Von Usson-en-Forez bis zur unbekannten Wiese
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Kälte, Wolken und eine etwas trostlose Stimmung begleiten mich zunächst durch diesen Tag. Immer wieder kreisen meine Gedanken um die Frage, ob mein Jakobsweg in Le Puy vorerst enden könnte. Im Wald hebt sich meine Stimmung – und am Nachmittag sorgt die zufällige Begegnung mit Simon, einem deutschen Pilger aus Tübingen, für den besonderen Moment des Tages. Nur noch 38 Kilometer bis Le Puy. 🥾🍂
13:05 Uhr – Im Wald steigt meine Stimmung
Es ist 13:05 Uhr. Ich bin wieder unterwegs.
Es ist kalt. Frisch. Bewölkt und absolut trostlos bis jetzt gewesen.
Ich habe das Dorf … passiert. Ohne viel Freude.
An Minimum gekauft, was ich noch kaufen wollte für die nächsten Tage.
Meine Gedanken und meine Stimmung waren heute Morgen mal im Hoch, dann wieder im Tief.
Jetzt im Wald, an dem Ort, wo ich diese ersten Zeilen des Tages schreibe, steigt auch allmählich meine Stimmung.
Hier ist eine bessere Stimmung als im Supermarkt, als in diesem Dorf.
Es ist nicht angespannt.
Es ist immer gleich freundlich im Wald.
Ich mag es definitiv lieber, bemerke ich so nebenbei für mich.
Dennoch spielten meine Gedanken mit der Idee, in Le Puy-en-Velay die Pilgerung wieder mal zu beenden.
Vorzeitig zu beenden.
Ich weiß nicht, ob ich es tun werde oder ob ich weitermachen werde.
Erst mal muss ich in Le Puy-en-Velay ankommen und bis dahin sind es drei bis fünf Tage.
Es ist eigentlich nicht mehr viel.
Die Frage ist, inwiefern das Wetter mitspielt, mit dem ich umgehen kann.
Das ist es, was mir Sorgen macht.
Ich weiß das natürlich jetzt nicht.
Was ich aber weiß:
Es wird kälter und kälter.
18:39 Uhr – Begegnung mit Simon aus Tübingen
Ich bin an meiner Destination.
Ein halbwegs ruhiger Platz neben einer wenig befahrenen Straße.
Heute gegen Nachmittag bin ich tatsächlich, als ich gerade Pause machte und die Kraft der Sonne für mich gebrauchte, mit einem deutschen Pilger aus Tübingen ins Gespräch gekommen.
Das war mal der Wahnsinn des Tages.
Wir saßen dann eine Weile und sprachen über dies und das.
Was man eben so spricht als Pilger.
Über den Erfahrungsaustausch halt.
Er – Simon – macht den Jakobsweg etappenweise. Jedes Jahr ein kleines Stückchen des Weges.
500 km hat er schon in den letzten vier Wochen auf dem Tacho.
Mein Respekt.
Und bis Le Puy geht es noch, dann ist Schluss.
Das Wetter, meint er, ist einfach nicht mehr so schön und kalt ist es auch.
Es ist trostlos.
Dem stimme ich vollkommen zu.
Es ist einfach nicht mehr so schön, wie es einst mal war.
Ich bin ja auch am Überlegen, ob ich nicht in Le Puy-en-Velay Schluss mache.
Das weiß ich aber noch nicht sicher.
Vielleicht, vielleicht nicht. Schauen wir mal.
Erst mal ankommen.
Dann entscheiden.
Le Puy wird zur Entscheidungsmarke
Je näher ich Le Puy komme, desto mehr verändert sich die Bedeutung dieses Ortes für mich.
Es geht nicht mehr nur darum, dort anzukommen. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie es danach weitergeht.
Das Wetter wird kälter, die Tage kürzer und die Nächte draußen schwieriger. Nach mehr als drei Monaten auf dem Weg sind diese Gedanken für mich nicht einfach wegzuschieben.
Interessant ist deshalb auch die Begegnung mit Simon.
Er hat für sich einen anderen Weg gefunden: Er läuft den Jakobsweg etappenweise und setzt seine Reise Jahr für Jahr fort.
Ich dagegen muss meine eigene Entscheidung erst noch treffen.
Aber heute muss ich sie noch nicht treffen.
Erst mal Le Puy erreichen.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 94 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Usson-en-Forez bis zur unbekannten Wiese |
| 👣 Schritte | 23.900 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | 9,81 € |
| 👁️ Distanz bis Le Puy | 38 km |
| ☁️ Wetter | kalt, frisch und bewölkt |
| 💭 Stimmung | zwischen Hoch und Tief |
| 🌲 Wohlfühlort | der Wald |
| 🤝 Begegnung | Simon, Pilger aus Tübingen |
| 🥾 Gedanke des Tages | In Le Puy ankommen und dann entscheiden |
Fazit des Tages
Heute beschäftigt mich eine Frage immer stärker:
Wie lange werde ich meinen Jakobsweg noch fortsetzen?
Das kältere Wetter macht mir zu schaffen und Le Puy entwickelt sich zunehmend zu einem Punkt, an dem eine Entscheidung fallen könnte.
Doch dann sitze ich irgendwo unterwegs in der Sonne und treffe Simon aus Tübingen.
Ein anderer Pilger. Ein anderer Weg. Eine andere Art, den Camino zu gehen.
Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und stellen fest, dass uns das zunehmend kalte und trostlose Wetter beide beschäftigt.
Am Abend steht mein Zelt wieder auf einer unbekannten Wiese. Hinter mir liegen 23.900 Schritte.
Und vor mir?
Nur noch 38 Kilometer bis Le Puy.
Was danach kommt, muss ich heute noch nicht wissen.
Erst mal ankommen. Dann entscheiden. 🥾🍀
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages fallen heute etwas ruhiger aus – dicke Quellwolken und ein eher grauer Himmel begleiteten mich durch die Landschaft und boten nicht gerade das einladendste Fotowetter.
Trotzdem gab es ein paar kleine Entdeckungen am Wegesrand: einen Esel und weitere Tiere, alte offenbar nicht mehr genutzte Gleise und einige Landschaftsmotive.








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