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Mein Jakobsweg 2023-2024

Ankunft Fisterra 182. Tag – Tour v. Cee bis Fisterra 🌦️

Ankunft in Fisterra

Zwischen 🧭Meeresrauschen, Meditation und gemischten Gefühlen

Es ist 20:15 Uhr. Ich bin am Ende der Welt und gleichzeitig am Ende meiner Nerven, nämlich in Fisterra. Die Ankunft in Fisterra fühlt sich gerade etwas seltsam an.

Aber es ist alles halb so wild, es ist nur ein bisschen ungewohnt.

Ich weiß nicht, wie ich das alles beschreiben soll. Ich versuche mal, den Anfang zu machen.

Ankunft in Fisterra und ein Moment der Ruhe 🧘‍♂️

Als ich in Fisterra ankam, meditierte ich ein wenig, etwa 30 Minuten lang. Die Wellen des Meeres machten ihre üblichen Geräusche, auf und ab, und ich schaute fasziniert auf das Meer hinaus.

„Wahnsinn, ich bin am Meer“, ging es mir wieder durch den Kopf. Unglaublich.

Also beschloss ich, genau hier, an einem schönen Platz mit Blick auf das Meer, meine üblichen Atemübungen zu machen. Direkt danach begann ich meine Meditation, ebenfalls etwa 30 Minuten lang. Einen Wecker oder Ähnliches stellte ich nicht. Es ging alles nach Gefühl.

Ich lauschte also nach innen, in mein Inneres. Es war wunderschön, und ich konnte die Ruhe in mir fühlen.

Eine unerwartete Begegnung in der Stadt 🫠

Nach der Meditation ging ich weiter in die Stadt.

Auf dem Weg dorthin sah ich etwas: eine Informationsstelle über die Muscheln hier vor Ort. Ich fotografierte den dazugehörigen QR-Code, um die Informationen auf Englisch zu lesen.

Dann setzte ich meinen Weg fort.

Ein alter Mann begrüßte mich und sprach mich an. Ich hatte schon so ein komisches Gefühl. Er hörte an meiner Begrüßung heraus, dass ich Deutscher bin.

Na ja, von meiner ruhigen Idylle war es dann schon vorbei. Ich wollte mich nicht unterhalten.

Ich wollte alleine und ruhig in der Stadt Fisterra ankommen. Das konnte ich aber nicht, denn er plapperte ohne Unterbrechung immer weiter und erzählte seine Geschichte, wie er mit einem Esel den Jakobsweg lief.

Ich wusste gar nicht so recht, was ich machen sollte. Warum passiert mir das jetzt? Was habe ich getan?

Er lud mich auf ein Bier ein, und ich bin mitgegangen. Richtig wohl habe ich mich jedoch nicht gefühlt. Er war mir einfach unsympathisch, und im Endeffekt hat er meine ganze Idylle, die ich vorher empfunden hatte, zunichtegemacht.

Wenn die Gefühle plötzlich kippen 😱

So kann es also gehen. Nach einem „Hui“ kann es schnell wieder ins „Pfui“ werden. Warum auch immer.

Letztendlich möchte ich so schnell wie möglich wieder weg aus Fisterra, weiter nach Muxia und dann nach Santiago.

Ich fühle mich gerade nicht wohl.

Der Bus ist gebucht nach Deltebre. Vielleicht war es ein Fehler, so schnell zu buchen. Vielleicht sollte ich mir mehr Zeit nehmen?

Ich weiß es nicht.

Es geht gerade alles etwas schnell, vielleicht sogar zu schnell. Plötzlich ist man ja nach Monaten an seinem Ziel angekommen.

Aber auf der anderen Seite: Es ist, wie es ist. Die Entscheidung ist gefallen. Der Bus ist gebucht. Ich mache keine extra Umbuchungen. Ich fahre nach Barcelona, dann direkt nach Deltebre.

Es macht jetzt die Kuh nicht viel fetter, schöner oder schmackhafter. Das hat mir irgendwie den völligen Rest gegeben mit dem alten Schweizer und meine Idylle von Frieden und Harmony zum Kippen gebracht.

Aber gut, auch das ist ein Teil meiner Geschichte, mit dem ich JETZT leben muss oder klarkommen muss. Seine persönliche Geschichte mit dem Esel bis nach Santiago war ja sehr interessant und bewegend, nur ich war glaube ich mit dem Kopf woanders.

Ich fühle mich zwar etwas verwirrt und seltsam nach der Ankunft und weiß gerade nicht, wie ich das alles auffassen soll. Aber so ist das nun mal – ein weiterer Lernprozess. Sich von bestimmten Leuten fernzuhalten beziehungsweise gleich zu sagen:

„Nein danke, aber kein Interesse gerade, ich brauche gerade einfach mal Zeit für mich selbst.“

Der alte Schweizer hat mich unbedingt auf ein Bier einladen wollen. Widerwillend hab ich dem zugestimmt. Ich dachte, ok, jetzt bin ich halt hier, was soll’s. Tue ich dem Schweizer einfach den Gefallen.

Immerhin bin ich in Fisterra, da, wo die Welt aufgehört hat, jedenfalls damals, vor Hunderten von Jahren.

Nach einem gemeinsamen Bier und etwas Plauderei (wobei er einen Monolog geführt hatte) in einer umliegenden Bar bin ich dann aber auch weiter. Bedankte mich freundlich und ging. Er schaute mich nur etwas leicht verdutzt an. Aber ich wollte unbedingt in eine Albergue.

Mich ausruhen. Für mich etwas sein.

Ich bin also in die Stadt reingelaufen und suchte eine Albergue. Es war nicht einfach, eine zu finden. Gerade nicht. Irgendwie wollte nichts so richtig für mich funktionieren, hatte ich den Eindruck.

Sackkasse 🥹

Nach einer Weile hatte ich eine offene Albergue über Booking.com ausfindig gemacht. Ich musste aber warten, bis jemand kam. Das dauerte gefühlt eine Ewigkeit. In der Albergue war zwar ein Pilger (ein Franzose, der den Weg ab Le Puy en Velay gemacht hatte), der hatte aber scheinbar geschlafen. Die Tür war verschlossen. Es war etwas komisch und merkwürdig. Der Host, sollte kommen.

Er kam aber nicht gleich.

Ich begriff die Welt nicht. Was ist heute los?

Warum passiert mir das heute alles? Der Alte Schweizer, dann hier das mit der Unterkunft? Ich setze mich also erschöpft in die Nähe der Albergue.

Zu mir kamen schon anliegende Bewohner und fragten, was denn los sei, wollten mir helfen, klopften und klingelten wild an der Tür der Unterkunft.

Mir war das schon fast peinlich. 🥹 Aber ich war zu erschöpft und zu frustriert, um dagegen anzukämpfen, also habe ich sie einfach machen lassen.

Irgendwann kam dann „Gott sei Dank“ auch der Host der Albergue.

Er war sehr freundlich und ultra nett. Hat mir was zum Essen angeboten und wir sprachen über Verschiedenes.

Die Albergue hatte gerade nicht viele Pilger. Es gab einen Pilger und den Host und ein paar Freunde vom Host, die später anwesend waren.

Ich wollte aber erstmal einfach nur duschen und nichts mehr weiter, im Bett liegen, ein paar Gedanken aufschreiben. Ausspannen, nachdenken, alles auf mich kurz mal wirken lassen.

Wiedersehen und Abschied von Felix 📸

Nachtragend zum heutigen Tag wollte ich noch erwähnen:

Heute Morgen sah ich beim Frühstück in Cee aus dem Fenster der Bar aus heiterem Himmel Felix. Sofort sprang ich aus der Bar hinaus auf ein kurzes Gespräch mit ihm. Zumindest ein „Hallo“ musste drin sein.

Zwei Pilger treffen sich auf dem Camino Finisterre bei Cee
Wiedersehen in Cee – eine Begegnung (mit Felix) kurz vor Finisterre 😊

Wir sprachen etwas Spanisch und Englisch.

Fragten einander, wie es geht und wohin es eigentlich weitergeht. Er war wieder auf dem Weg zurück Richtung Pamplona. Er wünschte mir alles Gute, ein gutes Leben, und ich ihm natürlich auch.

Dann verabschiedeten wir uns.🥹

Ich freute mich sehr, ihn zu sehen, vor allem, weil es ein bekanntes Gesicht war, zum Ende hin. Die anderen Pilger sah ich ja leider nicht mehr.


🏃‍♂️Schritte: 22815

🏡Übernachtung: Albergue

💶Ausgaben:

15 € – Übernachtung
9 € – Frühstück
1,5 € – Kaffee, kurz vor Fisterra


Postkartenmotiv mit Leuchtturm und Kilometerstein am Kap Finisterre
Postkarte Finisterre – das Ende des Jakobswegs 🥹

Wissenswertes über Fisterra 💡

Für viele Pilger endet der Jakobsweg nicht in Santiago de Compostela, sondern erst in Fisterra – dem „Ende der Welt“.

Der Name Fisterra stammt vom lateinischen Finis Terrae und bedeutet übersetzt „Ende der Erde“. Lange bevor Amerika entdeckt wurde, glaubten die Menschen, dass hier die bekannte Welt endete. Hinter dem Atlantik vermutete man nur noch das Unbekannte.

Schon lange vor der Entstehung des Jakobswegs war Fisterra ein bedeutender Ort. Die Kelten verehrten das Kap als heiligen Platz und beobachteten von hier aus den Sonnenuntergang über dem Meer. Das tägliche Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont galt für viele als Symbol für Tod, Erneuerung und einen neuen Anfang.

Auch heute empfinden viele Pilger den Sonnenuntergang am Leuchtturm von Fisterra als einen der emotionalsten Momente ihrer gesamten Reise.

Kilometer 0 des Jakobswegs

Am Leuchtturm von Fisterra befindet sich der bekannte Kilometerstein „0,000“. Für viele Pilger markiert er das eigentliche Ende ihrer langen Reise.

Interessanterweise führt der Jakobsweg jedoch noch einige Kilometer weiter bis nach Muxía. Deshalb entscheiden sich heute viele Pilger dafür, beide Orte zu besuchen. Während Fisterra traditionell für den Abschluss und das Loslassen steht, wird Muxía oft mit Hoffnung, Neubeginn und innerer Einkehr verbunden.


Pilger aus verschiedenen Ländern unterhalten sich fröhlich unterwegs
Sprache schafft Nähe – auch mit wenigen Worten.

Warum ein wenig Spanisch zu sprechen sich immer lohnt 🏆

Wenn dich Spanien begeistert und du die Sprache besser verstehen oder sogar selbst sprechen möchtest, kann es sich lohnen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen.

Schon grundlegende Spanischkenntnisse können viele Begegnungen auf Reisen bereichern und den Alltag vor Ort deutlich erleichtern.

Gerade außerhalb der großen Städte wird nicht überall Englisch gesprochen. In kleineren Orten und Dörfern freuen sich viele Einheimische, wenn Besucher zumindest einige Worte Spanisch sprechen können. Oft öffnen bereits ein paar einfache Sätze Türen für interessante Gespräche, herzliche Begegnungen und authentische Einblicke in die Kultur.

Man wird häufig anders wahrgenommen als der typische Tourist und erlebt das Land auf eine persönlichere Weise.

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Weitere Etappen meiner Reise 🗺️

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Inspirationen für deinen eigenen Jakobsweg?

Eine Pilgerreise verändert oft mehr als nur den Blick auf die Landschaft. Wer sich näher mit den Erfahrungen und Erkenntnissen des Jakobswegs beschäftigen möchte, kann von den Geschichten und Erlebnissen anderer Pilger wertvolle Impulse für den eigenen Weg mitnehmen.

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