Von Montréal-du-Gers nach Eauze
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach einer richtig erholsamen Nacht beginnt heute ein schöner und unkomplizierter Tag. Die Sonne begleitet mich durch Wälder und Wiesen und auch meine neuen Schuhe machen endlich genau das, was sie sollen: keine Schmerzen, kein Drücken. Am Abend wartet in Eauze allerdings eine Unterkunft auf mich, die etwas spezieller ist. Keine Heizung, nur lauwarmes Wasser und ein ganzes Haus für mich allein. Nach drei Monaten im Zelt kann mich das allerdings nicht mehr besonders erschrecken. 😊
20:20 Uhr – Eine ungewöhnliche Unterkunft
Es ist 20:20 Uhr. Ich bin in meiner heutigen Unterkunft in Eauze.
Der Name des Gîtes ist L’Estanquet.
Es ist eine sehr ungewöhnliche Unterkunft. Der Besitzer selbst, der Gîte-Führer, ist nicht da. Aber mir war sowieso klar, dass niemand da sein wird und ich deshalb ganz alleine in einem privaten Haus sein werde.
Die Nacht kostet 13 Euro.
Es ist allerdings ein Gîte, das eher für Naturburschen ausgelegt ist. Es gibt keine Heizung. Das Duschwasser ist nicht heiß, sondern lauwarm. Es ist etwas frisch im Haus.
Ich schlafe in meinem Schlafsack, aber auf einem Bett.
Es nieselt ein bisschen.
Es ist speziell hier und nichts für Etepetete-Menschen. Aber für mich passt es gerade ganz gut. Immerhin habe ich drei Monate im Zelt gelebt.
Eine Einladung von Jesus
Ein Freund des Gîte-Führers, Jesus, ist kurz vorbeigekommen und hat ein wenig mit mir gesprochen.
Ein wirklich netter Kerl war das.
Er hat mich zu sich zum Essen eingeladen. Ich bin aber nicht gegangen, weil ich ehrlich gesagt viel zu müde war und einfach mal in der Ruhe verbleiben wollte, was ich auch jetzt bin.
Aber ich fand das richtig nett von Jesus.
So heißt er wirklich.
Er kommt ursprünglich aus Spanien.
Ein richtig schöner Tag
Der Tag selbst war richtig schön.
Die Sonne schien den ganzen Tag und es war warm. Es ist gut gegangen.
Es ging viel durch Wälder und Wiesen. Viel Aussicht in die Ferne gab es nicht. Nur zu Beginn einmal direkt vor dem Gîte, als ich morgens um halb elf gestartet bin.
Zudem habe ich heute super und erholsam geschlafen.
Es war richtig schön, mal wieder gut und fest geschlafen zu haben.
Noch einmal Frühstück mit David 🥐🥖🥚
Morgens haben David und ich noch ein letztes Mal gemeinsam gefrühstückt und dann ist er fort.
Ich bin etwas später raus.
Wieder einmal trennen sich also unsere Wege – wobei ich inzwischen gelernt habe, dass man auf dem Jakobsweg nie so genau weiß, wann man jemanden tatsächlich zum letzten Mal gesehen hat.
Endlich passen meine Schuhe 👟
Die neuen Schuhe, die ich mir in Condom vorgestern gekauft hatte, sind in Ordnung.
Es drückt nichts. Es schmerzt nichts. Und es läuft sich ganz gut.
Beide Schuhgrößen sind diesmal richtig.
Was für ein Wunder.
Ich bin endlich zufrieden.
Ich kann nur hoffen, dass es so für eine längere Zeit bleibt. 😊
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 128 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Montréal-du-Gers → Eauze |
| 🏃♂️ Schritte | 26.349 |
| ☀️ Wetter | sonnig und warm, abends etwas Nieselregen |
| 🌳 Strecke | viel durch Wälder und Wiesen |
| 👟 Schuhe | endlich passend und schmerzfrei |
| 🏡 Übernachtung | Gîte L’Estanquet |
| 💶 Übernachtung / Ausgaben | 13,00 € |
| 👀 Distanz bis zur Grenze | 210 km |
Fazit des Tages
Nach dem ganzen Theater mit meinen Schuhen tut es richtig gut, endlich sagen zu können:
Es drückt nichts. Es schmerzt nichts.
Allein das macht einen großen Unterschied beim Laufen.
Dazu kam heute schönes Wetter, eine erholsame Nacht und eine ruhige Strecke durch Wälder und Wiesen. Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück mit David ging jeder wieder seinen eigenen Weg.
Meine Unterkunft in Eauze ist dagegen ein kleines Abenteuer für sich. Keine Heizung, lauwarmes Wasser und ich bin ganz alleine im Haus.
Aber nach drei Monaten im Zelt?
Damit kann man mich nicht mehr schocken. 😄
Und dann war da noch Jesus, der mich einfach zu sich zum Essen eingeladen hat. Auch wenn ich zu müde war und lieber meine Ruhe wollte, bleibt mir diese spontane Gastfreundschaft in Erinnerung.
Noch 210 Kilometer bis zur Grenze.
Spanien kommt immer näher. 🥾🇪🇸
Buen Camino
💡 Gut zu wissen: Eauze
Eauze besitzt eine erstaunlich weit zurückreichende Geschichte. Das heutige Städtchen geht auf das antike Elusa zurück, eine bedeutende gallorömische Stadt. Noch heute kann man mit der Domus de Cieutat die Überreste eines riesigen römischen Stadthauses entdecken, das im 4. Jahrhundert eine Fläche von rund 2.700 Quadratmetern erreichte.
Besonders außergewöhnlich ist der Schatz von Eauze: 1985 wurden hier 28.054 römische Münzen sowie rund 50 Schmuckstücke und andere wertvolle Gegenstände entdeckt. Heute wird der Fund im archäologischen Museum der Stadt aufbewahrt und ausgestellt.
Für mich war Eauze an diesem Abend allerdings weniger eine Reise in die Römerzeit – sondern vor allem der Ort meines etwas ungewöhnlichen Gîtes ohne Heizung und mit lauwarmer Dusche. Nach drei Monaten im Zelt konnte ich damit aber ziemlich gut leben. 😄
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