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Mein Jakobsweg 2023-2024

129. Tag auf dem Jakobsweg – Etappe Eauze bis Nogaro

Von Eauze nach Nogaro

🌄 Dieser Tag auf meinem Weg

Heute brauche ich etwas länger, um richtig in die Gänge zu kommen. Vielleicht waren die 250 Gramm gesalzenen Erdnüsse am Abend zuvor doch keine so gute Idee. 🙄 Dafür begleitet mich viel Sonne auf meinem Weg nach Nogaro. Noch vor dem eigentlichen Start beschäftigt mich eine Begegnung vor dem Supermarkt, später dagegen vor allem eine ganz praktische Frage: Wie gemütlich darf ich es mir unterwegs machen, wenn am Abend eine Unterkunft auf mich wartet und es immer früher dunkel wird?

13:32 Uhr – Ein neuer Tag, eine neue Chance

Es ist 13:32 Uhr. Ich bin wieder unterwegs und auf meinem Weg.

Die Nacht war nicht die beste und nicht die schlechteste.

Es war insgesamt okay.

Der Grund ist, vermute ich, dass ich gestern Abend zu viele gesalzene Erdnüsse vernascht hatte. Eine ganze Packung von 250 Gramm habe ich in kurzer Zeit vernichtet.

Ich glaube, das war keine so gute Idee.

Durch das viele Salz habe ich in der Nacht mehrmals Durst bekommen und das hat die Schlafqualität stark beeinflusst, vermute ich.

Wie dem auch sei:

Die Nacht ist vorbei und ein neuer Tag ist wieder da.

Vielleicht eine neue Chance,

etwas besser zu machen als am Tag zuvor.

Nach einem kleinen Frühstück aus Haferflocken und Joghurt und ein paar Tassen Kaffee – was natürlich nicht so gut ist, das wissen wir mittlerweile – bin ich gegen halb elf Uhr aufgebrochen.

Es könnte auch etwas später gewesen sein.

Eine Begegnung vor dem Supermarkt

Ich bin zuerst in den Lidl gegangen, weil er zum einen offen und zum anderen nicht weit vom eigentlichen Jakobsweg entfernt war.

Am Supermarkt saß ein Mann mittleren Alters mit einem Hund.

Ich grüßte ihn, er grüßte mich und nachdem ich meinen Rucksack abgelegt hatte, bin ich in den Laden.

Ich dachte: Okay. Wieder ein Bedürftiger, der nicht fähig war oder ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und wie ein kleines hilfloses Kind nach Hilfe schreit.

Hmm, dachte ich mir. Was sollte ich nur tun?

Irgendwie wollte ich helfen, obwohl ich kein Fan davon bin, bei dieser Art von Hilfe einfach Geld zu geben.

Also beschloss ich, eine Kleinigkeit für den Hund und etwas zum Essen für den Mann zu kaufen.

Beim Verlassen des Supermarktes fragte ich ihn, ob er Englisch sprechen könnte. Er verneinte, aber ein bisschen konnte er dann doch sprechen.

Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm und versuchte zu erklären, dass er erwachsen ist und lernen müsse, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Später überreiche ich die gekauften Produkte und verabschiede mich.

Ich weiß nicht, inwiefern er verstanden hatte, was ich ihm zu erklären versuchte. Aber, wahrscheinlich ist es eh total egal.

Ich kann nur hoffen, dass er ein bisschen verstanden hatte, was ich meinte: dass er meiner Meinung nach lernen muss, sein Leben selbstständig in die Hand zu nehmen.

Das war zumindest mein Gedanke in diesem Moment.

Für mich hilft es einem Menschen nur kurzfristig, ihm einfach Geld oder Essen zu geben. Langfristig braucht es aus meiner Sicht auch die Möglichkeit, selbst ins Handeln zu kommen und etwas für sein eigenes Leben aufzubauen.

Ich sagte ihm sinngemäß: Du hast zwei gesunde Hände und zwei gesunde Beine, also kannst du auch arbeiten.

Arbeiten bedeutet für mich, jemandem zu dienen und ihn bei seiner Tätigkeit oder seinem Geschäft zu unterstützen – zum Beispiel beim Sauberhalten, im Versand, in der Produktion, bei einem Umzug oder auf einer Farm.

So zumindest meine Gedanken während dieser Begegnung.

Viel Sonne – aber nicht genug Biss ☀️

Tagsüber war ich ehrlich gesagt eher müde und konnte nicht so richtig in die Gänge kommen.

Mir fehlte irgendwie der eigentliche Biss.

Ich machte mehrere Pausen und genoss nicht selten die schöne Sonne. Es war nämlich sehr sonnig heute und das lud mich des Öfteren zum Verweilen ein.

Aber ohne Zelt ist das keine so gute Idee.

Nach hinten raus musste ich mich zusammenreißen und nach vorne preschen, denn es wird am Abend schnell dunkel.

Die Unterkunft war schließlich schon reserviert.

Das ist der kleine Nachteil, wenn man in dieser Jahreszeit ohne Zelt unterwegs ist:

Man muss die Etappe schaffen und es gibt keine andere Option außer anzukommen.

Das stresst mich persönlich an manchen Tagen ein klein wenig.

Im Sommer war das ganz anders. 🙄

18:25 Uhr – Angekommen in Nogaro 😊

Ich bin im Gîte in Nogaro.

Nach meiner Ankunft um 18:25 Uhr ging es erst einmal unter die Dusche.

Das Gîte ist sauber und gepflegt. Der Besitzer Vincent hat es dieses Jahr gerade erst gestartet.

Es gibt insgesamt zwölf Plätze für Pilger. Die Preise sind sehr human und liegen im Rahmen eines Pilgerbudgets. Ich kann mich daher für Frankreich nicht beschweren.

Vincent ist vor vier Jahren selbst einmal auf dem Jakobsweg von Le Puy nach Santiago aufgebrochen. Daher kam wohl auch die zündende Idee für sein eigenes Pilger-Gîte.

Da das Geschäft gerade erst anläuft und noch relativ unbekannt beziehungsweise nicht in den entsprechenden Verzeichnissen gelistet ist, gab es dieses Jahr natürlich noch nicht so viele Pilger.

Es gab also keinen Andrang wütender – Spaß 🙄 – oder verzweifelt nach einer Schlafunterkunft suchender Pilger.

Das ist aber in seiner Business-Kalkulation mit einkalkuliert.

Meine Erfahrungen mit dem neuen Gîte 🏡

Die Unterkunft verfügt über zwei Schlafsäle mit jeweils vier Plätzen – also zwei Hochbetten – und zwei Zimmer mit jeweils zwei Plätzen.

Außerdem gibt es zwei Bäder und zwei Toiletten.

Alles in allem eine schöne Unterkunft und nicht weit vom Jakobsweg entfernt. Das Gîte liegt ziemlich gut auf dem Weg.

Es gibt ja Unterkünfte, für die man bis zu drei Kilometer vom eigentlichen Weg abweichen muss. Drei Kilometer hin und drei Kilometer zurück.

Das ist hier nicht der Fall.

Eine eigene Kochmöglichkeit gibt es nicht.

Dafür stehen eine Mikrowelle und ein Wasserkocher zur freien Verfügung, wenn man das Abendessen aus Budgetgründen nicht buchen möchte.

In den meisten Fällen reicht das für viele Pilger auch schon aus.

In der Stadt gibt es zwei Supermärkte. Einer befindet sich direkt in der Stadtmitte und nicht weit von der Unterkunft entfernt.

Wo bleibt David?

David, der seit ein paar Tagen mein Pilgerkamerad ist, war bei meiner Ankunft noch nicht da.

Er sollte aber demnächst auftauchen, sofern bei ihm nichts dazwischengekommen ist. Ich hinterließ vorsichtshalber über WhatsApp eine kurze Sprachnachricht.

Vincent, das sah ich in seinen Augen, machte sich schon Sorgen, ob der zweite Mann denn noch kommen würde. Ich hatte nämlich heute am Telefon gesagt, dass einer von uns früher da sein würde, aber zunächst war niemand da.

Gegen 19:35 Uhr haben wir schließlich gemeinsam gegessen und uns gut unterhalten.

Es war ein schöner Abend und ein schöner Tag.

Tagesbilanz

KategorieTag 129
🥾 EtappeEauze → Nogaro
🏃‍♂️ Schritte30.992
☀️ Wettersehr sonnig
😴 Verfassungmüde, mehrere Pausen
🏡 ÜbernachtungGîte
🍽️ Übernachtung + Dinner40,00 €
🛒 Supermarkt12,73 € + 3,20 €
💶 Ausgaben gesamt55,93 €
👀 Distanz bis zur Grenze189 km

Fazit des Tages

Heute war kein Tag, an dem ich voller Energie über den Jakobsweg geflogen bin.

Ich war müde, machte mehrere Pausen und ließ mich immer wieder von der Sonne dazu verleiten, einfach noch ein bisschen sitzen zu bleiben. Gleichzeitig wusste ich: Die Unterkunft ist reserviert und ich muss heute dort ankommen.

Genau darin merke ich einen deutlichen Unterschied zu meinen Monaten mit dem Zelt. Damals konnte ich irgendwann sagen: Hier ist es schön, hier bleibe ich. Jetzt bestimmt die nächste geöffnete Unterkunft viel stärker meinen Tagesrhythmus.

Auch die Begegnung vor dem Supermarkt blieb mir im Kopf.

Ich wollte dem Mann und seinem Hund etwas geben. Gleichzeitig beschäftigte mich die Frage, was wirkliche und langfristige Hilfe eigentlich bedeutet. Ob er verstanden hat, was ich ihm sagen wollte, weiß ich nicht.

Am Abend war ich schließlich froh, bei Vincent in seinem neuen Gîte angekommen zu sein. Ein ehemaliger Pilger, der selbst von Le Puy nach Santiago gelaufen ist und nun anderen Pilgern einen Schlafplatz bietet – irgendwie schließt sich damit wieder ein kleiner Kreis.

Und noch eine Zahl macht langsam richtig Hoffnung:

Nur noch 189 Kilometer bis zur Grenze. 🥾🇪🇸

Buen Camino


💡 Gut zu wissen: Nogaro

Nogaro liegt direkt an der Via Podiensis (GR 65) und ist damit ein traditioneller Etappenort auf dem Jakobsweg. Besonders sehenswert ist die bereits 1060 geweihte Collégiale Saint-Nicolas. In der Kirche befinden sich bedeutende romanische Wandmalereien, die erst 1995 wiederentdeckt wurden.

Einen überraschenden Kontrast zur alten Pilgergeschichte bietet der Circuit Paul Armagnac: Seit 1960 finden in Nogaro Motorsportveranstaltungen statt. So treffen hier mittelalterliche Pilgertradition und moderner Motorsport auf ziemlich ungewöhnliche Weise aufeinander.


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