen Menschen nur für wenige Stunden – und nimmt trotzdem einen besonderen Gedanken mit, der einen noch viele Kilometer begleitet.
Fazit – Es gibt nur einen Weg nach vorne!
Es gibt nur den Weg nach vorne.
Heute bleiben mir weniger die Kilometer in Erinnerung.
Es bleibt eine Begegnung.
Ein Satz.
„Das Leben geht weiter. Es gibt nur den Weg nach vorne.“
- Dann verabschieden wir uns.
- Keine Telefonnummern.
- Keine Verabredung fĂĽr irgendwann.
Jeder geht einfach wieder seines Weges.
Vielleicht gehört genau das zum Unterwegssein.
Menschen tauchen unerwartet auf.
FĂĽr einige Stunden kreuzen sich die Wege.
Man erzählt sich Geschichten aus seinem Leben, lacht miteinander, trinkt vielleicht ein Bier – und am nächsten Morgen ist alles schon wieder vorbei.
Aber man ist dankbar fĂĽr diesen Moment.
Auch mein eigener Weg war heute mĂĽhsam.
Ich war erschöpft, brauchte immer wieder Pausen und schleppte mich teilweise nur Schritt für Schritt vorwärts.
Doch am Abend bin ich wieder an einem schönen Platz.
18.000 weitere Schritte liegen hinter mir.
593 Kilometer liegen noch vor mir.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Auch wenn an diesem Tag nicht viele Bilder entstanden sind, erzählen sie doch ein kleines Stück meines Weges – von der Landschaft, die mich begleitete, über kleine Augenblicke unterwegs bis hin zu jener Ruhe, die ich nach einem anstrengenden Tag schließlich wiederfinden durfte.









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Eine Antwort auf „43. Tag auf Jakobsweg – weiter geht’s… 👀“
Jeder geht sein Weg, die Karin, du sowie alle anderen. Manchmal kreuzen sich die Wege, wie ich sagte. Man trifft sich mit dem Tod und Leid, aber das Leben geht immer weiter und weiter. Durch Treff von Seelenferwante, Gott gibt dir die Kraft und Freude am Leben.
Wir sind immer bei dir, obwohl, weit von einander entfernt.