Regen ohne Ende und trotzdem geht es weiter
Zeit: 11:23 Uhr
Ich bin gestartet und es geht weiter.
Die Nacht war gut und entspannend.
Mal sehen, wohin es mich heute verschlägt.
Im Moment gehe ich durch Wälder, die fast unberührt wirken. Viele Wanderer scheint es hier nämlich nicht zu geben.
Zeit: 12:50 Uhr
Es regnet ohne Ende und scheinbar wird es auch nicht besser.
Auch die nächsten Tage soll es regnerisch bleiben.
Aktuell bin ich in einer Hütte untergekommen, aber hier möchte ich nicht ewig bleiben.
Ich werde weitergehen.
Ob Regen oder kein Regen.
Mein Ziel wäre zumindest, bis nach Dabo zu kommen.
Zeit: 17:43 Uhr
Ich bin nun bei einer weiteren Hütte, nicht weit vor Walscheid.
Hier werde ich auch übernachten.
Es ist ruhig hier.
Und es ist schön.
Eigentlich wollte ich noch nach Walscheid hinein. Dort gibt es einen See und vielleicht eine Möglichkeit, meine Akkus aufzuladen oder direkt am See zu campieren.
Ich habe mich allerdings dagegen entschieden.
Ob ich dort tatsächlich meine Akkus aufladen könnte, war nicht sicher. Und auch beim Übernachten wusste ich nicht, ob ich einen geeigneten Platz finden würde.
Nachher bin ich dort, kann vielleicht baden – aber wo übernachte ich dann?
In einer Pension, wie ich es ursprünglich einmal vorhatte, habe ich bis heute kein einziges Mal übernachtet.
Was allerdings überhaupt nicht schlimm ist.
Draußen zu sein, für mich zu sein – das taugt mir mittlerweile sehr.
Deshalb lasse ich es, wenn es nicht unbedingt sein muss.
Vielleicht irgendwann später.
Persönliches Fazit
Regen, Regen und noch mehr Regen.
Und trotzdem gehe ich weiter.
Natürlich wäre es einfacher gewesen, irgendwo ein trockenes Zimmer zu nehmen. Doch nach mittlerweile 15 Tagen merke ich immer deutlicher, dass ich das gar nicht unbedingt brauche.
Das Leben draußen ist zu meinem Pilgeralltag geworden.
Mein Zelt, eine Hütte oder ein geschützter Platz reichen mir. Ich genieße es sogar, draußen und für mich zu sein. Die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann ich weitergehe, wo ich raste und wo ich am Abend bleibe, bedeutet mir inzwischen mehr als der Komfort eines festen Zimmers.
Auch heute musste ich wieder improvisieren und meine ursprünglichen Pläne ändern. Dabo habe ich nicht erreicht und auch Walscheid lasse ich für heute links liegen.
Aber das spielt eigentlich keine Rolle.
Ich habe einen trockenen und ruhigen Platz gefunden. Mir geht es gut. Und morgen geht der Weg weiter.
Ob Sonne oder Regen – ich bin auf meinem Weg.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Die Bilder dieses Tages erzählen noch einmal ihre ganz eigenen kleinen Geschichten – von besonderen Orten, überraschenden Entdeckungen am Wegesrand und Begegnungen, die mir bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Der Morgen zeigte sich von seiner nassen Seite. Regen, Nebel und tief hängende Wolken begleiteten mich auf den ersten Kilometern, und eine kleine Holzhütte kam für eine kurze geschützte Pause gerade recht. Danach hieß es Regenjacke zu und weiter – der Weg wartete schließlich nicht auf besseres Wetter.



Unterwegs stieß ich auf einen ziemlich ungewöhnlichen Ort: Mitten zwischen den Bäumen lag ein alter gallo-römischer Friedhof mit zahlreichen schweren Grabstelen aus Stein. Laut der Informationstafel sind heute nur noch etwa zwanzig dieser Stelen erhalten.
Einer dieser Orte, mit denen man beim Wandern nicht unbedingt rechnet – und an denen man dann doch eine Weile stehen bleibt.

Verlassene Spuren im Wald
Immer wieder begegneten mir auf meinem Weg durch Frankreich solche verlassenen Ruinen. Mitten im Wald standen plötzlich alte Mauern und überwucherte Gebäudereste, bei denen man kaum noch erkennen konnte, was hier einmal gewesen war. Auch dieser Ort brachte mich zum Nachdenken. Irgendwann müssen hier Menschen gelebt oder gearbeitet haben, vielleicht vor sehr langer Zeit. Heute holt sich die Natur den Platz Stück für Stück zurück. Zurück bleiben nur die alten Mauern – und die Frage, welche Geschichten sich wohl dahinter verbergen.


Mitten im tiefsten Wald stieß ich plötzlich auf diesen alten gepflasterten Weg – und genau das faszinierte mich. Wer hatte sich hier irgendwann die Mühe gemacht, einen solchen Weg anzulegen, und wohin führte er einst? Irgendetwas muss er miteinander verbunden haben, denn ohne Grund pflastert man keinen Weg mitten durch den Wald. Wie alt er tatsächlich ist, weiß ich nicht. Aber in diesem Moment kam unweigerlich der Gedanke auf, dass vielleicht schon vor Jahrhunderten Menschen genau hier unterwegs waren. Vielleicht reicht seine Geschichte sogar noch viel weiter zurück. Für einen Augenblick fühlte es sich an, als würde unter meinen Wanderschuhen ein kleines Stück Vergangenheit wieder sichtbar werden.



Gegen Abend fand ich schließlich diese Schutzhütte mitten im Wald – mit einem überraschend schönen Ausblick über die bewaldete Landschaft.
Da es ohnehin schon spät geworden war, stand für mich schnell fest: Hier bleibe ich für die Nacht. Kein Zelt aufbauen, kein großer Aufwand. Isomatte und Schlafsack auf den Boden, die Sachen daneben und fertig war mein Nachtlager.
Nach einem langen und nassen Tag war ich einfach froh, einen trockenen und geschützten Platz gefunden zu haben. Manchmal braucht es unterwegs eben nicht mehr.
Begegnung an der Schutzhütte
An der Schutzhütte hatte ich noch eine dieser Begegnungen, die mir von unterwegs besonders in Erinnerung geblieben sind. Ein Einheimischer kam vorbei, der selbst viel zu Fuß unterwegs ist und regelmäßig durch Frankreich wandert. Zu meiner Überraschung konnten wir uns sogar auf Deutsch unterhalten. Er erzählte mir, dass er früher in Deutschland in einem Autowerk gearbeitet hatte und heute nicht mehr arbeitet, sondern viel Zeit draußen und auf seinen Wanderungen verbringt.
Als ich ihm erzählte, dass ich zu Fuß auf dem Weg nach Santiago de Compostela war, war er ziemlich erstaunt. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über das Wandern und das Unterwegssein. Dabei erzählte er mir auch, dass er sich manchmal einen Freund oder Weggefährten gewünscht hätte, mit dem er gemeinsam solche langen Reisen hätte unternehmen können.
Es war eigentlich nur eine zufällige Begegnung irgendwo unterwegs in Frankreich. Aber genau solche Gespräche sind es, die mir von dieser Reise geblieben sind: Man begegnet sich für einen Moment, tauscht ein Stück seiner Geschichte aus und geht danach wieder seinen eigenen Weg.
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