Von Saugues bis Saint-Alban-sur-Limagnole 🌥️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach dem emotionalen Tag mit den beiden französischen Mädels bin ich heute wieder weitgehend alleine unterwegs – und das fühlt sich zunächst ziemlich trostlos an. Vor mir liegen über 32 Kilometer, eine Hündin würde am liebsten gleich mitpilgern und unterwegs wird mir klar: 40 bis 50 Kilometer täglich sind momentan einfach zu viel. Am Abend wartet dafür eine warme Dusche, ein verdammt guter Hamburger und eine neue Frage: Wie lange kann ich überhaupt noch weitergehen, wenn immer mehr Gîtes schließen?
09:57 Uhr – Wieder alleine unterwegs
Es ist 09:57 Uhr.
Ich bin schon seit fast zwei Stunden wieder unterwegs.
Die Nacht war gut und erholsam. Am Morgen, in der ersten Stunde, war es noch frisch und kalt.
Jetzt ist die Sonne schon am Steigen. Es ist wärmer geworden.
Ich bin gespannt, wie weit ich heute komme.
Die reguläre Tour ist normal 32,5 km lang. Sollte zu schaffen sein mit dem Gepäck, das ich habe.
Was gibt es sonst noch?
Es ist bisher ruhig am Morgen.
Zwei Pilger habe ich heute Morgen in der Herberge getroffen. Zwei Frauen. Eigentlich sah ich die beiden schon gestern.
Sonst gibt es nicht viel zu berichten.
Ach ja, nach dem gestrigen gemeinsamen Tag mit den französischen, belebenden Mädels fühlt sich das heute ein wenig trostlos und verlassen an.
Ich kann nur hoffen, dass es im Laufe des Tages oder morgen wieder besser wird.
12:06 Uhr – Ein Drittel ist geschafft
Ich mache eine Pause.
Zwölf Kilometer habe ich schon und damit ein Drittel der Strecke.
Die Strecke zieht sich schön in die Länge und ist gewiss nicht einfach.
Sie ist eben schön lang.
Meine Idee, 40 bis 50 km täglich zu pilgern, habe ich wieder verworfen.
Für mich ist es derzeit nicht machbar.
Der Körper wird müde und erschöpft. Zwar ist er fit nach einem Tag Pause. Aber danach ist er auch wieder ausgepowert, wenn man Vollgas gibt.
Zudem brauche ich mehr Training und weniger Gewicht auf dem Rücken.
Ich lasse es erst mal und bin froh, wenn ich die regulären Etappen meistere.
Eine Hündin möchte mit auf den Jakobsweg 🐕
Vorhin, schon eine Weile her, hat mich wieder ein Hund lieb gewonnen.
Er wollte mit mir weiterwandern.
Ich habe schon vermutet, dass es passieren könnte, und so war es auch.
Ich habe die Hündin – es war nämlich eine Hündin – austricksen müssen.
Den Besitzer habe ich nämlich nicht gefunden.
Schade.
Aber ich kann keinen Hund einfach so mitnehmen.
Sie wäre auf jeden Fall mitgegangen.
Dem bin ich sicher.
Aber was dann?
19:36 Uhr – 32,7 Kilometer liegen hinter mir
Ich bin in der Auberge Saint Jacques an meinem heutigen Ziel angekommen.
32,7 km habe ich hinter mir.
Ein gewaltiger Marsch, das muss ich schon sagen.
Eine schöne Landschaft war es auch und ich habe es geschafft.
Und das zählt.
Die Auberge ist aber nicht gerade günstig.
Oder ist es ein Hotel?
Mit Frühstück kostet mich die Übernachtung 42 Euro.
Hinzu kommt noch das Abendessen, das ich mir heute separat gönnen werde.
Das wird auch noch etwas kosten.
Aber was soll’s.
Man gönnt sich ja sonst nicht viel auf dem Weg und im Leben.
Ist mein Jakobsweg vielleicht bald zu Ende?
Zudem muss ich sagen, die Reise könnte schon bald enden.
Und zwar früher als eigentlich angedacht.
Meine Intuition führt dahin, dass es einfach in den nächsten Tagen nichts Günstiges mehr zu finden geben wird.
Also keine Gîtes mehr.
Heute in diesem Dorf war das Zeichen dafür gelegt worden.
Die meisten Herbergen in der Preisklasse um die 15 Euro – die Gîtes – waren geschlossen.
In diesem Dorf sind es sogar alle.
Die Saison ist vorbei, wie die eine Dame vor zwei Tagen mir sagte.
Es gibt einfach keine Pilger.
Dem kann ich nur zustimmen.
Man sieht keinen Andrang an Menschen.
Und es ist echt kalt geworden.
Obwohl es in den nächsten Tagen, also nächsten Monat, wieder etwas wärmer wird.
Nun gut.
Daran kann man erst mal nichts ändern.
Mein Budget ist derzeit leider noch etwas begrenzt.
Ich kann leider keine Optionen zur Übernachtung im Bereich der 40 oder 50 Euro bis zur Grenze wählen.
Aber es kann sich auch schnell ändern und es schaut bald anders aus.
Derzeit eben nicht.
Der vielleicht beste Hamburger meines Lebens 🍔
Im Restaurant am Abend und nach einer erfrischenden Dusche gönnte ich mir einen Hamburger Royal.
Dieser Burger war richtig lecker.
Ich würde sogar sagen:
Brutal lecker und der Beste, den ich je gegessen hatte.
Ich kann mich an keinen vergleichbaren Hamburger in meinem bisherigen Leben erinnern.
Und ich habe schon einige durchprobiert.
Ein bisschen Deutsch am Nachbartisch
Am Tisch sitzend bin ich dann später mit anderen Pilgern, direkt gegenüber am Tisch, ein klein wenig ins Gespräch gekommen.
Ein Mädel hat mich auf Deutsch angesprochen.
Sie kam aus dem Elsass und konnte daher ein klein wenig Deutsch, was mich natürlich freute.
Es ging dann darum, wer wie lange etwas machen würde.
Das erste Kennenlernen halt.
Nach insgesamt zwei genüsslichen Bieren und ein wenig Plausch verabschiedete ich mich von allen und ging aufs Zimmer.
Ich war nämlich hundemüde und wollte schlafen.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 101 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Saugues → Saint-Alban-sur-Limagnole |
| 🥾 Strecke | 32,7 km |
| 👣 Schritte | 51.518 |
| 🏡 Übernachtung | Hotel/Auberge Saint Jacques |
| 🛏️ Übernachtung inkl. Frühstück | 42 € |
| 💶 Gesamtausgaben | 66 € |
| 🌥️ Wetter | morgens kalt, später freundlicher |
| 🐕 Begegnung | eine Hündin wollte mitwandern |
| 🍔 Belohnung | Hamburger Royal |
| 🤝 Abends | Gespräche mit anderen Pilgern |
| 💭 Erkenntnis | 40–50 km täglich sind derzeit zu viel |
| ⚠️ Neue Herausforderung | immer mehr günstige Gîtes sind geschlossen |
Fazit des Tages
51.518 Schritte und 32,7 Kilometer.
Mein Plan, jetzt jeden Tag 40 bis 50 Kilometer abzureißen, bekommt heute bereits einen deutlichen Dämpfer.
Und vielleicht ist das auch gut so.
Mein Körper zeigt mir ziemlich deutlich, was momentan möglich ist. Der Rucksack ist zwar leichter geworden, aber die vergangenen Monate stecken trotzdem in den Knochen.
Dazu kommt jetzt ein Problem, das mit meinen Beinen überhaupt nichts zu tun hat:
Die Saison ist vorbei.
Immer mehr günstige Gîtes schließen. Ohne mein Zelt bin ich auf Unterkünfte angewiesen – und 40 oder 50 Euro jede Nacht kann ich derzeit nicht einfach bis zur spanischen Grenze bezahlen.
Damit wird die Frage, wie lange mein Jakobsweg noch weitergeht, wieder aktuell.
Heute möchte ich darüber aber nicht mehr nachdenken.
Ich habe 32,7 Kilometer geschafft, eine wunderschöne Landschaft erlebt, eine Hündin davon überzeugen müssen, nicht mit mir nach Santiago zu laufen, andere Pilger kennengelernt und am Abend vielleicht den besten Hamburger meines bisherigen Lebens gegessen.
Für einen einzigen Tag ist das eigentlich mehr als genug. 🥾🍔🍺🌄
Buen Camino
Bilder des Tages📷
Die Bilder des Tages zeigen wieder die Vielfalt des Jakobswegs: weite und abwechslungsreiche Landschaften, kleine Kapellen und Spuren des Pilgerwegs, interessante Informationen am Wegesrand und natürlich die neugierige Hündin, die mich am liebsten ein Stück weiter begleitet hätte. 🥾🐕⛪🌄




























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