Eine Nacht in der Kapelle
🌄 Der heutige Tag
Nach der völligen Erschöpfung des Vortages fühle ich mich wieder voller Energie und ziehe durch stille Wälder und kleine französische Dörfer. Am Abend erreiche ich mitten im Wald eine Kapelle, die schließlich zu meinem ungewöhnlichen Nachtlager wird.
Doch bevor Ruhe einkehrt, tauchen während meiner Meditation plötzlich zwei rätselhafte weiße Tiere auf – und in der Kapelle wartet noch eine weitere kleine Überraschung auf mich.
Zeit: 09:00 Uhr – Gedanken über Begegnungen und Energie
Es ist genau 09:00 Uhr am Morgen und ich bin an einem sehr ruhigen und schönen Platz. Dieser Ort ist so friedvoll, man muss es selbst erlebt haben.
Der Himmel ist heute bewölkt.
Ein bisschen Regen sollte kommen, nicht viel.
Die Nacht war sehr ruhig und schön. Ich konnte mich gut erholen. In ungefähr ein bis zwei Stunden möchte ich dann aufbrechen.
Gestern war ich so massiv erschöpft. Einfach nur der pure Wahnsinn. Obwohl ich nicht mal so viel gelaufen bin.
Zum Glück geht es heute wieder deutlich besser.
Ich hatte gestern das Gefühl, als hätte mir jemand die Kraft abgesaugt. Ich war komplett leer.
Out of Energy.
Und dieses Absaugen von Energie hat auch etwas, verrückterweise, mit dem Campingplatz zu tun.
Diese Begegnungen, die auch schön sind, sind interessanterweise auch Begegnungen, die Energie rauben können.
Denn nach einem Hui – wie toll: schönes Gespräch, Harmonie, Austausch von Informationen und Wissen – ist es später ein Pfui – wie schlecht, aufgrund der darauffolgenden Trennung.
Denn jeder geht seinen Weg.
Das, was später bleibt, ist aber die Erinnerung an den Moment.
Und ich glaube, mir ist aufgefallen, dass das immer nach diesem einen Tag passiert – und zwar genau nach dem Verlassen des Campingplatzes.
Der Kopf ist aufgewühlt und muss sich wieder neu formatieren, neu einstellen.
Dann geht’s wieder.
Ungefähr einen Tag später.
Zeit: 12:49 Uhr – Wieder on Track
Ich bin seit 11 Uhr unterwegs und wieder on Track.
Und ich fühle mich ausgesprochen gut.
Ich komme gut voran.
Mit viel Elan bin ich gestartet und setze nach einer kleinen Pause die Reise fort.
Ich laufe an einem Bauernhof und vielen Wiesen vorbei, die mich zum Zelten einladen.
Aber ich sage dankend ab.
Ich hatte ja schon einen schönen Platz und möchte heute noch ein paar Kilometer vorankommen.
Das Wetter ist bewölkt. Es ist frisch und angenehm zum Laufen.
Ich bin gespannt, was mich heute noch so erwartet.
Zeit: 16:25 Uhr – Durch den Dickicht-Wald
Bisher läuft es relativ gut.
Ich laufe gerade einen größeren Abschnitt durch den Dickicht-Wald. Teilweise war der Weg durch umgestürzte Bäume versperrt und ich musste außen herumgehen oder sogar darübersteigen.
Jetzt laufe ich einen Abschnitt, auf dem ich vermehrt Hornissen sehe, die nach dem Bienenstich auf mich angsteinflößend wirken.
Auf noch einmal so eine Geschichte verzichte ich doch liebend gerne.
Bevor ich in den Wald kam, habe ich im vorherigen Dorf ein letztes Mal nach Wasser gefragt.
Wer weiß, wann da wieder etwas kommt und wie lange diese Etappe noch gehen wird.
Im Dorf hoffte ich auf einen Supermarkt.
Aber es gab keinen.
In ungefähr ein bis zwei Tagen bin ich erst wieder in einer größeren Stadt.
Für heute Abend habe ich schon mal ein paar Breitwegerich-Blätter für die Suppe gesammelt.
Irgendwo nicht weit von mir vernehme ich Stimmen.
Sind es andere Wanderer?
Brauchen die Hilfe?
Da muss wohl ein Weg sein, nicht weit von mir. Klingt, als wären das Franzosen.
Unglaublich, denke ich mir. Gerade noch dachte ich, wie ruhig es im Wald doch sei.
Aber auch so, ohne die anderen, ist es ruhig und still im Wald.
Es wirkt beruhigend und mich freut es wieder einmal.
Ein absolutes Adventure. 🇫🇷
Zeit: 18:17 Uhr – Eine Kapelle mitten im Wald
Ich habe meine Destination für heute erreicht.
Sie liegt direkt mitten im Wald und nebenan ist eine schöne Kapelle, in die man sogar hineingehen kann.
Es ist ein ruhiges Plätzchen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man selbst in der Kapelle auf dem Boden gut schlafen kann.
Ob ich das mache?
Ich weiß es noch nicht.
Zeit: 20:57 Uhr – Okay, ich schlafe in der Kapelle
OK.
Ich schlafe in der Kapelle.
Wenn sie schon da ist, dann nutze ich diese Chance.
Vorhin, gegen 19:15 Uhr, meditierte ich gerade, als ich hörte, dass etwas kommt.
Ich dachte, das könnten Besucher oder Wanderer sein.
Meine Augen hatte ich geschlossen. Ich vernahm also nur die Geräusche – etwas schleicht sich heran oder ist gerade angekommen.
Dann öffne ich meine Augen und sehe zwei weiße, hundeähnliche Tiere, ungefähr 20 bis 30 Meter von mir entfernt.
Ich bin ganz ruhig, vollkommen in der Ruhe, und denke:
OK, vielleicht ist hier jemand mit seinen Hunden und geht spazieren.
Aber ich sehe den Besitzer nicht.
Ich sehe nur diese beiden hundeähnlichen Tiere, die selbstständig nicht weit von mir die Treppe hochlaufen und sich etwas umschauen.
Das hintere dreht sich zu mir um.
Ich bleibe ganz ruhig.
Bewege mich nicht.
Ich schaue in Richtung der Tiere.
Die beiden gehen aber ruhig weiter. Einer folgt dem anderen und schließlich verschwinden sie vor mir im Wald.
Hmmm. Komisch.
Wo ist der Besitzer?
Und wenn es keinen Besitzer gibt:
Was waren das für Tiere?
Waren das Wölfe?
Was war das eigentlich?
Sie sahen jetzt aber auch nicht wirklich wie Wölfe aus. Denn sie waren weiß und irgendwie auch unterschiedlich.
Beide waren weiß, aber gleichzeitig sahen sie von der Art her unterschiedlich aus.
Und sie gingen ganz ruhig.
Selbstsicher liefen sie dort entlang und verschwanden schließlich, wie gesagt, im Wald.
Ich hörte keine Rufe eines Besitzers oder Ähnliches.
Danach gingen mir einige Horrorszenarien durch den Kopf, während ich mir mein Abendessen zubereitete.
Es gab einen Eintopf mit Reis, Linsen, Breitwegerich, Knoblauch und Zwiebeln.
Lecker war es.
Aber was waren das für Hunde?
Das lässt mich nicht los.
Ob das Wölfe waren?
Zwei Wölfe, die gerade auf Streifzug waren?
Ich weiß es nicht.
Jedenfalls ist es in der Kapelle schön angenehm temperiert.
Ein paar Fledermäuse sind auch hier.
Als ich mit meiner Stirnleuchte umherleuchtete, entdeckte ich sie beim Fliegen.
Eine wollte gerade aus der Krypta hochfliegen. Meine Stirnleuchte war aber so hell, dass sie es scheinbar nicht schaffte und davon stark geblendet wurde.
Die sind so leise.
Man hört sie nicht einmal beim Fliegen.
Eine faszinierende Welt …
Heute bin ich durch die Orte Chezeaux und Varennes-sur-Amance gelaufen.
Mein Stopp für die Nacht:
Chapelle Notre-Dame de Presles.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 44 |
|---|---|
| Strecke | ca. 17 km |
| Schritte | 26.600 |
| Orte unterwegs | Chezeaux, Varennes-sur-Amance |
| Nachtlager | Chapelle Notre-Dame de Presles |
| Übernachtung | Kapelle |
| Ausgaben | keine |
| Distanz bis Le Puy | 576 km |
| Wetter | bewölkt, frisch und angenehm |
| Besonderes Erlebnis | zwei unbekannte weiße Tiere im Wald |
| Nächtliche Mitbewohner | Fledermäuse |
Fazit des Tages
Tag 44 begann für mich vor allem mit einer Erkenntnis über die vergangenen Tage. So schön Begegnungen mit anderen Menschen unterwegs sein können, merke ich, dass sie mich manchmal auch aufwühlen. Man begegnet sich, tauscht sich aus, versteht sich – und kurz darauf geht wieder jeder seinen eigenen Weg.
Heute fühlte ich mich jedoch wieder deutlich kräftiger.
Der Weg führte mich durch kleine Orte und lange, ruhige Waldabschnitte. Am Ende wartete etwas auf mich, womit ich am Morgen sicher nicht gerechnet hätte: eine Kapelle mitten im Wald als Nachtlager.
Und dann waren da noch diese zwei weißen Tiere.
Hunde?
Wölfe?
Irgendetwas anderes?
Ich weiß es bis heute nicht.
Vielleicht muss ich es auch gar nicht wissen.
Ich weiß nur, dass ich dort saß, meditierte und plötzlich zwei Tiere aus dem Wald auftauchten, an mir vorbeigingen und wieder darin verschwanden.
Jetzt liege ich in einer Kapelle, über mir fliegen lautlos Fledermäuse und draußen liegt der Wald.
Ein ziemlich außergewöhnlicher Abschluss für einen Tag, der so ruhig begonnen hatte.
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen einige Augenblicke dieses besonderen Tages
Vom letzten Campingplatz über die stillen Wege und weiten Landschaften Frankreichs bis hin zur Kapelle mitten im Wald, die am Abend schließlich zu meinem außergewöhnlichen Nachtlager wurde.



























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