Von Lauzerte nach Moissac
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach einer eher unruhigen Nacht wartet heute eine ordentliche Etappe auf mich. Ich muss dranbleiben, denn zu dieser Jahreszeit wird es früh dunkel. Unterwegs treffe ich Sigrid noch einmal, am Abend verabschiede ich mich von ihr am Bahnhof und in meiner Unterkunft in Moissac warten bereits die nächsten Pilger und Begegnungen auf mich.
11:18 Uhr – Nach einer unruhigen Nacht unterwegs
Die Nacht war heute nicht so schön. Ich habe leider nicht so gut geschlafen.
Der Grund war, Ich bin mehrmals aufgewacht, weil die Katzen draußen in der Nacht rumgetrollt hatten.
Ich denke, es lag diesmal am Bier. Zu viel Bier ist auch keine Option und verhindert einen erholsamen Schlaf.
Aber es ist nicht immer gleich, bemerke ich.
Manchmal, nicht selten, geht es super ohne Bier. Oder manchmal geht es super mit zwei Bier. Manchmal sind zwei Bier schon zu viel des Guten.
Da soll mal einer draus schlau werden.
Wie dem auch sei, es ist gerade 11:18 Uhr und ich mache eine kleine Pause.
Heute geht es nach Moissac.
Es ist eine ordentliche Strecke. Man muss da schon dranbleiben und nicht zu lange an schönen Orten pausieren, sonst wird es dunkel.
Es wird nämlich schnell dunkel.
Und das macht dann überhaupt keinen Spaß.
Also bin ich gefordert, mich zu beeilen.
Gestartet bin ich heute um neun Uhr. Philipp ist kurz nach acht gestartet.
Sigrid ist dicht hinter mir. Es ist ihr letzter Tag, dann fährt sie erst einmal heim und macht später, wenn sie wieder Zeit hat, weiter.
Angekommen in Moissac
Angekommen in Moissac bin ich in einer Unterkunft in einer kirchlichen Einrichtung untergebracht.
Die Nacht kostet 18,70 € und ist für mich als Pilger verkraftbar.
Zur Messe um 18:30 Uhr habe ich es nicht mehr geschafft.
Sigrid hatte mich, als ich ungefähr in der Mitte der Strecke war und Pause machte, eingeholt.
Ich habe sie dann auf der Strecke zwar wieder gesehen, aber ich konnte sie nicht einholen. Irgendwann machte ich wieder eine längere Pause und sie war dann über alle Berge.
Da ich aber wusste, wann sie mit dem Zug fährt, bin ich am Abend nach dem Essen zum Bahnhof, um mich zu verabschieden.
So saßen wir noch eine Stunde zusammen und redeten.
Sich nicht zu verabschieden, war keine Option für mich.
Wechselhaftes Wetter auf dem Weg 🌥️🌦️☀️
Der Tag selbst war schön, aber wechselhaft.
Zwischendurch zeigte sich mal die Sonne und verbreitete ihre gute Laune.
Am Abend, ab rund 17 Uhr, fing es an zu regnen.
Als ich dann am Abend im Kloster ankam, wollte ich erst einmal etwas essen.
Im Aldi hatte ich mir eine Kleinigkeit für den Abend und für den nächsten Tag gekauft.
Neue Pilger im Kloster
Im Essensraum traf ich später andere Pilger:
Clair, Branden und Jeffrey.
Alle drei sind in Le Puy gestartet und möchten den ganzen Weg runter nach Santiago laufen.
Da ihnen die Unterkünfte teilweise zu teuer sind, sind sie auch mit dem Zelt unterwegs und übernachten gelegentlich einfach im Zelt.
Das kann ich verstehen.
Ich sagte zu Clair:
Ich war schon die ganzen drei Monate mit dem Zelt bis Le Puy unterwegs. Mir reicht es mit dem Zelten.
Aber mein Respekt bei diesen langen Nächten!
Es ist schon sehr speziell, sich in dieser Jahreszeit darauf einzulassen. Sehr beeindruckend ist es aber schon.
Ein besonderes Strahlen
Wenn Clair mich anschaut, strahlt sie über das ganze Gesicht.
Schon bei unserem ersten Blickkontakt vernahm ich ihr Leuchten wie das der Sonne.
Wahnsinn, dachte ich mir nur.
Wo sie wohl herkommt?
Ist sie schon so lange gewandert, dass sie sich schon so gewandelt hat?
Oder bin ich eine solche Erscheinung, die andere zum Leuchten bringt?
Weiß ich gerade alles nicht.
Aber ihr Leuchten und ihr Strahlen über das ganze Gesicht waren für mich schon sehr besonders.
Um fünf Uhr morgens, also am darauffolgenden Tag, möchte die Gruppe auch schon starten.
Wahnsinn, dachte ich mir wieder nur.
Da soll mal einer sagen, ich bin hier der Einzige, der so ist, wie er ist.
Ich lach mich kaputt.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 121 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Lauzerte → Moissac |
| 🏃♂️ Schritte | 42.796 |
| 🌦️ Wetter | wechselhaft, Sonne und später Regen |
| 😴 Nacht zuvor | unruhig und wenig erholsam |
| 🤝 Begegnungen | Sigrid, Clair, Branden und Jeffrey |
| 👋 Besonderer Moment | Abschied von Sigrid am Bahnhof |
| 🏡 Übernachtung | kirchliche Unterkunft / Kloster |
| 🛏️ Übernachtung letzte Nacht | 18,00 € |
| 🛒 Lebensmittel | 13,82 € |
| 🛏️ Neue Übernachtung | 18,70 € |
| 💶 Genannte Ausgaben | 50,52 € |
| 🗺️ Distanz bis zur Grenze | nicht angegeben |
Fazit des Tages
Mit 42.796 Schritten war es heute wieder eine ordentliche Etappe. Dazu kam das wechselhafte Wetter und eine Nacht, in der ich nicht besonders gut geschlafen hatte.
Trotzdem bleiben mir von diesem Tag vor allem die Menschen in Erinnerung.
Sigrid hat mich in den vergangenen Tagen ein Stück meines Weges begleitet. Deshalb war für mich klar, dass ich am Abend noch zum Bahnhof gehe. Eine Stunde saßen wir dort zusammen und redeten, bevor sich unsere Wege erst einmal wieder trennten.
Und kaum verabschiedet sich ein Mensch, tauchen schon die nächsten auf.
Im Kloster lerne ich Clair, Branden und Jeffrey kennen. Drei Pilger, die ebenfalls von Le Puy bis Santiago wollen – und das teilweise mit dem Zelt. Nach meinen eigenen drei Monaten Zeltleben weiß ich ziemlich genau, was das bedeutet.
Besonders hängen bleibt mir aber Clairs Strahlen.
Vielleicht verändert dieser Weg tatsächlich etwas in uns. Vielleicht werden manche Dinge sichtbarer, je länger wir unterwegs sind.
Oder vielleicht nehme ich sie inzwischen einfach anders wahr.
Der Jakobsweg bleibt jedenfalls voller Begegnungen – und genau das macht ihn für mich immer wieder besonders. 🥾☀️
Buen Camino
Bilder zu Moissac 📸
Die Bilder aus Moissac zeigen einige der besonderen Seiten dieser geschichtsträchtigen Pilgerstadt: von der Marienstatue mit dem weiten Blick über die Stadt bis zur beeindruckenden Abtei Saint-Pierre mit ihrem Innenhof und dem romanischen Kreuzgang.
Gerade diese Mischung aus Aussicht, religiösen Orten und jahrhundertealter Architektur macht Moissac zu einer besonderen Station auf meinem Jakobsweg. ⛪🙏🌄
💡 Gut zu wissen: Moissac auf dem Jakobsweg
Moissac ist eine der bedeutenden Stationen auf der Via Podiensis. Besonders bekannt ist die Abtei Saint-Pierre mit ihrem romanischen Kreuzgang und dem monumentalen Portal. Der Kreuzgang besitzt 76 kunstvoll gestaltete Kapitelle, auf denen unter anderem biblische Geschichten, Tiere und Pflanzen dargestellt sind. Zusammen mit dem berühmten Tympanon gehört er im Rahmen der französischen Jakobswege zum UNESCO-Welterbe.
Das Tympanon stammt aus dem 12. Jahrhundert und zeigt eine Darstellung aus der Offenbarung des Johannes. Für Pilger ist Moissac deshalb weit mehr als nur ein Ort zum Übernachten – die Stadt ist seit Jahrhunderten eng mit dem Weg nach Santiago verbunden.

Auf einer Informationstafel in Moissac entdeckte ich auch einen interessanten Hinweis für Pilger: Von hier aus waren es laut Schild noch 1.114 Kilometer bis Santiago de Compostela. Die Tafel gehört zum historischen Rundgang „De la pierre à l’eau“ – „Vom Stein zum Wasser“ – und erzählt von der Entwicklung Moissacs zwischen der Abtei Saint-Pierre, der mittelalterlichen Stadt und dem Ufer des Tarn.
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