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Mein Jakobsweg 2023-2024

24. Tag auf dem Jakobsweg – Wind und Regen

Wind und Regen

Zeit: 09:00 Uhr

Heute windet und regnet es wieder.

Es ist unangenehm.

Schon gestern Nacht hat es angefangen. Windböen bis zu 56 km/h sind gemeldet.

Ich bleibe erst einmal im Zelt und warte auf bessere Zeiten.

Spätestens morgen kann es auch schon wieder weitergehen. Deutlich besseres Wetter wurde gemeldet.

Ich bleibe gespannt und beschäftige mich weiter mit der französischen Sprache.

Zeit: 13:00 Uhr

Ich marschiere weiter.

Zeit: 13:49 Uhr

Ich mache eine Pause.

Es windet wie verrückt.

Im Zelt zu bleiben, wäre aber auch keine Option gewesen. Der Wind lässt mein Zelt flattern wie verrückt, und das ist einfach nur nervig.

Die Engel fordern mich auf, weiterzugehen.

Der Vater des Windes gibt mir keine Chance, zu bleiben und zu ruhen.

Mit festen Schritten packte ich alles zusammen und zog los in Richtung meines nächsten, mir noch unbekannten Nachtlagers.

Langsam, aber sicher schritt ich voran. Wie ein Bohrer durch die Wand marschierte ich voller Hoffnung durch das Unwetter, durch Wind und Regen.

Ich durchzog viel fruchtbares Land.

Von Menschen selbst keine Spur.

Ich sah nicht wenige Rinder auf den Feldern grasen. Hin und wieder entdeckte ich auch Schafe in der Weite.

Ich durchzog wunderschöne und verschlafene Dörfer.

Aber auch hier sah man niemanden.

Zwei Wanderer und ein Radfahrer sind mir begegnet. Da es windete wie verrückt, begrüßten wir uns nur kurz und zogen anschließend unserer Wege.

Zeit: 16:17 Uhr

Ich raste an einem schönen Platz, einem kleinen Hüttle, mit einem weiten Blick über die Felder, die mit allerlei bepflanzt sind.

Ich sehe Mais, so weit das Auge reicht, und nicht wenige Sonnenblumenfelder.

Die Sonne streichelt sanft meine Haut und der Wind erfrischt meine Seele.

Obwohl ich ihn nicht immer unbedingt mag, diesen Wind.

Er pfeift durch alle Löcher und sorgt gerne für Aufruhr.

Aber gerade jetzt, zusammen mit der Sonne, mag ich ihn.

Die Blätter rauschen, als wäre irgendwo ein reißender Bach.

Von Weitem hört man ganz leicht die Autos auf der Straße vorbeifahren.

Ansonsten herrscht Stille an diesem Ort.

Zeit: 20:00 Uhr

Ich bin an einem ruhigen Ort gelandet.

Ein kleines Hütchen gibt es hier, und direkt daneben habe ich mein Zelt für die Nacht aufgebaut.

Der Tag ist gut gegangen.

In Marsal ist mir noch eine Dame begegnet, die ins Museum am Tor zu Frankreich ging. Ein paar Worte auf Deutsch und Französisch haben wir miteinander gewechselt. Sie konnte ein bisschen Deutsch.

Gegessen habe ich mittlerweile auch.

Es gab einen selbst gemachten Aufstrich aus einer Art Schmierkäse, von dem ich ursprünglich dachte, dass es körniger Frischkäse sei, dazu Knoblauch, Olivenöl und Avocado.

Dazu gab es das Baguette von gestern.

Alles zusammen war ein Genuss, der all meine inneren Sinne – ich muss es schon sagen – übertroffen hat.

Ich ruhe noch einen Moment und genieße die Ruhe hier draußen.

Unterwegs fällt mir immer wieder etwas auf:

Da habe ich inspirierende Momente und Gedanken, die ich in diesem Augenblick nicht in Wort und Schrift festhalten kann.

Später, wenn ich dann wie jetzt am Tisch sitze und Zeit zum Schreiben habe, ist plötzlich alles vom Tisch.

Sie sind weg.

Die Gedanken.

Aber vielleicht werden sie wiederkommen.

Vielleicht genau dann, wenn es von oben gewünscht ist und die Zeit gekommen ist, sie festzuhalten.

Jetzt verspüre ich Müdigkeit.

Das gute Essen und der verwindete Tag von heute lassen alles schwer erscheinen.

Ich werde müder und müder.

Meine Augen werden schwerer und schwerer.

Meine Glieder werden schwerer und schwerer.

Das Licht erlischt.

Ich schlafe ein.

Noch immer weht dieser hartnäckige Wind.

Er gibt einfach keine Ruhe.

Aufbrausend, wie er ist, dieses nervige Kind.

So lasse ich es über mich ergehen.

Ich akzeptiere es, wie es ist.

Eine andere Wahl gibt es nicht!


Tagesbilanz

Kategorie24. Tag
Streckeca. 12 km
Schritte20.358
ÜbernachtungWildcamping
Ausgaben0 €
WetterWind, Regen und später Sonne
Besonderer OrtMarsal

Persönliches Fazit – Manchmal bestimmt der Weg

Für das Fazit würde ich diesmal deine letzten Worte „Ich akzeptiere es, wie es ist“ zum zentralen Gedanken machen.

Morgen ist ein neuer Tag.

Persönliches Fazit – ich akzeptiere es, wie es ist

Heute wollte ich eigentlich bleiben.

Draußen regnete es und der Wind tobte. Warum sollte ich bei diesem Wetter freiwillig mein Zelt abbauen und weiterlaufen?

Doch genau dieser Wind machte das Bleiben irgendwann unangenehmer als das Weitergehen.

Also packte ich meine Sachen.

Und plötzlich war ich wieder unterwegs.

Später geschah etwas Merkwürdiges: Genau den Wind, der mich am Morgen noch genervt und schließlich zum Aufbruch bewegt hatte, empfand ich zusammen mit der warmen Sonne plötzlich als angenehm.

Der Wind hatte sich nicht verändert.

Meine Wahrnehmung hatte sich verändert.

Vielleicht liegt darin eine weitere kleine Lektion dieses Weges. Nicht alles lässt sich kontrollieren. Das Wetter nicht. Den Wind nicht. Manche Ereignisse nicht.

Aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe.

Am Abend liege ich wieder an einem ruhigen Ort. Mein Zelt steht. Ich bin satt. Mein Körper ist müde und draußen weht noch immer dieser hartnäckige Wind.

Soll er doch.

Ich akzeptiere es, wie es ist.

Buen Camino


Bilder des Tages 📸

Zwischen kräftigem Wind, vorbeiziehenden Wolken und weiten Feldern sind auch an diesem Tag einige Momentaufnahmen entstanden, die zeigen, wie abwechslungsreich selbst ein ungemütlicher Tag auf dem Jakobsweg sein kann.

💡 Gut zu wissen: Marsal – ein kleiner Ort mit großer Vergangenheit

Als ich an diesem Tag durch Marsal kam, ahnte ich vermutlich kaum, wie viel Geschichte sich hinter diesem kleinen französischen Ort verbirgt.

Marsal liegt in Lothringen und ist eng mit dem Salz verbunden. In der Region wurde bereits seit sehr langer Zeit Salz gewonnen. Die reichen Salzvorkommen machten den kleinen Ort wirtschaftlich bedeutend und führten gleichzeitig dazu, dass er über Jahrhunderte strategisch interessant war.

Besonders auffällig ist die Porte de France, das historische Stadttor von Marsal. Die Befestigungsanlagen wurden im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. weiter ausgebaut und stehen in Verbindung mit dem berühmten französischen Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban.

Heute befindet sich in Marsal das Musée départemental du Sel – ein Museum, das sich mit der Geschichte des Salzes und seiner Bedeutung für die Region beschäftigt.

Rückblickend finde ich gerade solche Orte auf meinem Weg spannend.

Erst im Rückblick wird sichtbar, an wie viel Geschichte ich während meiner Pilgerreise manchmal beinahe unbemerkt vorbeigelaufen bin.


Weitere Berichte meiner Pilgerreise 🗺️

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2 Antworten auf „24. Tag auf dem Jakobsweg – Wind und Regen“

Hast du auch mal schönes Wetter?🤔
Hallo Jakob, Hauptsache kein Hochwasser! Bei uns 20km von mir entfernt ist alles unter Wasser,Häuser weggespült,Erdrutsche etc.weil es so viel geregnet hat,auch in Slowenien ganz schlimm! Angeblich kommt ab Donnerstag der Sommer zurück,ich hoffe auch bei dir wird’s endlich warm!
Mach nur weiter!💪🏻Alles Liebe u schöne Zeit wünsch ich dir,ciaoooo Mel

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