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Mein Jakobsweg 2023-2024

9. Tag auf dem Jakobsweg – Straßburg in Sichtweite 😊

An meinem 9. Tag auf dem Jakobsweg – Straßburg in Sichtweite

Zeit: 13:15 Uhr

Noch bin ich aber in Kork.

4 Kilometer vor Kehl und rund 12 Kilometer vor Straßburg.

Mir geht es heute ausgesprochen gut.

Ich fühle mich nach dem gestrigen Tief stabilisiert und wieder fit.

Meine Gebete wurden erhört.

Anders kann ich es mir nicht erklären.

Nach einer kurzen Runde im Baggersee bin ich losgelaufen.

Unterwegs begegneten mir zwei Angler:

Christa und ihr Sohn Jochen.

Jochen hat einen Gendefekt.

Die beiden saßen am Wasser und angelten.

Ich sprach sie an und fragte, wie das Angeln läuft und ob es viele Fische in dem See gibt.

So kamen wir ins Gespräch.

Christa ist selbst schon mehrere Jakobswege gelaufen und freute sich riesig für mich, als sie erfuhr, dass ich ebenfalls auf dem Weg nach Santiago bin.

Sie strahlte über das ganze Gesicht.

Zum Abschied gab sie mir noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg:

Ein Knoppers und einen Pfirsich.

Nach einigen schönen Minuten verabschiedeten wir uns und vereinbarten – ganz unverbindlich –, uns vielleicht eines Tages genau an diesem Ort wiederzusehen.

Ich wünsche den beiden von Herzen alles Gute.

Und ich bete, dass Jochen durch den Herrn Heilung erfahren darf.


Zeit: 15:17 Uhr

Ich stehe jetzt direkt vor der Brücke, die nach Straßburg führt.

Hinter mir erklingen die Geräusche eines türkischen Kebab-Restaurants.

Ich fühle mich gut.

Und irgendwie unbeschreiblich glücklich.

Ich habe mein erstes großes Etappenziel erreicht.

Nach neun Tagen und durchschnittlich 23 Kilogramm auf den Schultern ist das keine Kleinigkeit.

Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich gestern noch ernsthaft ans Aufgeben gedacht habe.

Vielleicht lag es wirklich an der Krankheit.

Jetzt geht es aber erst einmal hinein in die Stadt.

Vielleicht laufe ich komplett durch.

Vielleicht auch nicht.

Mal sehen.


Zeit: 15:55 Uhr

Ich brauche wieder eine Pause.

Jetzt beginnt wieder die Phase des Tages, in der die Abstände zwischen den Pausen immer kürzer werden.

Meist passiert das ab der zweiten Hälfte der Tagesetappe.

Schaffe ich es heute noch, irgendwo einzukehren?


Zeit: 20:34 Uhr

Ich bin immer noch unterwegs.

Fast habe ich Straßburg komplett durchquert.

Ich werde laufen, bis ich nicht mehr kann.

Bis es dunkel wird.

Dann baue ich mein Zelt auf oder rolle einfach den Schlafsack aus.

Ich fühle mich gut.

Aber meine Füße brauchen jetzt eine längere Pause als nur fünf Minuten.


Zeit: 21:59 Uhr

Ich bin im Zelt.

Alles paletti.

Ich habe einen richtig schönen Platz gefunden.

Weit genug außerhalb von Straßburg.

Direkt am Wasser.

Besser geht es kaum.

Gute Nacht. 😴


Persönliches Fazit

Mit dem heutigen Tag habe ich mein erstes großes Zwischenziel erreicht: Straßburg.

Vor wenigen Stunden hätte ich mir kaum vorstellen können, wie viel dieser Moment in mir auslösen würde. Nach den Zweifeln und der Erschöpfung des Vortages fühlte sich jeder Schritt heute wieder leicht an. Es war, als hätte mein Körper neue Kraft gefunden und mein Kopf neuen Mut.

Besonders berührt hat mich die Begegnung mit Christa und ihrem Sohn Jochen. Solche Gespräche erinnern mich immer wieder daran, dass der Jakobsweg nicht nur aus Kilometern besteht.

Es sind die Menschen am Wegesrand, die kleinen Gesten und die unerwarteten Begegnungen, die diese Reise so besonders machen.

Straßburg war für mich nicht das Ziel.

Es war der Beweis, dass sich Durchhalten lohnt.

Und gleichzeitig der Anfang des nächsten Abschnitts meiner Pilgerreise. 💚


Persönliche Anmerkung

Im Nachhinein weiß ich, dass es in Straßburg durchaus günstige Übernachtungsmöglichkeiten gegeben hätte. Über Booking hätte ich bereits für rund 20 Euro in einem Hostel übernachten können.

Warum ich mich trotzdem dagegen entschieden habe, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen.🤔

Vermutlich hatte ich mich nach neun Tagen bereits so sehr an das Leben im Zelt gewöhnt, dass es sich ganz natürlich anfühlte, einfach weiterzulaufen. Das Zelt war inzwischen mein Zuhause geworden. Ich fühlte mich frei und hatte überhaupt nicht das Bedürfnis, unbedingt in einer Unterkunft zu übernachten.

Ich hatte mir vorgenommen, nur dann einzukehren, wenn sich unterwegs ganz von selbst eine passende Gelegenheit ergeben würde. Genau das passierte an diesem Tag jedoch nicht. Also hörte ich auf mein Gefühl und zog weiter.

Rückblickend hätte ich sicherlich auch in einem Hostel übernachten können. Bereut habe ich meine Entscheidung allerdings nie. Sie gehörte einfach zu dieser Reise und zu der Freiheit, jeden Tag neu entscheiden zu können.


Wie mein heutiger Tag sich entwickelte 📸

Am Morgen gab es ein schlichtes, aber nahrhaftes Frühstück. Den Haferbrei verfeinerte ich mit den Brombeeren, die ich am Vorabend in der Nähe meines Nachtlagers gesammelt hatte. Gerade auf langen Wanderungen schätze ich solche einfachen Mahlzeiten: Haferflocken liefern langanhaltende Energie durch komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe, während frische Brombeeren mit Vitaminen und Antioxidantien für eine fruchtige Ergänzung sorgen.

Oft braucht es nicht viel, um gestärkt in den nächsten Tag auf dem Jakobsweg zu starten.

Fruchtiger Haferbrei mit Waldbeeren auf dem Gaskocher am Nachtlager.
Fruchtiger Haferbrei mit Waldbeeren auf dem Gaskocher am Nachtlager.

Nachdem die Brombeeren untergerührt waren, färbte sich der Haferbrei kräftig violett. Das Frühstück war einfach, aber genau das Richtige für einen langen Wandertag. Haferflocken liefern langanhaltende Energie, während die frisch gesammelten Brombeeren eine natürliche Süße sowie wertvolle Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe beisteuern.

Gerade auf mehrtägigen Touren zeigt sich, dass aus wenigen Zutaten ein nahrhaftes und schmackhaftes Frühstück entstehen kann – ganz ohne großen Aufwand.

Admiral-Schmetterling sitzt auf Kleidung neben dem Nachtlager am Jakobsweg.
Ein kleiner Besucher am Morgen – Admiral (Vanessa atalanta) – einer der bekanntesten Wanderfalter Europas 🦋

Während ich mein Frühstück vorbereitete, bekam ich überraschend Besuch: Ein Admiral-Schmetterling ließ sich direkt auf meiner Kleidung nieder und blieb für einen Moment sitzen. Solche kleinen Begegnungen gehören für mich zu den schönsten Erlebnissen auf einer mehrtägigen Wanderung.

Admiral-Schmetterling sitzt auf Wanderschuh und Socke während einer Jakobsweg-Wanderung.
Ein unerwarteter Begleiter auf dem Weg – hat sich in mich verliebt?

Wenn ein Schmetterling mehr bedeutet

Als sich der Admiral-Schmetterling auf meiner Kleidung und später sogar auf meinen Wandersocken niederließ, musste ich unweigerlich an meine verstorbene Freundin Silke denken. Für mich haben Schmetterlinge seither eine ganz besondere Bedeutung. Seit ihrem Tod verbinde ich Schmetterlinge mit der Erinnerung an sie. Dazu trägt auch ein Lied von „Danyel Gerard – Butterfly 1971“ bei, das ihr besonders gefiel und in dem Schmetterlinge eine zentrale Rolle spielen.

Deshalb empfinde ich solche Begegnungen oft als ein persönliches Zeichen oder einen stillen Gruß, auch wenn jeder Mensch das natürlich anders sehen mag.

Gleichzeitig fasziniert mich die Symbolik des Schmetterlings. Aus einer unscheinbaren Raupe entsteht durch die Metamorphose ein völlig neues Wesen. Diese Verwandlung steht für mich sinnbildlich für das Leben selbst: Alles verändert sich, nichts bleibt für immer gleich. Auch der Tod bedeutet für mich nicht zwangsläufig das Ende, sondern vielleicht den Übergang in eine andere Form des Seins. Wie diese aussieht, weiß niemand mit Gewissheit. Doch der Schmetterling erinnert mich daran, dass Veränderung zum Leben gehört – und dass Erinnerungen an geliebte Menschen uns oft auf ganz besondere Weise begleiten.

So wurde dieser kleine Admiral für mich zu weit mehr als nur einem schönen Schmetterling. Er wurde zu einem Moment, der mich innehalten ließ und der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Jakob Haag (Pilger9 macht kurze Pause am Baggersee Legelshurst mit Wanderschuhen und Blick über das Wasser.
Kurze Erfischung am Baggersee Legelshurst

Nach meiner Übernachtung am Baggersee bei Legelshurst machte ich mich am Morgen wieder auf den Weg. Bevor ich die nächste Etappe in Angriff nahm, legte ich direkt am See noch eine kurze Pause ein. Ich zog die Wanderschuhe aus, gönnte meinen Füßen und mir selbst eine kleine Erfrischung und genoss für einen Moment die Ruhe am Wasser. Gerade nach den Strapazen des Vortags tat diese kurze Auszeit besonders gut. Frisch gestärkt setzte ich anschließend meinen Weg auf dem Jakobsweg fort – bereit für die nächsten Kilometer.

Schweine ruhen bei Kork an einem heißen Sommertag im Schatten
Schweine bei Kork in der Sommerhitze – auch Schweine brauchen ruhe 💆

Auf meinem Weg in der Nähe von Kork fiel mir diese Schweineherde auf, die trotz der sommerlichen Hitze ganz entspannt auf der offenen Weide lag. Während ich selbst die hohen Temperaturen deutlich spürte, schienen die Tiere die Sonne gelassen zu nehmen und gönnten sich einfach eine ausgedehnte Ruhepause.

Rastplatz an einem ruhigen Angelweiher bei Kork mit Blick aufs Wasser.
Rast am Angelweiher bei Kork

Auf meinem Weg bei Kork legte ich an einem ruhigen Gewässer eine Pause ein. Es wirkte wie ein Angelweiher oder Vereinsgewässer, an dem sich Angler und Spaziergänger gleichermaßen aufhalten konnten. Für mich war es ein idealer Ort, um den schweren Rucksack abzustellen, kurz durchzuatmen und die friedliche Atmosphäre am Wasser zu genießen.

Gemeinsames Foto mit Christa und ihrem Sohn Jochen bei Kork
Begegnung mit Christa und Ihrem Sohn Jochen

An diesem Gewässer begegnete ich Christa und ihrem Sohn Jochen. Schnell kamen wir ins Gespräch, und dabei erfuhr ich, dass Christa in ihrem Leben bereits viele Caminos gegangen ist. Sie erzählte mir von ihren Erfahrungen auf den verschiedenen Pilgerwegen, sodass wir uns sofort auf einer gemeinsamen Ebene verstanden.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ihr Rat, nach meiner Ankunft in Santiago nicht aufzuhören, sondern unbedingt weiter bis Finisterre und Muxía zu pilgern. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Mein einziges Ziel war Santiago de Compostela – alles andere lag für mich noch in weiter Ferne. Christa war jedoch überzeugt, dass sich dieser zusätzliche Weg lohnen würde, und sprach mit so viel Begeisterung davon, dass sie einen kleinen Samen in mir pflanzte.

Was mich ebenfalls tief berührte, war ihre aufrichtige Freude für mich. Sie freute sich ehrlich darüber, dass ich mich auf diese Reise begeben hatte, sprach mir Mut zu und wünschte mir von Herzen einen „Buen Camino“. In ihren Worten spürte ich die Herzlichkeit und Verbundenheit, die viele Pilger miteinander teilen. Das gab mir zusätzliche Motivation und bestärkte mich darin, meinen Weg weiterzugehen.

Zum Abschied sprachen wir sogar darüber, uns eines Tages vielleicht genau an diesem Ort wiederzusehen. Ob es jemals dazu kommen wird, weiß ich nicht. Aber wer weiß das schon?

Doch diese herzliche Begegnung, das inspirierende Gespräch und Christas Ermutigung haben diesen Moment für mich zu einer ganz besonderen Erinnerung auf meinem Jakobsweg gemacht.

Weißstorch auf einer Wiese zwischen Kork und Straßburg.
Weißstorch unterwegs zwischen Kork und Straßburg

Auf meinem weiteren Weg zwischen Kork und Straßburg entdeckte ich diesen Weißstorch, der ruhig über eine Wiese lief und nach Nahrung suchte. Solche Begegnungen mit Wildtieren bereichern eine Pilgerwanderung auf besondere Weise. Man wird immer wieder daran erinnert, wie vielfältig die Natur entlang des Weges ist. Der Storch ließ sich von meiner Anwesenheit kaum stören und setzte seinen gemächlichen Weg auf seiner Futtersuche fort – ein kurzer, aber schöner Moment, der mir in Erinnerung geblieben ist.

Historisches Feuerwehrauto bei einer Veranstaltung in Kehl.
Ein Stück Feuerwehrgeschichte in Kehl zum Anfassen.

Auf meinem Weg nach Straßburg führte mich der Jakobsweg durch Kehl. Dort fand gerade ein Feuerwehrfest statt, bei dem zahlreiche historische Feuerwehrfahrzeuge ausgestellt wurden. Für mich war das eine schöne und unerwartete Abwechslung während meiner Wanderung.

Besonders dieses liebevoll restaurierte Feuerwehrauto weckte mein Interesse. Es war beeindruckend zu sehen, wie sorgfältig die historischen Einsatzfahrzeuge gepflegt und erhalten werden. Ich nahm mir einen Moment Zeit, die Fahrzeuge zu bestaunen und diesen besonderen Augenblick mit einem Foto festzuhalten.

  • Wegweiser nach Straßburg kurz vor der Rheinbrücke auf dem Jakobsweg.

Straßburg – mein erster großer Meilenstein 🎉

Als ich die Rheinbrücke überquerte und Straßburg erreichte, war das für mich weit mehr als nur das Ankommen in einer neuen Stadt. Es war mein erster großer Meilenstein auf dem Jakobsweg.

Während viele Pilger ihre Reise in Tagesetappen von 20 oder 30 Kilometern planen, musste ich in ganz anderen Dimensionen denken. Meine Etappen bestanden oft aus vielen Dutzend Kilometern und führten mich über mehrere Tage hinweg von Ort zu Ort. Straßburg war das erste große Zwischenziel, auf das ich lange hingearbeitet hatte.

Besonders bewegend war für mich der Moment, als ich zu Fuß Frankreich erreichte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, ein neues Kapitel meiner Reise aufzuschlagen. Santiago de Compostela lag zwar noch in weiter Ferne, doch hier wurde mir bewusst, dass ich meinem Ziel tatsächlich Schritt für Schritt näherkam.

Straßburg bedeutete für mich deshalb nicht nur einen Ortswechsel, sondern einen sichtbaren Beweis dafür, dass sich all die Anstrengungen der vergangenen Tage gelohnt hatten. Dieser Moment gehörte zu den bisherigen Höhepunkten meiner Pilgerreise und gab mir neue Motivation für den langen Weg, der noch vor mir lag.

Pilger (Jakob Haag) vor historischem Panzerdenkmal in Straßburg.
Historischer Panzer in Straßburg – Geschichte am Wegesrand

Nachdem ich Straßburg erreicht hatte, entdeckte ich dieses historische Panzerdenkmal. Solche Zeugnisse der Vergangenheit erinnern daran, wie eng die Geschichte des Elsass mit den großen Konflikten Europas verbunden ist.

Ich hielt diesen Moment fest, weil mich der Kontrast zwischen meiner friedlichen Pilgerreise und einem Symbol vergangener Kriege zum Nachdenken brachte. Während mein Weg von Begegnungen, Hoffnung und Vertrauen geprägt war, stand dieses Militärfahrzeug als stilles Erinnerungsstück an eine Zeit, in der Europa von Krieg und Zerstörung gezeichnet wurde.

Es war einer jener Momente, die zeigen, wie viele Geschichten einem auf dem Jakobsweg begegnen – nicht nur in der Natur oder in Gesprächen mit Menschen, sondern auch in den Spuren der Geschichte.

Historisches Gebäude mit Uhrturm in Straßburg an einer Straßenbahnquerung.
Die ersten Eindrücke von Straßburg

Nach dem Grenzübertritt führte mich mein Jakobsweg durch die Straßen von Straßburg. Zwischen modernen Verkehrswegen und historischer Architektur zeigte sich sofort der besondere Charakter der Stadt.

Dieses markante Gebäude mit seinem Uhrturm fiel mir direkt ins Auge und dort, in der Nähe, habe ich kurz gerastet.

Nach den ruhigen Wegen durch Wälder, Felder und kleine Ortschaften fühlte sich das geschäftige Stadtleben zunächst ungewohnt an. Gleichzeitig war es ein weiterer Beweis dafür, dass meine Pilgerreise stetig voranschritt und mich immer wieder an neue, faszinierende Orte führte.

Russisch-orthodoxe Kirche in Straßburg
Russisch-orthodoxe Kirche in Straßburg – ich bin sehr beeindruckend

Ich lief weiter und entdeckte diese beeindruckende russisch-orthodoxe Kirche. Mit ihren vergoldeten Zwiebeltürmen und der außergewöhnlichen Architektur hob sie sich deutlich von den anderen Kirchen der Stadt ab.

Als ich an der Kirche vorbeiwanderte, nahm ich mir einen Moment Zeit, um ihre außergewöhnliche Bauweise zu bewundern. Solche unerwarteten Entdeckungen machten meinen Weg durch Straßburg abwechslungsreich und zeigten mir, wie viele kulturelle und spirituelle Eindrücke eine Pilgerreise für einen bereithält.

  • Blick über die Ill auf den grünen Stadtkanal in Straßburg.
  • Historischer Argentoratum-Brunnen mit Skulptur in Straßburg.
  • Mittelalterliche Wehrtürme und Ponts Couverts in Straßburg am Wasser.
  • Ponts Couverts mit Wehrtürmen spiegeln sich im Wasser der Ill.

Während ich faszinierend durch die Straßen von Straßburg wanderte, entdeckte ich kurze Zeit später diesen außergewöhnlichen Brunnen mit der Inschrift „Argentoratum“ – dem lateinischen Namen der Stadt, der aus der Römerzeit stammte.

Später erreichte ich die berühmten Ponts Couverts, die historischen gedeckten Brücken mit ihren markanten Wehrtürmen. Dieser Ort zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und beeindruckte mich sofort.

Das ruhige Wasser der Ill spiegelte die alten Türme wider und verlieh der Szene eine besondere Atmosphäre. Hier wurde die lange Geschichte Straßburgs greifbar – eine Stadt, die über Jahrhunderte hinweg von ihrer Lage am Wasser und ihrer strategischen Bedeutung geprägt wurde.

Für mich war dieser Ort einer der schönsten Momente meines Aufenthalts in Straßburg. Nach den ersten Tagen meiner Pilgerreise fühlte es sich gut an, einen Augenblick innezuhalten und die historische Kulisse auf mich wirken zu lassen, bevor mein Weg weiter in Richtung Santiago de Compostela führte.

Zwei Nutrias schwimmen zwischen Seerosen in einem ruhigen Kanal.
Eine überraschende Tierbegegnung mitten in der Stadt – Nutrias im Straßburger Kanal

Mitten in Straßburg schenkte mir der Weg noch eine kleine Überraschung. Zwei Nutrias schwammen zwischen den Seerosen durch den Kanal und wirkten völlig unbeeindruckt vom Trubel der Stadt.

Ich hielt kurz inne und beobachtete die beiden Tiere. Gerade solche ungeplanten Begegnungen bleiben oft besonders in Erinnerung. Sie erinnern mich daran, auf dem Jakobsweg nicht nur das Ziel im Blick zu haben, sondern auch die vielen kleinen Wunder am Wegesrand wahrzunehmen.

Nutria oder Waschbär? Der Unterschied

Auf den ersten Blick könnte man die Tiere vielleicht für Waschbären halten – tatsächlich handelt es sich jedoch um Nutrias, auch Biberratten genannt.

Der größte Unterschied liegt im Körperbau: Nutrias sind große Nagetiere und leben überwiegend im Wasser. Sie besitzen einen langen, runden Schwanz, Schwimmhäute an den Hinterfüßen und ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen. Waschbären hingegen gehören zu den Raubtieren, haben einen buschigen, geringelten Schwanz und die markante schwarze „Gesichtsmaske“, die sie unverwechselbar macht.

Wer also ein großes braunes Tier entspannt durch einen Fluss oder Kanal schwimmen sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Nutria vor sich – so wie ich an diesem Tag in Straßburg.

Kurzfassung

Nutria

  • Großer Nager (Biberratte)
  • Langer, runder Schwanz
  • Lebt am und im Wasser
  • Ernährt sich überwiegend pflanzlich

Waschbär

  • Raubtier
  • Buschiger, geringelter Schwanz
  • Schwarze Gesichtsmaske
  • Klettert häufig auf Bäume und sucht auch an Land nach Nahrung

Diese kleine Unterscheidung fand ich selbst interessant, denn zunächst war ich mir ebenfalls nicht sicher, welche Tiere ich dort im Kanal beobachtet hatte.

Der Unterschied zwischen einem Waschbären und einem Nutria

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