Von Limogne-en-Quercy nach Vaylats
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach meinem Ruhetag geht es heute wieder weiter – zum Glück nur rund 16 Kilometer. Der Regen begleitet mich erneut, unterwegs wird mein Rucksack um ganze 2,4 Kilogramm leichter und am Ende des Tages wartet eine ganz besondere Unterkunft auf mich: ein Nonnenkloster in Vaylats. Dort erlebe ich einen Gottesdienst, den ich sprachlich zwar kaum verstehe, der trotzdem etwas in mir auslöst.
07:45 Uhr – Der Regen plätschert aufs Dach
Es ist 07:45 Uhr. Ich bereite mich für den Tag vor.
Die Nacht war so lala. Nicht besonders, aber auch nicht so schlecht. Seit Figeac, also seit drei Tagen, schlafe ich schlechter, unruhiger. Ich bin nach der Nacht leicht zerknittert und erhole mich nicht mehr so gut wie zuvor.
Woran das wohl liegt?
Ich weiß es derzeit nicht.
Draußen regnet es wie verrückt in Strömen. Der Regen plätschert unaufhaltsam aufs Dach des mobilen Wohnheims und erzeugt eine angenehme und beruhigende Melodie.
Zum Glück sind es nur 16 Kilometer bis zur Gîte, einem Nonnenkloster. Das werde ich noch schaffen können, auch beim Regen.
Gestern Abend habe ich hier auf dem Campingplatz noch weitere bekannte Pilger gesichtet, die hierhergekommen sind.
Terier und Christian. Die beiden gaben mir den Tipp, bei Nathalie in Figeac zu übernachten.
Dann den anderen Terier aus Ussac, vom Tag zuvor und noch weiter zurück, mit neuer weiblicher Begleitung, einer Schweizerin namens Jasmin.
Jasmin hat schon so gut wie alles durchlaufen. Sie spricht Deutsch und Französisch. Ihr fehlt noch der Teilabschnitt Le Puy-en-Velay bis Saint-Jean-Pied-de-Port.
Alle Pilger habe ich gestern Abend in ihren mobilen Wohnhäusern besucht und wir unterhielten uns noch ein wenig.
09:51 Uhr – Es geht weiter
Es geht weiter.
Draußen ist es bewölkt und windig. Der Regen hat erst einmal aufgehört.
Die anderen Pilger sind schon gefühlt vor einer halben Stunde gestartet.
10:15 Uhr – Alte Mauern am Wegesrand
Ich laufe an alten Steinruinen vorbei.
Was wohl hier früher war?
Es ist immer wieder faszinierend, diese alten Steinmauern zu bewundern und darüber nachzusinnen.
Wie viel Zeit in die Erstellung der Mauern und Steinhäuser investiert wurde, ist für mich kaum auszumalen.
13:00 Uhr – Mein Rucksack wird 2,4 Kilogramm leichter
Zwischen 12 und 13 Uhr machte ich eine Pause in Varaire.
Ich traf hier wieder Terier und Christian.
Hier gab es eine Poststelle und ich entschied spontan, mich von einigen Dingen, die nicht mehr stark im Gebrauch sind, zu trennen.
2,4 Kilogramm habe ich nach Deutschland geschickt.
Meinen Wasserfilter, meine Mini-Solaranlage, Campingkocher und Zubehör sowie Verbandszeug und ein paar andere Kleinigkeiten.
24,50 Euro kostete mich der ganze Spaß.
17:04 Uhr – Angekommen im Kloster
Ich bin im Kloster und in der Unterkunft.
Wir sind zu dritt im Zimmer: Terier, Christian und ich.
Das Zimmer ist schön. Jeder hat sein eigenes Bett. Ein modernes Bad mit Toilette ist ebenfalls im Zimmer.
Um 17:30 Uhr ist die gemeinsame kirchliche Messe und um 19:00 Uhr ist das Dinner.
Es wird, glaube ich, gemeinsam gespeist.
Die anderen Pilger Terier und Jasmin habe ich nicht mehr gesehen. Ob sie hier sind, weiß ich nicht.
Vielleicht haben sie eine andere Unterkunft für sich gefunden.
18:33 Uhr – Ein Gottesdienst, den ich nicht verstehe und trotzdem spüre
Ich bin zurück aus dem Gottesdienst.
Es war sehr interessant und anders.
Verstanden habe ich natürlich nichts.
Zum Schluss, bei der symbolischen Verteilung des Leibes Christi, hat mich der Pfarrer irgendwas gefragt. Das habe ich nicht verstanden. Er ist dann weitergegangen und hat mich vom Abendmahl ausgeschlossen.
Das soll mal einer verstehen?
Etwas haben diese Gottesdienste dennoch.
Auch wenn man nichts versteht, ist hier etwas in der Luft.
Vielleicht eine andere Schwingung oder der Geist Gottes mit im selben Raum.
Ich weiß es nicht genau.
Vielleicht auch etwas Tiefes und Ehrfürchtiges?
Etwas Bewegendes und Tiefgreifendes?
Etwas, das kaum in Worte zu umschreiben ist.
21:55 Uhr – Gemeinsam den Abend ausklingen lassen
Ich gehe schlafen.
Ein paar Bilder der vergangenen Tage habe ich auf meinen Blog hochgeladen.
Das Abendessen war okay, aber nicht der Burner.
Ich habe dann wieder die vermissten Pilger getroffen: Terier und Jasmin.
Die sind noch viel später als ich gestartet und natürlich viel später angekommen.
Es war schön, in der Runde zu sein.
Ich habe mit Jasmin auf Deutsch gesprochen, was mich sehr gefreut hat.
Die anderen Teilnehmer – Terier, Terier und Christian – sprachen in ihrer Landessprache Französisch.
Wir saßen gute zwei Stunden zusammen und sind danach auf unsere Zimmer gegangen.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 114 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Limogne-en-Quercy → Vaylats |
| 🏃♂️ Schritte | 23.959 |
| 🌧️ Wetter | regnerisch, bewölkt und windig |
| 📦 Gepäck reduziert | 2,4 kg nach Deutschland geschickt |
| ⛪ Besonderheit | Gottesdienst und Übernachtung im Kloster |
| 🏡 Übernachtung | Kloster |
| 🛍️ Shop in Varaire | 11,80 € |
| 📦 Paketversand | 24,50 € |
| 🛏️ Übernachtung inkl. Dinner & Frühstück | 39,75 € |
| 💶 Gesamtausgaben | 76,05 € |
Fazit des Tages
Nach dem ganzen Ärger mit meinen Schuhen tut mir diese kürzere Etappe gut.
Und unterwegs treffe ich eine Entscheidung, die meinen Weg künftig noch etwas leichter machen dürfte: 2,4 Kilogramm weniger Gepäck. Wasserfilter, Solaranlage, Campingkocher und andere Dinge treten die Heimreise nach Deutschland an.
Am Abend wird es dann auf eine andere Weise interessant.
Ich verstehe während des Gottesdienstes kaum ein Wort und weiß am Ende nicht einmal genau, warum der Pfarrer bei mir weitergeht. Trotzdem bleibt etwas von diesem Moment hängen.
Vielleicht Ehrfurcht. Vielleicht die besondere Atmosphäre. Oder vielleicht etwas, für das ich selbst keine richtigen Worte finde.
Und danach sitze ich wieder mit Menschen zusammen, denen ich auf meinem Weg schon mehrfach begegnet bin. Es wird Französisch gesprochen, mit Jasmin endlich einmal wieder Deutsch, und für ein paar Stunden sind wir einfach eine kleine Pilgergemeinschaft.
Ein kurzer Tag auf der Strecke – aber trotzdem einer mit einigen besonderen Momenten. 🥾⛪📦
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages zeigen wieder einige interessante Eindrücke entlang des Weges – alte Steinmauern und rätselhafte steinerne Einfassungen, bei denen ich mich frage, wozu sie früher einmal gedient haben könnten.
Dazu kommen Enten am Wegesrand, typisch französische Dörfer und bekannte Gesichter unter den Pilgern, denen ich bereits zuvor begegnet bin. Den Abschluss bildet schließlich meine besondere Unterkunft für diese Nacht: das Kloster in Vaylats. 🪨🦆🏘️🥾⛪










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