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Mein Jakobsweg 2023-2024

10. Tag auf dem Jakobsweg – und neue Begegnungen

10. Tag auf dem Jakobsweg – Begegnungen, die zum Nachdenken anregen

Zeit: 10:27 Uhr

Ich bin mittlerweile eine halbe Stunde unterwegs.

Straßburg liegt schon länger hinter mir.

Nach dem gestrigen Tag fühle ich mich ziemlich geschafft und erledigt.

31.000 Schritte waren es insgesamt.

Das sind mindestens 25 Kilometer.

Heute werde ich es etwas ruhiger angehen.

Was mir besonders auffällt:

Die Franzosen scheinen ausgesprochen sportaffin zu sein.

Ich sehe hier sehr viele Radfahrer und Jogger.

Kaum jemand läuft einfach nur so durch die Gegend.

Das finde ich beeindruckend.

So etwas sieht man in unserer Region deutlich seltener.

Außerdem begegnen mir hier – vor allem in den Städten – viele Hundebesitzer.

Die meisten Hunde wirken allerdings etwas übergewichtig.

Damit meine ich natürlich die Hunde. 😉


Zeit: 14:11 Uhr

Ich mache gerade Pause und esse den restlichen Salat auf, den ich vor ein paar Tagen in Renchen gekauft habe.

Heute ist es relativ windig und bewölkt.

Später möchte ich irgendwo einkehren und den Tag beenden.


Zeit: 15:40 Uhr

Mir begegnen Ingrid und Bernd Pierl aus Bühl.

Zwei sehr liebe Menschen, die gerade eine Tagestour mit dem Fahrrad machen.

Wir kommen schnell ins Gespräch und gehen dabei erstaunlich tief.

Das hat mich sehr fasziniert.

Die beiden sind gut zwanzig Jahre älter als ich und haben mir von Herzen alles Gute für meinen Weg gewünscht.

Sie fanden es beeindruckend, dass ich mich für diese Reise entschieden habe.

Ich sagte ihnen:

Das Ich unterwegs sei, um mit dem Alten abzuschließen und das Neue mit voller Kraft in Angriff zu nehmen.

Ich bin offen für das, was kommt.

Suche ich etwas?

Oder doch?

Vielleicht suche ich Antworten, die mir den neuen Weg zeigen.

Eine Richtung, in die mein Leben weitergehen darf.

Das Interessante ist:

Ich bin jetzt seit zehn Tagen unterwegs und habe bereits acht wunderbare Menschen kennengelernt.

Zu Hause war ich zuvor etwa zweieinhalb Monate.

In dieser Zeit habe ich keinen einzigen neuen Menschen kennengelernt.

Wie kann das eigentlich sein?

Und warum ist das so?

Darüber darf jeder gerne selbst einmal nachdenken.

Wann lernen wir neue Menschen kennen?


Mein persönliches Fazit

Wenn wir immer nur das Gleiche tun wie bisher, können wir keine anderen Ergebnisse erwarten.

Punkt.

2 + 2 = 4.

Es wird niemals 5 herauskommen.

Eigentlich ist das logisch.

Und doch vergessen wir es im Alltag immer wieder.

Wir geraten so schnell in unsere Gewohnheiten zurück, ohne es überhaupt zu bemerken.

Und wundern uns anschließend, warum sich nichts verändert.


Als ich später wieder eine Pause einlegte, sprach mich noch ein weiterer Mann an.

Michel.

Wir unterhielten uns ebenfalls eine ganze Weile.

Er wohnt südlich von Straßburg und ist den Jakobsweg bereits zweimal gegangen.

Einmal zu Fuß.

Und einmal mit dem Fahrrad.

Wahnsinn.

Anders kann man das kaum sagen.


Zeit: 18:12 Uhr

Ich sitze in einem Wirtshaus.

Ich dachte mir:

Man darf auch einmal die Seele baumeln lassen.

Ich gönne mir ein Radler und ein Stück Käsekuchen.

Mehr gab es leider nicht mehr.

Die junge Bedienung strahlte über das ganze Gesicht.

Sie war hübsch, jung und hatte blondes Haar.

Ich hatte das Gefühl, dass ich ihr sympathisch war.

Warum sonst sollte jemand einen so herzlich anlächeln?

Ich hätte mich vermutlich genauso verhalten.

Es hat mich tief im Herzen gefreut.

Und genau deshalb möchte ich diesen Moment hier festhalten.


Persönliches Fazit

Heute habe ich verstanden, dass sich eine Reise nicht nur durch die Orte verändert, die man besucht, sondern vor allem durch die Menschen, denen man begegnet.

In nur zehn Tagen habe ich mehr neue Menschen kennengelernt als in den Monaten zuvor zu Hause. Das ist kein Zufall. Wer jeden Tag denselben Weg geht, trifft oft dieselben Menschen. Erst wenn wir unsere gewohnte Umgebung verlassen und offen für Neues werden, entstehen Begegnungen, die unser Leben bereichern können.

Der Jakobsweg zeigt mir immer deutlicher, dass Veränderung nicht einfach geschieht. Sie beginnt mit dem Mut, den ersten Schritt zu machen. Und manchmal reicht genau dieser eine Schritt aus, damit sich Türen öffnen, von denen wir vorher nicht einmal wussten, dass sie existieren.


Bildergalerie: Wie mein Tag heute begann 📸

Am Ufer dieses ruhigen Weihers fand ich gestern diesen einen Platz, der sich für die Nacht genau richtig anfühlte. Etwas abseits des Weges konnte ich mich gut zwischen der Böschung und der Natur zurückziehen.

  • Nachtlager mit Zelt und Rucksack an einem ruhigen Gewässer bei Straßburg.
  • Ruhiger Angelweiher mit Bäumen und bewölktem Himmel nahe Straßburg.

Hier fühlte ich mich sicher und ungestört – ideale Voraussetzungen für eine erholsame Nacht.

Ich baute mein Nachtlager auf und ließ den Tag in aller Ruhe ausklingen. Es war einer dieser einfachen Übernachtungsplätze, die keine besondere Ausstattung brauchen. Entscheidend war das Gefühl, für eine Nacht einen friedlichen Ort gefunden zu haben. Am nächsten Morgen setzte ich meinen Jakobsweg ausgeruht und mit neuer Energie fort.

Der Morgen begann ruhig und unspektakulär. Nach einer Nacht an meinem Lagerplatz in der Nähe von Straßburg war es Zeit, alles zusammenzupacken und mich auf den nächsten Abschnitt meines Jakobswegs vorzubereiten.

Jakob Haag - Pilger am Morgen nach dem Nachtlager nahe Straßburg beim Start in den Tag.
Morgen am Nachtlager bei Straßburg

Bevor ich aufbrach, hielt ich diesen Moment mit einem Selfie fest. Es zeigt keinen besonderen Ort und kein berühmtes Bauwerk, sondern einfach den Beginn eines neuen Pilgertages. Genau diese kleinen Augenblicke gehören für mich zu einer Fernwanderung dazu. Jeden Morgen aufs Neue den Rucksack schultern, einen Schritt vor den anderen setzen und gespannt sein, welche Begegnungen und Erlebnisse der Tag bereithalten wird.

Beeindruckende Architektur und Natur

Nachdem ich mein Nachtlager verlassen hatte, führte mich der Weg weiter durch die ersten Ortschaften des Tages. Dabei fielen mir einige Gebäude ins Auge, deren Architektur mich sofort faszinierte. Die mit Efeu bewachsenen Fassaden, die steilen Dächer und der ländliche Baustil verliehen dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.

Solche Eindrücke sind es, die das Pilgern für mich so abwechslungsreich machen. Hinter jeder Kurve wartet etwas Neues – manchmal sind es beeindruckende Landschaften, manchmal einfach Häuser, deren Charme und Geschichte zum kurzen Innehalten einladen.

Auf meinem weiteren Weg führte mich der Pilgerpfad an diesem idyllischen Kanal entlang. Das ruhige Wasser, die zahlreichen Seerosen und das üppige Grün am Ufer verliehen diesem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.

Pilgerrast mit Radler und Kuchen in einem gemütlichen Garten im Elsass
Radler- und Kuchenpause am Pilgerweg

Nach den vielen Kilometern zu Fuß gönnte ich mir hier eine kleine Auszeit. Ich bestellte mir einen kühlen Radler und ein Stück Kuchen – für mich an diesem Tag ein echtes Highlight. Der Kuchen war allerdings so schnell verputzt, dass ich erst danach daran dachte, ein Foto zu machen.

Etwa zehn bis zwanzig Minuten saß ich hier, genoss die entspannte Atmosphäre und ließ die bisherigen Kilometer Revue passieren. Solche kleinen Genussmomente sind auf einer langen Pilgerreise etwas Besonderes. Sie schenken neue Energie und machen den Weg noch ein Stück schöner.

Pilgerrucksack mit Trekkingstöcken vor einem rustikalen Hof im Elsass
Pilgerrucksack mit Trekkingstöcken vor einem rustikalen Hof im Elsass

Nach meiner kleinen Kaffeepause war es Zeit, den Rucksack wieder aufzusetzen und weiterzuziehen. Bevor es losging, hielt ich diesen Moment fest. Mein treuer Begleiter, der mich Tag für Tag über viele Kilometer trug, lehnte bereits startbereit am Zaun.

Idyllisches Haus mit Blumenschmuck an einem Kanal im Elsass
Ein malerischer Anblick am Wegesrand – Haus im Elsass

Rückblickende Anmerkung zu einem Gespräch🧑‍🎓

Im Gespräch mit Bernd und Ingrid fiel irgendwann auch das Thema Buch, Öffentlichkeit oder vielleicht sogar ein Radiobeitrag. Ich kann heute nicht mehr genau wiedergeben, wie wir darauf gekommen sind. Sinngemäß ging es darum, dass aus meinem Weg vielleicht einmal etwas Größeres entstehen könnte und man irgendwann noch von meiner Reise hören würde.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mit diesem Gedanken allerdings noch nicht besonders viel anfangen. Ein Buch zu schreiben oder durch meine Reise bekannter zu werden, war überhaupt nicht mein Ziel. Ich war in erster Linie für mich unterwegs. Ich wollte mit dem Alten abschließen, neue Kraft finden und offen dafür sein, welchen Weg mir das Leben zeigen würde.

Heute wirkt dieses Gespräch auf mich beinahe wie ein kleiner Blick in die Zukunft. Denn inzwischen gehe ich meine gesamte Reise noch einmal Schritt für Schritt durch, überarbeite meine damaligen Aufzeichnungen und erlebe viele Situationen dabei ein zweites Mal.

Nach und nach entsteht daraus tatsächlich eine zusammenhängende Geschichte. Eine Geschichte, die nicht geplant war und gerade deshalb vielleicht so besonders ist. Ob daraus eines Tages wirklich ein Buch oder etwas anderes entsteht, weiß ich noch nicht. Aber ein Gedanke, der damals kaum auf meinem Radar war, beginnt langsam, Realität zu werden.

Einkehr und Übernachtung

Nachdem ich im Café einen Radler und ein Stück Kuchen genossen hatte, setzte ich meinen Weg zunächst noch fort. Allerdings merkte ich schon nach wenigen Minuten, dass ich für diesen Tag genug gelaufen war.

Vielleicht fünf bis zehn Minuten später entschied ich mich, nach einem geeigneten Platz für die Nacht Ausschau zu halten.

Schon bald entdeckte ich diesen idyllischen und ruhigen Ort, der sich für mich sofort richtig anfühlte. Nicht weit vom Café entfernt schlug ich mein Zelt und mein Tarp auf und richtete mein Nachtlager ein. Hier konnte ich den Tag entspannt ausklingen lassen und neue Kraft für die nächste Etappe sammeln.


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