Campuac bis Conques 🌥️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Heute wird mir besonders bewusst, wie sehr sich mein Jakobsweg seit Le Puy verändert hat. Die ersten Monate brauchte ich das Alleinsein, die Ruhe und den Blick nach innen. Jetzt genieße ich zunehmend die Begegnungen mit anderen Pilgern. Und ausgerechnet in Conques endet dieser Tag mit einem gemeinsamen Abend, einem Gottesdienst und einem kleinen Moment, bei dem ich selbst Teil davon werde.
Ein ausgeschlafener Start in den Tag
Die Nacht war super. Ich habe sehr gut geschlafen.
Mittlerweile wache ich völlig automatisch auf und weiß, es ist Zeit aufzustehen.
Ich bin dann ab in die Küche und habe mir mein Frühstück vorbereitet. Da ich nur die Nacht gebucht hatte, musste ich mich selbst um das Frühstück kümmern.
Das ist okay für mich.
Nach dem Frühstück ging es auch schon direkt kurz nach 08:00 Uhr auf den Weg. Ich verabschiedete mich von allen anderen Pilgern und vom Eigentümer und ging meines Weges.
Ich war voller Elan bis in den Abend hinein.
Eine andere Welt
Die Aussicht um mich herum war wieder einmal beeindruckend und faszinierend.
Man vergisst sich völlig selbst auf dem Weg und wird, so sage ich das mal, selbstlos.
Man gerät immer tiefer ins Staunen und fragt sich: Wie ist das alles nur möglich?
Was für eine schöne Welt um mich herum doch ist.
Was für ein Weg es doch ist.
Völlig allein, abseits der Zivilisation, in der Natur unterwegs.
Es ist eine andere Welt.
Eine Welt, in der man zur Ruhe kommt und in sich hineingehen kann und darf.
Seit Le Puy hat sich vieles verändert
Ich bin begeistert, was ich in den letzten Tagen alles erlebe.
Das Zwischenmenschliche, der Kontakt und der Austausch mit anderen Pilgern am Abend oder hin und wieder auf dem Weg sind richtig schön und interessant.
Jeder von uns geht seinen eigenen Weg.
Aber wir sind hier nicht allein, so wie ich es zu Beginn der Reise war.
Spätestens seit Le Puy hat sich vieles verändert.
Hier sind die Pilger unterwegs. Vielleicht nicht so viele wie im Sommer, aber es gibt sie.
Dennoch bin ich froh darum, dass ich zu Beginn mehr für mich alleine sein konnte.
Mehr in der Ruhe sein konnte.
Mehr in mich selbst hineinschauen konnte.
Ungestört sein konnte.
Das habe ich gebraucht.
Und jetzt, jetzt bin ich bereit für den anderen Part.
In die Kommunikation zu gehen, sich mit anderen Pilgern und über die Erfahrungen auszutauschen.
Ein schöner Weg.
Ein besonderer Abend in Conques
Abends in Conques habe ich Nikolei und später Eli getroffen.
Die beiden habe ich vor zwei Tagen in einer Pilgerherberge zum ersten Mal getroffen.
Wir sind dann später gemeinsam mit vier weiteren Pilgern – Brüno, Mark sowie Mutter und Tochter (Lora) – auf einen Drink in eine Bar gegangen.
Um 19 Uhr gab es in der Pilgerherberge das Dinner, also Abendessen.
Dort gab es vom Pfarrer erst einmal einen französischen Vortrag. Worum es ging, weiß ich leider nicht.
Es war aber dennoch sehr beeindruckend.
Gottesdienst und eine kleine Lesung
Um 20:30 Uhr gab es den Gottesdienst.
Ich und Nikolei durften eine kleine Passage vorlesen.
Ich auf Deutsch und Nikolei auf Französisch.
Danach gab es vom Pfarrer einen auf Französisch gehaltenen Vortrag beziehungsweise eine Geschichte über die Bilder beim Eingang der Kathedrale.
Es war alles in allem ein bewegender Tag voller ehrfürchtiger Eindrücke bis in den Abend hinein.
Ich bin froh, mich auf den Weg gemacht zu haben.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 108 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Campuac → Conques |
| 🕗 Start | kurz nach 08:00 Uhr |
| 🏃♂️ Schritte | 39.974 |
| 🏡 Übernachtung | Pilgerherberge |
| 💶 Ausgaben | 38,50 € |
| 👀 Distanz bis Saint-Jean-Pied-de-Port | 543 km |
| 🌥️ Wetter | überwiegend freundlich |
| 🤝 Besonders | Wiedersehen und Austausch mit anderen Pilgern |
| ⛪ Abend | gemeinsames Essen und Gottesdienst in Conques |
| 📖 Persönlicher Moment | kleine Passage auf Deutsch vorgelesen |
Fazit des Tages
Dieser Tag zeigt mir besonders deutlich, wie sehr sich mein Weg verändert hat.
Am Anfang meiner Reise war das Alleinsein wichtig. Ich brauchte diese Ruhe, um ungestört in mich hineinschauen zu können. Heute bin ich froh, diese Zeit gehabt zu haben.
Doch mittlerweile scheint ein anderer Abschnitt begonnen zu haben.
Seit Le Puy begegne ich immer häufiger anderen Pilgern. Es entstehen Gespräche, gemeinsame Abende und manchmal sieht man Menschen einige Tage später plötzlich wieder.
In Conques kam heute vieles davon zusammen.
Nach fast 40.000 Schritten endete der Tag nicht einfach mit der Ankunft in einer Unterkunft. Wir gingen gemeinsam etwas trinken, aßen zusammen und besuchten anschließend den Gottesdienst.
Dass ich dort sogar selbst eine kleine Passage auf Deutsch vorlesen durfte, machte diesen Abend für mich noch besonderer.
Von der einsamen Natur am Morgen bis zur Gemeinschaft am Abend hatte dieser Tag beides.
Und vielleicht brauchte ich auf meinem Weg genau diese Reihenfolge: erst die Stille – und jetzt wieder die Menschen. 🥾⛪
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages zeigen meinen abwechslungsreichen Weg nach Conques – herrliche Landschaften, tierische Begegnungen und sogar eine Telefonzelle mitten im Nirgendwo, bevor mich die beeindruckende Architektur von Conques erwartete.
Am Abend folgte ein besonderer Abschluss mit Gottesdienst, unserer kleinen Beteiligung als Pilger und der Erzählung über das berühmte Bildwerk am Eingang der Kirche, dessen mittelalterliche Darstellungen durch farbiges Licht noch einmal ganz anders zum Leben erweckt wurden. ⛰️☎️🐄⛪✨


































💡 Gut zu wissen:
Conques – ein besonderer Ort am Jakobsweg
Conques ist nicht nur ein wunderschönes mittelalterliches Dorf, sondern auch eng mit der Geschichte des Jakobswegs verbunden. Die Ursprünge des dortigen Klosters reichen mindestens bis ins 8. Jahrhundert zurück. Seit dem 11. Jahrhundert entwickelte sich Conques zu einer bedeutenden Station für Pilger auf dem Weg von Le Puy-en-Velay nach Santiago de Compostela.
Im Mittelpunkt des Ortes steht die im 11. und 12. Jahrhundert errichtete Abteikirche Sainte-Foy. Besonders beeindruckend ist das große romanische Tympanon über dem Eingang. Seine 124 Figuren stellen das Jüngste Gericht dar und vermittelten den Menschen des Mittelalters die christliche Geschichte auch bildlich.
Am Abend konnte ich selbst erleben, wie diese Darstellung durch farbiges Licht noch einmal ganz anders wirkt. Damit wird an die ursprüngliche Farbigkeit der mittelalterlichen Figuren erinnert.
Die Abteikirche und die alte Pilgerbrücke über den Dourdou gehören seit 1998 als Teil der französischen Jakobswege zum UNESCO-Welterbe.
Auch Conques selbst hat seinen mittelalterlichen Charakter erstaunlich gut bewahrt. Die alten Häuser ziehen sich am Hang rund um die Abteikirche entlang. Seit 1982 zählt Conques außerdem offiziell zu den schönsten Dörfern Frankreichs.
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