Aufbruch nach Sarrebourg
Zeit: 06:21 Uhr
Es hat in der Nacht geregnet wie verrückt.
Unglaublich.
Nun ist es zum Glück etwas besser. Laut Wettervorhersage soll es allerdings auch diese und nächste Woche noch ordentlich regnen.
Gestern habe ich Sojis getroffen.
Einen Japaner, der von der ukrainischen Grenze bis nach Paris unterwegs ist, um dort ein Video zum Thema Rugby zu machen.
Er war der erste richtige Weitwanderer, der mir auf meiner bisherigen Reise begegnet ist.
Seit Mai ist er bereits unterwegs und sein Weg führte ihn durch Ungarn, Österreich, Deutschland und nun durch Frankreich.
Eine wirklich interessante Begegnung.
🏉 Gut zu wissen:
Soji, sein Rugbyball und seine besondere Mission
Soji war kein gewöhnlicher Wanderer. Der Japaner war bereits seit mehreren Monaten zu Fuß durch Europa unterwegs – und hatte dabei einen Rugbyball im Gepäck.
Soweit ich mich heute an unser Gespräch erinnere, stand seine Reise auch im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.
Er war in der Nähe der ukrainischen Grenze gestartet und hatte bereits eine beeindruckende Strecke durch mehrere europäische Länder zurückgelegt. Sein großes Ziel war Paris.
Dort sollte seine außergewöhnliche Rugby-Reise ihren Abschluss finden. Soji filmte seine Unternehmung und wollte am Ziel eine besondere Aktion mit seinem Rugbyball durchführen – meiner Erinnerung nach in der Nähe des Eiffelturms.
Der zeitliche Zusammenhang ist interessant:
Unsere Begegnung fand im Juli 2023 statt. Nur wenige Wochen später begann am 8. September die Rugby-Weltmeisterschaft 2023 in Frankreich, an der auch die japanische Nationalmannschaft teilnahm. Paris war in dieser Zeit entsprechend stark vom internationalen Rugby geprägt.
Dieser Mann wanderte tatsächlich mit einem Rugbyball quer durch Europa. 🏉
Es gibt Menschen, die aufbrechen, um zu pilgern. Andere sammeln Geld, machen auf eine Sache aufmerksam oder verbinden Sport mit einer persönlichen Botschaft. Soji hatte seinen ganz eigenen Weg gefunden.
Und irgendwie faszinierte mich genau das.
Wir waren zwei Menschen aus vollkommen unterschiedlichen Teilen der Welt, mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Geschichten – und für einen kurzen Moment kreuzten sich unsere Wege irgendwo in Frankreich.
Natürlich durfte ein gemeinsames Erinnerungsfoto nicht fehlen. 📸
Zeit: 13:25 Uhr
Ich habe mich wieder auf den Weg gemacht.
Sicherlich wäre es nicht schlecht gewesen, noch einen weiteren Tag hierzubleiben und mich zu erholen.
Aber ich muss ehrlich zugeben:
Es kostet auch nicht gerade wenig Geld, länger an einem Ort zu bleiben.
Allein gestern habe ich für die Übernachtung und meinen Einkauf rund 35 Euro ausgegeben.
Für was eigentlich?
Kurz gesagt: für Snacks und Co.
Mag sein, dass 35 Euro für manche nicht besonders viel sind.
Günstiger ist es für mich jedenfalls, selbst zu kochen und mich weitgehend selbst zu versorgen. Nur das Nötigste kaufen – so lautet weiterhin mein Plan.
Allerdings brauche ich dringend einen passenden Aufsatz für meine Gaskartusche.
Sonst wird das nichts mit dem preiswerten Pilgerleben.
Die Reise dauert schließlich noch eine ganze Weile.
Also kein Grund, hier wie Sonnenkönig Ludwig XIV. zu leben. 😄
Zeit: 21:00 Uhr
Ich bin kurz vor Sarrebourg auf einer schönen, großen Wiese gelandet.
Im Hintergrund plätschert wieder das Wasser.
Nach der heftigen Regennacht von gestern ist heute Abend alles wunderbar ruhig.
Gott sei Dank.
Zum Abend hin schien mir noch einmal wunderschön die Sonne entgegen.
Ich lag einfach auf meiner Matte und entspannte mich.
Morgen möchte ich kurz zu einem Baumarkt und schauen, ob ich dort einen passenden Aufsatz oder notfalls eine neue Gaskartusche bekomme.
Mit dem richtigen Aufsatz wäre ich allerdings schon vollkommen zufrieden.
Dann hätte ich wieder alles, was ich brauche.
Und die Reise in Richtung Toul darf sich fortsetzen.
Fazit – Wie viel braucht man eigentlich wirklich?
Heute musste ich wieder darüber nachdenken, wie wenig ich unterwegs eigentlich brauche.
Ein Campingplatz bietet natürlich einiges: eine warme Dusche, Strom, Toiletten und die Möglichkeit, sich mit allem Möglichen zu versorgen. Doch genau dort gibt man schnell Geld für Dinge aus, die man draußen plötzlich gar nicht mehr vermisst.
35 Euro an einem einzigen Tag haben mir das wieder deutlich vor Augen geführt.
Meine Reise wird noch lange dauern. Deshalb möchte ich weiterhin möglichst einfach leben, selbst kochen und mich weitgehend selbst versorgen. Nicht, weil ich mir überhaupt nichts gönnen darf, sondern weil ich merke, dass ich vieles gar nicht brauche.
Am Ende des Tages liege ich wieder auf einer Wiese. Das Wasser plätschert im Hintergrund, die Sonne scheint mir entgegen und ich habe einen Platz für die Nacht.
Mehr brauche ich in diesem Moment nicht.
Auch die Begegnung mit Socci ist mir im Gedächtnis geblieben. Zum ersten Mal traf ich einen anderen Menschen, der ebenfalls seit Monaten zu Fuß durch verschiedene Länder unterwegs war.
Unsere Ziele waren unterschiedlich.
Unsere Wege ebenso.
Und trotzdem verband uns etwas:
Wir waren beide unterwegs.
Buen Camino
Bilder des Tages 📸
Ein paar Impressionen meines 17. Tages auf dem Jakobsweg: von der besonderen Begegnung mit Soji und seinem Rugbyball über den Aufbruch Richtung Sarrebourg bis zu den kleinen Momenten am Wegesrand, die auch diesen Tag wieder zu einem ganz eigenen Teil meiner Reise machten.

Eine besondere Begegnung auf dem Campingplatz
Auf dem Campingplatz lernte ich Soji aus Japan kennen. Er war auf einer außergewöhnlichen Reise durch Europa unterwegs und trug dabei seinen Rugbyball die ganzen Kilometer direkt in der Hand. Seine Reise hatte ihn unter anderem durch Polen und Deutschland geführt.
Eine dieser verrückten und interessanten Begegnungen, die mir von meinem Jakobsweg besonders in Erinnerung geblieben sind.



Wieder unterwegs – Richtung Sarrebourg 🚶♂️
Nach der Nacht auf dem Campingplatz ging es für mich wieder weiter. Noch schnell etwas essen, den Rucksack schultern und zurück auf den Weg. Die Strecke führte nun durch die ruhige Landschaft und längere Zeit an einem Kanal entlang. Mein roter Rucksack und die Wanderstöcke bekamen zwischendurch ebenfalls eine kleine Pause.
Dann tauchte schließlich der Wegweiser nach Sarrebourg auf – ein kleines Zeichen am Wegesrand, das mir zeigte: Die Reise geht weiter, Schritt für Schritt in Richtung Toul.

Unterwegs fiel mir dieses Haus sofort ins Auge. Eigentlich ein ganz normales Wohnhaus – wären da nicht die beiden burgartig gestalteten Türme mit ihren spitzen roten Dächern. Eine ungewöhnliche architektonische Idee, die mich an eine kleine Burg erinnerte und definitiv ein Foto wert war.



Historisches Steinkreuz am Wegesrand
Auf meinem Weg Richtung Sarrebourg begegnete mir dieses alte Sandsteinkreuz mit dem Christusmonogramm IHS. Eine Informationstafel daneben erinnert an die Geschichte des Kreuzes und seine Bedeutung für das regionale Kulturerbe. Solche religiösen Kleindenkmäler gehören bis heute zum Landschaftsbild Lothringens.
Rohrkolben am Wegesrand
Diese markanten braunen Kolben fielen mir unterwegs ins Auge. Rohrkolben wachsen bevorzugt an feuchten Standorten, etwa an Teichen, Gräben und langsam fließenden Gewässern. Ihre dichten Bestände bieten zahlreichen Tieren Schutz und tragen dazu bei, Uferbereiche zu stabilisieren. Besonders charakteristisch sind die braunen, samtig wirkenden Kolben, in denen sich unzählige winzige Samen entwickeln. Später lösen sie sich auf und werden mit ihren feinen Härchen vom Wind verbreitet.
Rohrkolben wurden früher auch praktisch genutzt. Die weichen Samenhaare dienten beispielsweise als Füllmaterial, während Blätter und Stängel zum Flechten und für andere einfache Gebrauchsgegenstände verwendet wurden.
Alte Spuren der alten Eisenbahn bei La Forge 🚂
Unterwegs stieß ich auf eine Informationstafel zur ehemaligen Bahnstation La Forge, früher auch „Schmiede“ beziehungsweise Oberhammer genannt. Die Station entstand Ende des 19. Jahrhunderts und entwickelte sich zu einem kleinen Eisenbahnknoten. Hier wurden die Züge geteilt: Ein Teil fuhr weiter nach Abreschviller, der andere in Richtung Vallérysthal. Die Bahn war damals eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Region verbunden – insbesondere mit der Holzverarbeitung sowie der Glas- und Kristallindustrie. Heute sind die Züge längst verschwunden, doch Teile der ehemaligen Bahntrassen wurden zu Wegen umgestaltet. So läuft man hier nicht nur durch die Landschaft, sondern stellenweise auch auf den Spuren der regionalen Eisenbahngeschichte.

Zwei ruhige Tage bei Sarrebourg
In der Nähe von Sarrebourg fand ich schließlich einen abgelegenen und angenehm ruhigen Platz für mein Nachtlager. Mit meinem Zelt und dem darüber gespannten Tarp richtete ich mich auf der Wiese ein, etwas abseits und kaum in direkter Sichtweite. Da ich eine Pause gut gebrauchen konnte, blieb ich gleich zwei Tage hier. Am nächsten Tag nutzte ich die Gelegenheit, um einkaufen zu gehen, meine Vorräte aufzufüllen und mich ansonsten einfach auszuruhen.
Nach zwei erholsamen Nächten packte ich am dritten Tag meine Sachen wieder zusammen und setzte meinen Weg fort.
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