Endlich eine heiße Spur
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach einer furchtbaren Nacht mit unzähligen Insektenstichen beginnt Tag 49 zunächst wenig erholsam. Doch ausgerechnet dieser Tag bringt eine für meinen weiteren Weg wichtige Entdeckung: In Grancey-le-Château erfahre ich endlich mehr über Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger und lande spontan in einer Pilgerherberge auf Spendenbasis. Nach fast zwei Monaten unterwegs fühlt es sich für mich an, als hätte ich endlich eine heiße Spur gefunden.
Zeit: 08:06 Uhr – Eine Horrornacht à la Transylvania
Es ist 08:06 Uhr am Morgen.
Eine furchtbare Nacht ist nun zu Ende.
Wäre das Jucken und das Kratzen nicht, wäre es wahrscheinlich weitaus schöner gewesen. Aber irgendwie sieht oder hört man die Tiere nicht, die einen beißen, zwicken oder an einem saugen.
Man spürt und fühlt nur später:
Hier ein Stich und da noch einer und da noch mal was.
Und das Jucken – ah, zum Verrücktwerden.
Ein Horror war das à la Transsilvanien der Extraklasse. Das sage ich euch.
Ein Kassenschlager vom Feinsten aller Feinsten.
Da war ja noch die Nacht in der Kapelle mit den Fledermäusen ein Witz dagegen.
Einen schönen, ruhigen Platz habe ich.
Aber idyllisch war es mit dem Ganzen dann doch nischt.
Dabei habe ich mich vorgestern geduscht. Und viel geschwitzt wie an den Hitzetagen habe ich auch nischt.
Nicht, dass hier einer auf die Idee kommt zu sagen:
Wer sich waschen kann, der kann auch ruhiger schlafen.
Von wegen ruhiger schlafen!
Wenn diese Tiere am Abend herumgeistern, dann war es das mit dem ruhigen Schlaf. Den gibt es dann nicht.
Ich habe zwar ein Mittel – eine DMSO-Creme. Die hilft auch nicht schlecht. Wenn man aber zu viele Stellen hat, die man einschmieren muss, und man liegt da zusätzlich noch im Schlafsack …
Na ja.
Funktioniert also nur bedingt gut.
Zeit: 18:16 Uhr – Angekommen in Grancey-le-Château
Heute bin ich in einer Pilgerherberge in Grancey-le-Château untergekommen.
Eigentlich wollte ich nur eine Kleinigkeit kaufen und weiterziehen.
Ich kaufte also zwei kleine Bierle, um diese auch gleich zu trinken, Erdnüsse und ein Baguette für morgen.
Ich saß dann nicht weit vom Mini-Supermarkt direkt in der Dorfmitte am Brunnen und trank das soeben gekaufte Bier genüsslich.
Dann sah ich eine Frau an mir vorbeilaufen. Da trank ich schon das zweite kleine Bier.
Die Flaschen waren wirklich klein, mit 0,25 l befüllt.
Als die Dame mich dann ansprach, ob ich den Jakobsweg machen würde, bejahte ich es und wir kamen ins Gespräch.
Sie fragte mich, ob ich für heute einen Übernachtungsplatz suchen würde.
Ich sagte, ich wisse es gerade nicht.
Wir sprachen auf Englisch.
Ich fragte sie:
„Wäre denn das Gebäude da hinten ein Übernachtungsplatz für Pilger?“
Sie antwortete:
„Nein, zurzeit nicht. Wir haben hier hinten eins, direkt schräg gegenüber von hier aus gesehen.“
Und wie teuer ist eine Übernachtung, Madame?, fragte ich.
Sie antwortete:
„So viel, wie es Ihnen wert ist. Es läuft auf Spendenbasis – das, was Sie geben können.“
Ich überlegte.
Nach der schrecklichen Nacht mit den Blutsaugern und Stechern bedurfte ich eh einer Dusche und eines komfortableren Aufenthalts, um mich richtig zu erholen.
Denn ich wusste nicht mehr, ob ich schon zu einem Tier mutierte, es aber selbst noch nicht bemerkte.
Ich willigte also ein.
Die Dame zeigte mir daraufhin alle Zimmer samt der Kapelle.
Ich bedankte mich herzlich.
Endlich bin ich auf der richtigen Spur🥳
Ein Mann, mit dem ich ca. 1½ Stunden früher auf einer Farm gesprochen hatte, erklärte mir auf Deutsch – er konnte fließend Deutsch –, wie das mit den Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger in Frankreich funktionieren würde.
Er gab mir auch einen Flyer mit Telefonnummern und einer Karte mit auf den Weg.
Er selbst hatte heute Morgen noch drei Pilger auf seinem Bauernhof beherbergt.
Ich war natürlich außer Häuschen!
Ich freute mich riesig.
Endlich, nach zwei Monaten, eine heiße Spur, wie das denn hier überhaupt funktioniert in Frankreich und mit der offiziellen Pilgerung.
Endlich habe ich direkt jemanden vor mir stehen, der es mir auch noch auf Deutsch erklärt.
Einfach nur gewaltig.
Dachte ich heimlich für mich.
Denn ich muss ehrlich zugeben:
Die Mückenplage am Abend, die langen Nächte – die Sonne geht ja jetzt immer früher unter und später auf – und das dauernde Schlafen in meinem Minizelt machten mich schon seit einigen Tagen etwas närrisch.
Ich glaube, ich werde ab JETZT des Öfteren diese Art Unterkünfte für Pilger nutzen, sofern sie auf derselben Grundlage basieren, nämlich auf Spendenbasis.
Das würde ich finanziell noch halbwegs verkraften. 💶
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 49 |
|---|---|
| Schritte | 17.272 |
| Übernachtung | Pilgerherberge |
| Ort | Grancey-le-Château |
| Ausgaben | 12,50 € |
| Morgen | schlechte Nacht durch Insektenstiche |
| Wichtige Begegnung | Informationen über Pilgerunterkünfte erhalten |
| Besonderheit | spontane Übernachtung in einer Pilgerherberge |
| Unterkunft | nach deiner damaligen Erfahrung auf Spendenbasis |
Fazit des Tages
Dieser Tag könnte für meinen weiteren Weg wichtiger werden, als ich morgens noch ahnen konnte.
Nach der vergangenen Nacht hatte ich langsam genug von Mücken, Stichen, Jucken und den langen Nächten im kleinen Zelt. Und dann passiert wieder etwas, das ich auf diesem Weg schon öfter erlebt habe:
Zur richtigen Zeit begegnen mir die richtigen Menschen.
Zuerst erklärt mir ein deutschsprachiger Mann, wie es mit den Pilgerunterkünften funktionieren kann. Wenig später sitze ich mit meinen zwei kleinen Bierchen am Brunnen in Grancey-le-Château – und werde von einer Frau angesprochen, die mir schließlich eine Pilgerherberge zeigt.
Eigentlich wollte ich nur einkaufen und weiterlaufen.
Stattdessen bekomme ich eine Dusche, ein richtiges Dach über dem Kopf und vor allem eine Information, nach der ich gefühlt schon seit zwei Monaten gesucht hatte.
Endlich eine heiße Spur.
Vielleicht verändert diese Entdeckung sogar die kommenden Etappen ein wenig.
Denn so schön das Wildcamping für mich oft ist:
Manchmal darf es eben auch ein richtiges Bett sein.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder des Tages zeigen einige Eindrücke rund um Grancey-le-Château und meinen Weg dorthin – kleine Details am Wegesrand, die französische Landschaft und schließlich den Ort, an dem sich für mich etwas Neues auftat: meine erste Pilgerherberge und damit vielleicht ganz neue Möglichkeiten für die kommenden Etappen.


















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2 Antworten auf „49. Tag auf dem Jakobsweg – Grancey-le-Château 🏰“
Erworbene Gewohnheiten werden den Mensch immer von der Gegenwart abhalten. Der Mensch lebt immer im Vergleich und oft nicht in der Gegenwart.
Die Welt bittet immer etwas an und der Mensch trifft die Entscheidung.
Aber, der Herr spricht :“Was geht dich das an? Du geh hinter Mir nach!“.