Von Saint-Alban-sur-Limagnole bis La Chaze-de-Peyre
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Manchmal sind es die kleinen Zufälle, die einen Tag besonders machen. Heute begleitet mich kräftiger Wind über den Jakobsweg, ich treffe Pilger aus Kanada und Frankreich und finde unterwegs eine Wollmütze. Eigentlich wollte ich sie liegen lassen – irgendetwas sagte mir jedoch, ich solle sie mitnehmen. Wenige Stunden später weiß ich auch, warum. 💨🧢🥾
18:42 Uhr – Angekommen in La Chaze-de-Peyre
Es ist 18:42 Uhr.
Ich bin in einer privaten Unterkunft mit Pilgern, die ich schon gestern in der teuren Unterkunft gesichtet hatte und mit denen ich auch im Gespräch war, gelandet.
Der Preis ist auch heute kein Schnäppchen.
39 Euro die Nacht.
Dafür gibt es zusätzlich ein Abendessen und ein Frühstück dazu.
Heute Morgen haben wir fünf noch gemeinsam gefrühstückt und sind dann separat voneinander gestartet.
Ich habe noch ein paar Fotos der letzten Tage auf meinen Blog geladen.
Bis zu 85 km/h Wind 💨
Der Tag selbst ist extrem windig gewesen.
Bis zu 85 km/h wehte der Wind umher.
Manchmal sogar mit Rückenwind.
Beim Gehen heute habe ich Pilger aus Kanada getroffen.
Natürlich sprach ich Englisch.
Die Frau sprach Englisch, der Mann nicht. Er war Franzose und konnte leider kein Englisch sprechen.
Ich habe mich sehr gut auf Englisch ausdrücken können und wunderte mich über mich selbst.
Mit manchen Personen, die sehr gut Englisch sprechen können, kann ich dann plötzlich wie aus dem Nichts sprechen, als hätte ich nie eine andere Sprache gesprochen.
Ich wundere mich, wie das eigentlich sein kann.
Ich glaube persönlich, dass es eine tiefe Verbindung zwischen den Menschen gibt, die man entfachen kann und damit auch den Zugang zu der Sprache.
Manchmal läuft es schleppend, es hakt, es will einfach nicht funktionieren mit der Sprache.
Und dann gibt es Momente, über die ich mich nur wundere.
Eine Wollmütze am Wegesrand
Später oder davor, ich weiß es nicht mehr genau, machte ich gerade eine Pause und fand eine Wollmütze.
Zuerst dachte ich, ich lasse sie einfach ruhen, beziehungsweise wollte ich sie am Zaun aufhängen.
Dann gab es eine Intuition.
Ich nehme sie mit.
So schlecht ist die Mütze gar nicht und ich könnte sie jemandem geben, der sie vielleicht gebrauchen könnte.
Vielleicht treffe ich sogar jemanden, dem sie gehört.
Was wahrscheinlich eher unwahrscheinlich ist.
Es laufen derzeit kaum Pilger umher.
Aber wer weiß das schon.
Einer weiß das bestimmt.
Ich nahm sie also mit.
Durch Feld und Wiese
Ich lief dann weiter durch Feld und Wiese und es wehte und wehte.
Ich war aber guter Dinge.
Es lief sich heute brutal gut.
Als ich dann in Aumont-Aubrac ankam, sah ich die Pilgertruppe von heute Morgen wieder.
Ich wurde gleich von Delphine, einem der zwei Mädels, angesprochen, ob ich eine Mütze unterwegs gesehen hatte.
Ich war verwundert und irgendwie erstaunt.
Ja, natürlich. Ich habe eine Mütze gefunden.
Unglaublich, dachte ich.
Gut, dass ich die Mütze überhaupt mitgenommen hatte.
Welch eine Freude sich auf den Lippen zeigte, kann man natürlich kaum beschreiben.
Die Freude war riesig.
Es hätte ja auch anders laufen können, aber irgendwas hatte mich vorsichtig gedrängt, die Mütze mitzunehmen.
Gemeinsam weiter nach La Chaze-de-Peyre
Wir sind dann kurzerhand alle auf einen Kaffee in ein Café gegangen und danach noch weitere fünf Kilometer zur Destination in La Chaze-de-Peyre.
Den Abend verbrachten wir gemütlich in der Runde.
Eine kleine Abendrunde durchs Dorf taten wir auch noch.
Die Unterhaltung stockte nicht.
Es war interessant.
Carolin, eine der zwei Mädels, erklärte das eine oder andere ins Deutsche und umgekehrt.
Teilweise sprachen wir auch Englisch.
Da nicht alle Englisch konnten, wurde natürlich auch viel Französisch gesprochen.
Carolin konnte deswegen Deutsch, weil sie aus dem Elsass kommt.
Es war ein schöner gemeinsamer Abend.
Für manche endet der Weg – für andere geht er weiter
Morgen ist der letzte Tag für die zwei Mädels.
Dann reisen die beiden übermorgen ab.
Es geht wieder nach Hause.
Die anderen zwei Pilger, Wason und Retrat, mich eingeschlossen, laufen erst einmal ins unbekannte Weite.
Wo das auch immer sein soll.
Etappenweise halt Richtung Cahors und vielleicht bis zur Grenze.
Schauen wir mal.
Genaueres kann ich erst einmal nicht sagen.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 102 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Saint-Alban-sur-Limagnole → La Chaze-de-Peyre |
| 👣 Schritte | 30.878 |
| 🏡 Übernachtung | Private Gîte |
| 🛏️ Preis der Unterkunft | 39 € inkl. Abendessen und Frühstück |
| 💶 Gesamtausgaben | 55,60 € |
| 💨 Wetter | extrem windig, laut Tagebuch bis 85 km/h |
| 🧢 Geschichte des Tages | gefundene Mütze an Delphine zurückgegeben |
| 🤝 Begegnungen | Pilger aus Kanada und Frankreich sowie die bekannte Pilgergruppe |
| ☕ Gemeinsame Pause | Kaffee in Aumont-Aubrac |
| 🌙 Abend | gemeinsames Essen und Spaziergang durchs Dorf |
| 👁️ Distanz bis Saint-Jean-Pied-de-Port | 653 km |
Fazit des Tages
Manchmal passieren auf dem Jakobsweg Dinge, bei denen ich mich im Nachhinein einfach nur wundere.
Da liegt irgendwo unterwegs eine Wollmütze.
Mein erster Gedanke ist, sie am Zaun aufzuhängen und weiterzugehen.
Dann kommt dieses Gefühl:
Nimm sie mit.
Also nehme ich sie mit.
Einige Kilometer später treffe ich in Aumont-Aubrac genau die Pilger wieder, mit denen ich morgens gefrühstückt hatte – und Delphine fragt mich ausgerechnet, ob ich unterwegs eine Mütze gesehen hätte.
Und ich habe sie im Rucksack.
Zufall, Intuition oder einfach Glück?
Das kann jeder für sich selbst beantworten. Für mich war es jedenfalls einer dieser kleinen besonderen Momente auf meinem Weg.
Auch sonst war dieser 102. Tag geprägt von Begegnungen. Englisch, Französisch und Deutsch vermischen sich immer mehr. Manchmal fehlen Wörter, manchmal läuft eine Unterhaltung plötzlich wie von selbst.
Am Ende sitzen wir wieder gemeinsam zusammen.
Morgen trennen sich für einige bereits die Wege. Für mich geht es dagegen weiter ins noch Unbekannte.
Richtung Cahors. Vielleicht Richtung spanische Grenze.
Mehr muss ich heute noch gar nicht wissen. 🥾💨🧢🍀
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages erzählen von einem geselligen Start beim Frühstück mit anderen Pilgern, wunderschönen Landschaften und tierischen Begegnungen mit Eseln.
Dazu kommt die kleine Geschichte der gefundenen Wollmütze, die tatsächlich wieder zu ihrer Besitzerin zurückfand. Später führte uns der Weg wieder zusammen, und am Ende des Tages landete ich mit der Pilgergruppe sogar in derselben Unterkunft – ein Tag voller kleiner Zufälle und schöner Begegnungen. 🥾🧢🫏🤝🌄

















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