Von Figeac bis Ussac 🌧️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Nach der überraschenden Wendung gestern geht mein Jakobsweg tatsächlich weiter. Und das ausgerechnet an einem regnerischen Tag, an dem sich meine neuen Schuhe sofort bewähren müssen. Nebenbei beschäftigen mich wieder die Gespräche mit anderen Pilgern und die Frage, warum ich überhaupt unterwegs bin. Am Abend wartet dann noch eine Begegnung auf mich, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe.
11:30 Uhr – Mit neuen Schuhen durch den Regen
Es ist 11:30 Uhr. Ich bin seit zwei Stunden wieder am Laufen.
Es ist heute bewölkt und es regnet. Zum Glück habe ich gestern noch die passenden Schuhe gekauft. Die halten mich wenigstens trocken.
Die anderen Schuhe sind nämlich am Ende. Seitlich am Schuh, im Bereich der Zehen, wo der Schuh abrollt, ist er aufgerissen gewesen.
Nach rund 1.250 Kilometern ist es auch kein Wunder. Ich musste einfach die Schuhe wechseln oder die Pilgerung abbrechen. Es wäre gar nicht mehr vernünftig weitergegangen.
Gespräche beim Frühstück
Heute Morgen habe ich mit den Pilgern in der Unterkunft beim Frühstück noch das eine oder andere interessante Wort gewechselt.
Natürlich auf Englisch. Anders geht es ja noch nicht so gut, also mit dem Französischen.
Aber eines Tages!
Ich bin sehr zuversichtlich.
Es ging wieder einmal darum, warum man unterwegs ist und was die Gründe dahinter sind.
Ich konnte natürlich nicht schweigen oder einfach nur sagen: Es wäre ein reines Abenteuer und nicht mehr.
Es hat ja doch irgendwie auch mit Silke zu tun und eben damit, weiter meinen eigenen und persönlichen Weg zu gehen.
Zu verstehen, wozu diese gemeinsame Erfahrung wichtig war, und zu akzeptieren, dass es so ist, so war und dass es eben weitergeht – das Leben, das man geschenkt bekommen hat.
Dass zum Beispiel das Stehenbleiben, auf einem Fleck Rumharren, keine Option im Leben ist.
Es geht immer weiter.
Es sollte einfach immer weitergehen.
Eine Entwicklung im Leben stattfinden.
Was aus einer gemeinsamen Zeit entstehen kann
Ich habe nach unserem Gespräch am Morgen dann verstanden, dass unsere gemeinsame Qualitätszeit, also ich und Silke, den Boden für etwas komplett Neues in der Zukunft geebnet hat, das in meinem Leben kommen wird oder vielleicht auch schon zum Teil heute da ist.
Auch ging es in unserem Gespräch um das Thema der Sensibilität.
Dass ich eine feine Wahrnehmung haben könnte.
Ist es so?
Vielleicht. Ich weiß es nicht.
Kann es leider nicht beurteilen.
22:49 Uhr – Wie auf einem fliegenden Teppich
Mit den Schuhen ist es heute super gegangen.
Ich bin sehr zufrieden mit den Schuhen. Vielleicht bin ich sogar ein klein wenig überwältigt.
Ich habe das Gefühl, dass sich der Weg nun alleine läuft.
Ich fühle mich wie auf einem fliegenden Teppich.
Abends in der Unterkunft in Ussac habe ich Terier, einen bekannten Pilger von vor einigen Tagen, wiedergetroffen.
In Nasbinals sind nämlich Terier und Vincent weitergelaufen. Ich bin in der Unterkunft zur Erholung geblieben. Ich war leider oder zum Glück ausgehungert, das kann ich nicht einschätzen.
Unglaublich, wieder einmal, dachte ich für mich.
Wie das Leben wieder einmal spielt.
Ich war also völlig überrascht. Damit hätte ich nun nicht gerechnet.
Wir waren beide erfreut, uns wiederzusehen.
Ich dachte, die beiden sind über alle Berge.
Wiedersehen und Französisch-Nachhilfe
Wir sprachen über Verschiedenes auf Englisch, unterhielten uns und hatten einen tollen Abend.
Wobei ich auch wieder einmal in Französisch Nachhilfe erhalten hatte, was mich sehr erfreute.
Den ganzen Tag hatte ich mich schon mit meiner französischen App beschäftigt, nun nochmals direkt im Eins-zu-eins-Unterricht.
Die Unterkunft selbst ist einfach nur genial und echt schön.
Es gibt Platz für acht Personen. Zwei Bäder, zwei Toiletten und zwei Küchen – oder einfach nur groß.
Der Preis liegt bei 17 Euro die Nacht, was voll okay ist.
Ich dachte sogar, das würde mehr kosten.
Es ist ein schöner und ruhiger Ort, habe ich mir sagen lassen. Gesehen habe ich nicht viel, als ich ankam, weil es schon dunkel war.
Terier ist hier schon den zweiten Tag. Er hat beschlossen, sich einen Tag mehr auszuruhen, gerade weil es eben schön ist.
Das kann ich verstehen.
Das würde ich auch irgendwann mal wieder machen, jetzt aber erst einmal nicht.
Zudem fühle ich mich supergut.
Jung, dynamisch, flink und super schlau 😄
Mit den neuen Schuhen fühle ich mich auch noch jünger.
Wie ein junger Hund flitze ich durch den Wald.
Oder wie ein Prinz in seinem jungen Alter.
Jung, dynamisch, flink und super schlau.
Man kann es auch übertreiben.
Ich schweige mal wieder.
Ist wahrscheinlich besser. 😄
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 111 |
|---|---|
| 🥾 Etappe | Figeac → Ussac |
| 🏃♂️ Schritte | 37.328 |
| 🌧️ Wetter | bewölkt und regnerisch |
| 👟 Besonderheit | erster kompletter Tag mit den neuen Schuhen |
| 🏡 Übernachtung | Gîte |
| 🛏️ Preis der Gîte | 17 € |
| 💶 Ausgaben laut Tagebuch | keine |
| 🤝 Begegnung | unerwartetes Wiedersehen mit Terier |
Fazit des Tages
Gestern dachte ich noch, mein Jakobsweg würde in Figeac vorerst enden. Heute laufe ich schon wieder weiter – und mit meinen neuen Schuhen fühlt es sich plötzlich an, als würde der Weg fast von alleine laufen.
Aber dieser Tag bestand nicht nur aus Regen und neuen Schuhen.
Das Gespräch am Morgen brachte mich wieder zu der Frage zurück, warum ich überhaupt auf diesem Weg bin. Silke, unsere gemeinsame Zeit, das Akzeptieren dessen, was war, und gleichzeitig die Erkenntnis, dass das eigene Leben weitergehen muss.
Und dann treffe ich am Abend völlig unerwartet Terier wieder, von dem ich dachte, er wäre längst über alle Berge.
Vielleicht ist genau das inzwischen ein Teil meines Jakobswegs geworden: Man weiß morgens nicht, welche Gedanken, Begegnungen und Überraschungen am Abend auf einen warten.
Und mit meinen neuen Schuhen?
Da flitze ich jetzt erst einmal weiter wie ein junger Hund. 🥾😄
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages beginnen noch einmal in Figeac mit seinen engen Gassen, alten Kirchen und Passagen, dem Fluss und der besonderen Place des Écritures mit der riesigen Nachbildung der Stele von Rosette. Danach geht es mit meinen neuen Schuhen hinaus auf den Jakobsweg – vorbei an abwechslungsreicher Landschaft, kleinen Dörfern, alten Steinhäusern und besonderen Entdeckungen am Wegesrand, darunter ein alter Kutschenwagen und verschiedene steinerne Bauwerke.
Am Abend endet die Bilderreise schließlich bei meiner gemütlichen Pilgerunterkunft in Ussac. 🏘️⛪🪨🥾🌿

























































💡 Gut zu wissen: Die Trockensteinhütten der Causses du Quercy
Auf meinem Weg von Figeac Richtung Ussac begegneten mir immer wieder ungewöhnliche kleine Bauwerke aus Stein. Einige davon sind sogenannte Caselles oder Gariottes, traditionelle Trockensteinhütten der Causses du Quercy.
Das Besondere daran: Beim Bau wurde kein Mörtel verwendet. Die Steine wurden so geschickt aufeinandergelegt und verkeilt, dass daraus stabile Mauern und sogar Dächer entstanden. Solche Hütten dienten unter anderem Hirten als Schutz und wurden teilweise auch als Lager genutzt.
Die Steine dafür waren reichlich vorhanden. Beim Bewirtschaften der kargen Kalkböden mussten die Bauern ihre Felder immer wieder von Steinen befreien. Daraus entstanden Trockensteinmauern, Hütten und große Steinhaufen, die bis heute das Landschaftsbild prägen.
Unterwegs entdeckte ich außerdem den Super-Cayrou bei Gréalou. Obwohl er auf den ersten Blick ebenfalls uralt wirkt, wurde dieses außergewöhnliche Pilgerrefugium erst 2020 errichtet. Es greift die traditionelle Bauweise der Caselles auf und besteht aus rund 115 Tonnen Kalkstein.
Ganz in der Nähe befinden sich außerdem mehrere Dolmen. Diese steinernen Grabanlagen sind wiederum viel älter und stammen aus vorgeschichtlicher Zeit.



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