Von Lascabanes nach Lauzerte 🌦️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Heute fühle ich mich deutlich besser als gestern. Nach dem kleinen Tief komme ich wieder mehr in meinen Rhythmus und denke darüber nach, wie sehr der Jakobsweg inzwischen zu einer Art zweitem Zuhause geworden ist. Gastgeber und Pilger tauchen auf, verschwinden wieder und begegnen einem plötzlich erneut. Und manchmal funktioniert sogar der „Jakobsweger Flurfunk“ erstaunlich gut.
11:52 Uhr – Gedanken in Montcuq
Es ist 11:52 Uhr. Ich bin gerade in Montcuq und sitze auf einer Bank.
Das Wetter selbst ist wie gestern wechselhaft.
Mal Regen, mal Sonne, mal nichts.
Gestern hatte ich ein leichtes Tief, heute geht es mir deutlich besser. Ich fühle mich gut und besser als gestern.
Nach dem Frühstück um 09:00 Uhr ging es auch schon gleich weiter.
Es war richtig schön, sich mal wieder auf Deutsch unterhalten zu können. Und die jungen Gastgeber, vielleicht in meinem Alter, waren ultra nett.
Lin und Seriel haben ein tolles Anwesen, in dem man sich nur wohlfühlen und super entspannen kann.
Vielleicht komme ich irgendwann mal wieder dort vorbei.
Nicht als Pilger, aber als Freund.
Das kann ich mir gut vorstellen.
Ich fühlte eine sehr nette und freundschaftliche Beziehung zueinander.
Der Jakobsweg als eine Art Familie😊
Der Weg erschließt sich für mich wie eine Art Familie, der man unterwegs begegnet, ging mir heute Morgen durch den Kopf.
Es fühlt sich sehr herzlich und liebevoll an.
Als würde sich der Weg selbst als ein zweites Zuhause erschließen.
Irgendwie faszinierend, wenn ich so Revue passieren lasse und über das bisher Erlebte mit Pilgern und Gastgebern reflektiere.
13:30 Uhr – Wiedersehen mit Sigrid
Ich bin aus Montcuq raus. Die Sonne scheint, es windet nicht wenig.
In Montcuq ist mir Sigrid wieder begegnet, als ich den letzten Eintrag geschrieben hatte. Sie ist kurz nach mir gestartet.
Wir sprachen ein wenig und gingen ein Stück des Weges im Dorf zu einer Bäckerei.
Es ist interessant, wie feinfühlig sie ist.
Man muss nicht mal viel reden, man kann sich sogar wortlos verständigen, habe ich den Eindruck.
Umso länger man geht, umso weniger Worte benötigen wir.
Wir sprechen durch unsere Herzen.
Wir können das.
Unsere Seelen können miteinander kommunizieren, ohne zu sprechen.
Also, wenn wir offen genug sind.
Wenn wir achtsam genug werden, können wir nur durch Gedanken miteinander in Kontakt treten.
Glaube ich zumindest.
22:06 Uhr – Angekommen in Lauzerte
Ich bin in der Unterkunft in Lauzerte.
Es ist schön hier.
Nicol, die Hausherrin, führt die Gîte für Pilger.
Im Intermarché habe ich mir etwas zum Essen für den Abend gekauft.
In der Gîte ist auch Philipp. Ein neuer Pilger aus Belgien, den ich nun auch kenne.
Er ist mir schon vorher auf der Straße entgegengekommen, als ich Richtung Herberge ging.
Er sprach mich an, ob ich denn der Jakob wäre.
Verwundert stand ich da.
Woher weiß er denn meinen Namen?, dachte ich nur.
Aber er hatte heute mit Jasmin, der Schweizerin, gesprochen.
Daher weht also der Wind, dachte ich mir.
Der Jakobsweger Flurfunk wieder mal live in Aktion.
Sehr interessant.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 120 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Lascabanes → Lauzerte |
| 📍 Unterwegs | Montcuq |
| 🏃♂️ Schritte | 38.459 |
| 🌦️ Wetter | wechselhaft – Regen, Sonne und Wind |
| 😊 Verfassung | deutlich besser als am Vortag |
| 🤝 Begegnungen | Sigrid, Philipp sowie Lin und Seriel |
| 🏡 Übernachtung | Gîte in Lauzerte |
| 💶 Übernachtung letzte Nacht | 61,50 € |
| 🛒 Lebensmittel | 14,32 € |
| 💶 Genannte Ausgaben | 75,82 € |
| 🗺️ Distanz bis zur Grenze | 356 km |
Fazit des Tages
Heute merke ich, dass das leichte Tief von gestern langsam wieder verschwindet.
Vor allem ein Gedanke begleitet mich:
Der Jakobsweg fühlt sich immer mehr wie eine Art Familie und ein zweites Zuhause an.
Menschen wie Lin und Seriel begegnen mir für kurze Zeit und trotzdem entsteht etwas, das sich freundschaftlich und vertraut anfühlt. Dann treffe ich Sigrid wieder und habe das Gefühl, dass es manchmal gar nicht vieler Worte bedarf, um sich zu verstehen.
Und schließlich stehe ich in Lauzerte vor einem völlig fremden Pilger aus Belgien, der plötzlich meinen Namen kennt.
Jasmin hatte ihm bereits von mir erzählt.
Der Jakobsweger Flurfunk funktioniert also bestens. 😄
Nach 38.459 Schritten endet mein Tag schließlich in der Gîte in Lauzerte.
Noch 356 Kilometer bis zur Grenze – und ich bin gespannt, welche Menschen mir auf diesen Kilometern noch begegnen werden. 🥾
Buen Camino
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