Es geht heute weiter
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach dem gestrigen Tief geht es mir heute zum Glück wieder richtig gut. Die Kraft ist zurück und ich kann meinen Weg fortsetzen. Dabei denke ich noch einmal an die besondere Begegnung mit Ivan und Toni zurück, bevor mich rund um Montarcher eine überwältigende Landschaft erwartet. Am Abend erreiche ich Usson-en-Forez – und Le Puy ist plötzlich nur noch 53 Kilometer entfernt. 🤗🥾🌄
08:48 Uhr – Mir geht es wieder besser
Es ist 08:48 Uhr am Morgen.
Ich liege Kaffee trinkend im Zelt und freue mich, dass es mir wieder besser geht.
Ich habe es überstanden.
Einen Tag und eine Nacht hat es gedauert, bis es einem wie mir wieder besser geht. Wie gesagt, ich freue mich darüber.
Ich lasse noch mal die Begegnung mit Ivan und Toni von vorgestern Revue passieren.
Ivan spricht Russisch und ich habe mich mit ihm sehr gut unterhalten können.
Es ist ein sehr guter Mensch, ein gütmütiger Mensch vom Herzen aus.
Einfach nur unglaublich.
Bei unserer Trennung hat er noch gefragt, ob ich noch Geld für den Weg bräuchte.
Ich erzählte ihm nämlich am Tag unserer Begegnung, dass ich gerade kein Geld hätte. Beziehungsweise kein Bargeld mit dabei habe.
Weil es am Tag der Begegnung und unseres längeren Gesprächs schon spät wurde, entschloss ich mich daraufhin, mit zu ihnen in die Unterkunft, die sie gebucht hatten, zu gehen.
Ivan sagte nur:
„Mach dir darüber keine Sorgen.“
Vater und Sohn gemeinsam unterwegs
Es waren Vater und Sohn, die sich für vier Wochen auf den Weg gemacht haben, vielleicht auch länger.
Das steht offen.
Es kann sein, muss es aber nicht. So wie man sich fühlt, sagten sie.
Es sind wirklich sehr herzliche Menschen gewesen.
Es gab auch ein WhatsApp-Gespräch mit Ivans Mutter, die gerade 86 Jahre alt ist.
Sie zeigte mir ein Bild, auf dem sie 80 Jahre alt war. Ein sehr hübsches Bild war das.
Sie war auch sehr liebevoll und sehr herzlich, wie Ivan selber.
Bevor sie mir sagte, wie alt sie ist – sie heißt Lydia –, war das Interessante dabei, dass ich das schon wusste.
Ich glaube, aus dem Herzen heraus es schon empfangen zu haben.
Es waren sehr rührende Momente. Das muss ich schon sagen.
Warum Ivan und Toni aufgebrochen sind
Warum sie – Vater und Sohn – gestartet sind, ist eigentlich daraus entstanden, dass der Sohn Toni für sich etwas machen wollte.
Er litt und leidet noch etwas unter der Trennung von einer Freundin, die ihn verlassen hat.
Es ist zwar schon lange her – fünf Jahre – und er hat auch eine neue Freundin, aber ganz überwunden hat er es noch nicht.
Deswegen diese Reise für ihn.
Sein Vater Ivan hat dann einfach gefragt, ob es für ihn in Ordnung wäre, wenn er denn mitkommen würde.
Man arbeitet ja das ganze Leben lang und sieht wenig von der Welt.
So ist das Ganze entstanden, dass Vater und Sohn sich auf den Weg gemacht haben.
Bei „Ivan“ denkt man beim ersten Mal an „Ivan den Schrecklichen“.
In diesem Falle ist Ivan definitiv der Liebevolle.
Auf Französisch heißt er übrigens Ovanes.
14:22 Uhr – Wieder in meiner Kraft
Ich bin wieder auf den Beinen und unterwegs.
Ich bin auch wieder, Gott sei Dank, in meiner Kraft.
Der Rucksack wiegt jetzt gefühlt um das Vierfache weniger als gestern.
Darüber freue ich mich.
Ich passiere gerade Montarcher.
Die Aussicht ist einfach nur überwältigend.
Grandios und ultra schön.
Kaum zu glauben, wo schon früher und heute die Leute wohnen.
17:12 Uhr – Kurz vor Usson-en-Forez
Ich mache eine Pause.
Das Wetter ist schön. Es ist nicht zu heiß und es lief sich bisher sehr gut.
Aber so war es meistens, dass man nach einer Tagespause besser gelaufen ist.
Die spannende Frage ist:
Wie wird es dann morgen sein?
Ich bin jedenfalls kurz vor Usson-en-Forez. Es ist nicht mehr weit bis dahin.
Dort gibt es Verschiedenes, unter anderem einen Campingplatz, um sich zu erfrischen.
Gestern auf heute Nacht habe ich geschwitzt.
Das wäre sicherlich nicht schlecht und angenehm, sich etwas frisch machen zu können.
19:49 Uhr – Angekommen in Usson-en-Forez
Ich bin an meiner Destination.
Usson-en-Forez.
Im Wald, Nähe einer Wiese, aber nicht auf einer Wiese. Abgelegen und doch nicht zu abgelegen vom Weg.
Wo kann das nur sein?
Mein Zelt ist schon lange aufgebaut und zum Abend habe ich meine Gurke, Karotte, Fetakäse und mein restliches Baguette mit Olivenöl verkostet.
Ein ruhiger Abschluss nach einem Tag, an dem es endlich wieder vorwärtsging.
Vom Tief zurück auf den Weg
Der Unterschied zum gestrigen Tag könnte kaum größer sein.
Gestern war ich kraftlos und konnte kaum etwas machen. Heute stehen am Ende wieder 23.732 Schritte auf der Uhr.
Besonders hängen bleibt aber nicht nur die körperliche Erholung. Auch die Begegnung mit Ivan und Toni beschäftigt mich weiterhin.
Vielleicht braucht es manchmal gerade die schwierigen Tage, damit man die guten Momente umso deutlicher wahrnimmt.
Und heute gab es davon einige: wieder Kraft in den Beinen, schönes Wanderwetter und diese grandiose Aussicht rund um Montarcher.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 93 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Richtung Usson-en-Forez, über Montarcher |
| 👣 Schritte | 23.732 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | keine |
| 👁️ Distanz bis Le Puy | 53 km |
| 💪 Verfassung | wieder deutlich besser |
| 🌄 Landschaft | grandiose Ausblicke bei Montarcher |
| ☀️ Wetter | angenehm, nicht zu heiß |
| 💭 Gedanke des Tages | Rückblick auf Ivan, Toni und die besondere Begegnung |
| ⛺ Tagesabschluss | ruhiger Platz im Wald bei Usson-en-Forez |
Fazit des Tages
Was gestern noch beinahe unmöglich erschien, funktioniert heute wieder.
Ich bin zurück auf dem Weg.
Nach einem Tag und einer Nacht voller Übelkeit und Erschöpfung ist meine Kraft zurückgekehrt. Selbst der Rucksack fühlt sich plötzlich wieder viel leichter an.
Dazu kommen die überwältigenden Ausblicke bei Montarcher und meine Gedanken an Ivan und Toni. Die Begegnung mit den beiden war offenbar eine dieser Erfahrungen, die noch länger nachwirken.
Am Abend sitze ich schließlich wieder vor meinem Zelt, esse Gurke, Karotte, Fetakäse und Baguette mit Olivenöl und kann auf 23.732 Schritte zurückblicken.
Und dann ist da noch diese Zahl:
53 Kilometer bis Le Puy.
Nach allem, was in den vergangenen Tagen passiert ist, ist mein nächstes großes Ziel jetzt verdammt nah. 🤗
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages zeigen wieder die große Vielfalt meiner heutigen Etappe – historische Orte mit ihren wunderschönen massiven Steinhäusern, kleine Spuren von Kunst am Wegesrand und grandiose Fernblicke unter einem blauen Himmel mit eindrucksvollen Quellwolken.
Dazu kamen Waldwege, besondere Details und sogar einige alte, rustikale Autos, die mir unterwegs ins Auge gefallen sind. Ein Tag mit vielen Motiven, bei denen es sich gelohnt hat, die Kamera herauszuholen. 🌄🏘️🎨🌳🚙
































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