Von Saint-Martin-en-Haut bis Saint-Symphorien-sur-Coise
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Eine kalte Nacht, ein kleines Wärmeexperiment im Zelt und später wieder ein Rucksack, der unerbittlich auf meinen Rücken drückt. Heute spüre ich deutlich, wie hart dieser Weg inzwischen geworden ist. Gleichzeitig entstehen genau in dieser Erschöpfung immer mehr Fragen: Wie geht mein Leben danach weiter? Wohin möchte ich? Worauf möchte ich mich fokussieren? Noch habe ich keine Antworten. Aber vielleicht gehört genau das zu diesem Weg. 🥾🌄
05:18 Uhr – Wärme im Zelt 🔥
Es ist 05:18 Uhr.
Mein gasbetriebener Zelt-Ofen hält meine kleine Hütte gut warm.
Es funktioniert! Alle Hände in die Höhe! Applaus, bitte. 👏
Ich nahm dazu einen schönen und stabilen Stein, den ich hier in der Umgebung fand, und legte ihn auf meinen Gasherd oben drauf. Der Stein wird langsam erwärmt und gibt zusätzlich eine angenehme Wärme ab.
Im Zelt ist es JETZT kuschelig und angenehm.
Warum ich da nicht früher draufgekommen bin? 🤔
Egal. Besser spät als nie.
Ich muss nach Gas schauen, wo ich den „onmas“ bekomme und wie viel da eigentlich draufgeht – für eine Nacht?
So einfach kann man die kalten und grausigen Nächte, die hin und wieder mal kommen, optimal überstehen beziehungsweise simpel überleben.
Was für ein Schlaumeier. 🤓
⚠️ Wichtiger Hinweis aus heutiger Sicht
Dieses Wärmeexperiment gehört zu meinem damaligen Tagebucheintrag, würde ich heute aber nicht zur Nachahmung empfehlen. Einen Gaskocher bzw. eine offene Gasflamme im geschlossenen Zelt als Heizung zu verwenden, kann durch Kohlenmonoxid, Sauerstoffmangel und Brandgefahr lebensgefährlich werden. Auch das starke Erhitzen eines unbekannten Steins ist riskant, da manche Steine durch eingeschlossene Feuchtigkeit oder Materialspannungen brechen können.
Für kalte Nächte sind ein geeigneter Schlafsack, eine gut isolierende Schlafmatte und bei Bedarf eine andere Übernachtungsmöglichkeit die wesentlich sicherere Strategie.
09:08 Uhr – Das Experiment hat funktioniert🤯
Ich habe soweit gut geschlafen!
Bin ausgeruht und bin nicht erfroren wie die Tage zuvor.
Es ist aber noch etwas ungewohnt mit einer Heizung im Zelt. Zum einen muss ich ja sichergehen, dass nichts abfackelt oder sich in die Luft sprengt. 💥
Der Stein zum Beispiel.
Deswegen war die erste heutige Nacht mehr ein Experiment und ich war etwas nervös und neugierig, ob es auch funktioniert.
Aber die Gasheizung funktioniert spitze!
Es ist, wie vorhin am Morgen erwähnt, mit der entwickelten Wärme gemütlich im Zelt.
Der Stein wird schön heiß und wenn er sich dann etwas abgekühlt hat, so kann man den Stein später in den Schlafsack legen und seine Füße bei Bedarf wärmen.
Jetzt wird aber erst mal gut gefrühstückt und dann geht es auch schon weiter. 😊
11:42 Uhr – Los geht es!
Ich laufe los.
Es ist alles gepackt und startbereit.
Das Wetter ist schön.
Los geht es!
12:38 Uhr – Eine Pause
Ich mache eine Pause.
13:52 Uhr – Das Gewicht bleibt Gewicht
Ich mache wieder eine Pause.
Der Rucksack drückt auf den Rücken.
Es wird einfach nicht leichter.
Das Gewicht bleibt Gewicht. Es ist schwer und bleibt schwer.
Deswegen lege ich den Rucksack ab, atme durch. Entspanne mich. Sitze und relaxe ein wenig.
Ich nehme ein paar Aminosäuren.
Ich habe zudem auch noch Hunger.
Das nächste Dorf ist nicht mehr so weit. Vielleicht 4 km.
Das ist mein kleines Zwischenziel.
Dort möchte ich dann, wenn es einen Laden gibt, wieder etwas einkaufen.
Nahrungsmittel, die in mir Kraft entwickeln.
Der Weg fordert seinen Tribut
Es ist nicht einfach, dieser Weg.
Der Weg ist hart. Es ist heilig anstrengend.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Es flutscht mir zwischen den Fingern wie kaltes Eis.
Er fordert seinen Tribut und den Willen, dranzubleiben, weiterzumachen.
Man wird müde mit der Zeit, erschöpft.
Man wird immer leerer und leerer.
Fast wie ein Zombie kriecht man daher.
Die Leute erschrecken sich schon von Weitem, wenn sie mein Antlitz dahinkriechend sehen, und wechseln die Straßenseite.
Das war jetzt ein Witz, der letzte Satz, wobei das tatsächlich schon vorgekommen ist – mit dem Wechsel der Straßenseite.
Aber wie gesagt:
Man wird leerer und leerer.
Der Reset findet statt
Man ist einfach nur im Jetzt.
Der Reset findet statt.
Die Neuprogrammierung des Systems beginnt.
Was spiele ich mir JETZT auf meine Festplatte, geht mir durch den Kopf?
Wie geht das Leben weiter?
Wohin gehe ich?
Was mache ich danach?
Mit was möchte ich mich dann beschäftigen?
Worauf möchte oder sollte ich mich fokussieren?
Alles Fragen, die derzeit im Raum stehen.
Auf die es noch keine eindeutige Antwort gibt.
19:21 Uhr – Fix und fox
Ich bin an meiner Destination.
Das Zelt ist aufgebaut. Es ist alles erledigt.
Ich bin fix und fox.
Es ist zwar nicht der ruhigste Platz, weil es in der Nähe einer Straße ist.
Ich wollte aber auch nicht mehr länger suchen.
Also nehme ich das, was mir gegeben wird.
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 86 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Saint-Martin-en-Haut bis Saint-Symphorien-sur-Coise |
| 👣 Schritte | 24.990 |
| 🏡 Übernachtung | Wildcamping |
| 💶 Ausgaben | 22,81 Euro |
| 👁️ Distanz bis Le Puy | 117 km |
| ☀️ Wetter | schön |
| 🎒 Herausforderung | schwerer Rucksack & zunehmende Erschöpfung |
| 🔥 Nacht | Wärmeexperiment im Zelt |
| 🧠 Gedanken | Zukunft, Neuanfang & persönlicher Fokus |
| 🏕️ Nachtlager | nahe einer Straße |
| 💭 Gefühl am Abend | fix und fox |
Fazit des Tages
Heute zeigt mir der Weg wieder beide Seiten.
Auf der einen Seite freue ich mich am Morgen darüber, endlich einmal nicht frieren zu müssen. Auf der anderen Seite spüre ich unterwegs jeden einzelnen Kilometer und vor allem das Gewicht meines Rucksacks.
Das Gewicht bleibt Gewicht.
24.990 Schritte mit dieser Last gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei. Der Körper wird müde. Man selbst wird leerer.
Doch genau in dieser Leere passiert bei mir offenbar auch etwas anderes.
Ich denke darüber nach, was nach diesem Jakobsweg kommen soll. Was möchte ich in meinem Leben machen? Wohin möchte ich gehen? Womit möchte ich mich beschäftigen? Was verdient überhaupt noch meine Aufmerksamkeit?
Vielleicht muss ich darauf heute noch keine Antwort haben.
Vielleicht ist dieser „Reset“, wie ich ihn selbst nenne, erst einmal notwendig, damit überhaupt Platz für etwas Neues entstehen kann.
Am Abend bin ich jedenfalls völlig erledigt. Mein Zelt steht an einem nicht ganz perfekten Platz nahe einer Straße – aber ich nehme, was mir gegeben wird.
Und vor mir liegen jetzt nur noch:
117 Kilometer bis Le Puy. 🥾🌄
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages geben heute einen kleinen Einblick in meine Etappe durch die französische Landschaft – ein paar schöne Ausblicke und Momentaufnahmen von unterwegs, die zeigen, was mich auf den anstrengenden Kilometern Richtung Le Puy begleitet hat. 🌄🥾🇫🇷










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