8. Tag auf dem Jakobsweg – ein schwerer Tag voller Zuversicht
Zeit: 06:51 Uhr
Ich mache mir Frühstück.
Die Nacht war etwas durchwachsen.
Ich habe mich ständig hin und her gewälzt.
Dann wurde mir schlecht.
Vermutlich lag es am Knoblauch, den ich etwas überstrapaziert hatte.
In bestimmten Liegepositionen bekam ich Sodbrennen.
Jetzt geht es mir Gott sei Dank wieder etwas besser.
Zeit: 09:48 Uhr
Ich bin ein Stück gelaufen, aber mir geht es heute nicht gut.
Eine Übelkeit belastet mich und nimmt mir meine heitere Stimmung.
Ich möchte im Moment einfach nur liegen.
Bis zu dem Zeltplatz in der Nähe möchte ich es heute zumindest schaffen.
Mehr werde ich wohl nicht schaffen.
Zeit: 16:53 Uhr
Ich bin fix und fertig.
Es hat sich herausgestellt, dass es dort gar keinen Zeltplatz gibt.
Strom und frisches Wasser konnte ich trotzdem bekommen.
Dem Herrn sei Dank.
Anders kann man es kaum sagen.
Zwischendurch war ich so erschöpft, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, aufzugeben.
In meiner Verzweiflung las ich in der Bibel, genauer gesagt in den Briefen an die Korinther, und gewann neue Kraft.
Es fühlte sich an, als hätte der Himmel mir neuen Mut geschenkt.
Jetzt geht es mir bereits wieder deutlich besser.
Vorhin hätte ich das nicht für möglich gehalten.
Dem Herrn sei Dank, dass es wieder aufwärtsgeht.
Außerdem hat es geregnet wie verrückt.
Zum Glück fand ich am Baggersee einen schönen Unterstand.
Mein Zelt ist inzwischen aufgebaut.
Ich bin bereit für die Nacht. 😊
Persönliches Fazit
Heute wurde mir wieder bewusst, wie schmal der Grat zwischen Aufgeben und Weitermachen manchmal sein kann. Es waren nicht die Kilometer, die mich an meine Grenzen gebracht haben, sondern mein Körper.
Wenn einem die Kraft fehlt und die Gedanken kreisen, wirkt selbst ein kleines Stück Weg unendlich lang.
Gerade in solchen Momenten zeigt sich aber, was einen wirklich trägt. Für mich war es heute der Glaube. Ein paar Zeilen aus der Bibel haben gereicht, um mir neuen Mut zu schenken und den Blick wieder nach vorne zu richten. Nicht jede Antwort kommt laut oder spektakulär.
Manchmal genügt ein stiller Moment, ein trockener Unterstand oder ein Wort zur richtigen Zeit, damit aus Hoffnung wieder Zuversicht wird.
Kurz vor Sonnenuntergang zeigte sich der Baggersee Legelshurst von seiner schönsten Seite. Das fast spiegelglatte Wasser reflektierte den Himmel und die umliegende Landschaft, während im Hintergrund die Anlagen des Kieswerks zu erkennen waren. Gerade dieser Kontrast zwischen Natur und industriell geprägter Landschaft verleiht dem Ort seinen besonderen Charakter. Nach den vielen Kilometern des Tages war dieser ruhige Moment am See ein gelungener Abschluss meiner Etappe auf dem Jakobsweg.
Bei meinem Rundgang am Baggersee führte mich der Weg über das Gelände des ASV 82 Legelshurst. Das Vereinsheim mit seinem großzügigen überdachten Außenbereich zeigt, dass hier regelmäßig Vereinsleben stattfindet. Gerade an den zahlreichen Baggerseen der Oberrheinebene prägen Angelsportvereine vielerorts das Bild und kümmern sich oft auch um die Pflege der Gewässer und ihrer Umgebung. Für mich war es ein interessanter Zwischenstopp, bevor ich meinen Weg entlang des Sees fortsetzte.
Direkt neben meinem Nachtlager öffnete sich der Blick über die weite Wiesenlandschaft der Oberrheinebene. Nach einem Tag, an dem ich körperlich völlig erschöpft war und mich gesundheitlich ausruhen musste, war diese ruhige Umgebung genau das, was ich brauchte. Ich ließ den Tag in aller Stille ausklingen und schöpfte neue Kraft für die nächsten Kilometer auf meinem Jakobsweg.
Persönliche Anmerkung
Im Nachhinein glaube ich, dass mir an diesem Tag vor allem meine kleine Reiseapotheke geholfen hat. Zum Glück hatte ich einige Dinge dabei, die sich bereits früher bewährt hatten. Ich nahm unter anderem DMSO sowie Kohletabletten ein und gönnte meinem Körper anschließend die Ruhe, die er offensichtlich brauchte.
Ob es nun die Medikamente, die Pause oder einfach die Zeit gewesen sind – wahrscheinlich war es die Kombination aus allem. Jedenfalls ging es mir im Laufe des Tages spürbar besser. Das hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören und ihm die nötige Zeit zur Regeneration zu geben. Auf einer langen Pilgerreise ist das manchmal der vernünftigste Weg.
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