Von Livinhac-le-Haut bis Figeac 🌤️
🌄 Dieser Tag auf meinem Weg
Heute Morgen bin ich noch fest davon überzeugt, dass meine Pilgerreise in Figeac vorerst enden wird. Mein Budget ist aufgebraucht, der weitere Plan steht bereits und sogar das Ticket nach Barcelona wird gebucht. Doch am Abend reicht ein Blick auf mein Bankkonto, um innerhalb weniger Minuten alles zu verändern. Aus einem vermeintlichen Abschied vom Jakobsweg wird plötzlich ein neuer Anfang.
09:44 Uhr – Heute wird wohl erst einmal der letzte Tag sein
Es ist gerade 09:44 Uhr. Ich bin seit fast einer Stunde wieder unterwegs.
Die Nacht habe ich, wie viele Nächte davor, sehr gut geschlafen. Ich bin erholt und fühle mich gut.
Heute wird dann wohl erst einmal der letzte Tag sein.
In Figeac werde ich morgen den Zug nach Toulouse nehmen und von dort aus den Flixbus nach Barcelona.
Ich mache erst einmal eine Pause und reflektiere die letzten Wochen des Weges, beschäftige mich mit Spanisch, Französisch, Englisch und Sport in den kommenden Monaten.
Wenn mir zu langweilig wird, fahre ich für ein paar Monate in die Schweiz zum Arbeiten.
Mal schauen, ich lasse es auf mich zukommen.
Vielleicht kommt es auch anders, als man denkt.
Es bleibt jedenfalls spannend.
Weil …
21:12 Uhr – Angekommen in Figeac
Ich bin in Figeac in einer privaten Unterkunft bei Nathalie, die Pilger aufnimmt.
Es gab ein leckeres Abendessen. Das Hauptgericht war Lasagne nach italienischer Art. Als Dessert gab es Tiramisu.
Alles selbstgemacht und aus lokalen Lebensmitteln.
Zum Dinner wird zusätzlich immer Wein angeboten.
Mit in der Unterkunft sind noch zwei weitere Pilger, die ich gestern das erste Mal und heute wieder getroffen habe.
Den Tipp für die Unterkunft habe ich von ihnen bekommen.
Auf und ab bis Figeac
Der Tag selbst ist ziemlich gut verlaufen und gelaufen.
Es ging wieder einmal erst den Berg hoch, bevor es wieder schleichend runterging.
Auf und ab vom Berg und hinten rum, kreuz und quer – so kommt es mir jedenfalls vor.
Zwischendurch hat sich auch vermehrt die Sonne gezeigt, was den Tag nochmals versüßt hat.
Morgen geht es weiter – doch nicht nach Barcelona
Morgen geht es dann weiter zur nächsten Etappe.
Ich fahre nicht nach Spanien. Die Sache ist vom Tisch.
Ich wollte nämlich gerade eine Unterkunft in Barcelona buchen und schaute noch einmal kurz aufs Bankkonto, wie viel denn da noch genau an Guthaben vorhanden ist und ob es reicht.
Als ich hinschaute, traute ich meinen Augen nicht.
Was ist jetzt passiert?
Hier hat eine Aufbuchung stattgefunden.
Aber woher, warum, weshalb?
Aus heiterem Himmel kam also ein Betrag aufs Konto, der die weitere Pilgerung im Rahmen einer Finanzspritze begünstigte und sogar ermunterte, fortzuführen.
Ich war erst einmal geschockt und wusste nicht, wie ich den Betrag einordnen sollte.
Mein Vater hat mir 500 Euro aufs Konto überwiesen.
Ja, Wahnsinn!
Das gibt es ja nicht.
Damit hätte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet.
Eigentlich wollte ich erst 2024 weitermachen
Ich wollte schon abbrechen und nächstes Jahr 2024 im Frühjahr weitermachen.
Denn mein Budget war schon alle.
In Spanien wäre ich aber einen guten Monat damit durchgekommen und hätte Zeit gehabt, mir zu überlegen, wie es weitergehen könnte.
Stichwort: Schweiz, Saisonarbeit.
Jetzt aber schaut es ja so aus, dass ich mit dem vorhandenen Budget bis Santiago durchkommen könnte.
Denn neue Schuhe bräuchte ich auch noch und das hätte ich ohne die Finanzspritze nicht geschafft.
Deswegen wollte ich später weitermachen.
Also nächstes Jahr.
Flixbus gebucht – und fünf Minuten später wieder storniert
Sofort stornierte ich den Flixbus nach Barcelona.
Denn die Fahrkarte hatte ich fünf Minuten vorher gerade erst gekauft.
Ich war natürlich über die Finanzspritze sehr erfreut, ehrlich gesagt.
Denn ich hätte schon gerne den Weg in einem Stück gemacht.
Aber ich wusste nur nicht, wie ich das machen sollte.
Ich wartete also auf Zeichen des Himmels und diese sind tatsächlich über Nacht auf heute gekommen.
Welch ein Wunder. 🎇
Tagesbilanz
| Kategorie | Tag 110 |
|---|---|
| 📍 Etappe | Livinhac-le-Haut → Figeac |
| 🏃♂️ Schritte | 39.507 |
| 🏡 Übernachtung | private Gîte |
| 🛏️ Übernachtungskosten | 41,50 € |
| 👟 Schuhe | 285 € |
| 💶 Genannte Ausgaben | 326,50 € |
| 🎁 Finanzielle Unterstützung | 500 € vom Vater |
| 👀 Distanz bis Saint-Jean-Pied-de-Port | 496 km |
| 🚌 Ursprünglicher Plan | über Toulouse nach Barcelona |
| 🥾 Neue Entscheidung | Pilgerreise fortsetzen |
Fazit des Tages
Heute Morgen sah die Zukunft meines Jakobswegs noch völlig anders aus.
Mein Budget war aufgebraucht und für mich stand fest: In Figeac ist vorerst Schluss. Barcelona, eine Pause, Sprachen lernen und vielleicht später Saisonarbeit in der Schweiz – so sah mein neuer Plan aus.
Und dann diese Wendung.
Ich hatte das Busticket gerade einmal fünf Minuten, als ich auf meinem Konto plötzlich die 500 Euro meines Vaters entdeckte.
Damit wurde etwas wieder möglich, das ich eigentlich sehr gerne wollte: meinen Jakobsweg in einem Stück weiterzugehen.
Für mich fühlte sich diese unerwartete Unterstützung in diesem Moment wie das Zeichen an, auf das ich gewartet hatte.
Also wurde das Ticket wieder storniert.
Barcelona musste warten.
Der Jakobsweg ging weiter. 🥾🎇
Buen Camino
Bilder des Tages 📷
Die Bilder des Tages zeigen wieder die ganze Vielfalt auf meinem Weg nach Figeac – weite Landschaften, kleine Dörfer, Kirchen und alte französische Steinhäuser, Begegnungen mit Hunden und Katzen sowie Pilze und andere kleine Entdeckungen am Waldboden.
In Figeac begeistern mich besonders die engen Gassen und die historische Architektur, bevor der Tag bei Nathalie mit selbstgemachter Lasagne und einem leckeren Tiramisu seinen gemütlichen Abschluss findet. 🏘️🌿🐕🐈🍄🍝
























































💡 Gut zu wissen: Figeac – mittelalterliche Pilgerstadt am Jakobsweg
Figeac hat mich besonders mit seinen engen Gassen und den wunderschönen alten Häusern beeindruckt. Tatsächlich blickt die Stadt auf eine lange Geschichte zurück. Ihre Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, als hier eine Benediktinerabtei gegründet wurde.
Im Mittelalter entwickelte sich Figeac zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Noch heute erinnern mittelalterliche Kaufmannshäuser, gotische Gebäude und verwinkelte Gassen an diese Zeit.
Auch mit dem Jakobsweg ist Figeac eng verbunden. Das historische Hôpital Saint-Jacques nahm bereits im Mittelalter Pilger auf. Heute gehört es zum UNESCO-Welterbe der französischen Jakobswege. Auch ein Abschnitt des Pilgerwegs kurz vor Figeac wurde von der UNESCO ausgezeichnet.
Berühmt ist Figeac außerdem als Geburtsstadt von Jean-François Champollion, der 1790 hier geboren wurde und später die ägyptischen Hieroglyphen entzifferte. In seinem Geburtshaus befindet sich heute ein Museum zur Geschichte der Schrift. Ganz in der Nähe liegt auf der Place des Écritures sogar eine riesige Nachbildung der berühmten Stele von Rosette.
So steckt hinter den schönen alten Gassen von Figeac deutlich mehr Geschichte, als man beim einfachen Durchlaufen zunächst vermuten würde.
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