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Mein Jakobsweg 2023-2024

45. Tag auf dem Jakobsweg – in der Nähe von Langres

Von der Kapelle bis kurz vor Langres

🌄 Dieser Tag auf meinem Weg

Nach einer eher durchwachsenen Nacht in der Kapelle geht es für mich wieder hinaus auf den Weg. Leichter Regen, beinahe menschenleere Dörfer und zunehmende Müdigkeit begleiten mich durch den Tag. Trotzdem kommen am Ende 31.000 Schritte und rund 21 Kilometer zusammen. Kurz vor Langres lande ich schließlich auf einem Campingplatz an einem See – und mache dort erneut eine Beobachtung, die mich nachdenklich stimmt.

Zeit: 09:01 Uhr – Die Nacht in der Kapelle ist vorbei

Es ist 09:01 Uhr am Morgen.

Die Nacht war etwas, na ja, sie ging, würde ich sagen. Ich habe es überlebt und bin einigermaßen ausgeschlafen.

Etwas komisch war mir schon in der Kapelle mit den Fledermäusen in einem Raum. Später habe ich sie dann gehört, wie sie hin und wieder in der Nacht ihren Platz gewechselt haben.

Ob es im Zelt besser gewesen wäre zu schlafen?

Vielleicht.

Ich habe mir die Nacht jedenfalls etwas besser vorgestellt, vor allem im Hause Gottes. Aber so kann man sich täuschen.

Auch war es so unnatürlich ruhig im Vergleich zu draußen. Und zudem weiß man nicht, ob da vielleicht ein Käfer in den Schlafsack hineinkriecht.

Na ja.

Die Nacht ist erst einmal vorbei.

Jetzt kommt der Tag.

In wenigen Minuten geht es auch schon los. Ich bin seit halb sieben Uhr morgens wach. Ich habe alles schon erledigt.

Meditiert, Kaffee getrunken und gefrühstückt.

Mein Rucksack ist gepackt.

Es kann losgehen.

Zeit: 11:32 Uhr – Eine Begegnung in Marcilly-en-Bassigny

Es regnet leicht.

Ich laufe seit fast zwei Stunden.

Im Dorf Marcilly-en-Bassigny komme ich mit einem Holländer ins Gespräch, der gerade etwas an seinem Anhänger macht.

Ich wusste zuerst nicht, dass er Holländer ist. Also begrüßte ich ihn, wie sonst hier in Frankreich üblich, mit „Bonjour“, was so viel wie „Guten Tag“ bedeutet.

Dann kamen wir ins Gespräch.

Zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch, als ich sagte, dass ich aus Deutschland komme.

Er lebte früher sieben Jahre, zur Zeit der Wende, in Berlin.

Er und seine Frau machen derzeit Ferien in Frankreich. Sie haben hier ein eigenes Ferienhaus.

Die Preise auf dem Land seien erschwinglich, sagt er.

Wir sprechen noch etwas miteinander. Dann bedanke ich mich für das Gespräch und ziehe weiter.

Zeit: 12:43 Uhr – Wie ausgestorben

Ich mache eine Pause.

Setze mich auf meinen Rucksack.

Es ist bewölkt.

Irgendwie trostlos ist es heute.

Man sieht hier so gut wie niemanden. Als wäre alles ausgestorben.

Keiner ist draußen.

Vor dem Haus, am Haus oder auf seinem Haus.

Na gut, Sonntag ist heute. Es ist ein Feiertag. Warum sollte man da draußen sein?

Wir sitzen zusammen am schön gedeckten Tisch und einem Sonntagsbraten.

Der muss weg. Muss vernichtet werden. Zu Ehren Gottes.

Wie dem auch sei: Die letzten Tage war es nicht viel anders.

Ob Sonntag oder Dienstag, es ist fast immer alles wie leergefegt.

Es ist niemand zu sehen.

Ghost Cities.

Mir fehlen die Worte, aber so ist es.

Man muss schon Glück auf seiner Seite haben, um hier auf dem Land überhaupt einen Menschen zu entdecken.

Na ja, jedenfalls verlasse ich jetzt das Dorf mit dem Namen Troischamps.

Es folgen noch zwei andere kleinere Dörfer, bevor ich dann an einen größeren See kommen werde.

Spätestens dort werden mir Menschen begegnen.

Da bin ich mir sicher.

Zeit: 14:40 Uhr – Heute läuft es schleppend

Ich mache wieder eine Pause.

Heute läuft es irgendwie wieder schleppend.

Ich fühle mich erschöpft, träge oder anders gesagt:

nicht genug ausgeruht von der Nacht.

Gestern ist es super gelaufen.

Aber heute?

Ich habe keine Lust mehr.

Ich brauche eine Schlafpause.

Zeit: 18:05 Uhr – Schacht im Schicht

Um 17 Uhr bin ich dann weiter.

Jetzt bin ich wieder erschöpft und pausiere.

Ich werde es gerade noch zum See schaffen, der nicht weit von hier ist.

Dann war es das für heute.

Schacht im Schicht.

Nichts wird dann mehr gehen.

Zeit: 20:09 Uhr – Campingplatz nahe Langres

Ich bin nahe Langres auf einem Campingplatz gelandet.

Es ist heute gar nicht mal so schlecht gelaufen.

Es waren mindestens 20 Kilometer, die ich auf dem Tachometer gestrampelt habe.

Ich gönne mir heute ein teures Bier.

Es ist nicht günstig.

Die Preise sind vergleichbar mit St. Anton an der Bar. Für ein 0,5-Liter-Bier zahlt man da schon schnell 7,50 Euro.

Der See selbst ist dabei immer mehr am Austrocknen.

Wieder einmal eine unglaubliche Beobachtung, die ich feststellen muss.

Ob Flüsse oder kleine Bäche – im Landesinneren wird es immer weniger Wasser beziehungsweise ist teilweise sogar überhaupt kein Wasser mehr da.

Schrecklich irgendwie.

Im Jahre 2020, als ich ein Stück des Eifelsteigs in Deutschland gegangen bin, habe ich auch einmal so einen See gesehen.

Da war fast kein Wasser mehr drin.

Es war eine wirklich schöne Lage zum Urlaub machen, aber eben fast ohne Wasser.

Ich wunderte mich nur:

Was’n da los?

Tagesbilanz

KategorieTag 45
Schritte31.000
Streckeca. 21 km
ÜbernachtungCampingplatz nahe Langres
Ausgaben17,50 €
Distanz bis Le Puy555 km
Wetterbewölkt, zeitweise leichter Regen
Orte unterwegsMarcilly-en-Bassigny, Troischamps
Körperlichmüde und zeitweise stark erschöpft
BegegnungGespräch mit einem Holländer
Beobachtung des Tagesauffallend niedriger Wasserstand

Fazit des Tages

Eigentlich fühlte sich dieser 45. Tag unterwegs immer wieder so an, als würde heute nicht besonders viel gehen.

Die Nacht in der Kapelle hatte mich weniger erholt, als ich gehofft hatte. Ich war müde, machte längere Pausen und dachte zwischendurch sogar, dass ich kaum noch weiterkommen würde.

Und trotzdem stehen am Abend 31.000 Schritte und rund 21 Kilometer auf dem Zähler.

Das ist schon irgendwie erstaunlich.

Was mir von diesem Tag aber ebenfalls bleibt, sind die fast menschenleeren Dörfer. Immer wieder laufe ich durch kleine Orte und sehe kaum jemanden. Dann genügt schon eine einzelne Begegnung, wie heute mit dem Holländer in Marcilly-en-Bassigny, und plötzlich entsteht wieder ein Gespräch.

Nachdenklich macht mich dagegen das Wasser. Schon zuvor waren mir trockene Bäche und Flüsse aufgefallen. Nun sehe ich auch an diesem See, wie niedrig der Wasserstand ist.

Am Ende bin ich aber angekommen.

Campingplatz.

Ein Bier.

21 Kilometer geschafft.

Und morgen geht der Weg weiter.

Buen Camino


Bilder des Tages 📸

Die Bilder des Tages zeigen noch einmal einige kleine Ausschnitte meines Weges – von der besonderen Kapelle und den stillen französischen Dörfern über tierische Begegnungen am Wegesrand bis hin zum See nahe Langres, dessen niedriger Wasserstand mir besonders ins Auge fiel.

Da wurde doch einfach mal salopp Müll in den Wald gekippt. Eine Trauerweide…
Hallo, wer bis’n du da?
Fast nichts mehr da, vom See! Bis zu den Steinen ging der mal als mal 😥

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Eine Antwort auf „45. Tag auf dem Jakobsweg – in der Nähe von Langres“

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