Espalion bis Campuac 🌤️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Sonnenschein, die alte Steinbrücke von Estaing und der ruhig dahinfließende Lot begleiten mich heute auf einer langen Etappe. Während einer Pause denke ich über Partnerschaft, Gott und die Gefahr nach, sich selbst in einer Beziehung zu verlieren. Am Abend merke ich außerdem immer deutlicher: Der zunehmende Zeitdruck durch reservierte Unterkünfte verändert meinen Weg – und langsam reift in mir die Entscheidung, meine Wanderung bald zu unterbrechen.
12:52 Uhr – Pause in Estaing
Es ist 12:52 Uhr. Ich bin gerade in Estaing und mache eine kleine Pause.
Die Hälfte der Wegstrecke habe ich schon geschafft.
Das Wetter heute ist schön. Es ist sonnig und angenehm.
Ich sitze auf einer Steinmauer mit der Aussicht auf eine Art Schloss, das gefühlt vor vielen hundert Jahren aus Stein gebaut wurde.
Ein grandioser und schöner Ausblick in die Zeitgeschichte der Franzosen und der hier ansässigen Bewohner.
Direkt vor mir ist eine alte Brücke. Auch diese ist gefühlt uralt und aus Stein.
Der Fluss Lot fließt ruhig dahin.
Estaing ist von kleinen Bergen umgeben.
Gedanken über Partnerschaft, Gott und das eigene Ich
Heute habe ich über etwas ganz Interessantes nachgesinnt.
Dabei geht es um die Partnerschaft zwischen Mann und Frau und um eine Bibelstelle, in der es darum geht, nach dem Höchsten zu streben. Sich nach und zu Gott auszurichten, nach ihm zu streben.
Seid zusammen, aber strebt dem Höchsten entgegen.
Nicht selten ist es so, dass man sich in der Beziehung zu einem Menschen verliert.
Vielleicht ist man zu viele Kompromisse eingegangen und hat sich im Laufe der Beziehung komplett verloren.
Man hat sich selbst verloren.
Man ist und war nicht mehr man selbst.
Hat vergessen, nach dem Höchsten zu streben.
Ist faulen Kompromissen unter die Räder gekommen.
Und dann?
Muss irgendwann die Trennung kommen. Was sonst?
Ich weiß nicht, ob Paulus darüber geredet hat, der sagte:
Seid zusammen, aber seid, als wäret ihr alleine. Alleine mit Gott und in Gott. Strebt nach ihm und nicht nach dem Geschlecht. Seid freundlich zueinander und dient einander. Aber strebt nach dem Höchsten.
Ich glaube, wenn man nicht nach dem Höchsten strebt oder aufhört, danach zu streben, dann bricht früher oder später die Beziehung zwischen Mann und Frau auseinander.
Nachtrag – Ein langer Weg nach Campuac
Es war ein langer Weg.
Es ging wieder ewig auf und ab durch die Landschaft, mit herrlichen Ausblicken zwischendurch.
Ich bin dann in Estaing statt dem GR 64 dem GR 6 gefolgt.
Dieser Weg, sagte man mir, sei ein schöner Weg und weniger auf der Straße. Zudem liegt ja auch Campuac auf dem Weg, wo ich auch gerne übernachten möchte.
Ich war froh, als ich dann abends um 18:30 Uhr angekommen bin.
Man muss bedenken, ich bin kurz nach acht, vielleicht um 08:30 Uhr, losgelaufen.
Das zog sich schon heftig in die Länge.
Der Zeitdruck verändert meinen Weg
Zudem habe ich für mich gemerkt, dass man jetzt durch die immer weniger werdende Zeit zunehmend unter Druck gerät, in der reservierten Unterkunft anzukommen.
Das macht mir zumindest keinen riesigen Spaß mehr.
Ich werde demnächst also die Wanderung abbrechen und auf nächstes Jahr verschieben.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 107 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Espalion → Estaing → Campuac |
| 🏃♂️ Schritte | 43.342 |
| 🕣 Start | ca. 08:30 Uhr |
| 🏁 Ankunft | ca. 18:30 Uhr |
| 🥾 Wegvariante | ab Estaing über GR 6 |
| 🏡 Übernachtung | Gîte |
| 💶 Ausgaben | 20 € |
| 🌤️ Wetter | sonnig und angenehm |
| 💭 Gedanken des Tages | Partnerschaft, Gott und sich selbst treu bleiben |
| 🧭 Entscheidung | Wanderung demnächst unterbrechen |
Fazit des Tages
Heute hatte eigentlich vieles von dem, was ich am Jakobsweg so schätze: schönes Wetter, herrliche Landschaften, alte Orte und genügend Zeit, während des Laufens meinen Gedanken nachzugehen.
Besonders Estaing mit der alten Steinbrücke, dem Lot und den historischen Gebäuden blieb mir im Gedächtnis.
Gleichzeitig merke ich aber eine Veränderung.
Seit ich nicht mehr mit dem Zelt unterwegs bin und stärker auf reservierte Unterkünfte angewiesen bin, entsteht ein Zeitdruck, den ich vorher so nicht hatte. Statt einfach zu laufen und irgendwann einen Platz für die Nacht zu suchen, gibt es plötzlich ein Ziel, das ich zu einer bestimmten Zeit erreichen muss.
Nach 43.342 Schritten und einem langen Tag bis Campuac wird mir deshalb immer deutlicher:
So möchte ich meinen Jakobsweg auf Dauer nicht weitergehen.
Die Reise ist damit für mich aber nicht beendet. Vielmehr entsteht langsam der Gedanke, an einem geeigneten Punkt aufzuhören – und meinen Weg im nächsten Jahr fortzusetzen. 🥾
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages zeigen wieder die ganze Vielfalt dieser Etappe: malerische alte Steinbrücken, Pilgerskulpturen aus Metall, typisch französische Steinhäuser und viel Natur – dazu die charakteristischen Kühe der Region, leuchtende Blumen am Wegesrand und zum Abschluss eine kleine Stärkung in der Gîte. 🌉🥾🐄🌸🏡





























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